In den Jahren 2002 und 2003 dominierte die Irakkrise mit dem anschliessenden Feldzug
der USA gegen den Irak die internationale Politik. Die amerikanische Regierung unter George W. Bush bezeichnete den Irak als Sicherheitsrisiko für die USA: Der Diktator Saddam Hussein bedrohe die USA mit Massenvernichtungswaffen und mit der Unterstützung des islamistischen Terrorismus. Mit einer militärischen Aktion wollten die Amerikaner das Baath-Regime von Saddam Hussein in Bagdad stürzen und stattdessen eine Demokratie im Irak errichten. Davon erhoffte sich die amerikanische Regierung auch einen Domino-Effekt für den krisengeschüttelten Nahen Osten - die irakischen Nachbarstaaten sollten so ebenfalls zur Demokratie finden.
Inhaltsverzeichnis
2 Einleitung
3 Theorie
4 Fallbeispiel (empirischer Teil)
4.1 Ausgangslage
4.2 Mögliche Szenarien
4.3 Schlussfolgerung
5 Schluss
6 Literatur
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht auf Basis der Spieltheorie, welche Position die Türkei im Hinblick auf den Irakkrieg 2003 einnahm und welche strategischen Überlegungen für das Handeln der türkischen Regierung ausschlaggebend waren. Ziel ist es, die Hypothese zu verifizieren, dass eine Kooperation zwischen den USA und der Türkei für beide Seiten den größten politischen Nutzen versprochen hätte.
- Anwendung spieltheoretischer Modelle auf die internationale Politik
- Analyse der türkisch-amerikanischen Beziehungen im Kontext des Irakkrieges
- Untersuchung der nationalen Interessen der Türkei (insb. Kurdenfrage)
- Bewertung des Einflusses innenpolitischer Faktoren auf die Außenpolitik
- Diskussion von Payoff-Strukturen in Dilemma-Situationen
Auszug aus dem Buch
4.2 Mögliche Szenarien
Kooperation beider Staaten: Eine Kooperation der Türkei mit der USA würde beiden Staaten grosse Vorteile bringen. Die Türkei könnte dadurch nämlich die Entstehung einer erweiterten kurdischen Autonomie und so auch die Bildung eines kurdischen Staates im Nordirak verhindern. Durch eine Kooperation erhoffte sich die türkische Armee, hinter der amerikanischen Nordfront in die irakischen Kurdengebiete einzumarschieren. So könnten nicht nur kurdische Flüchtlingsströme in die Türkei unterbunden werden, sondern auch die militärische Kontrolle über diese Gebiete erlangt werden. Türkische Revisionisten liebäugelten sogar damit, die im Ersten Weltkrieg verlorenen Ölfelder bei Mossul und Kirkuk wieder an die Türkei angliedern zu können.
Durch die Kooperation mit den USA würde die Türkei aber auch ihre Bündnistreue betonen, um so den Fluss der US-Wirtschaftshilfe nicht versiegen zu lassen. Ausserdem versprachen die USA der Türkei, sie mit einer grossen Summe (6 Milliarden US-Dollars Direkthilfe und 20 Milliarden Kredit) für die durch einen Krieg anfallenden Schäden zu entschädigen. Auch die USA versprachen sich einen grossen Nutzen aus der Kooperation mit den Türken: Die Ermöglichung eines Angriffs aus dem Norden liesse die Chancen auf einen schnellen Sieg gegen das Baath-Regime bedeutend steigen. Dieses Szenario würde aber für beide Parteien auch Nachteile mit sich bringen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Das Kapitel führt in die komplexe Ausgangslage des Irakkrieges 2003 ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Position der Türkei im Spannungsfeld zwischen US-Kriegsplänen und eigenen nationalen Interessen.
Theorie: Hier werden die spieltheoretischen Grundlagen erläutert, insbesondere das Modell der „Hirschjagd“ (Stag Hunt), das als theoretischer Rahmen für die anschließende Analyse dient.
Fallbeispiel (empirischer Teil): Dieses Kapitel wendet die Spieltheorie auf die reale Situation zwischen den USA und der Türkei an, definiert die verschiedenen Szenarien und bewertet die entsprechenden strategischen Optionen sowie deren Auswirkungen.
Schluss: Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst und kritisch reflektiert, wobei insbesondere die Diskrepanz zwischen rationaler Spieltheorie und realpolitischen Entscheidungen der türkischen Regierung beleuchtet wird.
Literatur: Auflistung der verwendeten Bücher, Zeitschriften und Zeitungsartikel als Grundlage der wissenschaftlichen Untersuchung.
Schlüsselwörter
Irakkrieg, Türkei, USA, Spieltheorie, Hirschjagd-Spiel, Kooperation, Außenpolitik, Kurdenfrage, Wirtschaftshilfe, AKP, NATO, Geopolitik, Payoff, Nordfront, Internationale Beziehungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die strategischen Entscheidungsprozesse der Türkei während der Vorbereitung des Irakkrieges 2003 unter Anwendung spieltheoretischer Modelle.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Türkei und den USA, die Problematik eines möglichen kurdischen Staates im Nordirak sowie die innenpolitischen Rahmenbedingungen der AKP-Regierung.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Kernfrage der Untersuchung lautet: „Wie war die Position der Türkei hinsichtlich eines möglichen Irakkrieges?“
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autoren nutzen die Spieltheorie, speziell das „Hirschjagd-Dilemma“, um die verschiedenen Handlungsoptionen der Akteure zu modellieren und deren Erwartungswerte zu analysieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in 2x2-Spiele und eine empirische Analyse, in der vier spezifische Szenarien für die türkisch-amerikanische Zusammenarbeit hinsichtlich ihrer Vor- und Nachteile durchgespielt werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Irakkrieg, Türkei, Spieltheorie, Hirschjagd, Kooperation, Kurdenfrage und Außenpolitik.
Warum konnte die Türkei ihr Ziel der Unterbindung kurdischer Autonomie nicht erreichen?
Da die Türkei die Kooperation mit den USA verweigerte, verlor sie ihren direkten Einfluss auf die Gestaltung der Nachkriegsordnung im Irak und damit auch die Möglichkeit, die Entwicklung einer kurdischen Autonomiebewegung aktiv zu steuern.
Welchen Einfluss hatte die Ideologie der AKP auf die Entscheidung der Türkei?
Als gemäßigte islamistische Partei geriet die AKP in ein Dilemma: Sie musste zwischen dem wirtschaftlich und strategisch rationalen Handeln in Allianz mit den USA und ihrem eigenen Wählerwillen sowie ihrer parteiinternen Überzeugung abwägen, was letztlich zur Kooperationsverweigerung führte.
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- Lucius Taeschler (Author), Daniel Zollinger (Author), 2004, Die Rolle der Türkei im Irakkrieg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/79116