Diese Arbeit geht am Beispiel des Bundesverfassungsgerichtsurteils zum Luftsicherheitsgesetz der Frage nach, inwieweit sich Utilitarismus und Individualrechte vereinbaren lassen. Zunächst wird näher erläutert, was Utilitarismus allgemein ist und was ihn als Moraltheorie charakterisiert. Anschließend wird dezidiert auf die Theorien von John Stuart Mill und Richard Mervyn Hare eingegangen. In Kapitel 3 wird dann das Bundesverfassungsgerichtsurteil samt Hintergründen erläutert. In einem evaluativen Teil wird anschließend versucht die utilitaristische Theorie von Mill und Hare auf den Fall des Urteils des Bundesverfassungsgerichts zum Luftsicherheitsgesetz anzuwenden, wobei die Stärken und Schwächen beider Theorien zum Vorschein kommen.
Abschließend wird die Anwendung der Theorien auf den konkreten Fall kritisch gewürdigt. Es wird sich herausstellen, dass während die utilitaristische Theorie von Mill Probleme mit der Kompatibilität mit Individualrechten hat, die Theorie Hares weitaus ausgereifter und schwieriger angreifbar ist.
Individualrechte sind fester Bestandteil unserer Gesellschaft und werden in Deutschland in den Artikeln 1 bis 19 des Grundgesetzes und durch zahlreiche weitere Regelungen gesetzlich garantiert. Praktisch gibt es aber immer wieder Fälle, in denen verschiedene Individualrechte konfligieren oder ein Individualrecht zwischen zwei oder mehreren Personen konfligiert. Die praktische Philosophie hat es sich daher zur Aufgabe gemacht diese Problemfälle zu lösen.
Ein besonders drastischer Fall, der in den letzten Jahren hierzulande in juristischen wie philosophischen Fachkreisen heftig diskutiert wurde, ist das Bundesverfassungsgerichtsurteil zum Luftsicherheitsgesetz, welches den Abschuss von entführten Passagierflugzeugen untersagt. Der Abschuss wurde verboten, da man letztlich der Ansicht war, dass dieser einem utilitaristischen Denken unterliege und das Recht auf Leben untergrabe.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Einleitung
- 2 Theoretische Grundlagen
- 2.1 Definition und Grundmerkmale des Utilitarismus
- 2.2 Mills Ethik
- 2.3 Hares Ethik
- 3 Das Bundesverfassungsgerichtsurteil zum Luftsicherheitsgesetz
- 4 Sind Utilitarismus und Individualrechte vereinbar?
- 4.1 Die Ausgangssituation
- 4.2 Die Anwendung der Theorie Mills auf den Fall der Flugzeugentführung
- 4.3 Die Anwendung der Theorie Hares auf den Fall der Flugzeugentführung
- 5 Kritische Würdigung der Anwendung beider Theorien auf den Flugzeugentführungsfall
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Vereinbarkeit von Utilitarismus und Individualrechten anhand des Bundesverfassungsgerichtsurteils zum Luftsicherheitsgesetz. Sie analysiert die theoretischen Grundlagen des Utilitarismus, insbesondere die Theorien von John Stuart Mill und Richard Mervyn Hare, und wendet diese auf den Fall des Luftsicherheitsgesetzes an. Die Arbeit zielt darauf ab, die Stärken und Schwächen beider utilitaristischen Theorien in Bezug auf die Kompatibilität mit Individualrechten aufzuzeigen.
- Definition und Grundmerkmale des Utilitarismus
- Mills ethische Theorie und das Greatest Happiness Principle
- Hares ethische Theorie und die Anwendung des Universalisierungsprinzips
- Das Bundesverfassungsgerichtsurteil zum Luftsicherheitsgesetz
- Die Vereinbarkeit von Utilitarismus und Individualrechten
Zusammenfassung der Kapitel
- Kapitel 1: Einleitung
Die Einleitung führt in das Thema der Arbeit ein und erläutert die Problematik der Vereinbarkeit von Utilitarismus und Individualrechten am Beispiel des Bundesverfassungsgerichtsurteils zum Luftsicherheitsgesetz. Sie stellt die Zielsetzung der Arbeit dar und skizziert den Aufbau der folgenden Kapitel.
- Kapitel 2: Theoretische Grundlagen
Dieses Kapitel behandelt die theoretischen Grundlagen des Utilitarismus. Es definiert den Utilitarismus und seine Grundmerkmale und stellt anschließend die Theorien von John Stuart Mill und Richard Mervyn Hare dar. Mill wird als klassischer Vertreter des Utilitarismus vorgestellt, während Hare als moderner Vertreter des utilitaristischen Denkens betrachtet wird.
- Kapitel 3: Das Bundesverfassungsgerichtsurteil zum Luftsicherheitsgesetz
Dieses Kapitel erläutert das Bundesverfassungsgerichtsurteil zum Luftsicherheitsgesetz und seinen Hintergrund. Es behandelt die rechtlichen und ethischen Aspekte des Urteils und analysiert die zugrundeliegende Argumentation.
- Kapitel 4: Sind Utilitarismus und Individualrechte vereinbar?
Dieses Kapitel befasst sich mit der Frage, ob sich Utilitarismus und Individualrechte vereinbaren lassen. Es werden die Theorien von Mill und Hare auf den Fall des Luftsicherheitsgesetzes angewendet und die Stärken und Schwächen beider Theorien in Bezug auf die Kompatibilität mit Individualrechten aufgezeigt.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit dem Thema des Utilitarismus und der Individualrechte. Die Schlüsselwörter sind Utilitarismus, Individualrechte, Greatest Happiness Principle, Universalisierungsprinzip, Bundesverfassungsgerichtsurteil, Luftsicherheitsgesetz, Flugzeugentführung, ethische Theorie, normative Ethik, Konsequentialismus.
Häufig gestellte Fragen
Was war der Kern des Urteils zum Luftsicherheitsgesetz?
Das Bundesverfassungsgericht untersagte den Abschuss entführter Passagierflugzeuge, da dies das Recht auf Leben der Passagiere verletzen würde und Menschen nicht zum Objekt staatlichen Handelns gemacht werden dürfen.
Wie definiert sich der Utilitarismus als Moraltheorie?
Der Utilitarismus ist eine konsequentialistische Ethik, die Handlungen danach bewertet, ob sie das größte Glück für die größte Zahl an Menschen (Greatest Happiness Principle) hervorbringen.
Warum stehen Individualrechte im Konflikt mit utilitaristischem Denken?
Utilitaristische Ansätze könnten theoretisch das Leben Weniger opfern, um das Leben Vieler zu retten. Individualrechte, wie sie im Grundgesetz geschützt sind, verbieten jedoch eine solche Verrechnung von Menschenleben.
Was unterscheidet die Ethik von John Stuart Mill von der Richard Mervyn Hares?
Während Mill als klassischer Utilitarist gilt, entwickelte Hare eine modernere Theorie, die das Universalisierungsprinzip nutzt und als weitaus kompatibler mit Individualrechten angesehen wird.
Welche Rolle spielt die Menschenwürde in diesem juristischen Fall?
Die Menschenwürde (Art. 1 GG) ist das zentrale Argument gegen den Abschuss, da die Passagiere durch die staatliche Tötung instrumentalisiert würden, was verfassungsrechtlich unzulässig ist.
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- Yves Mahler (Author), 2015, Das Bundesverfassungsgerichtsurteil zum Luftsicherheitsgesetz. Utilitaristische Ethiken im Spannungsfeld der Individualrechte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/775849