„Bahn im Verdacht der Bilanzmanipulation“ und „Bilanzdelikte nehmen dramatisch zu“ , solche und ähnliche Schlagzeilen zierten die Wirtschaftsseiten großer deutscher Tageszeitungen und Magazine zum Ende des letzten und zu Beginn des neuen Jahrtausends und erschütterten Anteilseigner, Kapitalgeber, Mitarbeiter von Unternehmen sowie die interessierte Öffentlichkeit gleichermaßen. Aber auch im Jahre 2005 lassen uns Überschriften wie „US-Bilanzfälscher muss für 15 Jahre ins Gefängnis“ nicht vergessen, welche Auswirkungen Unternehmenszusammenbrüche wie z.B. des US-Telekommunikationsunternehmen MCI WorldCom (2001), die Berliner Bankgesellschaft (2001) oder das Ettlinger Technologieunternehmen Flowtex (2000) nach sich zogen. Milliarden US-Dollar und Euro an Aktien- und Darlehenskapital wurden vernichtet, tausende Arbeitnehmer verloren ihre Arbeit und das Vertrauen in das „betriebliche Rechnungswesen, als Abbildung des betrieblichen Produktions- und Umsatzprozesses nach Mengen und Werten“ , sowie die Arbeit der Wirtschaftsprüfer.
Inhaltsverzeichnis
- Einführung
- Ausgangssituation zur Thematik Bilanzskandale
- Ziel der Arbeit und Gang der Untersuchung
- Grundlegendes zur Bilanzierung und Rechnungslegung
- Begriffsabgrenzung Bilanzskandale, -manipulation und Wirtschaftskriminalität
- Aufgaben des Jahresabschlusses
- Die Bedeutung der Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung und Bilanzierung (GoB)
- Die Rolle von Bewertungs- und Bilanzierungswahlrechten
- Buchführungspflichtige und die Rolle der Wirtschaftsprüfer
- Interessen bei Anwendung bzw. Missachtung der Vorschriften
- Bilanzadressaten und ihre Interessen
- Die Rolle der Bilanzpolitik
- Die Zielsetzung der Bilanzpolitik durch den Bilanzierenden
- Das Dilemma der Bilanzpolitik
- Beispiele für Bilanztricks der jüngsten Vergangenheit
- Der Milchriese Parmalat
- Entstehung eines Weltkonzerns
- Anfang vom Ende
- Das verstrickte Management
- Das Netzwerk von Calisto Tanzi
- Die Rolle der Banken und der Wirtschaftsprüfer
- Verwendete Instrumente zur Fälschung
- Die unmittelbaren Folgen des Skandals
- Das Telematikunternehmen ComRoad
- Die Entstehung und der Aufstieg zum Börsenstar
- Analysten und die ComRoad Aktie
- Die Reisen nach Asien
- KPMG als Wirtschaftsprüfer
- Die verwickelten Vertrauten
- Mangelnde Zuständigkeit deutscher Behörden
- Das Ende von ComRoad
- Der Energieriese Enron
- Der Gründer und sein Management
- Die Stufen des Erfolges
- Die Deregulierung der Märkte
- Der Handel mit Verträgen und die Rolle der SPE's
- Enron und Elektrizität
- Der Weg zu EnronOnline
- Der schrittweise Fall
- Die unbekannte Breitbandtechnologie
- Energiekrise und das Dabhol Projekt
- Der Fehlschlag mit dem Wassermarkt
- Der Skandal wird öffentlich
- Folgen
- Gemeinsamkeiten und Unterschiede der 3 Unternehmen
- Background der Gründer
- Ursprüngliche Ziele der Gründer
- Netzwerk aus Verbündeten
- Der Expansionsdrang
- Die Rolle der Banken und Wirtschaftsprüfer
- Die Verbindung zur Politik
- Die Vernichtung von Beweisen und das Strafmaẞ
- Die Verlierer der Skandale
- Aktuelle Entwicklungen mit eigener Einschätzung
- Entwicklungen in Italien
- Entwicklungen in Deutschland
- Das Bilanzrechtsreformgesetz
- Das Bilanzkontrollgesetz
- Das Abschlussprüferaufsichtsgesetz
- Das Gesetz zur Unternehmensintegrität und Modernisierung des Anfechtungsrechts
- Das Kapitalanleger – Musterverfahrensgesetz
- Entwicklungen in den USA
- Der Sarbanes-Oxley Act
- Das interne Kontrollsystem
- Das,,audit committee"
- Strafrechtliche Folgen
- Verbot bestimmter Dienstleistungen für Abschlussprüfer
- Das PCAOB
- Das Ende der SPE's
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Thematik von Bilanzskandalen. Ziel ist es, die Ursachen für Bilanzskandale zu analysieren und die Wirksamkeit der ergriffenen Maßnahmen zur Prävention zukünftiger Skandale zu bewerten.
- Die Bedeutung der Bilanzierung und Rechnungslegung für die Funktionsfähigkeit des Kapitalmarktes
- Die Rolle von Bewertungs- und Bilanzierungswahlrechten bei der Manipulation von Bilanzen
- Die Bedeutung von Compliance und internen Kontrollsystemen zur Verhinderung von Bilanzskandalen
- Die Verantwortung von Wirtschaftsprüfern und Banken bei der Verhinderung von Bilanzskandalen
- Die Auswirkungen von Bilanzskandalen auf die Wirtschaft und die Gesellschaft
Zusammenfassung der Kapitel
- Das erste Kapitel der Arbeit befasst sich mit der Einführung des Themas Bilanzskandale. Es werden die Ausgangssituation und die Ziele der Arbeit dargestellt sowie ein Überblick über die wichtigsten Aspekte der Bilanzierung und Rechnungslegung gegeben.
- Das zweite Kapitel behandelt die Begriffsabgrenzung von Bilanzskandalen, Bilanzmanipulation und Wirtschaftskriminalität. Außerdem werden die Aufgaben des Jahresabschlusses sowie die Rolle der Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung und Bilanzierung (GoB) beleuchtet. Die Rolle von Bewertungs- und Bilanzierungswahlrechten und die Verantwortung von Buchführungspflichtigen und Wirtschaftsprüfern werden ebenfalls erläutert.
- Das dritte Kapitel analysiert den Bilanzskandal des Milchriesen Parmalat. Es werden die Entstehung des Konzerns, die Ursachen für den Skandal und die Rolle des Managements, der Banken und der Wirtschaftsprüfer dargestellt. Der Fokus liegt auf den Instrumenten, die zur Fälschung der Bilanz verwendet wurden, und den unmittelbaren Folgen des Skandals.
- Das vierte Kapitel befasst sich mit dem Bilanzskandal des Telematikunternehmens ComRoad. Es wird die Entstehung und der Aufstieg des Unternehmens zum Börsenstar sowie die Rolle von Analysten, Wirtschaftsprüfern und dem Management beleuchtet. Der Skandal wird im Kontext der mangelnden Zuständigkeit deutscher Behörden und des endgültigen Endes von ComRoad analysiert.
- Das fünfte Kapitel widmet sich dem Bilanzskandal des Energieriesen Enron. Es werden die Entstehung und die verschiedenen Phasen des Erfolgs von Enron untersucht, die mit der Deregulierung der Märkte, dem Handel mit Verträgen und der Rolle der SPE's sowie dem Aufstieg des Unternehmens im Bereich der Elektrizität verbunden waren. Der Fokus liegt auf dem schrittweisen Fall von Enron, der mit der Entwicklung von neuen Geschäftsfeldern, der Energiekrise, dem Dabhol Projekt und dem Fehlschlag mit dem Wassermarkt einherging. Abschließend werden die Folgen des Enron-Skandals aufgezeigt.
- Das sechste Kapitel beschäftigt sich mit den Gemeinsamkeiten und Unterschieden der drei analysierten Bilanzskandale. Die Kapitel beleuchten die Backgrounds der Gründer, die ursprünglichen Ziele, die Netzwerke aus Verbündeten, den Expansionsdrang, die Rolle der Banken und Wirtschaftsprüfer, die Verbindung zur Politik, die Vernichtung von Beweisen und das Strafmaß sowie die Verlierer der Skandale.
Schlüsselwörter
Bilanzskandale, Bilanzmanipulation, Rechnungslegung, Wirtschaftskriminalität, Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung (GoB), Bewertungs- und Bilanzierungswahlrechte, Wirtschaftsprüfer, Banken, Compliance, interne Kontrollsysteme, Kapitalmarkt, Parmalat, ComRoad, Enron, SPE's, Sarbanes-Oxley Act
Häufig gestellte Fragen
Was sind die Hauptursachen für große Bilanzskandale?
Oft führen Expansionsdrang, Gier des Managements, mangelnde interne Kontrollen und das Ausnutzen von Bilanzierungswahlrechten zu Manipulationen, um Investoren zu täuschen.
Was geschah im Fall Enron?
Enron nutzte komplexe Zweckgesellschaften (SPEs), um Schulden zu verstecken und Gewinne künstlich aufzublähen, was schließlich zum größten Bankrott der US-Geschichte führte.
Welche Rolle spielen Wirtschaftsprüfer bei Bilanzfälschungen?
Skandale wie bei ComRoad oder Parmalat zeigten, dass Prüfer entweder getäuscht wurden oder durch zu enge Verflechtungen ihre Kontrollfunktion nicht konsequent ausübten.
Was ist der Sarbanes-Oxley Act (SOX)?
Ein US-Gesetz, das als Reaktion auf Enron eingeführt wurde, um die Unternehmensberichterstattung zu verschärfen und die Haftung von Vorständen für die Richtigkeit der Bilanzen zu erhöhen.
Wie hat Deutschland auf die Bilanzskandale der 2000er Jahre reagiert?
Durch Gesetze wie das Bilanzkontrollgesetz (BilKoG) und das Bilanzrechtsreformgesetz (BilReG) wurde die Überwachung der Rechnungslegung und die Unabhängigkeit der Prüfer gestärkt.
Was versteht man unter Bilanzpolitik im Gegensatz zur Bilanzmanipulation?
Bilanzpolitik nutzt legale Wahlrechte zur Gestaltung des Abschlusses. Bilanzmanipulation hingegen überschreitet die Grenzen der Legalität durch bewusste Fälschung von Buchungen.
- Quote paper
- Diplom-Betriebswirt (FH) Hendrik Gabriel (Author), 2006, Bilanzskandale - Wie kann und konnte es soweit kommen und werden die ergriffenen Maßnahmen diese in Zukunft verhindern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77219