Entsprechend dem Titel der Arbeit, handelt es sich um eine Gesamtbetrachtung über die publizistischen Erzeugnisse im 17. Jahrhundert, deren Publikum und deren Wirkung.
Nachdem im ersten Teil der Arbeit die publizistische Landschaft in ihrer Vielfalt aufgezeigt wird, beschreibt das zweite Kapitel das Publikum der neuen Medien und auch wie durch die Herrscher versucht wurde, auf die publizierten Inhalte Einfluss zu nehmen. Wir können in der frühen Neuzeit eine explosionsartige Verbreitung publizistischer Erzeugnisse beobachten. Gedruckt wurde schon früher, doch im beginnenden 17. Jahrhundert erhält das Phänomen der Druckmedien sowohl eine neue Qualität, als auch eine neue Quantität. Eine Entwicklung von diesem Ausmaß kann nicht ohne Wirkung bleiben und eben diese bildet den inhaltlichen Schwerpunkt des dritten Teils meiner Arbeit.
Die vorliegende Arbeit will also nicht mehr, aber auch nicht weniger sein, als der Versuch einer auf dem aktuellen Forschungsstand basierenden, vorübergehenden Synthese von Qualität und Qutität, Publikum und Wirkung der politischen Publizistik des 17. Jahrhunderts. Vorübergehend deshalb, weil die Geschichtsschreibung immer nur den aktuellen Forschungsstand wiedergeben kann und sich nie mit endgültiger Sicherheit vor neuen Entdeckungen oder neuer Erkenntnis schützen kann; ein Versuch deshalb, weil eine vollständige und gegen jeden Einwand abgesicherte Theorie im Rahmen des Proseminars „Einführung in das Studium der Geschichte“ nicht möglich ist
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Erscheinungsformen der politischen Publizistik im 17. Jahrhundert
1.1 Das publizistische Erbe des 16. Jahrhunderts
1.1.1 Medien der mündlichen Tradierung
1.1.2 Druckerzeugnisse des 16. Jahrhunderts
1.2 Die ersten Periodika
1.2.1 Die Zeitschrift
1.2.2 Das publizistische Orchester der frühen Neuzeit
2 Das Publikum
2.1 Alphabetisierung
2.2 Zensur und öffentliche Meinung
3 Ein neuer Typus von Öffentlichkeit
3.1 Die Entstehung der politischen Öffentlichkeit
Schlusswort
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und Bedeutung der politischen Publizistik im 17. Jahrhundert, analysiert die Struktur des damaligen Publikums sowie die entstehende politische Öffentlichkeit und setzt diese in den Kontext einer langfristigen Kommunikationsrevolution.
- Publizistische Erscheinungsformen im 17. Jahrhundert (Flugblätter, Zeitungen, Zeitschriften).
- Soziale Voraussetzungen der Rezeption, insbesondere Alphabetisierung und Bildungsstand.
- Mechanismen der Zensur und deren Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung.
- Genese einer neuen politischen Öffentlichkeit als Basis moderner demokratischer Strukturen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Entstehung der politischen Öffentlichkeit
Demokratie, wie wir sie heute als selbstverständlich erachten, setzt eine politisch informierte Öffentlichkeit voraus. Die Geburtsstunde eben dieser lässt sich anhand der aktuellen Quellenlage im 17. Jahrhundert festlegen; ohne entsprechende Publikationsorgane ist eine Öffentlichkeit im heutigen Sinne nicht denkbar. Es waren eben die Zeitungen, welche als Ergänzung zu den Medien des 16. Jahrhunderts zur Verbreitung von politischen Inhalten dienten, denn „einesteils waren es neben dem ökonomisch bedingten Informationsbedarf die Neugier und die Sensationslust, die dem neuen Medium ihren Stempel aufdrückten. Andernteils aber war die Zeitung von Anfang an primär ein politisches Medium“.
Die Zeitungen förderten also die Entstehung einer neuen Art von Öffentlichkeit. An Stelle der mündlich tradierten Informationen treten Druckmedien, welche eine neue Verbindlichkeit von Wissen schaffen und ausserdem Informationen und Ideologien über die Grenzen der Region hinaus verbreiten. Diese Medien waren für alle lesekundigen Menschen einsehbar, das Treiben der Regenten somit erkennbar und das Volk erhielt die Möglichkeit über „richtig“ oder „falsch“ zu entscheiden.
Bis in die frühe Neuzeit besteht keine eigentliche Öffentlichkeit im heutigen Sinne. Öffentlichkeit zeigt sich in Form von Repräsentanten, welche das öffentliche Geschehen weitgehend bestimmen, das gemeine Volk hat keinen öffentlichen Status. Der Status der repräsentativen Öffentlichkeit ist an Insignien, Gestus, Rhetorik und einen Verhaltenskodex geknüpft, welcher nur dem Adel und dem Klerus die Teilname an öffentlichen Belangen ermöglicht. Diese höfische und klerikale Öffentlichkeit verliert sich in der frühen Neuzeit zunehmend in selbstverliebten abstrakten Gefilden und parallel dazu erstarkt die aristokratische Gesellschaft und bildet dadurch den Grundstein für eine neue Öffentlichkeit.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung steckt den Rahmen der Arbeit ab und erläutert die Zielsetzung sowie die methodische Herangehensweise an die Untersuchung der politischen Publizistik im 17. Jahrhundert.
1 Erscheinungsformen der politischen Publizistik im 17. Jahrhundert: Dieses Kapitel definiert politische Publizistik und analysiert den Übergang von mündlichen Traditionen und Flugschriften hin zu den ersten periodischen Zeitungen und Zeitschriften.
2 Das Publikum: Der Fokus liegt hier auf der Lesefähigkeit der Bevölkerung und dem Einfluss der Zensur sowie staatlicher Kontrolle auf die Verbreitung von Informationen.
3 Ein neuer Typus von Öffentlichkeit: Das Kapitel beschreibt den Wandel zur politischen Öffentlichkeit und die Bedeutung des Informationsflusses für die gesellschaftliche Entwicklung in der frühen Neuzeit.
Schlusswort: Das Schlusswort bilanziert die Ergebnisse und ordnet die Entwicklungen des 17. Jahrhunderts in die langfristige Geschichte der Kommunikationsrevolution ein.
Schlüsselwörter
Politische Publizistik, 17. Jahrhundert, Tagespresse, Öffentlichkeit, Frühneuzeit, Zensur, Alphabetisierung, Medienwandel, Kommunikationsrevolution, Druckerzeugnisse, Flugblatt, Flugschrift, politische Meinungsbildung, Pressegeschichte, Zeitungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die publizistischen Entwicklungen im 17. Jahrhundert und deren Rolle bei der Entstehung einer informierten politischen Öffentlichkeit.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die verschiedenen Medienformen, das Lesepublikum der Zeit, die Zensurpraktiken der Obrigkeit und die Entstehung des Begriffs der Öffentlichkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine Synthese aus dem aktuellen Forschungsstand zur Qualität, Quantität und Wirkung der damaligen politischen Publizistik.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Auswertung historischer Quellen zur Mediengeschichte der frühen Neuzeit.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung publizistischer Erzeugnisse, die Analyse der Rezipienten und die Erörterung des Wandels von einer repräsentativen hin zu einer politischen Öffentlichkeit.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind politische Publizistik, Pressefreiheit, Zensur, frühe Neuzeit und Öffentlichkeit.
Inwiefern beeinflusste das Postwesen die Entstehung der Zeitung?
Das Postwesen der frühen Neuzeit war die notwendige Infrastruktur, um die von Verlegern benötigten aktuellen Informationen überregional zu verteilen und somit die Tagespresse erst zu ermöglichen.
Welche Rolle spielten Flugblätter trotz der aufkommenden Zeitungen weiterhin?
Flugblätter dienten weiterhin als wichtiges Propagandainstrument, da sie durch ihre anonyme Verbreitung oft weniger stark der behördlichen Zensur unterlagen als formelle Zeitungen.
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- Patrick Weber (Author), 2004, Politische Publizistik im 17. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76954