Die Abschlussarbeit gliedert sich in zwei Hauptteile: Im ersten Teil werden die philosophischen Grundlagen einer politischen Erwachsenenbildung im Sinne Bubers dargelegt, wobei auch die didaktischen und methodischen Implikationen des andragogischen und politisch-philosophischen Denkens Bubers expliziert werden. Im zweiten Hauptteil werden dann prinzipielle Schlussfolgerungen und empirische Daten zur aktuellen Bedeutung Bubers für die politische Erwachsenenbildung zu thematisiert, bevor im Resümee schließlich kritisch Bilanz gezogen wird. Im Anhang finden sich darüber hinaus die detaillierten Ergebnisse einer für diese Untersuchung durchgeführten Umfrage unter Andragogen bzw. Politikdidaktikern zu ihrer Auffassung bezüglich der Bedeutung Bubers für die politische Erwachsenenbildung nebst einer Liste dialogisch orientierter Institutionen und Projekte der politischen Erwachsenenbildung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Philosophische Grundlagen
2.1. Bubers andragogisches Denken
2.1.1. Anthropologie als Ausgangspunkt
2.1.2. Das Menschenbild Bubers
2.1.3. Dialogisches Prinzip und Dialogische Pädagogik
2.2. Bubers politisches Denken
2.2.1. Soziales Prinzip vs. Politisches Prinzip
2.2.2. Die „Bewußtseinsrevolution“ als andragogisch-politisches Ziel
2.3. Didaktische und methodische Implikationen
3. Zur Aktualität Bubers für die politische Erwachsenenbildung
3.1. Buber in unserer „Weltstunde“
3.1.1. Hinführung
3.1.2. Der Mensch in der Transkulturalität
3.1.3. Der Mensch in der Mediendemokratie
3.2. Bubers Präsenz in der politischen Erwachsenenbildung
3.2.1. Bubers Präsenz in der Wissenschaft
3.2.2. Bubers Präsenz in Institutionen der politischen Erwachsenenbildung
4. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Martin Bubers philosophischem und pädagogischem Denken für die zeitgenössische politische Erwachsenenbildung. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie Bubers „dialogisches Prinzip“ als Orientierungshilfe zur Bewältigung aktueller gesellschaftlicher Krisen, insbesondere im Kontext von Globalisierung, Migration und der mediengeprägten Öffentlichkeit, beitragen kann und welche tatsächliche Rolle sein Denken in Theorie und Praxis gegenwärtig einnimmt.
- Grundlagen der philosophischen Anthropologie und des Dialogprinzips nach Buber
- Abgrenzung des „sozialen Prinzips“ vom „politischen Prinzip“ als Basis für politisches Handeln
- Aktualität des Buber’schen Ansatzes für interkulturelle Bildung und Medienkompetenz
- Empirische Bestandsaufnahme der Buber-Rezeption in der aktuellen Andragogik
- Möglichkeiten einer dialogorientierten Erziehung zur Gemeinschaft
Auszug aus dem Buch
2.1.2. Das Menschenbild Bubers
Das Grundprinzip des Menschseins ist für Buber die Beziehung. Um die Fundamentalität dieses Prinzips als die die menschliche Realität definierende „Urkategorie“ zu verdeutlichen (vgl. u.a. Faber 2002), greift Buber sogar zur Assoziation mit der Genesis, wenn er schreibt: „Im Anfang ist die Beziehung“ (Buber 1995, S. 18). Buber war mit dieser Formulierung im nachhinein zwar selbst nicht ganz glücklich, denn sie sei „nicht exakt genug“ und „zu assoziationsreich“ (Buber 1963, S. 604)2, aber sie beschreibt den Paradigmenwechsel, den er in der Anthropologie vollzieht, immer noch am pointiertesten. Denn sein Denken ist zunächst gerade darin „anthropologisch ‚Neues Denken’“ (Faber 2002), daß der Mensch für ihn von Anfang an „ein Wesen der ‚Beziehung’“ (ebd.) ist3.
Welche Art Anfänglichkeit Buber der Beziehungskategorie genau zuschreibt, ist allerdings nicht immer eindeutig. Denn einerseits spricht er in Hinblick auf oben zitierte Formulierung von „‚Anfang’ in einem ganz bestimmten phylogenetischen Sinn“ (Buber 1963, S. 604; Hervorhebung nicht im Original). Und tatsächlich rekurriert Buber in „Ich und Du“ auf die „Geistesgeschichte des Primitiven“ (Buber 1995, S. 22), wenn er beschreibt, „wie der sprachlichen Bezeichnung einzelner, voneinander gesonderter Wesen sogenannte Holophrasen, Satzworte, vorausgehen, in denen sich Beziehungen zwischen Wesen ausdrücken […] und durch deren Zerlegung erst die Wesensbezeichnungen hervorgetreten sind“ (Buber 1963, S. 604; Hervorhebung nicht im Original).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die zentrale Problemstellung ein, warum die Wiedergeburt des Dialogs für die Zukunft der Menschheit von entscheidender Bedeutung ist und wie dies die Erwachsenenbildung herausfordert.
2. Philosophische Grundlagen: Das Kapitel erläutert die anthropologischen Prämissen Bubers, insbesondere das Beziehungsprinzip sowie die Unterscheidung zwischen dem sozialen und dem politischen Prinzip.
3. Zur Aktualität Bubers für die politische Erwachsenenbildung: Es wird analysiert, wie Bubers Denken als Antwort auf aktuelle Herausforderungen wie Transkulturalität und die Mechanismen der Mediendemokratie fungieren kann.
4. Resümee: Hier wird kritisch Bilanz über die Diskrepanz zwischen Bubers theoretischem Potential und seiner vergleichsweise geringen aktuellen Wirkung in der andragogischen Praxis gezogen.
Schlüsselwörter
Martin Buber, Politische Erwachsenenbildung, Dialogisches Prinzip, Ich-Du-Beziehung, Soziales Prinzip, Politisches Prinzip, Gemeinschaft, Bewusstseinsrevolution, Interkulturelle Bildung, Mediendemokratie, Andragogik, Menschenbild, Personale Begegnung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, inwiefern Martin Bubers dialogphilosophische Ansätze eine theoretische und praktische Grundlage für eine moderne, humanistisch orientierte politische Erwachsenenbildung bieten können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der philosophischen Anthropologie Bubers, der Abgrenzung von sozialem und politischem Handeln sowie der praktischen Anwendung dialogischer Methoden zur Stärkung demokratischer Kompetenzen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, den „Relevanzverdacht“ von Bubers Denken für die heutige politische Bildung zu prüfen und Anstöße für eine Rückbesinnung auf seine dialogische Pädagogik zu geben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden theoretischen Auseinandersetzung mit Bubers Originalschriften sowie einer ergänzenden empirischen Umfrage unter 54 Fachleuten (Andragogen und Politikdidaktikern).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die philosophischen Grundannahmen (Beziehung, Ich-Du) dargelegt und anschließend auf gegenwartsrelevante Kontexte wie interkulturelle Dialoge und den Einfluss der Massenmedien übertragen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Dialog, Gemeinschaft, Personale Verantwortung, Bewusstseinsrevolution und Realgesinnung geprägt.
In welchem Verhältnis stehen Staat und Gemeinschaft bei Buber?
Buber betrachtet den Staat als zentralistischen Machtapparat, während er unter Gemeinschaft ein vor- und nachstaatliches, auf dem sozialen Prinzip basierendes Miteinander versteht, das er dem Staat gegenüber vorzieht.
Wie bewerten die befragten Experten die Bedeutung Bubers heute?
Die Mehrheit der Befragten schätzt Bubers Bedeutung für die aktuelle politische Erwachsenenbildung als eher gering ein, spricht sich jedoch gleichzeitig dafür aus, dass seine Bedeutung für das Feld höher sein sollte.
Warum ist das „Ich-Es“-Verhältnis bei Buber nicht nur negativ besetzt?
Buber erkennt an, dass das „Es“ für das Leben in der Welt notwendig ist, warnt jedoch davor, dass der Mensch nicht ausschließlich in diesem funktionalen „Es“-Bereich verharren darf.
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- M.A. Frank Schulze (Author), 2004, Zur Bedeutung Martin Bubers für die politische Erwachsenenbildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76899