Der Begriff des Selbstständigen Lernens mit seinen Differenzierungen nimmt gegenwärtig in den Diskursen der Schulpädagogik, der Erwachsenenbildung und der pädagogischen Psychologie einen großen Stellenwert ein und somit ist selbstgesteuertes und selbstständiges Lernen – nicht nur unter den Didaktikern – ein aktuelles Thema, was nicht zuletzt an PISA liegt.
PISA machte deutlich, dass es den deutschen Schülern an bedeutenden Kompetenzen fehlt. Kompetenzen die - wie in der folgenden Arbeit deutlich wird - durch selbstgesteuertes Lernen vermittelt werden können.
Ein zentrales schulpädagogisches und zugleich gesellschaftspolitisches Problem ist das Erreichen des Ziels von Schule und Unterricht, die Schüler auf ein lebenslanges Lernen vorzubereiten, dass in der heutigen Wissensgesellschaft unerlässlich ist.
Schüler sollten sich in aktiver Auseinandersetzung mit den Unterrichtsinhalten zunehmend diejenigen Fähigkeiten aneignen, die benötigt werden, um auch über die Schulzeit hinaus selbstständig und eigenverantwortlich weiterlernen zu können.
Aus diesen Überlegungen ergibt sich eine zentrale Frage für die weitere Auseinandersetzung mit dem Thema selbstständiges und selbstgesteuertes Lernen:
Wie kann Unterricht methodisch so gestaltet werden, dass in ihm den Schülern einerseits eine zunehmend eigenständige Auseinandersetzung mit den Unterrichtsinhalten ermöglicht wird und andererseits gleichzeitig diejenigen Fähigkeiten entwickelt, gefördert und aufgebaut werden, die zur selbstständigen Gestaltung von Lernprozessen auch über die Schulzeit hinaus benötigt werden?
Im Folgenden werde ich bedeutende Begrifflichkeiten klären und differenzieren sowie auf zentrale Merkmale des selbstgesteuerten Lernens eingehen, um im Anschluss daran mit der Fragestellung arbeiten zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung in das Thema
2. Begriffsbestimmung und -differenzierung
3. Wichtige Gründe für selbstständiges Lernen
4. Zentrale Merkmale selbstgesteuerten Lernens
5. Vorraussetzungen selbstorganisierten und selbstgesteuerten Lernens
6. Starke und offene Lernumgebungen
6. 1. Frontalunterricht vs. selbstgesteuertes Lernen
7. Wege zum Aufbau von Selbststeuerungsfähigkeiten und ihre Förderung
7. 1. Stadienmodell nach Grow
7. 2. Prozessorientiertes Lernen nach Simons
8. Beispielmethoden des selbstgesteuerten Lernens
9. Möglichkeiten des selbstständigen und selbstgesteuerten Lernens
10. Grenzen des selbstständigen und selbstgesteuerten Lernens
11. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept des selbstgesteuerten Lernens als didaktische Antwort auf die Anforderungen einer sich wandelnden Wissensgesellschaft. Ziel ist es zu erörtern, wie Unterricht methodisch so gestaltet werden kann, dass Schüler einerseits eigenständig mit Inhalten arbeiten und andererseits die für lebenslanges Lernen notwendigen Kompetenzen erwerben.
- Differenzierung und Begriffsbestimmung von Selbststeuerung.
- Notwendigkeit von Selbstständigkeit im Kontext aktueller Bildungsanforderungen.
- Gestaltung starker, offener Lernumgebungen und deren Abgrenzung zum Frontalunterricht.
- Modelle zur schrittweisen Förderung von Selbststeuerungsfähigkeiten.
- Chancen und Grenzen selbstgesteuerten Lernens in der schulischen Praxis.
Auszug aus dem Buch
6. Starke und offene Lernumgebungen
Selbstgesteuertes Lernen baut auf eine Neugestaltung des Unterrichts in Richtung „starker“ Lernumgebungen. Das bedeutet, dass im Unterricht so oft wie möglich, authentische Themen stehen (d.h. lebensnah aus der Wirklichkeit der Schüler), realistische Aufgaben und Probleme die situiert sind (d.h. auf den Lebenskontext bezogen und wenig vorstrukturiert), multiple Kontexte (Probleme, die aus möglichst unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden), kooperative Arbeitsformen (vom reziproken Lernen in Tandems bis zu verschiedenen Arten der Gruppenarbeit) und die Förderung der intrinsischen Motivation und der Schülerinteressen.
Lernumgebungen, die das selbstgesteuerte Lernen fördern, werden eher offen statt geschlossen sein. Während geschlossene Lernumgebungen den Stoff hierarchisch gliedern, eine enge Zeitstruktur haben, einem traditionellen Ablaufschema folgen und von der direkten Führung der Lehrkraft abhängen, haben offene Lernumgebungen eine explorative Struktur. Der Stoff ist flacher gegliedert, der Zeitrahmen flexibler, die Reihenfolge der Lernhandlungen und die Bemessung der Lernzeiten werden stärker den Lernenden selbst überlassen.
Offene Lernumgebungen zeichnen sich jedoch auch durch qualitativ angemessene Lernhilfen und Unterstützungsangebote aus, sowie durch gezielte Beratung seitens der Lehrkraft, da selbstgesteuertes Lernen ansonsten keine methodisch kompetente, motivierte und leistungsfähige Lerner hervor bringt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung in das Thema: Hinführung zum Thema durch den Bezug auf aktuelle pädagogische Diskurse und die Relevanz der PISA-Studie.
2. Begriffsbestimmung und -differenzierung: Klärung der uneinheitlichen Definition von selbstgesteuertem Lernen und Abgrenzung von verwandten Begriffen wie Selbstbestimmung.
3. Wichtige Gründe für selbstständiges Lernen: Darstellung der Notwendigkeit durch kognitivistische Lernmodelle, heterogene Schülerschaft und die Forderung nach Schlüsselqualifikationen.
4. Zentrale Merkmale selbstgesteuerten Lernens: Auflistung spezifischer Merkmale wie Auswahlmöglichkeiten und neue Rollenbilder für Lehrer.
5. Vorraussetzungen selbstorganisierten und selbstgesteuerten Lernens: Erläuterung notwendiger Kompetenzen wie Metakognition und Volition.
6. Starke und offene Lernumgebungen: Analyse von Gestaltungsmerkmalen moderner Lernumgebungen.
6. 1. Frontalunterricht vs. selbstgesteuertes Lernen: Untersuchung der Rollen von Frontalunterricht innerhalb schüleraktiver Konzepte.
7. Wege zum Aufbau von Selbststeuerungsfähigkeiten und ihre Förderung: Diskussion über die Schwierigkeit, Freiräume didaktisch zu strukturieren.
7. 1. Stadienmodell nach Grow: Vorstellung eines Stufenplans zur schrittweisen Erlangung der Selbststeuerung.
7. 2. Prozessorientiertes Lernen nach Simons: Erläuterung der schrittweisen Verlagerung der Kontrolle vom Lehrer zum Schüler.
8. Beispielmethoden des selbstgesteuerten Lernens: Überblick über Stationenlernen, Wochenplanarbeit und Freie Arbeit.
9. Möglichkeiten des selbstständigen und selbstgesteuerten Lernens: Darstellung der Lernchancen für Schüler, wie gesteigerte Motivation und Eigenverantwortung.
10. Grenzen des selbstständigen und selbstgesteuerten Lernens: Aufzeigen von Problembereichen wie Überforderung oder Konflikten mit Lehrplänen.
11. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Relevanz für lebenslanges Lernen und Ausblick auf die schrittweise Implementierung.
Schlüsselwörter
Selbstgesteuertes Lernen, Selbstständigkeit, Didaktik, Schulpädagogik, Selbstbestimmung, Metakognition, Volition, Schlüsselqualifikationen, Offener Unterricht, Lernumgebung, Eigenverantwortung, Konstruktivismus, Lernmethoden, Lebenslanges Lernen, Lehr-Lern-Prozesse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert selbstgesteuertes Lernen als notwendige didaktische Herausforderung und Methode zur Vorbereitung auf lebenslanges Lernen.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Schwerpunkte sind die theoretische Fundierung (Begriffsbestimmung), die Notwendigkeit im heutigen Bildungssystem, methodische Umsetzungen sowie die Chancen und Grenzen für die Schulpraxis.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die zentrale Frage lautet, wie Unterricht methodisch so gestaltet werden kann, dass Schüler in die Lage versetzt werden, Lernprozesse selbstständig zu gestalten und dabei gleichzeitig die nötigen Kompetenzen für die Zeit nach der Schule zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und Diskussion einschlägiger Literatur und didaktischer Konzepte der Schulpädagogik und Lernpsychologie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit Voraussetzungen wie Metakognition, den Unterschieden zwischen Frontalunterricht und offenen Lernumgebungen sowie Modellen zur Förderung der Selbststeuerungsfähigkeit nach Grow und Simons.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?
Wichtige Begriffe sind Selbstgesteuertes Lernen, Selbstbestimmung, Metakognition, Offener Unterricht, Kompetenzaufbau und Lebenslanges Lernen.
Warum spielt der Frontalunterricht in der Arbeit noch eine Rolle?
Die Arbeit argumentiert, dass Frontalunterricht nicht vollständig abgeschafft werden muss, sondern als unterstützende Phase dienen kann, um methodische Grundlagen zu vermitteln, bevor eine volle Selbststeuerung erreicht wird.
Wie gehen Grow und Simons mit der Entwicklung zur Selbststeuerung um?
Beide Autoren betonen eine schrittweise Entwicklung, bei der die Kontrolle durch den Lehrer allmählich reduziert wird, während die Lernenden mehr Verantwortung für ihre eigenen Lernprozesse übernehmen.
- Arbeit zitieren
- Corinna Walte (Autor:in), 2006, Selbstgesteuertes Lernen als Herausforderung für die Didaktik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76434