Was ist der Kommunitarismus? Philosophische Kritik am allzu atomistisch, individualistischen Liberalismus und an Rawls’ ‚Theorie der Gerechtigkeit’? Gesellschaftsanalyse und praktische Handlungsanweisung um die drängendsten Probleme der Postmoderne zu lösen? Ein Netzwerk konservativer (oder linker?) Intellektueller oder Regierungsvertreter? Eine Theorieströmung (oder Schule? oder Richtung?), die nach universellen Werten, Tugenden und Idealen sucht? Ergänzt er nun den Liberalismus oder steht er in krasser Opposition zu ihm? Was ist sein Erkenntnisinteresse, seine Analyse der Moderne, sein Ziel? Wie ist sein Menschenbild zu erklären? Warum bezeichnen sich führende Kommunitarier nicht selbst als Kommunitarier; Politiker wie Joschka Fischer, Wolfgang Schäuble und George W. Bush nehmen seine Rhetorik aber auf?
Ziel dieser Arbeit ist, die aufgeworfenen Fragen möglichst präzise zu beantworten sowie einen - sowohl zeitlich als auch inhaltlich - differenzierten Blick auf das „Lager der Kommunitarier“ und das „Lager der Liberalen“ zu werfen. Die einleuchtende These, die sich aus der Analyse vor allem kommunitaristischer Positionen herausbilden wird, besagt, dass des DEN Kommunitarismus (ebenso wenig wie DEN Liberalismus) nicht gibt. Da der Kommunitarismus aber primär nur als Anti-Liberalismus zu verstehen ist (Arenhövel 1998: 248) wird ein weiterer Schwerpunkt drauf liegen, die Liberalismus-Kommunitarismus Debatte (oder den Streit!?) nachzuzeichnen und zu erörtern.
Inhaltsverzeichnis
- I. Einleitung
- Ein Orientierungsrahmen
- II. John Rawls' 'theory of justice'
- Erkenntnisinteresse
- Der 'Urzustand'
- Die zwei Gerechtigkeitsprinzipien
- Recht vor Gut
- philosophische Abgrenzung
- III. Michael Sandel
- Gesellschaftsanalyse/Modernekritik
- Erkenntnisinteresse
- Begriffe
- Rawls-Kritik
- Gut vor Recht
- Kritik an Sandel
- IV. Charles Taylor
- Gesellschaftsanalyse/Modernekritik
- Erkenntnissinteresse
- Begriffe
- Rawls-Kritik
- Gut vor Recht
- Zusammenfassung Gemeinsamkeiten/Unterschiede Sandel/Taylor
- Ziele
- Kritik
- V. EXKURS: Die Phase des politischen Aktivismus
- VI. Die zwei Ebenen und der Verlauf der Liberalismus-Kommunitarismus Debatte
- ontologische Ebene und Ebene der Parteinahme
- Die Liberalismus-Kommunitarismus Debatte im Überblick
- VII. Schluss
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit zielt darauf ab, den Kommunitarismus, seine philosophischen Grundlagen und seine Rolle in der gegenwärtigen politischen Debatte zu untersuchen. Sie analysiert die Kritik des Kommunitarismus am Liberalismus, insbesondere an Rawls' "Theorie der Gerechtigkeit", und untersucht verschiedene Strömungen innerhalb des kommunitaristischen Denkens.
- Philosophische Kritik am Liberalismus
- Das Konzept der "obligation to belong" im Kommunitarismus
- Die Rolle der Gemeinschaft in der Gestaltung individueller Identität
- Die Entwicklung des Kommunitarismus von der philosophischen Debatte zum politischen Aktivismus
- Die Auswirkungen kommunitaristischer Ideen auf die politische Praxis
Zusammenfassung der Kapitel
- I. Einleitung: Die Einleitung stellt grundlegende Fragen zum Kommunitarismus und skizziert den Rahmen der Arbeit, der sich auf die drei Phasen des kommunitaristischen Denkens konzentriert: Liberalismuskritik, Politischer Aktivismus und Reakademisierung.
- II. John Rawls' 'theory of justice': Dieses Kapitel analysiert die Grundprinzipien von Rawls' "Theorie der Gerechtigkeit" und beleuchtet seine Konzeption des "atomistischen Individualismus".
- III. Michael Sandel: Dieses Kapitel behandelt Sandels Gesellschaftsanalyse und seine Kritik an der modernen Gesellschaft und dem liberalen Denken. Es beleuchtet seine Kritik an Rawls und stellt sein Konzept des "Gut vor Recht" vor.
- IV. Charles Taylor: Dieses Kapitel analysiert Taylors Gesellschaftsanalyse und seine Kritik am Liberalismus. Es untersucht seine Kritik an Rawls und seine Konzeption des "Gut vor Recht". Außerdem werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Sandel und Taylor herausgearbeitet.
- V. EXKURS: Die Phase des politischen Aktivismus: Dieses Kapitel beleuchtet die zweite Phase des Kommunitarismus, die durch den Übergang von der philosophischen Debatte zu politischer Aktivität geprägt ist.
- VI. Die zwei Ebenen und der Verlauf der Liberalismus-Kommunitarismus Debatte: Dieses Kapitel diskutiert die ontologische und die politische Ebene der Liberalismus-Kommunitarismus Debatte und zeichnet deren Verlauf nach.
Schlüsselwörter
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Kommunitarismus und seinen Beziehungen zum Liberalismus. Schlüsselbegriffe sind "Liberalismus", "Kommunitarismus", "Theorie der Gerechtigkeit", "atomistischer Individualismus", "obligation to belong", "Gemeinschaft", "Gesellschaft", "politischer Aktivismus", "Reakademisierung", "Gut vor Recht", "philosophische Abgrenzung" und "Modernekritik". Die Arbeit beleuchtet die unterschiedlichen Strömungen und Entwicklungsphasen innerhalb des kommunitaristischen Denkens und analysiert die Auswirkungen des Kommunitarismus auf die politische Praxis.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Hauptunterschied zwischen Liberalismus und Kommunitarismus?
Während der Liberalismus das Individuum und seine Freiheit betont, stellt der Kommunitarismus die Bedeutung der Gemeinschaft und gemeinsamer Werte für die Identität in den Vordergrund.
Wer sind die wichtigsten Vertreter des Kommunitarismus?
Zu den führenden Denkern gehören Michael Sandel, Charles Taylor und Michael Walzer, obwohl sie sich oft selbst nicht explizit als "Kommunitarier" bezeichnen.
Was kritisiert Michael Sandel an John Rawls?
Sandel kritisiert Rawls' Bild des "atomistischen Individuums" und argumentiert, dass das "Gute" (gemeinsame Werte) Vorrang vor dem "Rechten" (neutralen Gesetzen) haben sollte.
Was bedeutet "obligation to belong"?
Es beschreibt die kommunitaristische Idee, dass Menschen eine natürliche Zugehörigkeit und Verpflichtung gegenüber ihrer Gemeinschaft haben, die ihre Identität erst ermöglicht.
Gibt es "den einen" Kommunitarismus?
Nein, die Arbeit zeigt, dass es sich eher um ein heterogenes Lager handelt, das von philosophischer Kritik bis hin zu praktischem politischen Aktivismus reicht.
- Quote paper
- Christoph Koch (Author), 2005, „Der“ Kommunitarismus - eine differenzierte Analyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75805