Thema der vorliegenden Hausarbeit ist die Entstehung bzw. die Umstände,
welche zur Entwicklung des Code civil oder auch Code Napoléon geführt haben.
Der betrachtete Zeitraum liegt hauptsächlich in der Zeit der napoléonische
Machtergreifung. Zum besseren Verständnis der Entstehungsgeschichte des Code
civil muss auch kurz auf vorrevolutionäre Gesetzeslage in Frankreich sowie auf
die revolutionären Errungenschaften, soweit sie das französische Recht betreffen,
eingegangen werden.
Im Zuge der Hausarbeit soll besonders die Frage nach der Motivation Napoléons
hinsichtlich der Ausarbeitung eines neuen Zivilgesetzbuches diskutiert werden
und ob der Code civil sich direkt aus der Revolution ergab oder ob Napoléon nicht
vielmehr revolutionäre Forderungen nach einheitlichem Recht für ganz Frankreich
instrumentalisierte um seine eigene Machtposition zu stärken.
Dem Autor erschien es dazu sinnvoll eine Gliederung in vier Teile
vorzunehmen.
Anhand des ersten Teils soll die Entwicklung des Zivilrechts ausgehend
vom Zustand vor und während der Französischen Revolution dargestellt werden,
während sich der zweite Teil dem politischen Aufstieg Napoléons an die Spitze
Frankreichs widmet.
Im dritten Teil soll schließlich die napoléonische Reform bzw. Entwicklung
des Zivilgesetzbuches beschreiben werden bevor schließlich im vierten Teil der
Versuch unternommen werden soll, die Motive Bonapartes zu klären, welche
ausschlaggebend für das große Engagement Napoléons bei der Entwicklung des
Code civil waren. In diesem Zusammenhang soll auch geklärt werden, was sich
der 1. Konsul und spätere Kaiser Frankreichs von dem Gesetzwerk versprach.
Der Wunsch Napoléons mit dem Code civil als großer Gesetzgeber und
Verwalter Frankreichs und Europas, und nicht nur als Feldherr, in die Geschichte
einzugehen hat sich nicht erfüllt. In erster Linie werden mit seinem Namen große
Schlachten, der gescheiterte Russland-Feldzug und der ‚Untergang‘ bei Waterloo in
Verbindung gebracht. Seine Taten als Gesetzgeber werden weit weniger beachtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung / Problemstellung
2. Entwicklung des Zivilrechts ausgehend vom Zustand vor der Revolution bis zum Code Civil
2.1 Zeit vor und während der Revolution
2.2 Die bürgerliche Republik
3. Bonapartes Staatsstreich
3.1 Die napoleonische Verfassung
3.2 Gesellschaftliche Konsolidierung
4. Entwicklung des Code Civil und der Verwaltung
4.1 Reform des Verwaltungssystems
5. Motive Napoleons:
5.1 Maßnahmen zur Durchsetzung des Code civil
6. Zusammenfassung / Fazit
7. Literatur- und Quellenverzeichnis
Zielsetzung und Themenfelder
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehungsgeschichte des Code civil und analysiert, ob dieser direkt aus den Errungenschaften der Französischen Revolution hervorging oder ob Napoleon Bonaparte das Gesetzbuch instrumentalisierte, um seine eigene Machtposition zu festigen und einen handlungsfähigen Zentralstaat zu etablieren.
- Entwicklung des französischen Zivilrechts nach 1789
- Politischer Aufstieg Napoleons und die napoleonische Verfassung
- Konsolidierung der französischen Gesellschaft durch administrative Reformen
- Instrumentalisierung des Rechts zur Machtsicherung und Staatsbildung
- Widerstände gegen den Code civil und deren machtpolitische Überwindung
Auszug aus dem Buch
3. Bonapartes Staatsstreich
Am 9. November 1799 gelingt der Armee unter der Führung eines ihrer erfolgreichsten Generäle der bedeutendste und vorerst letzte Staatsstreich. Dieser General, Napoléon Bonaparte, löste das Direktorium sowie den ‚Rat der Fünfhundert’ endgültig auf und bildete eine provisorische Übergangsregierung.
Seine Entscheidungen, allen voran seine Wahl zum 1. Konsul, untermauerte er stets durch Plebiszite. Diese Plebiszite und weitere soziale Errungenschaften der Revolution, wie die bürgerlich-liberale Eigentumsordnung, die Zerstörung des Feudalsystems sowie die Abschaffung der Privilegien sicherten Napoléon die Macht. Vordergründig wurde die Repräsentativverfassung sowie die Volkssouveränität durch eine Fülle von parlamentarischen Institutionen, wie die gesetzgebende Körperschaft (corps législativ) und den Senat, als verfassungsbewahrende Institution, gewahrt. Der Anschein einer Demokratie wurde zusätzlich durch das allgemeine Wahlrecht aufrecht erhalten.
Napoléon schränkte jedoch die wählbaren Kandidaten durch Notablenlisten ein; ebenso stand er dem Staatsrat vor, welchem er die Gesetzesinitiativen vorbehielt. Es gab also einen indirekten Wahlzensus, außerdem wurden alle Richter, Beamte, Minister, Senats- und Staatsratsmitglieder von Napoléon benannt; weiterhin konnte er über Senatskonsulte die Verfassung seinen Machtinteressen anpassen sowie eigenmächtig außenpolitische Verträge abschließen und Gerichtsurteile aufheben. Mit seinem Umzug in Tuilerien in Paris wurde seine absolutistische Machtposition für jedermann offensichtlich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung / Problemstellung: Dieses Kapitel führt in die historische Fragestellung ein und erläutert die Absicht, die Rolle Napoleons bei der Schaffung des Code civil kritisch zu hinterfragen.
2. Entwicklung des Zivilrechts ausgehend vom Zustand vor der Revolution bis zum Code Civil: Hier wird der rechtliche Flickenteppich des Ancien Régime beschrieben und dargestellt, wie die Revolution von 1789 den Weg für ein einheitliches Zivilrecht ebnete.
3. Bonapartes Staatsstreich: Dieses Kapitel analysiert den Übergang zur napoleonischen Herrschaft und wie durch Verfassungsänderungen und plebiszitäre Maßnahmen eine faktische Alleinherrschaft legitimiert wurde.
4. Entwicklung des Code Civil und der Verwaltung: Es wird der Prozess der Entstehung des Gesetzbuches innerhalb des Staatsrates beleuchtet und die gleichzeitige umfassende Reform der französischen Verwaltungsstruktur dargelegt.
5. Motive Napoleons:: Das Kapitel untersucht die strategischen Hintergründe des Kaisers und zeigt auf, dass der Code civil als zentrales Instrument zur Machtstabilisierung und für den Export politischer Kontrolle diente.
6. Zusammenfassung / Fazit: Das Fazit resümiert die napoleonische Leistung, die Revolution formal zu beenden, und ordnet den Code civil als Machtinstrument ein, ohne dessen historische Bedeutung als Zivilrechtsgrundlage zu mindern.
7. Literatur- und Quellenverzeichnis: Auflistung der für die Arbeit verwendeten Fachliteratur und Primärquellen.
Schlüsselwörter
Napoleon Bonaparte, Code civil, Code Napoléon, Französische Revolution, Rechtsgeschichte, Staatsstreich, Konsulat, Zentralstaat, Verwaltungssystem, Machtpolitik, Verfassung, Plebiszit, Zivilrecht, Gesetzgebung, Konsolidierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Entstehung des Code civil unter Napoleon Bonaparte und untersucht, inwiefern dieses Gesetzeswerk als Instrument zur Machtsicherung und Staatsstabilisierung diente.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der Transformation des französischen Rechts, dem politischen Aufstieg Napoleons sowie den Verwaltungsreformen der napoleonischen Ära.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu klären, ob der Code civil ein reines Produkt revolutionärer Ideale war oder ob Napoleon die Forderung nach Rechtseinheit gezielt für seine diktatorischen Ambitionen instrumentalisierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Literatur- und Quellenanalyse, bei der insbesondere zeitgenössische Korrespondenzen und einschlägige Forschungsliteratur ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit thematisiert?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der vorrevolutionären Rechtslage, den Aufstieg Napoleons, den Prozess der Gesetzgebung und die spezifischen Motive hinter dem beharrlichen Engagement des Kaisers für den Code civil.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?
Zentrale Begriffe sind Code civil, Napoleon Bonaparte, Französische Revolution, Machtpolitik, Rechtsgeschichte und Staatsbildung.
Welche Rolle spielte das Tribunat bei der Einführung des Code civil?
Das Tribunat fungierte als letzte Instanz bei der Gesetzgebung und leistete aufgrund machtpolitischer Bedenken Widerstand, was Napoleon durch politische Manöver und Neuwahlen schließlich ausschaltete.
Wie sicherte Napoleon seine Macht durch administrative Maßnahmen neben dem Gesetzbuch?
Er reformierte das Verwaltungssystem durch das Präfektensystem, schloss ein Konkordat mit der katholischen Kirche und führte Plebiszite ein, um seine Position als 1. Konsul und späterer Kaiser zu legitimieren.
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- Sebastian Schmidt (Author), 2006, Le Code Civil - Napoléons Instrument zur absoluten Macht?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75395