Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Pedagogy - General

Hermeneutische Analyse des Gewaltphänomens im Märchen

Title: Hermeneutische Analyse des Gewaltphänomens im Märchen

Term Paper , 2001 , 24 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Oliver Bock (Author)

Pedagogy - General
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Einleitung

"Hu! Da fing sie an zu heulen, ganz grauselich; aber Gretel lief fort,
und die böse Hexe musste elendiglich verbrennen."

Aus: Grimmmärchen ‚Hänsel und Gretel′

Unsere erste Begegnung mit dargestellter Gewalt

Jeder, dem früher des öfteren Märchen erzählt wurden, wird sich wohl an diese bekannte Szene erinnern, stammt sie doch aus einem der populärsten Märchen der Brüder Grimm. Und genau diese und ähnliche Szenen, die in irgendeiner Form Gewalt beinhalten oder darstellen, sollen im folgenden den Kern dieser Arbeit bilden. Als eine Art Leitwerk sei hier zunächst der Band ‚Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm′ erwähnt, denn die dort enthaltenen Erzählungen bieten ausreichend Nährboden für Interpretationsansätze bezogen auf ihre Gewaltdarstellungen, und sie sind fast jedem, zumindest aus jungen Jahren, bekannt.

Mögliche Vorgehensweisen

Jene Interpretationsansätze wurden jedoch bis heute selten von Vertretern einer Geisteswissenschaft aufgegriffen und vertieft. Doch existieren bereits diverse herausgegebene Interpretationen zu dem Inhalt der Märchen selbst; wissenschaftliche Veröffentlichungen bezüglich der inhaltlichen Thematik werden vorwiegend von einer Disziplin der Psychologie, nämlich der Psychoanalyse, getätigt. Diese klammert zwar das Phänomen der Gewalt im Märchen nicht gänzlich aus, aber es wird häufig ‚nur′ als eine Ursache unter vielen im Rahmen der psychologischen Prozesse und Entwicklungen beim Kind erwähnt.
Ebenso bietet das textbezogene und vergleichende Vorgehen der Geschichtswissenschaft wenige Ansatzmöglichkeiten, denn hier wird das Märchen ‚nur′ als eine Art Quelle zur Beschreibung jeweiliger historischer Hintergründe herangezogen.
Beides, das psychologische und das geschichtswissenschaftliche Vorgehen, soll in dieser Arbeit nicht angewandt werden. Trotzdem wird es im folgenden zu Ergebnissen kommen, die einerseits deutlich im psychologischen, andererseits mehr im historischen Zusammenhang verstanden werden müssen. Es sei also noch einmal erwähnt, dass die Ergebnisse dieser Arbeit, welche im Schlussteil zusammengefasst sind, durchaus psychologische oder geschichtliche Züge tragen, der Weg zu ihnen aber nur durch ein Verfahren begangen wurde: der hermeneutischen Analyse.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1: Einleitung

1.1. Unsere erste Begegnung mit dargestellter Gewalt

1.2. Mögliche Vorgehensweisen

1.3. Angewandte Vorgehensweise

1.4. Das Vorverständnis

Kapitel 2: Die hermeneutische Interpretation

2.1. Inhaltliche und formale Charakteristika des Märchens

2.1.1. Zensur durch die Brüder Grimm?

2.2. Das Phänomen der menschlichen Gewalt

2.3. Gewalt im Märchen als hermeneutische Analyse

2.3.1. Spaß an Gewalt

2.3.2. Manifeste Gewalt

2.3.3. Subtile Gewalt

2.3.4. Gewalt gegen die Obrigkeit

Kapitel 3: Schluss

3.1. Faszinerende Gewalt, auch im Märchen

3.2. Märchen: ein Nebenprodukt der Realität

3.3. Der klassische Weg der subtilen Gewalt: Propaganda

3.4. Befriedigung geheimer Wunschträume

3.5. Neue Hypothese

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Gewalt in den Märchen der Brüder Grimm mittels einer hermeneutischen Analyse, um aufzuzeigen, dass diese Gewaltdarstellungen nicht als rein irreal abgetan werden können, sondern tief in menschlichen Erfahrungen und sozialen Strukturen verwurzelt sind.

  • Hermeneutische Analyse als Forschungsmethode zur Interpretation von Märchentexten.
  • Unterscheidung zwischen manifester und subtiler Gewalt im Märchen.
  • Die Rolle der Gewalt als moralische Legitimation und Ausdruck sozialer Wünsche.
  • Untersuchung der psychologischen und historischen Kontexte der Gewaltdarstellung.
  • Analyse der Funktion von Märchen als Ventil für gesellschaftliche Groll- und Machtverhältnisse.

Auszug aus dem Buch

Spaß an Gewalt

'Das will ich dir sagen, 'antwortete der Meister, 'hat dir jemand etwas zuleid getan, so sprich nur 'Knüppel, aus dem Sack,’ [...] Alsbald fuhr das Knüppelchen heraus, dem Wirt auf den Leib, und rieb ihm die Nähte, dass es eine Art hatte. Der Wirt schrie zum Erbarmen, aber je lauter er schrie, desto kräftiger schlug der Knüppel ihm den Takt dazu auf dem Rücken, bis er endlich erschöpft zur Erde fiel.

Das ist Spaß an Gewalt, zu welchem man sich aber nur bekennen mag, wenn das Märchen Bedingungen schafft, die den Einsatz solcher Gewaltausübung legitimieren. Dieses Argument schließt aber Schadenfreude seitens der Leser als eine mögliche emotionale Reaktion nicht gänzlich aus. Der Begriff der Schadenfreude meint, hämisches Vergnügen aufgrund des Unglücks eines anderen zu empfinden. Es bedarf also keiner zusätzlichen Bedingungen, um schadenfroh zu sein. Dementsprechend soll ihr in diesem sowie in weiteren Zusammenhängen keine Bedeutung zukommen.

Es gilt vielmehr, eine Rechtfertigung, beziehungsweise ein Alibi zu erzeugen, um sich dann, scheinbar innerlich ‚legitimiert’, zu einem solchen Spaß zu bekennen. Für die Brüder Grimm musste eine solche Gewalthandlung moralisch begründet sein. Die moralische Begründung fällt in einem Märchen, welches ja auf ambivalente Charaktere verzichtet, recht einfach aus. Es braucht jediglich einen Bösewicht, der aufgrund seiner schlechten Taten Strafe verdient. Doch zunächst soll zum besseren Verständnis und zur weiteren Analyse das Märchen Nr.36 „Tischlein deck dich“ kurz inhaltlich geschildert werden.

Zusammenfassung der Kapitel

Kapitel 1: Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Gewaltdarstellung in den Märchen der Brüder Grimm ein und erläutert die methodische Herangehensweise der hermeneutischen Analyse.

Kapitel 2: Die hermeneutische Interpretation: Hier werden inhaltliche Merkmale von Märchen analysiert, das Phänomen der menschlichen Gewalt theoretisch eingeordnet und verschiedene Gewaltformen am Beispiel ausgewählter Märchen detailliert untersucht.

Kapitel 3: Schluss: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert die Faszinationskraft von Gewalt im Kontext heutiger Medien und formuliert eine neue Hypothese zur Realitätsnähe märchenhafter Gewaltdarstellungen.

Schlüsselwörter

Märchen, Brüder Grimm, Gewaltphänomen, Hermeneutik, Manifeste Gewalt, Subtile Gewalt, Propaganda, Moralische Instanz, Gewaltdarstellung, Psychologie, Märchenanalyse, Gesellschaftsstruktur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Phänomen der expliziten und subtilen Gewaltdarstellung in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Kategorisierung von Gewaltformen, die Legitimation von Gewalt durch moralische Instanzen im Märchen und der Zusammenhang zwischen märchenhafter Gewalt und realen menschlichen Erfahrungen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, durch eine hermeneutische Analyse zu zeigen, dass die Gewalt im Märchen nicht als bloßes fiktives Element zu verstehen ist, sondern reale menschliche Motive widerspiegelt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird die Methode der hermeneutischen Analyse angewandt, um durch den hermeneutischen Zirkel zu einem tieferen Verständnis des untersuchten Gegenstandes zu gelangen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert manifeste Gewalt (z.B. in „Der singende Knochen“), subtile Gewaltstrategien wie Propaganda (z.B. in „Der Wolf und die sieben jungen Geißlein“) sowie Gewalt gegen die Obrigkeit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Gewaltphänomen, Hermeneutik, Brüder Grimm, Legitimierung, Propaganda und gesellschaftliche Normen.

Inwiefern spielt das „Tischlein deck dich“ eine Rolle?

Das Märchen dient als Fallbeispiel, um zu demonstrieren, wie der Einsatz von Gewalt zur Bestrafung eines Bösewichts moralisch legitimiert wird und beim Leser einen gewissen Spaß an der Vergeltung erzeugen kann.

Wie unterscheidet sich die Gewalt im Märchen von der heutigen Realität?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die im Märchen dargestellte Gewalt nicht intensiver ist als in modernen Krimis oder Cartoons und ebenso schonungslos die menschliche Natur abbildet.

Excerpt out of 24 pages  - scroll top

Details

Title
Hermeneutische Analyse des Gewaltphänomens im Märchen
College
Helmut Schmidt University - University of the Federal Armed Forces Hamburg  (Allgemeine Pädagogik)
Course
Hauptströmungen der Gegenwartspädagogik in wissenschaftshistorischer Sicht
Grade
1,3
Author
Oliver Bock (Author)
Publication Year
2001
Pages
24
Catalog Number
V7523
ISBN (eBook)
9783638147620
Language
German
Tags
Märchen Gewalt Hermeneutik Grimm
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Oliver Bock (Author), 2001, Hermeneutische Analyse des Gewaltphänomens im Märchen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7523
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  24  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint