In den seit 1170/80 aufkommenden Hohe-Minne-Liedern wirbt Walther von der Vogelweide bzw. dessen lyrisches Ich um eine Frau, welche als gleichgültig, unnahbar und teilweise sogar feindselig dargestellt wird. Die hofierte Dame steht in einer dominierenden Position, der Sänger ordnet sich seiner ‚Herrin’ als ‚Dienstmann’ unter. Obwohl die Frau dem Sänger häufig den Minnelohn verweigert und dieser unter der Hoffnungslosigkeit seines Werbedienstes leidet, preist er die Umworbene weiter und versichert seine unbeirrbare Treue.
Walther von der Vogelweide befreit sich nun aus dieser untergeordneten Position, indem er ein neu akzentuiertes Konzept von Minne und Minnesang entwickelt, welches auf die Gegenseitigkeit der Minne und somit auf Beglückung beider Partner pocht. „Dieser Dichter vergießt niemals Tränen, stattdessen klagt er an, droht, schmäht oder kehrt den Rücken.“ In dieser Tradition ist auch das hier behandelte sumerlaten-Lied Walthers (L 72,31) zu sehen, in welchem vehement mit der sich dem Werbenden verwehrenden Dame abgerechnet wird.
Diese Arbeit soll Inhalt und Form des Liedes analysieren und einen kurzen Abriss über die Überlieferungssituation geben. Weiters werden die Editionen von SCHWEIKLE und CORMEAU verglichen und kurz die Problematik um Gattungszuordnung und Einordnung in Walthers Gesamtwerk angeschnitten. Abschließend soll eine Textinterpretation geboten werden, wobei anzumerken ist, dass auf die einzelnen Interpretationsansätze nur marginal eingegangen werden kann, obwohl sie in der Forschung aufgrund der Tatsache, dass „wenige Lieder […] die Minnesang Philologie in ähnlichem Ausmaß beschäftigt [haben], wie die Überlieferung und Interpretation von L 72,31“ (Christa Agnes TUCZAY: STÜRBE ICH, SO IST SI TOT. Walthers Sumerlatenlied oder Nachruhm mit Vorbehalt. In: Der achthundertjährige Pelzrock. Walther von der Vogelweide – Wolfger von Erla – Zeiselmauer.) , sehr zahlreich und ausführlich dargelegt sind.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Sprachliche Ebene
- Übersetzung
- Paraphrase
- Inhaltliche Ebene
- Thematik und Aufbau
- Perspektive und Personal
- Zeit und Raum
- Formale Ebene
- Metrik
- Metrische Transkription der Strophe I
- Tropen und Figuren
- Topik
- Überlieferung und Edition
- Überlieferungssituation
- Vergleich der Transliterationen der Handschriften A, C und E
- Vergleich der Editionen von SCHWEIKLE und CORMEAU
- Probleme der Gattungszuordnung und der Einordnung in das Werk Walthers
- Textinterpretation
- Zusammenfassung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der Analyse des „sumerlaten-Liedes“ Walthers von der Vogelweide (L 72,31). Ziel ist es, Inhalt und Form des Liedes zu untersuchen, einen Überblick über die Überlieferungssituation zu geben und die Editionen von SCHWEIKLE und CORMEAU zu vergleichen. Des Weiteren werden die Problematik der Gattungszuordnung und Einordnung in Walthers Gesamtwerk behandelt sowie eine Textinterpretation vorgestellt.
- Das sumerlaten-Lied als Beispiel für Walthers neu akzentuiertes Konzept von Minne und Minnesang
- Analyse der sprachlichen, inhaltlichen und formalen Ebene des Liedes
- Überlieferungssituation des Liedes und Vergleich verschiedener Editionen
- Diskussion der Gattungszuordnung und Einordnung des Liedes in das Gesamtwerk Walthers
- Textinterpretation
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in das Thema ein und stellt Walther von der Vogelweide sowie seinen Beitrag zum Minnesang vor. Im Anschluss wird die sprachliche Ebene des Liedes betrachtet, wobei Übersetzung und Paraphrase der einzelnen Strophen dargelegt werden. In der inhaltlichen Ebene werden Thematik und Aufbau, Perspektive und Personal sowie Zeit und Raum des Liedes untersucht. Die formale Ebene befasst sich mit Metrik, Tropen und Figuren sowie Topik. Die Überlieferung und Edition des Liedes werden im nächsten Kapitel behandelt, wobei die Überlieferungssituation, die Vergleich der Transliterationen der Handschriften A, C und E sowie der Vergleich der Editionen von SCHWEIKLE und CORMEAU beleuchtet werden. Im sechsten Kapitel werden die Probleme der Gattungszuordnung und der Einordnung in das Werk Walthers thematisiert. Schließlich wird eine Textinterpretation des Liedes präsentiert.
Schlüsselwörter
Walther von der Vogelweide, Minnesang, sumerlaten-Lied, L 72,31, Inhalt, Form, Überlieferung, Edition, SCHWEIKLE, CORMEAU, Gattungszuordnung, Textinterpretation, Minne, höfische Kultur, Gegenseitigkeit, Klage, Lob, Kritik, Frau, Sänger, Sprache, Metrik, Tropen, Figuren, Topik, Handschriften, Editionen, Interpretation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in Walthers „Sumerlatenlied“ (L 72,31)?
Das Lied thematisiert den Bruch mit der traditionellen Hohen Minne und fordert stattdessen Gegenseitigkeit und die Beglückung beider Partner.
Wie unterscheidet sich Walthers Minne-Konzept von der Tradition?
Während der Sänger in der Hohen Minne unterwürfig bleibt, klagt Walther hier die Dame an, droht ihr oder kehrt ihr den Rücken, wenn sie den Minnelohn verweigert.
Welche Handschriften überliefern das Sumerlatenlied?
Das Lied ist in den Handschriften A (Kleine Heidelberger Liederhandschrift), C (Manesse) und E (Würzburger Liederhandschrift) überliefert.
Welche formalen Aspekte werden in der Arbeit analysiert?
Die Analyse umfasst die Metrik, Tropen und Figuren sowie die Topik des mittelhochdeutschen Textes.
Warum ist L 72,31 für die Minnesang-Philologie so bedeutend?
Nur wenige Lieder haben die Forschung so intensiv beschäftigt, da es zentrale Fragen zur Gattungszuordnung und zur Entwicklung von Walthers Gesamtwerk aufwirft.
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- Christiane Wittmer (Author), 2007, Walthers Sumerlatenlied - Betrachtungen zu L72,31, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74544