Die Aktualität biblischer Texte ist gerade für Schülerinnen und Schüler jüngeren Alters oft nicht ohne weiteres nachzuvollziehen – biblische Geschichten bergen für Kinder viele Hürden, nicht zuletzt sprachliche. Dass biblische Motive in vielen Lebensbereichen zu finden sind, unter anderem auch in einem modernen Fantasy-Film ist nicht nur eine erfrischende Erkenntnis für Kinder, sondern auch eine Vorlage, die sich zur Verwendung im Religions- oder Konfirmandenunterricht förmlich aufdrängt.
Obwohl Lewis sich deutlich davon distanzierte, die „Chroniken von Narnia“ als Werkzeug, Kindern das Christentum näherzubringen, geschaffen zu haben, ist die Fülle an theologischen Themen und christlichen Symbolen im Buch wie im Film kaum zu übersehen.
In einer Zeit, in der das Medium Film an Popularität gewinnt und unter Jugendlichen immer weniger gelesen wird, ist davon auszugehen, dass ein mit religiösen Symbolen aufgeladener Film wie „Der König von Narnia“ für manche Jugendliche die erste Begegnung mit christlichen Grundbegriffen und Motiven sein kann.
Die optisch aufwändige Disney-Verfilmung aus dem Jahre 2005 ist im Gegensatz zur mehrbändigen Buchreihe gerade für jüngere Schülerinnen und Schüler leicht zugänglich.
In dieser Arbeit sollen nach einer grundlegenden didaktischen Bewertung des Mediums Film, speziell für den Schulunterricht, geeignete Motive, die im Film auftauchen und eine biblische Vorlage haben für einen möglichen Einsatz des Filmes im Religionsunterricht herausgearbeitet, kritisch diskutiert und schließlich in Form von konkreten Unterrichtsvorbereitungen verarbeitet werden.
Es bietet sich an, den „König von Narnia“ in der Schule Schülerinnen und Schülern vorzuführen, die der Zielgruppe des Films entsprechen, also 10-15 Jahre alt sind. Ältere Schüler könnten von der einfachen und schnell durchschaubaren Geschichte unterfordert und gelangweilt werden.
Die Eignung für eher jüngere Schüler ist kein Qualitätskriterium, sondern einfach eine Eigenschaft des Films „Der König von Narnia“, der eindeutig als Kinderfilm konzipiert ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Medium Film
2.1 Filme im Unterrichtsalltag
2.2 Film als Basis eines Lernprozesses
2.3 Medienkompetenz
3. „Der König von Narnia“ als Projekt im Religionsunterricht
3.1 Didaktische und methodische Grundbedingungen des Projekts „Der König von Narnia“
3.2 Gruppe 1: Wer ist Gott?
3.3 Gruppe 2: Sünde und Verrat
4. Unterrichtsausarbeitungen der beiden Gruppen.
4.1 Gruppe 1: Wer ist Gott?
4.2 Gruppe 2: Sünde und Verrat
5. Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Einsatz des Fantasy-Films „Der König von Narnia“ im evangelischen Religionsunterricht der Sekundarstufe 1, um Schülern durch die Verknüpfung von modernen filmischen Inhalten mit biblischen Motiven einen niederschwelligen Zugang zu christlichen Glaubensgrundlagen zu ermöglichen. Die zentrale Forschungsfrage ist, wie die im Film enthaltenen theologischen Symbole didaktisch und methodisch so aufbereitet werden können, dass sie als Brücke zu biblischen Erzählungen dienen und eine kritische Auseinandersetzung mit den Themen Gottesbilder sowie Sünde und Verrat fördern.
- Didaktische Legitimation und methodische Einbettung des Mediums Film im Unterricht.
- Analyse und Vergleich filmischer Charaktere und Handlungen mit alttestamentarischen und neutestamentarischen Vorlagen.
- Konzeption von gruppenbasierten Unterrichtsprojekten zu den Themen „Gottesbilder“ und „Sünde/Verrat“.
- Förderung der Medienkompetenz und des ethischen Urteilsvermögens durch schülerzentrierte Arbeitsaufträge.
Auszug aus dem Buch
3.2 Gruppe 1: Wer ist Gott?
Die erste Gruppe soll sich mit Gottesbildern auseinandersetzen. Die gottähnliche Rolle des Löwen Aslan ist im Film kaum zu übersehen. Sein Kommen wird im Film zum ersten Mal in Szene 9 vom Biber angekündigt. Er wird zunächst als „König des ganzen Waldes“ und „Big Boss“ bezeichnet, kurz darauf als Messiasgestalt geschildert, die die weiße Hexe besiegen und Frieden nach Narnia bringen wird. Dementsprechend tritt Aslan in seinem Feldlager auch auf, als ihn die Kinder zum ersten Mal zu Gesicht bekommen – als prächtiger Löwe und Anführer eines Heeres, der durch sein Äußeres große Macht und Souveränität ausstrahlt, sich den Kindern gegenüber aber gütig und väterlich zeigt.
Aslan vereint die Eigenschaften von Gott und Jesus in einer Figur: Er ist sowohl löwenhafter König, als auch angekündigter Messias, der sich im Verlaufe des Filmes für einen sündigen Menschen opfert und danach aufersteht. Die Konzeption der Figur ist facettenreich: Zwar ist Aslan als Erlöser angekündigt und auch seine Opferung für einen Menschen und seine Wiederauferstehung zeigen seine Rolle als Christusgestalt in diesem Film. Jedoch tritt er auch, anders als Jesus, als strahlender und mächtiger König auf und wird (im Film anders als im Buch) nicht wie Christus als jemandes Sohn bezeichnet. Er ist also kein exaktes Abbild von Jesus Christus.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet die Relevanz des Religionsunterrichts in der Sekundarstufe 1 und stellt das Potenzial des Films „Der König von Narnia“ als modernes, christlich geprägtes Medium für den Unterricht vor.
2. Das Medium Film: Dieses Kapitel erörtert die didaktischen Herausforderungen und Chancen beim Einsatz von Filmen im Unterricht und unterstreicht die Notwendigkeit von Medienkompetenz.
3. „Der König von Narnia“ als Projekt im Religionsunterricht: Hier werden die Rahmenbedingungen für ein projektbasiertes Arbeiten entworfen, das die Klasse in Gruppen zur Bearbeitung spezifischer theologischer Themen einteilt.
4. Unterrichtsausarbeitungen der beiden Gruppen.: Dieses Kapitel liefert konkrete methodische Schritte und Arbeitsmaterialien für die Themenblöcke „Gottesbilder“ sowie „Sünde und Verrat“.
5. Schlussbemerkungen: Die Schlussbemerkungen reflektieren die Anforderungen an Lehrkräfte und Medientechnik sowie das Fazit zur Eignung des Films für die Zielgruppe.
Schlüsselwörter
Religionsunterricht, Der König von Narnia, Medium Film, Gottesbilder, Sünde, Verrat, Aslan, biblische Motive, Sekundarstufe 1, Medienkompetenz, Projektunterricht, Christliche Symbole, Didaktik, Vergebung, Evangelische Religion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der didaktischen Nutzung des Fantasy-Films „Der König von Narnia“ im Religionsunterricht der Sekundarstufe 1, um zentrale christliche Themen zu vermitteln.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentral sind die theologischen Themenkomplexe „Gottesbilder“ (verkörpert durch die Figur Aslan) sowie „Sünde und Verrat“ (anhand der Figur Edmund).
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Schülern durch eine methodisch strukturierte Analyse des Films einen Zugang zu biblischen Narrativen und christlichen Grundbegriffen zu ermöglichen.
Welche Methode wird für den Unterricht vorgeschlagen?
Es wird ein projektartiger Unterrichtsaufbau mit zwei Gruppen empfohlen, die ihre Themen zunächst aus dem Alltag heraus, dann biblisch und schließlich filmisch reflektieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil enthält die detaillierte didaktische Ausarbeitung des Projekts, inklusive konkreter Fragestellungen und Arbeitsbögen zu den Themen Gottesbild und Sündenthematik.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Religionsunterricht, Medienkompetenz, biblische Analogien, Aslan, Sünde und Verrat.
Warum wird gerade der Film „Der König von Narnia“ für dieses Projekt gewählt?
Der Film eignet sich laut der Arbeit besonders gut, da er trotz seiner Fülle an christlichen Symbolen für 10- bis 15-Jährige leicht zugänglich ist und als „Vehikel“ für tiefergehende Themen dienen kann.
Welche Rolle spielt der Charakter Aslan in der Unterrichtskonzeption?
Aslan dient als primäre Identifikationsfigur für die Gruppe, die sich mit dem Thema „Wer ist Gott?“ auseinandersetzt, da er sowohl Züge eines messianischen Erlösers als auch eines mächtigen Königs vereint.
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- Asmus Green (Author), 2007, "Der König von Narnia" als Projekt für den Religionsunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74389