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Zur Funktion des Märchenhaften und seiner Entzauberung in Shakespeares Drama "The Merchant of Venice"

Titel: Zur Funktion des Märchenhaften und seiner Entzauberung in Shakespeares Drama "The Merchant of Venice"

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2007 , 22 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Ulrike Wronski (Autor:in)

Anglistik - Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Sowohl auf dem englisch- als auch auf dem deutschsprachigen Buchmarkt sind Bücher erhältlich, die Shakespeares Dramen als Märchen nacherzählen und sich hauptsächlich an Kinder richten. „Tales from Shakespeare“ von Charles Lamb und „Ein Sommernachtstraum – Ein Märchen nach Shakespeare“ von Franz Schümann sind nur zwei Beispiele. Es fällt nicht schwer, sich Shakespeares Dramen als Märchen vorzustellen, zumindest die Komödien und Romanzen. Sie sind voller schöner Prinzessinnen, mutiger Helden, magischer Wesen und unwahrscheinlicher Begebenheiten. Märchen sind zweifellos eine von Shakespeares vielen Quellen, wenn er deren Elemente auch nicht unverändert übernimmt. Es scheint lohnenswert, an einem seiner Dramen einmal exemplarisch zu untersuchen, welche Elemente des Märchenhaften darin vorkommen und ob und wie sie verändert wurden sowie welchen Effekt diese Modifikationen haben.

Die Komödie The Merchant of Venice soll hier als Beispiel dienen und mit Hilfe folgender Fragestellung analysiert werden: Welche Elemente des Märchenhaften kommen in Shakespeares The Merchant of Venice vor und welche Funktion erfüllen sie? Um diese Frage beantworten zu können, muss zuerst geklärt werden, was typische Märchenelemente sind. Da die mittelalterlichen Romances viele Ähnlichkeiten mit dem Märchen aufweisen, soll in diesem Zusammenhang auch dieses Genre näher betrachtet werden. Im Anschluss wird untersucht, welche der Elemente im Merchant of Venice vorkommen und wo die Parallelen zum Märchen beziehungsweise zur Romance an ihre Grenzen stoßen, denn vermutlich werden zwar typische Bestandteile des Märchens zu finden sein, allerdings in abgewandelter Form. Im letzten Schritt dieser Arbeit soll dann geklärt werden, welche Funktion das Märchenhafte in Shakespeares Drama erfüllt, vor allem in Hinblick auf die vermuteten Brüche mit der Märchentradition.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Märchen und Romance – Definitionen und Merkmale

3. Elemente des Märchenhaften in The Merchant of Venice

3.1. Die Lotterie als Bewährungsprobe

3.2. Portia als Königstochter

3.3. Belmont als Märchenwelt

3.4. Harmonie und Happy End

Summary and Conclusion

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Funktion märchenhafter Elemente in Shakespeares Drama "The Merchant of Venice" und analysiert, inwiefern diese innerhalb des Werkes abgewandelt oder durch Brüche mit der Märchentradition funktionalisiert werden, um eine komplexere, realistische Perspektive jenseits klassischer Märchenmotive zu entwerfen.

  • Märchenstrukturen und ihre Merkmale (nach Max Lüthi)
  • Die Funktion des Ortes Belmont als "Märchenwelt"
  • Charakteranalyse von Portia und Bassanio im Kontext von Märchen-Archetypen
  • Der Kontrast zwischen märchenhafter Harmonie und der komplexen Realität des Dramenendes

Auszug aus dem Buch

3.1. Die Lotterie als Bewährungsprobe

Im Märchen spielt das Rätsel als Form der Bewährungsprobe eine wichtige Rolle. Poser zufolge können die Bewährungsproben entweder Mutproben, Gedulds- und Ausdauerproben oder Scharfsinnsproben sein. Bei der Lotterie, die sich Portias Vater ausgedacht hat, handelt es sich um eine Scharfsinnsprobe, denn die Bewerber müssen versuchen, anhand der Inschriften auf den Kästchen und des Materials der Behälter auf ihren Inhalt zu schließen. Die Bedingungen, die an das Rätsel geknüpft sind, sind märchenhaft, weil sie extrem sind. "Die Aufgabe ist gerne mit extremer Belohnung und Bestrafung verbunden: Prinzessin und Reich oder Tod [...]", schreibt Lüthi. Zwar droht den Bewerbern im Merchant of Venice nicht der Tod, sie gehen dennoch ein hohes Risiko ein, denn sie dürfen nie wieder um eine Frau werben, wenn sie falsch raten (vgl. 2.1.40-42). Auch Portia unterliegt strengen Regeln: Sie darf denjenigen, der das richtige Kästchen wählt, nicht ablehnen, genauso wenig wie sie ihren Favoriten wählen darf (vgl. 1.2.22-23).

Die Zahl drei kommt im Zusammenhang mit der Lotterie gleich zweimal vor. Zum einen stehen drei Kästchen zur Auswahl, zum anderen wird in drei Episoden näher beschrieben, wie sich einzelne Freier an der Lotterie versuchen: Der Prinz von Morocco, der Prinz von Arragon und Bassanio probieren nacheinander, das Rätsel zu lösen. Lüthi zufolge sind die Eins, die Zwei, die Drei, die Sieben und die Zwölf Zahlen mit ursprünglich magischer Bedeutung und Kraft. In der Episodenbildung jedoch herrsche die Dreizahl, denn eine siebenfache oder zwölffache Reihung wäre nicht mehr übersichtlich genug. Die Neigung zu formelhaften Zahlen trage zur Abstraktheit des Märchens bei.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Fragestellung ein, ob und wie märchenhafte Elemente in Shakespeares "The Merchant of Venice" verwendet und modifiziert werden.

2. Märchen und Romance – Definitionen und Merkmale: Hier werden theoretische Grundlagen des Märchens sowie der Gattung der "Romance" definiert und anhand strukturgebender Merkmale analysiert.

3. Elemente des Märchenhaften in The Merchant of Venice: Das Hauptkapitel untersucht spezifische Aspekte wie die Lotterie, die Figur Portia, den Schauplatz Belmont sowie das Ende des Dramas auf ihre märchenhaften Qualitäten und deren Entzauberung.

3.1. Die Lotterie als Bewährungsprobe: Die Analyse des Rätsels zeigt, wie die traditionelle Scharfsinnsprobe durch die Verwendung von Zahlensymbolik und die kritische Distanz zur Figur Bassanios modifiziert wird.

3.2. Portia als Königstochter: Dieses Kapitel arbeitet heraus, dass Portia zwar dem Archetyp der Königstochter entspricht, jedoch durch psychologische Komplexität und Handlungsautonomie diese Märchenrolle überschreitet.

3.3. Belmont als Märchenwelt: Belmont wird als Gegenentwurf zum kapitalistischen Venedig dargestellt, wobei dieser märchenhafte Rückzugsort dennoch keine vollkommene Harmonie bietet.

3.4. Harmonie und Happy End: Die Untersuchung zeigt, dass das Dramenende zwar der Form der Komödie entspricht, jedoch durch eine realistische Darstellung der Unvollkommenheit der Liebe und die Komplexität menschlicher Beziehungen einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt.

Summary and Conclusion: Die Zusammenfassung resümiert, dass Shakespeare Märchenelemente nutzt, um das Publikum auf die Widersprüchlichkeit und Komplexität der Wirklichkeit hinzuweisen, womit er sich deutlich vom verklärenden Märchenende distanziert.

Schlüsselwörter

Shakespeare, The Merchant of Venice, Märchen, Romance, Belmont, Portia, Bassanio, Lotterie, Bewährungsprobe, Entzauberung, Literaturwissenschaft, Dramenanalyse, Harmonie, Happy End, Motivanalyse

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es grundsätzlich in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht die Funktion märchenhafter Elemente in Shakespeares Drama "The Merchant of Venice" und analysiert, wie diese gezielt eingesetzt und durch "Entzauberung" modifiziert werden.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Untersuchung deckt die theoretischen Grundlagen des Märchens, die Bedeutung von Belmont als Ort des Märchenhaften, die Charakterisierung der Protagonisten als Märchenfiguren sowie die Dynamik von Harmonie und Happy End ab.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es zu klären, welche Elemente des Märchenhaften im Drama vorkommen, welche Funktionen sie erfüllen und an welchen Stellen Shakespeare mit der Märchentradition bricht.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine textimmanente Literaturanalyse, die auf den strukturtheoretischen Katalog von Max Lüthi zurückgreift, um die märchenhaften Aspekte im Drama zu klassifizieren und zu deuten.

Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Lotterie als Scharfsinnsprobe, die Untersuchung der Figur Portia als komplexem Charakter, die Rolle des Handlungsortes Belmont sowie die Reflexion über das Happy End.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den zentralen Begriffen zählen Shakespeares Dramatik, Märchenstrukturen, die Entzauberung des Märchenhaften, Belmont, sowie die kritische Hinterfragung des Happy Ends.

Warum wird Belmont als "Märchenwelt" bezeichnet?

Belmont fungiert als räumlicher Gegenentwurf zum risikoreichen Venedig und dient als Ort, an dem märchenhafte Versprechen von Liebe und Glück verortet sind, obwohl diese unter der Oberfläche brüchig bleiben.

Wie unterscheidet sich Shakespeares Dramenende von einem typischen Märchenende?

Während Märchen in der Regel die Welt verklären und ein dauerhaftes Glück suggerieren, zeigt Shakespeare eine unklare Wirklichkeit, in der Harmonie und Liebe harte Arbeit erfordern und keine Selbstverständlichkeit darstellen.

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Details

Titel
Zur Funktion des Märchenhaften und seiner Entzauberung in Shakespeares Drama "The Merchant of Venice"
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für Anglistik und Amerikanistik)
Veranstaltung
Hauptseminar
Note
1,0
Autor
Ulrike Wronski (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
22
Katalognummer
V74035
ISBN (eBook)
9783638784221
ISBN (Buch)
9783638794695
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Funktion Märchenhaften Entzauberung Shakespeares Drama Merchant Venice Hauptseminar
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Ulrike Wronski (Autor:in), 2007, Zur Funktion des Märchenhaften und seiner Entzauberung in Shakespeares Drama "The Merchant of Venice", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/74035
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Leseprobe aus  22  Seiten
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