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Strafe oder Prüfung? Zur Begründung des Paradigmas der Krankheit im armen Heinrich

Titel: Strafe oder Prüfung? Zur Begründung des Paradigmas der Krankheit im armen Heinrich

Hausarbeit , 2006 , 20 Seiten , Note: 2,7

Autor:in: Olivia Müller (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In dem Werk Hartmanns von Aue „Der arme Heinrich“ erkrankt die Hauptperson Heinrich an einer Krankheit. Heinrich lebt bis dahin als „der vollendetet Typus der höfischen Humanität, vom Glück verwöhnt, aber durch seine Qualitäten des Glückes wert“. Doch dieses Glück ist nicht von langer Dauer, denn schon bald erkrankt Heinrich am Aussatz. Neben den schweren körperlichen Leiden hat dieser auch den Ausschluss aus der Gesellschaft zu Folge. Der Aussatz ist im Mittelalter keine beliebige Krankheit, sondern schon in der Bibel als Zeichen der Strafe eines Sünders bekannt. Ist die Krankheit also eine Strafe Gottes für getane Sünde?
Dem gegenüber steht der Vergleich Hartmanns mit dem biblischen Hiob, der ebenfalls eine Krankheit erleiden musste, bei dem Gott diese jedoch nicht als Strafe sondern als Prüfung seines Gottesvertrauens aussetzte. Ist also auch bei Heinrich die Krankheit als Prüfung von Gott anzusehen?
Genau diese Aspekte sind Gegenstand meiner Hausarbeit. Es gilt zwei unterschiedliche Aspekte der Klärung der Begründung der Krankheit in „Der arme Heinrich“ aufzugreifen und zu erklären. „Gottes Hand treibt Heinrich ins Elend, das ist eindeutig ausgesprochen. Aber die innere Motivierung dieses göttlichen Zeichens fehlt noch. Es gibt hier nur Andeutungen, doch diese gehen nicht in eine einzige Richtung.“
Meine Fragen an den Text Hartmanns drehen sich um das Warum. Warum erkrankt Heinrich am Aussatz? Worin ist dieser begründet? Ist sie nun als Strafe Gottes für getane Sünde zu verstehen? Und wenn ja, worin besteht die Sünde? Oder ist der Aussatz als eine gestellte Prüfung Gottes zu sehen, wie sie schon bei Hiob in der Bibel vorkommt? Was sagt Hartmann im Text über diese Fragen aus? Und gibt es in diese Fragen prinzipiell ein Übereinkommen?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. DIE BEGRÜNDUNG DER KRANKHEIT

2.1 Die Krankheit als Strafe

2.2 Die Krankheit als Prüfung

2.3 Zusammenfassung

3. FAZIT

4. BIBLIOGRAPHIE

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Fragestellung, ob die Krankheit des Protagonisten Heinrich in Hartmanns von Aue Werk "Der arme Heinrich" als göttliche Strafe für begangene Sünden oder als göttliche Prüfung seines Glaubens und seiner Standhaftigkeit zu deuten ist. Ziel ist es, die widersprüchlichen Ansätze der Forschungsliteratur gegenüberzustellen und eine differenzierte Interpretation zu erarbeiten.

  • Analyse der Krankheitssymbolik im mittelalterlichen Kontext
  • Untersuchung des Konzepts der "Strafe Gottes" basierend auf Heinrichs Bekenntnis
  • Vergleichende Analyse mit der biblischen Hiobsgeschichte
  • Diskussion theologischer Sündendefinitionen (insb. Superbia)
  • Reflexion über die Multidimensionalität der göttlichen Zeichen im Werk

Auszug aus dem Buch

2.2 Die Krankheit als Prüfung

„Hartmann rückt bei den Wendepunkten, nämlich beim Ausbruch der Krankheit (124FF.) und bei der wunderbaren Heilung (1360ff.) seinen Helden in enge Nähe zum biblischen Job (Hiob).“ „Dieser Sachverhalt gibt das Recht den Armen Heinrich auch vom Buch Job her zu interpretieren.“

Zur Erläuterung möchte ich zunächst auf die biblische Geschichte Hiobs eingehen. Dieser ist ein Mann, der eine große Familie und üppiges Hab und Gut besitzt. Er hat den Ruf eines gottesfürchtigen und gottestreuen Menschen. Hiob wird schließlich unwissend, unter Einverständnis Gottes, vom Satan geprüft. Dabei verliert Hiob zunächst seinen ganzen Besitz, anschließend seine Kinder, die bei einem Hauseinsturz ums Leben kommen und erkrankt schließlich an einer schmerzhaften Krankheit, die mit unangenehmen Geschwüren verbunden ist. Seine Umwelt vermutet hinter seinem Leiden Sünde, was Hiob jedoch stets beteuert. Er ist von seiner Unschuld und seiner Treue zu Gott überzeugt. Da Hiob nicht, wie beispielsweise von seiner Frau nahe gelegt, Gott verflucht und ihm ohne Zweifel die Treue hält, heilt ihn Gott von seiner Krankheit. Die Prüfung, die die wahre Treue Hiobs ans Tageslicht bringen sollte, gilt als bestanden. Er hat sich bewährt, weil selbst Armut, Krankheit und Einsamkeit den Glauben an und die Treue zu Gott nicht nehmen konnten. Zur Belohnung segnete Gott Hiobs weiteres Leben, wodurch er noch viel mehr Besitz erwerben konnte und auch bald wieder mit Kindern beschenkt wurde.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Darstellung der Problemstellung hinsichtlich der Deutung der Krankheit Heinrichs als Strafe oder Prüfung sowie Erläuterung der methodischen Vorgehensweise.

2. DIE BEGRÜNDUNG DER KRANKHEIT: Umfassende Untersuchung der zwei Paradigmen, wobei sowohl die Argumente für eine Strafe Gottes als auch die für eine Prüfung gegenübergestellt werden.

2.1 Die Krankheit als Strafe: Analyse der These, dass der Aussatz eine Vergeltung für Heinrichs "superbia" darstellt, unter Einbeziehung seiner Selbstanklage.

2.2 Die Krankheit als Prüfung: Untersuchung des Hiob-Vergleichs als maßgebliche Stütze für die Deutung der Krankheit als göttliche Erprobung.

2.3 Zusammenfassung: Rekapitulation der wichtigsten Argumentationslinien und Gegenpositionen aus der vorangegangenen Analyse.

3. FAZIT: Zusammenführende Bewertung der Motive, die zu dem Schluss führt, dass eine einfache Trennung nicht möglich ist und eine Multidimensionalität des Werkes vorliegt.

4. BIBLIOGRAPHIE: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Der arme Heinrich, Hartmann von Aue, Mittelalter, Krankheit, Strafe Gottes, Prüfung, Hiob, Superbia, Sünde, Buße, Gottesgnade, Erlösung, Theologie, Literaturanalyse, Mittelalterliche Literatur

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Ursache der Krankheit des Protagonisten Heinrich im mittelhochdeutschen Werk "Der arme Heinrich" und prüft, ob diese als göttliche Strafe oder als Prüfung interpretiert werden muss.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Arbeit fokussiert sich auf die Themen Schuld und Sühne, den Begriff der "Superbia" (Überhebung), das mittelalterliche Verständnis von Krankheit sowie den biblischen Hiob-Vergleich.

Welches ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist die Klärung der inneren Motivierung des göttlichen Zeichens der Krankheit, um herauszufinden, ob Hartmann von Aue eine eindeutige moralische Wertung beabsichtigt hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die primär auf der Auswertung und Gegenüberstellung zeitgenössischer und aktueller Forschungsliteratur sowie der direkten Interpretation von Textstellen aus dem Werk basiert.

Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Strafschemas (inklusive der Bußtheorie) und des Prüfungsschemas unter Berücksichtigung des Hiob-Vergleichs.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen: Der arme Heinrich, Hartmann von Aue, Strafe, Prüfung, Superbia, Hiob, Buße und Gottesgnade.

Warum wird der biblische Hiob-Vergleich als entscheidend angesehen?

Der Hiob-Vergleich wird als standhafter Beweis für das Prüfungsmotiv gewertet, da der Erzähler selbst an zentralen Wendepunkten explizit auf die Hiobsgeschichte Bezug nimmt.

Kommt die Arbeit zu einem eindeutigen Schluss?

Nein, die Autorin schließt sich der Ansicht an, dass eine Multidimensionalität des Werkes vorliegt und kein starres "Entweder-Oder" zwischen Strafe und Prüfung möglich ist.

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Details

Titel
Strafe oder Prüfung? Zur Begründung des Paradigmas der Krankheit im armen Heinrich
Hochschule
Universität Siegen
Veranstaltung
Einführung in die Lektüre mittelhochdeutscher Texte
Note
2,7
Autor
Olivia Müller (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2006
Seiten
20
Katalognummer
V73436
ISBN (eBook)
9783638634540
ISBN (Buch)
9783638794268
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Strafe Prüfung Begründung Paradigmas Krankheit Heinrich Einführung Lektüre Texte
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Olivia Müller (Autor:in), 2006, Strafe oder Prüfung? Zur Begründung des Paradigmas der Krankheit im armen Heinrich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/73436
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  20  Seiten
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