Die Internationalisierung der Rechnungslegung hat in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Es ist nicht mehr von der Hand zu weisen, dass der deutschen Bilanzwelt ein fundamentaler Umbruch bevorsteht. Nachdem die Bilanzierung nach IAS/IFRS (i. F. nur noch IFRS genannt) ab dem 01.01.2005 für den Konzernabschluss von kapitalmarktorientierten Unternehmen verpflichtend eingeführt worden ist5, steht nun auch der deutsche Mittelstand vor der Frage,
ob er freiwillig auf IFRS umstellen soll.
Vor diesem Hintergrund stellt sich nun die Frage, ob mittelständische Unternehmen den Aufwand in Kauf nehmen und ihre Rechnungslegung auf IFRS umstellen sollen. In der Literatur wird vielfach darüber berichtet, dass sich eine Umstellung positiv auf die Eigenkapitalquote und somit auch auf das Rating auswirken wird, das im Zuge von Basel II zunehmend an Bedeutung für die Kreditvergabe
an Unternehmen gewinnt. Die Eigenkapitalquote kleiner und mittlerer Unternehmen ist in Deutschland relativ niedrig. Allerdings stellt sich die Frage, ob allein ein neues Rechnungslegungssystem ausreicht, die Eigenkapitalquote langfristig zu erhöhen.
Außerdem muss zusätzlich untersucht werden, ob für die Banken eine Bilanzierung nach IFRS wirklich zu favorisieren ist, und es dadurch zu einem verbesserten Rating kommt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Einführung
1.2 Problemstellung
1.3 Vorgehensweise
2 Definition KMU
2.1 Quantitative Aspekte
2.2 Qualitative Aspekte
3 Die Rolle des Mittelstandes in Deutschland
3.1 Die Wirtschaftliche Situation des deutschen Mittelstandes
3.2 Vorteile und Nachteile der internationalen Rechnungslegung
3.2.1 Vorteile
3.2.2 Nachteile
3.3 Die Haltung des deutschen Mittelstandes gegenüber der internationalen Rechnungslegung
4 Auswirkungen auf das Eigenkapital
4.1 Eigenkapitalausweis
4.2 Erfolgsneutral
4.2.1. Neubewertung des Anlagevermögens
4.2.1.1 Anwendungsvoraussetzungen
4.2.1.2 Neubewertungsrücklage
4.2.1.3 Beispiel für Neubewertungsrücklage
4.2.2 Leasing
4.2.2.1 Sale and lease back-Verfahren
4.2.2.2 Leasing und Eigenkapital
4.2.2.3 Beispiel zu Leasing und sale and lease back
4.3 Erfolgswirksam
4.3.1 Vorräte
4.3.1.1 Anschaffungs- und Herstellungskosten
4.3.1.2 Vorräte und Eigenkapital
4.3.1.3 Beispiel zu Vorräten
4.3.2 Selbst erschaffene immaterielle Vermögenswerte
4.3.2.1 Forschungs- und Entwicklungskosten
4.3.2.2 Immaterielle Vermögenswerte und Eigenkapital
4.3.2.3 Beispiel für immaterielle Vermögenswerte
4.3.3 Langfristige Fertigungsaufträge – Teilgewinnrealisierung
4.3.3.1 Percentage-of Completion-Methode
4.3.3.2 Langfristige Fertigungsaufträge und Eigenkapital
4.3.3.3 Beispiel für eine Teilgewinnrealisierung
4.3.4 Pensionsrückstellungen
4.3.4.1 Projected Credit Method
4.3.4.2 Pensionsrückstellungen und Eigenkapital
4.3.4.3 Beispiel zu Pensionsrückstellungen
4.3.5. Rückstellungen
4.3.5.1 Aufwandsrückstellungen
4.3.5.2 Rückstellungen und Eigenkapital
4.3.5.3 Beispiel zu Rückstellungen
4.3.6. Außerplanmäßige Abschreibung
4.3.6.1 Beispiel zu außerplanmäßiger Abschreibung
4.3.6.2 Verlängerte Abschreibungsdauer
4.4 Abgrenzung von Eigen- und Fremdkapital
4.4.1 IAS 32
4.4.2 Auswirkungen auf das Eigenkapital
4.4.3 Lösungsansätze
4.5 Kritik
4.6 Zusammenfassende Betrachtung der Auswirkungen auf das Eigenkapital und die Eigenkapitalquote
5 Die Eigenkapitalquote und das Bankenrating
5.1 Hintergrund zu Basel II
5.2 Auswirkungen einer Umstellung auf IFRS auf quantitative und qualitative Informationen
5.2.1 Quantitative Informationen
5.2.2 Qualitative Informationen
5.3 Banken und IFRS
5.3.1 Jahresabschlussanalyse der Kreditinstitute
5.3.2 Präferenzen der Banken
5.3.3 Basel II konforme Ratingsysteme
5.4 Erleichterungen für kleine und mittlere Unternehmen
5.5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob mittelständische Unternehmen ihre Rechnungslegung auf IFRS umstellen sollten, um ihre Eigenkapitalquote zu erhöhen und damit ein besseres Rating bei Banken zu erreichen. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, ob eine solche Umstellung trotz des hohen Aufwands langfristig tatsächlich zu einer verbesserten Finanzierungssituation führt.
- Analyse der Auswirkungen von IFRS-Bilanzierungsregeln auf verschiedene Bilanzposten.
- Untersuchung der Eigenkapitalquote als zentralem Indikator für das Bankenrating.
- Gegenüberstellung von Handelsrecht (HGB) und internationaler Rechnungslegung (IFRS).
- Kritische Bewertung der Relevanz von IFRS für den deutschen Mittelstand unter Berücksichtigung von Basel II.
- Betrachtung von Erleichterungswahlrechten für kleine und mittlere Unternehmen.
Auszug aus dem Buch
4.2.1. Neubewertung des Anlagevermögens
Beide Rechnungslegungssysteme schreiben bei erstmaliger Erfassung eine Bewertung der Sachanlagen und immateriellen Vermögensgegenstände nach Anschaffungs- oder Herstellkosten vor.73
Im Gegensatz zum Anschaffungskostenprinzip74 erlauben es die IFRS, eine Neubewertung (revaluation), d. h. einen Ansatz über die Anschaffungs- und Herstellungskosten hinaus, für • sächliches Anlagevermögen75 und • immaterielle Anlagegüter76 vorzunehmen. Im Rahmen der Folgebewertung handelt es sich bei der Neubewertung um eine erlaubte Ausnahme (allowed alternative treatment) vom Anschaffungskostenprinzip. Das ermöglicht dem Unternehmen, stille Reserven aus dem Anlagevermögen aufzudecken und damit das Eigenkapital des Unternehmens zu erhöhen.77 Der Wertansatz ergibt sich dabei aus dem beizulegenden Zeitwert (fair value) zum Zeitpunkt der Neubewertung, abzüglich aller nach der Neubewertung angefallenen planmäßigen und außerplanmäßigen Abschreibungen.78 Voraussetzung ist allerdings, dass sich der beizulegende Zeitwert verlässlich ermitteln lässt79. 80 Bei Maschinen und Ausstattung ist beispielsweise der durch Schätzungen zu ermittelnde Marktpreis maßgebend.81 Ist dieser nicht zu ermitteln, werden die fortgeführten Wiederbeschaffungskosten (depreciated replacemnt cost) für die Bewertung herangezogen. Bei Grundstücken und Gebäuden ist der beizulegende Zeitwert durch einen Sachverständigen zu erstellen.82
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Erläutert die zunehmende Bedeutung der internationalen Rechnungslegung und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Sinnhaftigkeit einer IFRS-Umstellung für den Mittelstand.
2 Definition KMU: Definiert den Begriff der kleinen und mittleren Unternehmen anhand von quantitativen und qualitativen Kriterien.
3 Die Rolle des Mittelstandes in Deutschland: Beschreibt die wirtschaftliche Bedeutung des Mittelstandes und diskutiert die Vor- und Nachteile sowie die skeptische Haltung gegenüber IFRS.
4 Auswirkungen auf das Eigenkapital: Analysiert detailliert, wie spezifische IFRS-Bilanzierungspraktiken das Eigenkapital verändern, und prüft dies anhand von Fallbeispielen.
5 Die Eigenkapitalquote und das Bankenrating: Untersucht den Zusammenhang zwischen IFRS-Bilanzierung, der Eigenkapitalquote und den Kriterien des Bankenratings unter Basel II.
Schlüsselwörter
IFRS, HGB, Eigenkapitalquote, Mittelstand, Basel II, Bankenrating, Bilanzierung, Anlagevermögen, Leasing, Rückstellungen, Vorräte, Neubewertung, Finanzierung, Eigenkapital, Fremdkapital
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen einer Umstellung der Rechnungslegung von HGB auf IFRS auf die Eigenkapitalquote und das Bankenrating kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) in Deutschland.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die Bilanzierung nach IFRS im Vergleich zum HGB, die Ermittlung der Eigenkapitalquote sowie deren Einfluss auf die Kreditwürdigkeit (Rating) im Rahmen von Basel II.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es zu klären, ob eine Umstellung auf IFRS für mittelständische Unternehmen sinnvoll ist, um eine höhere Eigenkapitalquote auszuweisen und dadurch eine bessere Einstufung durch Banken bei der Kreditvergabe zu erreichen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine literarische Arbeit, die durch eine fundierte Literaturanalyse sowie durch die Erstellung eigener, vergleichbarer Zahlenbeispiele (Bilanzrechnungen) die Auswirkungen der verschiedenen Bilanzierungsmethoden aufzeigt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Auswirkungen der IFRS-Bilanzierung auf spezifische Bilanzposten wie Anlagevermögen (Neubewertung), Leasing, Vorräte, langfristige Fertigungsaufträge, Pensionsrückstellungen und andere Rückstellungen sowie die Abgrenzung von Eigen- und Fremdkapital.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die wichtigsten Schlüsselwörter sind IFRS, HGB, Eigenkapitalquote, Mittelstand, Basel II, Bankenrating, Bilanzierung und Eigenkapital.
Welche Auswirkung hat die IFRS-Neubewertungsmethode auf das Eigenkapital?
Im Jahr der Umstellung führt die Neubewertungsmethode tendenziell zu einer Erhöhung des Eigenkapitals, da stille Reserven (z.B. in Grundstücken) aufgedeckt werden; allerdings mindern höhere zukünftige Abschreibungen diesen Effekt über die Zeit wieder.
Wie bewertet der Autor den Nutzen einer IFRS-Umstellung allein aus Rating-Gründen?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass eine Umstellung allein aus Rating-Gründen nicht befürwortet werden kann, da viele KMU nicht durch externe Ratingagenturen bewertet werden und Banken die Realität des Unternehmens durch Aufbereitungen der Bilanzdaten ohnehin prüfen.
- Quote paper
- Eva-Maria Rynders (Author), 2006, Die Auswirkungen der Bilanzierung nach IAS/IFRS auf die Eigenkapitalquote kleiner und mittlerer Unternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72977