Während der Reichskrise des 3. Jahrhunderts, sah sich Rom einer permanenten und zunehmenden Bedrohung seiner Grenzen ausgesetzt. Die Sassaniden griffen den Osten an, die Goten bedrohten die Donaugrenze und die Franken und Alamannen drangen wiederholt über die Rheingrenze tief in römisches Gebiet ein#. Kaiser Valerian (253-260n.Chr.) reagierte auf dieses Problem und ernannte seinen Sohn Publius Licinius Egnatius Gallienus umgehend zum Mitregenten. Er war von da an für den Westteil, Valerian für den Ostteil des Reiches verantwortlich. Diese Entscheidung, die Last eines Mehrfrontenkriegs auf zwei Schultern zu verteilen, erwies sich für die weiteren Jahre seiner Regierung als durchaus erfolgreich. Das Jahr 260n.Chr., das Jahr seiner Gefangennahme durch den Sassanidenkönig Shapur I. , setzte dem positiven Trend jäh ein Ende. Da Gallienus von nun an allein die Verantwortung für das überdehnte Gesamtreich trug, entstand in vielen Reichsteilen ein Machtvakuum, das von Gallienus nicht auszufüllen war. Zumeist äußerte sich das in Usurpationen, die von Gallienus oder seinen Generälen erfolgreich niedergeschlagen werden konnten. In den drei gallischen Provinzen jedoch entstand unter Marcus Cassianus Latinius Postumus eine Art Sonderreich, das bis ins Jahr 274n.Chr. bestand hatte.
Welche Vorgänge genau zu dieser Entwicklung geführt haben, will ich in meiner Arbeit untersuchen. Ich werde mich bei der Analyse auf den Zeitraum von 260n.Chr. , der Gründung des Sonderreichs, bis 269n.Chr. , dem Todesjahr des Postumus, konzentrieren. Hierbei gilt es die Frage zu klären, ob das Gallische Sonderreich als Resultat eines gallischen Separatismus oder als normale Usurpation zu betrachten ist? Dazu muss besonders die Tatsache analysiert werden, dass es während der ganzen Zeit von 260n.Chr. bis 274n.Chr., von gallischer Seite aus, nie den Versuch gegeben hat die Herrschaft auf das Gesamtreich zu erweitern. Wollte Postumus ein dauerhaft von Rom getrenntes Reich? Warum hat Gallienus nur einen einzigen Versuch unternommen, die westlichen Provinzen wieder unter seine Kontrolle zu bekommen?
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die Entstehung des Gallischen Sonderreichs
- Die Situation an den Grenzen
- Die gallischen Provinzen vor der Usurpation
- Der Wunsch nach Kaisernähe
- Valerians Gefangennahme und ihre Folgen
- Gallischer Separatismus oder Usurpation
- Aufbau und Organisation des Teilreichs
- Gallienus Reaktion auf Postumus
- Postumus Ambitionen auf das Zentralkaisertum
- Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Entstehung des Gallischen Sonderreichs unter Postumus im Zeitraum von 260 bis 269 n. Chr. und analysiert die Ursachen und Hintergründe dieser Abspaltung vom Römischen Reich.
- Die Krise des 3. Jahrhunderts und die Probleme der römischen Grenzen
- Die Situation in den gallischen Provinzen vor der Usurpation Postumus
- Die Reaktion von Gallienus auf den gallischen Separatismus
- Die Ambitionen und Strategien von Postumus
- Die Rolle des gallischen Sonderreichs im Kontext der römischen Reichskrise
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung
Die Einleitung beleuchtet die politische Situation im Römischen Reich während der Reichskrise des 3. Jahrhunderts und skizziert die Herausforderungen, denen das Reich in dieser Zeit gegenüberstand. Die Arbeit konzentriert sich auf die Entstehung des Gallischen Sonderreichs unter Postumus und stellt die Forschungsfrage, ob dieses als Resultat eines gallischen Separatismus oder als normale Usurpation betrachtet werden sollte.
Die Entstehung des Gallischen Sonderreichs
Dieses Kapitel untersucht die Entstehung des Gallischen Sonderreichs. Es werden die Grenzprobleme Roms und die Situation in den gallischen Provinzen vor der Usurpation Postumus beschrieben. Es wird beleuchtet, wie die Gefangennahme von Valerian I. durch den Sassanidenkönig Shapur I. ein Machtvakuum schuf und zur Usurpation Postumus führte.
Gallischer Separatismus oder Usurpation
Dieses Kapitel analysiert den Aufbau und die Organisation des Gallischen Sonderreichs unter Postumus. Es wird beleuchtet, wie Postumus das römische System übernahm und die Westprovinzen verteidigte. Das Kapitel beschreibt die Reaktion von Gallienus auf die Usurpation Postumus und beleuchtet Postumus Ambitionen auf das Zentralkaisertum.
Schlüsselwörter
Die Arbeit beschäftigt sich mit der römischen Reichskrise des 3. Jahrhunderts, dem Gallischen Sonderreich, der Usurpation, Postumus, Gallienus, der Rheingrenze, der römischen Militärpolitik, der wirtschaftlichen Situation, dem Separatismus und der römischen Kaisermacht.
Häufig gestellte Fragen
Was war das Gallische Sonderreich?
Es war ein Teilreich des Römischen Reiches, das sich von 260 bis 274 n. Chr. unter Marcus Cassianus Latinius Postumus abspaltete und die Provinzen Gallien, Britannien und zeitweise Spanien umfasste.
War das Sonderreich ein Akt des Separatismus?
Die Arbeit untersucht, ob es echter Separatismus oder eine „normale“ Usurpation war, da Postumus nie versuchte, die Herrschaft auf das gesamte Römische Reich auszudehnen.
Wie reagierte Kaiser Gallienus auf das Sonderreich?
Gallienus war durch Kriege an anderen Fronten (Sassaniden, Goten) überlastet und unternahm nur einen einzigen, erfolglosen Versuch, die Kontrolle über den Westen zurückzugewinnen.
Warum entstand das Sonderreich ausgerechnet im Jahr 260 n. Chr.?
Auslöser war die Gefangennahme von Kaiser Valerian durch die Sassaniden, was ein Machtvakuum schuf, das Gallienus allein nicht füllen konnte.
Wie war das Gallische Sonderreich organisiert?
Postumus übernahm weitgehend das römische Verwaltungssystem, ernannte eigene Konsuln und Senatoren und fokussierte sich auf die Verteidigung der Rheingrenze gegen Germanen.
- Arbeit zitieren
- Sebastian Selle (Autor:in), 2007, Das Gallische Sonderreich unter Postumus: 260 n.Chr. - 269 n.Chr., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72514