Gegenstand dieser Hausarbeit ist die Raumkonzeption für die Inszenierung eines Dramas. Um in diesen Themenbereich einsteigen zu können, muss man sich zunächst das Begrifffeld abstecken. Welche Unterbereiche berührt das Thema Raumkonzeption? Welche Arten von Inszenierungen gibt es, worauf gründen ihre Konzepte, wie werden sie umgesetzt? Wie muss eine Bühne beschaffen sein, um eine bestimmte Inszenierungsart realisieren zu können? Wie nimmt man als Zuschauer eine Aufführung wahr und ist diese Wahrnehmung vom Dramatiker gewollt? Dient die Bühne als Reflektionsraum für das Bewusstsein der Figuren oder geht es nur um das Abbild eines realen Raumes? Als Zuschauer oder auch als Leser eines Dramas nehmen wir unbewusst Informationen auf und verarbeiten sie in einer Weise, sodass uns der Dramatiker in unserer Wahrnehmung lenken kann. Und um diese Informationsvermittlung über das Medium Raum und seine Gestaltung soll es in meiner Hausarbeit gehen.
In meiner Hausarbeit definiere ich zunächst den Begriff „Dramatischer Raum“. Das Verständnis dieses Begriffes in seinen zwei Inhaltsebenen ist elementar wichtig, um meinen weiteren Ausführungen in dieser Hausarbeit folgen zu können. Anschließend gehe ich auf die Möglichkeiten der Raumkonzeption ein. Man kann den fiktiven Ort eines Dramas auf verschiedene Arten optisch im realen Raum umsetzen. Jede Art hat eine andere Funktion und möchte dem Zuschauer einen anderen Aspekt des Schauspiels näher bringen. Um dies zu erreichen bedient sich der Regisseur auch verschiedener Techniken, auf die ich im Rahmen der Möglichkeiten der Raumkonzeption eingehen werde.
Darauf folgt die Vorstellung verschiedener Bühnenformen und deren Beitrag zur Illusionsbildung. Im Laufe der Zeit entwickelten sich in unserem europäischen Kulturkreis voneinander sehr unterschiedliche Formen des realen Raumes einer Vorführung. Sie unterscheiden sich in ihren Möglichkeiten der optischen Umsetzung des fiktiven Ortes. Anschließend möchte ich versuchen, die gewonnenen Erkenntnisse auf das Drama „le Tartuffe ou l’Imposteur“ von Molière anzuwenden. Im Anschluss darauf folgt meine Zusammenfassung meiner Hausarbeit.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Dramatischer Raum
3 Möglichkeiten der Raumkonzeption
3.1 Neutralität
3.2 Stilisierung
3.3 Konkretisierung
3.4 Lokalisierungstechniken
3.4.1 verbale Lokalisierungstechniken
3.4.2 nonverbale Lokalisierungstechniken
4 verschiedene Bühnenformen und ihr Beitrag zur Illusionsbildung
4.1 antike Orchestrabühne
4.2 mittelalterliche Simultanbühne
4.3 Shakespearebühne
4.4 Hoftheater
4.5 Guckkastenbühne
5 Anwendung auf Le Tartuffe ou l’Imposteur von Molière
6 Zusammenfassung
7 Bibliographie
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen der Raumkonzeption im klassischen Theater und analysiert, wie diese durch verschiedene Bühnenformen und Lokalisierungstechniken praktisch umgesetzt werden. Das primäre Ziel ist es, den Begriff des dramatischen Raumes zu definieren und die gewonnenen theoretischen Erkenntnisse exemplarisch an Molières Komödie „Le Tartuffe ou l’Imposteur“ zu erproben.
- Definition des Begriffs „Dramatischer Raum“ als Zusammenspiel von realem Bühnenraum und fiktivem Ort.
- Unterscheidung der Grade der Raumkonzeption: Neutralität, Stilisierung und Konkretisierung.
- Analyse verbaler und nonverbaler Lokalisierungstechniken zur Realisierung des fiktiven Raums.
- Vergleich historischer Bühnenformen und deren Einfluss auf die Illusionsbildung.
- Anwendung der erarbeiteten Kriterien auf Molières „Le Tartuffe ou l’Imposteur“.
Auszug aus dem Buch
3.2 Stilisierung
Auch bei der stilisierten Raumkonzeption hat der Raum eine reflektierende Funktion. Doch anders als bei der neutralen Raumkonzeption dient er hier nur nebensächlich als Abbild eines realen Raumes. Ihm fällt nun die Aufgabe zu, die Bewusstseinslage der Figuren widerzuspiegeln. Er dient nur noch als „marginaler Rahmen, der in abstrakter Stilisierung den Schauplatz andeutet“ (Pfister 1977: S.346). Aus diesem Grund bleibt auch das Bühnenbild unspezifiziert und undefiniert. Es ist auf wenige aber bedeutsame Elemente beschränkt, welche allerdings durch ihre Darstellung keine absolute Interpretation zulassen. Dadurch erhalten das Bühnenbild als Ganzes und die Bühnenelemente im Speziellen mehrfache Bedeutung und liefern mehrfache Interpretationsansätze. Einerseits kann jeder Zuschauer selbst das Bühnenbild für sich interpretieren, andererseits interpretieren die Figuren das Bühnenbild für den Zuschauer, wenn das gleiche Bühnenbild durch die veränderte Bewusstseinslage einer anderen Figur eine andere Bedeutung bekommt und dadurch eine neue Interpretation zulässt. Die stilisierte Raumkonzeption fand Verwendung im klassischen französischen Drama oder im Drama der Weimarer Klassik.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung steckt das Forschungsfeld ab, definiert das Interesse an der Raumkonzeption und skizziert den methodischen Aufbau der Arbeit.
2 Dramatischer Raum: Dieses Kapitel definiert den dramatischen Raum als Wechselspiel zwischen realem Bühnenraum und fiktivem Handlungsort.
3 Möglichkeiten der Raumkonzeption: Hier werden die Grade der Konkretisierung (Neutralität, Stilisierung, Konkretisierung) sowie die zugehörigen Lokalisierungstechniken (verbal und nonverbal) theoretisch fundiert.
4 verschiedene Bühnenformen und ihr Beitrag zur Illusionsbildung: Dieses Kapitel untersucht, wie sich die architektonischen Bedingungen verschiedener Bühnenformen historisch auf die Möglichkeiten der Illusionserzeugung auswirken.
5 Anwendung auf Le Tartuffe ou l’Imposteur von Molière: Die erarbeiteten Theorien werden auf Molières Werk angewandt, um die konkrete Raumgestaltung und die Lokalisierungstechniken in diesem Stück zu analysieren.
6 Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel reflektiert die Ergebnisse und weist darauf hin, dass die theoretischen Kategorien als flexible Fixpunkte für eine Dramenanalyse dienen.
7 Bibliographie: Ein Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen zur Erstellung der Arbeit.
Schlüsselwörter
Dramatischer Raum, Raumkonzeption, Neutralität, Stilisierung, Konkretisierung, Lokalisierungstechniken, Wortkulisse, Bühnenformen, Illusionsbildung, Le Tartuffe ou l’Imposteur, Molière, Dramenanalyse, Theaterwissenschaft, Bühnenbild, Fiktiver Ort.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Konzeption des Raumes bei der Inszenierung von Dramen und wie dieser Raum theoretisch und praktisch gestaltet wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Definition des dramatischen Raums, die Abstufungen der Raumkonkretisierung, verschiedene historische Bühnenformen sowie die Techniken der Lokalisierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein theoretisches Verständnis für den dramatischen Raum zu entwickeln und dieses Modell beispielhaft an Molières „Le Tartuffe ou l’Imposteur“ zu erproben.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die auf etablierten Theoriemodellen zur Dramenanalyse basiert und diese auf ein konkretes Werk anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erörterung der Raumkonzeptionen und Bühnenformen sowie einen praktischen Anwendungsteil auf Molières Drama.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Raumkonzeption, Dramatischer Raum, Illusionsbildung, Wortkulisse sowie die Analyse historischer Bühnenformen.
Wie unterscheidet sich die stilisierte von der konkretisierten Raumkonzeption?
Während die stilisierte Konzeption den Raum nur als marginalen, symbolischen Rahmen zur Widerspiegelung der Bewusstseinslage der Figuren nutzt, zielt die konkretisierte Raumkonzeption auf eine detailreiche Nachahmung der Wirklichkeit ab.
Warum spielt der „Nebentext“ bei der Lokalisierung eine Rolle?
Der Nebentext liefert wichtige Regieanweisungen und Beschreibungen des Schauplatzes, die dem Bühnenbildner und Regisseur als Vorgabe dienen, um den dramatischen Raum zu determinieren.
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- Daniel Wimmer (Author), 2004, Die Raumkomzeption im klassischen Theater: Theorie und ihre Anwendung an Hand von Molières "Le Tartuffe ou l'Imposteur", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71176