Straßenkindheiten sind ein Phänomen, das weltweit in Entwicklungs-, wie auch Industrieländern auftritt. Die ILO (International Labour Organization) schätzt die Zahl der Straßenkinder insgesamt auf 100 – 200 Millionen, wobei diese Schätzungen je nach Definition des Begriffs Straßenkind (s. hierzu Kap. 2) stark schwanken. Für Kenia gibt die UN (United Nation) die Anzahl der Kinder, die auf der Straße leben mit 600.000 an, in Deutschland beläuft sich die Zahl auf ca. 20.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit dem Lebensmittelpunkt Straße. Fast jede größere deutsche Stadt verfügt über Anlaufstellen für Straßenkinder. Interessant ist hierbei, dass das Verhältnis zwischen der Anzahl von Straßenjungen und -mädchen mit 3 zu 1 weltweit einheitlich und gleichbleibend zu sein scheint, obwohl die absoluten Zahlen ansteigen: Im Laufe der letzten 20 Jahre haben sich die Straßenkinder global gesehen verdoppelt. Dies hängt vor allem mit der zunehmenden Industrialisierung vieler Länder der sogenannten Dritten Welt zusammen, welche Verstädterung und Zerfall der traditionellen Familienstrukturen bedeutet, wie es im 4. Kapitel über die theoretischen Erklärungsversuche des Straßenkinderphänomens am Beispiel Kenias deutlich werden wird.
Die Situation und Lebenslage von Straßenkindern, Ursachen, Erklärungsversuche und Hintergründe und verschiedene Arbeitsansätze im Umgang mit der Klientelgruppe im Gemeinwesen sollen in den folgenden Kapiteln jeweils einzeln für Kenia als sogenanntes Entwicklungsland und Deutschland als Vertreter der Industriestaaten dargestellt und im Anschluss verglichen und bewertet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung:
2. Definition: Straßenkind
2.1. Kenia:
2.2. Deutschland:
2.3. Allgemein:
3. Situation und Lebenslage von Straßenkindern:
3.1. Kenia:
3.2. Deutschland:
3.3. Vergleich:
4. Ursachen, Erklärungsversuche und Hintergründe:
4.1. Kenia:
4.2. Deutschland:
4.3. Theorien:
5. Arbeitsansätze der sozialen Arbeit im Gemeinwesen:
5.1. Kenia:
5.2. Deutschland:
6. Schlussfolgerungen:
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Problematik von Straßenkindern im Gemeinwesen durch einen exemplarischen Vergleich zwischen Kenia als Entwicklungsland und Deutschland als Industriestaat, um Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Lebenslagen sowie sozialpädagogische Interventionsansätze zu identifizieren.
- Phänomenologie und Definition von Straßenkindheiten
- Vergleich der Lebensumstände und Ursachenstrukturen
- Sozialisationstheoretische Erklärungsmodelle
- Vergleich staatlicher und nicht-staatlicher Arbeitsansätze
- Bedeutung der Gemeinwesenorientierung in der Praxis
Auszug aus dem Buch
3.3. Vergleich:
Jetzt stellt sich natürlich die Frage in wie weit eine Straßenkindheit in einem Dritte Weltland mit einer in einem Industrieland überhaupt zu vergleichen ist. Der Unterschied zwischen hungernden, um ihre Existenz kämpfenden, von sozialer Unterstützung weitgehendst ausgeschlossenen, von der Polizei gejagten Kindern in Kenia und deutschen „Bahnhofskindern“ ist beträchtlich. Anhand der folgenden drei Bezugspunkte, Kinderarbeit, Armut und abweichendes Verhalten, soll versucht werden die Situation und die Lebenslage von Straßenkindern in Kenia und Deutschland zu vergleichen.
Geschichtlich gesehen ist Kinderarbeit in Entwicklungs-, wie Industrieländern ein Normalzustand: In kenianischen Stämmen wie den Masai wurden den Kindern früh Aufgaben zugeteilt. So ist beispielsweise das Hüten der Rinder bei den Masai bis heute Aufgabe der Jungs ab 7 Jahren. Während der britischen Kolonialbesatzung wurden Kinder zur Arbeit auf den Plantagen der Kolonialherren gezwungen und bis heute ist es in Kenia ganz normal, dass Kinder in der elterlichen Landwirtschaft oder beim Wassertragen, Waschen u.s.w. mithelfen. Auch in Europa war es bis ins 19. Jahrhundert gang und gebe, dass Kinder auf den Feldern, in Fabriken oder Handwerksberieben arbeiteten und meist ausgebeutet wurden.
„Kindheit“ als Schutzraum aus unserem westlichen Blickwinkel gesehen, in dem sich Kinder ungestört zu Erwachsenen entwickeln können, ist eine ‚Erfindung’ der bürgerlichen Gesellschaft Europas des 18. Jahrhunderts (vgl. Phillipe Aries). Und zur Jahrtausendwende gibt es schon wieder erste Stimmen, wie die Neil Postmans, die ein Verschwinden der modernen Kindheit bemerken, da Kinder in unserer Gesellschaft weitgehend ungefiltert dem Medieneinfluss ausgesetzt sind und so ganz an der erwachsenen Informationsgesellschaft beteiligt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Der Autor erläutert seine Motivation durch ein Fremdpraktikum in Kenia und stellt die zentrale Fragestellung nach den Gemeinsamkeiten und Unterschieden von Straßenkindheiten in verschiedenen kulturellen Kontexten.
2. Definition: Straßenkind: Es wird die begriffliche Problematik und die unterschiedliche Verwendung des Terminus „Straßenkind“ in Kenia und Deutschland dargelegt, inklusive einer Differenzierung in verschiedene Subgruppen.
3. Situation und Lebenslage von Straßenkindern: Dieses Kapitel beschreibt den Alltag auf der Straße, die Bedeutung der Peergroup als Ersatzfamilie sowie die spezifischen Gefahren und Überlebensstrategien in den beiden Vergleichsländern.
4. Ursachen, Erklärungsversuche und Hintergründe: Hier werden ökonomische und soziale Faktoren wie Urbanisierung, Familienzerfall und Armut analysiert und durch verschiedene theoretische Modelle, wie den systemischen Ansatz, ergänzt.
5. Arbeitsansätze der sozialen Arbeit im Gemeinwesen: Es folgt eine detaillierte Gegenüberstellung staatlicher Hilfssysteme und pädagogischer Konzepte freier Träger in Kenia und Deutschland.
6. Schlussfolgerungen: Der Autor fasst zusammen, dass trotz ähnlicher Faktoren wie Armut die Lebenslagen und sozialen Strukturen fundamental variieren und plädiert für die Stärkung lokaler Gemeinwesen.
Schlüsselwörter
Straßenkinder, Soziale Arbeit, Gemeinwesenarbeit, Kenia, Deutschland, Kinderarbeit, Armut, Sozialisation, Pädagogik, Prävention, Reintegration, Streetwork, Lebensweltorientierung, Hilfesysteme, Marginalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit vergleicht die Lebenssituation von Straßenkindern und die sozialpädagogischen Umgangsweisen in Kenia und Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen Definitionen, Ursachen, Lebenslagen sowie konkrete Arbeitsansätze der sozialen Arbeit im Gemeinwesen.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Ziel ist es, ein Verständnis für die unterschiedlichen Hintergründe von Straßenkindheiten zu schaffen und aufzuzeigen, wie gemeinwesenorientierte Konzepte zur Lösung beitragen können.
Welche wissenschaftliche Methode findet Anwendung?
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse, basierend auf Literaturstudien und praktischen Erfahrungen des Autors.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Lebensbedingungen in Kenia und Deutschland sowie theoretische Erklärungsmodelle für abweichendes Verhalten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Straßenkinder, Gemeinwesenarbeit, Armut und Lebensweltorientierung geprägt.
Welche Rolle spielt die Familie laut dem Autor?
Die Familie wird als zentrale Sozialisationsinstanz betrachtet, deren Zerfall maßgeblich zur Entstehung von Straßenkindheiten beiträgt.
Warum wird die „Gemeinwesen-Orientierung“ hervorgehoben?
Sie gilt als erfolgversprechendster Ansatz, da sie das Problem an der Wurzel packt und soziale Netzwerke vor Ort stärkt.
- Arbeit zitieren
- Thomas Szczepanek (Autor:in), 2006, Soziale Arbeit mit Straßenkindern im Gemeinwesen , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/70847