Carlo Goldoni war einer der berühmtesten Theaterautoren seiner Zeit, und seine Werke gehören heute noch zur Pflichtlektüre an den italienischen Schulen. Typisch für ihn sind Komödien mit Verwicklungen auf mehreren Ebenen, wofür der 1750 entstandene „Il Bugiardo“ ein Musterbeispiel ist. Den Großteil seines Reizes und seiner Komik zieht er aus dem Spiel mit der Tatsache, dass die Figuren untereinander einerseits und gegenüber dem Rezipienten andererseits unterschiedlich viel wissen und danach trachten, diese Informationsdiskrepanz und die daraus resultierenden Missverständnisse und Fehlannahmen aufzulösen. In Anlehnung an das für die Dramenanalyse grundlegende Werk Das Drama von Manfred Pfister (1. Auflage 1977) und insbesondere an das Kapitel zur Informationsvergabe (S. 67-148) bietet der „Bugiardo“ fruchtbaren Boden für die Interpretation.
Auch die Untersuchung anhand der oft gemachten Unterscheidung zwischen Was- und Wie-Spannung scheint angesichts der Tatsache, dass der letztendliche Ausgang des Stückes eigentlich schon von vornherein feststeht, durchaus angebracht zu sein. Jedoch ist dieser Punkt noch einer genaueren Überprüfung zu unterziehen, bevor er auf die Analyse angewendet werden kann.
Diese beiden Punkte, die Informations- und die Spannungsstruktur in Goldonis „Bugiardo“, hat die vorliegende Arbeit zum Thema. Dazu wird zuerst eine Zusammenfassung der Ausführungen Pfisters geliefert und anschließend eine Kurzfassung der Handlung des Stückes. Schließlich wird das Gesagte auf das konkrete Beispiel angewendet.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- M. Pfister zur Informationsvergabe
- Methodische Vorüberlegungen: Unterscheidung zwischen innerem und äußerem Kommunikationssystem
- Vorinformation und Erwartungshorizont des Zuschauers
- Die Relationen zwischen Figuren- und Zuschauerinformiertheit. Diskrepante Informiertheit
- Sukzession und Informationsvergabe und Spannungspotential
- Die Informationsvergabe in Goldonis „,Bugiardo“"
- Zusammenfassung der Handlung
- Die Informationsstruktur
- Vorinformation. L'autore a chi legge
- Exposition
- Steigerung
- Höhepunkt
- Retardierendes Moment
- Schluss
- Spannungsbögen
- Schlusswort
- Literatur
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit analysiert die Informationsstruktur in Goldonis „Bugiardo“ im Hinblick auf die Theorien von Manfred Pfister zur Informationsvergabe. Dabei werden die Relationen zwischen Figuren- und Zuschauerinformiertheit sowie das Spannungspotential des Stückes untersucht.
- Informationsvergabe und Kommunikationssysteme in der Dramenanalyse
- Diskrepante Informiertheit und ihre Auswirkungen auf die Spannung
- Analyse der Informationsstruktur in „Bugiardo“
- Verbindung zwischen Informationsvergabe und Spannungskurve
- Interpretation von Goldonis Werk im Lichte der Theorien Pfisters
Zusammenfassung der Kapitel
- Die Einleitung gibt eine kurze Einführung in das Thema der Arbeit und stellt die Bedeutung der Informationsvergabe in Goldonis „Bugiardo“ heraus.
- Das zweite Kapitel bietet eine Zusammenfassung der Theorien von Manfred Pfister zur Informationsvergabe im Drama. Dabei werden die verschiedenen Kommunikationssysteme und die Rolle der diskrepanten Informiertheit für die Spannungserzeugung beleuchtet.
- Das dritte Kapitel analysiert die Informationsvergabe in Goldonis „Bugiardo“. Es beleuchtet die Vorinformation, die Exposition, die Steigerung, den Höhepunkt, das retardierende Moment und den Schluss des Stückes im Hinblick auf die Informationsstruktur.
- Das vierte Kapitel befasst sich mit den Spannungselementen in „Bugiardo“ und ihrer Verbindung zur Informationsvergabe.
Schlüsselwörter
Informationsvergabe, Diskrepante Informiertheit, Dramenanalyse, Goldoni, „Bugiardo“, Kommunikationssysteme, Spannung, Spannungspotential, Dramatische Ironie.
- Quote paper
- M.A. Friederike Kleinknecht (Author), 2004, Zur Informationsvergabe in Goldonis "Bugiardo" nach M. Pfister, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/70674