„In jeder historischen Epoche bröckelt das Überlieferte, wandelt sich, weicht, das Neue sprießt, drängt hervor, aus dem Morgen wird das Heute, das ferne Zukünftige kündigt sich im Vorzeichen schon an […].“ So legte auch Martin Luther am 31. Oktober 1517 mit seinem legendären Thesenanschlag am Portal der Wittenberger Schlosskirche den Grundstein für die Reformation, die in den kommenden hundert Jahren die jahrhundertealten Machtstrukturen der Katholischen Kirche erschüttern und die Gründung einer neuen christlichen der Evangelischen Kirche zur Folge haben sollte.
Jedoch nicht Martin Luther, gegen den der Papst Leo X. 1521 den Kirchenbann verhängte oder die Reformation und ihre Ursachen sollen diese Arbeit beschäftigen, sondern es wird das Verhältnis Karls V. zu dieser neuen reformatorischen Bewegung bis 1521 im Mittelpunkt der Darstellung stehen. Auf dem Sterbebett bedauerte es Karl, zu Beginn seiner Amtszeit die Einheit des katholischen Glaubens nicht durch die Gefangennahme des Ketzers in Worms, dessen Hinrichtung und die rücksichtslose Verfolgung seiner Anhänger gesichert zu haben. In dieser Arbeit sollen die Einstellung und der Umgang dieses jungen Königs von Spanien, Herzogs von Burgund, Herrscher über große Teile Italiens sowie die österreichischen Erblande und seit 1520 gewählter und vom Papst bestätigter Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation mit Martin Luther und seinen Anhängern bis zum Reichstag 1521 in Worms untersucht werden. Die Darstellung beschränkt sich auf das Verhältnis zu Martin Luther, da die beiden anderen maßgebenden Reformatoren Johannes Calvin und Ulrich Zwingli ihre ersten programmatischen Schriften erst nach 1521 veröffentlicht haben.
Zu Beginn der Ausführungen soll gezeigt werden, wie die religiöse Einstellung Karls bereits durch seine Erziehung maßgeblich bestimmt wurde und wie sein persönlicher Glaube sein Weltbild und seine politische Grundhaltung gegenüber dem Papst beeinflusst haben. Im Folgenden wird die wechselvolle Positionierung Karls V. gegenüber Martin Luther sowie seinen Befürwortern und Gegnern vor und während des Wormser Reichstages dargestellt werden. Dabei sollen sowohl die politischen Zwänge der kaiserlichen Machtpolitik als auch der starke Einfluss der Berater Karls berücksichtigt werden. Zum Abschluss der Seminararbeit wird anhand des Glaubensbekenntnisses des Kaisers und dem Beschluss des Wormser Edikts 1521 seine persönliche Einstellung gegen Luther veranschaulicht werden.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- I. Karl V. ein frommer Durchschnittskatholik
- II. Die wechselvolle Positionierung Karls V. in der Lutherfrage
- 1) Die Situation im Vorfeld des Reichstages zu Worms 1521
- 2) Streit um die Vorladung Luthers auf den Reichstag - Schwanken zwischen Nuntius Aleander und Kurfürst Friedrich von Sachsen
- III. Die Entscheidung von Worms
- 1) Das Glaubensbekenntnis des Kaisers
- 2) Der Beschluss des Wormser Edikts
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht das Verhältnis von Kaiser Karl V. zur reformatorischen Bewegung Martin Luthers bis zum Wormser Reichstag 1521. Sie analysiert, wie Karls religiöse Einstellung durch seine Erziehung geprägt wurde und wie diese seine politische Haltung gegenüber dem Papst und der neuen reformatorischen Bewegung beeinflusste. Darüber hinaus beleuchtet die Arbeit die politische Dimension von Karls Vorgehen und die Rolle seiner Berater bei der Entscheidungsfindung.
- Die religiöse Einstellung von Karl V. und seine Positionierung als „frommer Durchschnittskatholik“
- Die politischen Zwänge der kaiserlichen Machtpolitik und der Einfluss von Beratern auf Karls Entscheidungen
- Karls Umgang mit Martin Luther und seinen Anhängern vor dem Hintergrund der reformatorischen Bewegung
- Die Rolle des Wormser Reichstages 1521 in der Auseinandersetzung mit Luther und der Reformation
- Karls persönliches Glaubensbekenntnis und der Beschluss des Wormser Edikts
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung skizziert den historischen Hintergrund und die Bedeutung der Reformation für die damalige Zeit. Sie stellt Karl V. als eine zentrale Figur in diesem Prozess vor und benennt die Ziele der Arbeit.
Kapitel I analysiert die religiöse Erziehung Karls V. und zeigt, wie sein Glaube durch seine Ausbildung im Orden vom Goldenen Vlies und die Begleitung durch seinen Mentor Adrian van Utrecht geprägt wurde. Es wird deutlich, dass Karl zwar ein gläubiger Katholik war, aber dennoch keinen besonderen Eifer für die Kirche zeigte.
Kapitel II beleuchtet die wechselvolle Positionierung Karls V. gegenüber Martin Luther und seinen Anhängern im Vorfeld des Wormser Reichstages. Die Arbeit untersucht den Einfluss von politischen Zwängen und Beratern auf Karls Entscheidungen und zeigt, wie er zwischen verschiedenen Positionen schwankte.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit den Themen der Reformation, der Machtpolitik des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, der religiösen Einstellung von Karl V., der Bedeutung des Wormser Reichstages 1521, Martin Luther und seinen Lehren sowie den politischen und religiösen Einflüssen auf Karls Entscheidungen.
Häufig gestellte Fragen
Wie war das persönliche Verhältnis von Karl V. zu Martin Luther?
Karl V. war ein streng gläubiger Katholik und sah in Luther einen Ketzer, der die Einheit der Kirche und des Reiches bedrohte. Dennoch war sein Handeln oft von politischen Zwängen geprägt.
Was war die Bedeutung des Reichstages zu Worms 1521?
In Worms sollte Luther seine Thesen widerrufen. Als er dies verweigerte, erließ Karl V. das Wormser Edikt, das die Reichsacht über Luther verhängte und die Verbreitung seiner Schriften verbot.
Welchen Einfluss hatte Karls Erziehung auf seine Haltung zur Reformation?
Seine Erziehung durch Mentoren wie Adrian van Utrecht und die Tradition des Ordens vom Goldenen Vlies prägten sein Weltbild als Verteidiger des katholischen Glaubens und der päpstlichen Autorität.
Warum konnte Karl V. die Reformation nicht sofort unterdrücken?
Politische Rücksichten auf einflussreiche Fürsten wie Kurfürst Friedrich von Sachsen sowie die Notwendigkeit, das Reich gegen äußere Feinde zusammenzuhalten, schränkten seinen Handlungsspielraum ein.
Bereute Karl V. später seinen Umgang mit Luther?
Es wird überliefert, dass er auf dem Sterbebett bedauerte, Luther in Worms nicht hingerichtet zu haben, um die Kirchenspaltung im Keim zu ersticken.
- Arbeit zitieren
- Magister Artium Benjamin Kleemann (Autor:in), 2003, Karl V. und die Reformation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/70212