Eine multinationale Staatsbürgerschaft kann es nicht geben, so die Meinung von Raymond Aron. Gleichzeitig erleben wir in Europa die Vereinigung einst erbitterter Kriegsgegner zu einem gemeinsamen politischen Verbund. Obwohl die europäische Staatsbürgerschaft mittlerweile zur Realität geworden ist und Raymond Aron Lügen straft, bleibt sein Einwand bestehen.
Doch es stellt sich die Frage, wieso er zu dem Schluss kam, dass es für eine europäische Staatsbürgerschaft keine Chance gibt. Es ergeben sich zwei Fragen, die eine Antwort auf die Eingangsfrage bieten könnten. Erstens sollte man fragen, ob der Unterschied zwischen Arons Meinung und der zur Realität gewordenen europäischen Staatsbürgerschaft in den veränderten Rahmenbedingungen in Europa zu suchen ist. Und zweitens kann man untersuchen, ob Aron dasselbe unter Staatsbürgerschaft versteht wie die Väter der europäischen Staatsbürgerschaft.
Ich werde in dieser Arbeit versuchen einige Antworten auf diese Fragen zu finden. Dazu beginne ich mit einer kurzen Einführung in den Verlauf der Entstehungsgeschichte der EU, wobei ich diesen Abschnitt zweiteilen werde. Da Raymond Aron zu Beginn der 80er Jahre verstarb (17. Oktober 1983), werde ich die Entwicklungen, die er miterlebte, von denen trennen, die nach ihm kamen. Als Zwischenschritt werde ich im Anschluss ein kurzes Resümee einschieben, um wieder eine Verbindung zur ersten Frage zu schaffen. Um eine Antwort auf die zweite Frage zu erhalten, werde ich das Verständnis der Staatsbürgerschaft hinterfragen. Auch hier werde ich wieder eine Zweiteilung vornehmen. Dazu werde ich auf der einen Seite die europäische Auffassung versuchen zu analysieren und auf der anderen Seite werde ich mich mit der Auffassung von Raymond Aron auseinandersetzen, wobei ich mich hierbei hauptsächlich auf seinen Aufsatz „Kann es eine multinationale Staatsbürgerschaft geben“ stütze, der im Jahre 1974 zum ersten Mal veröffentlicht wurde.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die Entwicklung der Europäischen Union
- Bis 1980
- Ab 1981
- Zwischenresümee 1
- Das Staatsbürgerschaftsbild
- Arons Verständnis der Staatsbürgerschaft
- Das europäische Staatsbürgerschaftsbild
- Zwischenresümee 2
- Zusammenfassung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Hausarbeit untersucht die Aussage von Raymond Aron, dass eine multinationale Staatsbürgerschaft nicht möglich sei, im Kontext der europäischen Integration. Sie analysiert die Entwicklung der Europäischen Union und setzt diese in Beziehung zu Arons Argumentation. Die Arbeit befasst sich mit der Frage, ob Arons Ablehnung der europäischen Staatsbürgerschaft auf veränderte Rahmenbedingungen in Europa oder auf ein unterschiedliches Verständnis von Staatsbürgerschaft zurückzuführen ist.
- Die Entstehung und Entwicklung der Europäischen Union
- Raymond Arons Kritik an der Idee einer europäischen Staatsbürgerschaft
- Das europäische Staatsbürgerschaftsbild und seine Konzeption
- Die Relevanz der Staatsbürgerschaft im europäischen Kontext
- Die Frage nach der Möglichkeit einer multinationalen Staatsbürgerschaft
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage und den theoretischen Rahmen der Arbeit dar. Sie skizziert die beiden zentralen Fragestellungen, die im weiteren Verlauf der Arbeit behandelt werden.
- Die Entwicklung der Europäischen Union: Dieser Abschnitt untersucht die Geschichte der Europäischen Integration, wobei er die Entwicklungen bis 1980 von den späteren Entwicklungen trennt. Er analysiert die politischen und wirtschaftlichen Beweggründe für die Gründung der Europäischen Gemeinschaften und deren Erweiterung.
- Das Staatsbürgerschaftsbild: In diesem Abschnitt wird das Verständnis von Staatsbürgerschaft analysiert. Es werden sowohl Arons Auffassung als auch das europäische Staatsbürgerschaftsbild beleuchtet. Der Fokus liegt auf Arons Argumentation in seinem Aufsatz "Kann es eine multinationale Staatsbürgerschaft geben?".
Schlüsselwörter
Europäische Integration, Staatsbürgerschaft, Raymond Aron, Multinationale Staatsbürgerschaft, Europäische Union, Geschichte der EU, Europäisches Staatsbürgerschaftsbild, Politische Integration, Wirtschaftliche Integration, Europäische Kommission, Europäisches Parlament, Vertrag von Rom, Montanunion, Europäische Atomgemeinschaft, Europäische Wirtschaftgemeinschaft.
Häufig gestellte Fragen
Warum hielt Raymond Aron eine europäische Staatsbürgerschaft für unmöglich?
Aron argumentierte 1974, dass eine multinationale Staatsbürgerschaft nicht existieren könne, da Staatsbürgerschaft für ihn untrennbar mit der Zugehörigkeit zu einer Nation und deren politischer Gemeinschaft verbunden war.
Hat sich Arons Prognose bewahrheitet?
Teilweise nicht, da die europäische Staatsbürgerschaft heute Realität ist; dennoch bleibt sein Einwand bezüglich der tieferen politischen Identität aktuell.
Was unterscheidet Arons Staatsbürgerschaftsbild von dem der EU?
Die Arbeit untersucht, ob Aron und die Gründerväter der EU unterschiedliche Definitionen von Staatsbürgerschaft zugrunde legten, insbesondere im Hinblick auf politische vs. wirtschaftliche Integration.
Welchen Zeitraum der EU-Geschichte deckt die Arbeit ab?
Die Arbeit trennt die Entwicklungen bis zu Arons Tod 1983 von den späteren Integrationsschritten, um seine Perspektive kontextualisieren zu können.
Welche Rolle spielt die wirtschaftliche Integration für die Staatsbürgerschaft?
Die Arbeit beleuchtet, wie aus der wirtschaftlichen Zusammenarbeit (Montanunion, EWG) schrittweise politische Rechte und schließlich das Konzept der Unionsbürgerschaft entstanden.
Was ist das Fazit zur „multinationalen Staatsbürgerschaft“?
Es wird diskutiert, ob die heutige europäische Staatsbürgerschaft Arons Kriterien erfüllt oder ob sie eine völlig neue Form der politischen Zugehörigkeit darstellt.
- Quote paper
- Matthias Schönfeld (Author), 2004, Raymond Aron und die europäische Staatsbürgerschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69710