Mit der Reform des Versicherungsvertragsrechts ergeben sich bedeutende Veränderungen für den Versicherer. Diese Abschlussarbeit untersucht die Auswirkungen der VVG-Reform auf den Vertragsabschluss. Betrachtet werden die Anforderungen an die Verbraucherinformationen und deren Übergabezeitpunkt an den VN. Bisher konnte der Versicherer beim
Übergabezeitpunkt zwischen zwei Möglichkeiten wählen. Er konnte entscheiden, ob er die Verbraucherinformationen mit Antragsstellung oder mit Übersendung der Police aushändigen wollte. I.d.R. hat der Versicherer sich für das Policenmodell, d.h. die Aushändigung mit Versicherungsschein, entschieden. Das Policenmodell soll nach dem Willen des Gesetzgebers abgeschafft werden. Je nachdem ob der Versicherer nach dem Antrags- oder Policenmodell verfahren hat, ergaben sich für den VN unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten in Form von Widerrufs-, Widerspruchs- oder Rücktrittsrechten. Neben dem Übergabezeitpunkt der Verbraucherinformationen war auch entscheidend, ob der Vertrag nach den Regeln des Fernabsatzes oder über einen Vermittler geschlossen wurde. Die verschiedenen Regelungen des bisherigen VVG werden in ein neues Widerrufsrecht zusammengefasst. Die Vor- und Nachteile der Abschaffung des Policenmodells sowie die Regelungen für ein neues Widerrufsrecht werden diskutiert und die damit verbundenen Konsequenzen dargestellt. Gerade im Bereich der Kfz-Versicherung ist dem eigentlichen Hauptvertrag meist ein Vertrag über die vorläufige Deckung vorgelagert. Die vorläufige Deckung ist im bisherigen VVG nicht gesetzlich geregelt. Im neuen VVG wird die vorläufige Deckung mit einbezogen. Damit wird der Bedeutung der vorläufigen Deckung Rechnung getragen. Die Arbeit untersucht die neuen Regelungen und geht insbesondere auf die Vorstellung der Reformkommission zur Unwirksamkeit des rückwirkenden Wegfalls der vorläufigen Deckung ein. Die Arbeit zeigt zunächst die Regelungen des bisherigen Rechts auf. Im Anschluss daran wird das neue Recht erörtert und ein Vergleich zum bisherigen Recht hergestellt.
Grundlage für diese Arbeit ist der Regierungsentwurf vom 13. Oktober 2006. Sofern sich Änderungen zwischen Kommissions-, Referentenentwurf oder Regierungsentwurf ergeben haben, werden diese aufgegriffen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vertragsabschluss vor VVG-Reform
2.1. Gesetzliche Grundlage
2.2. Vertragsschluss
2.3. Inhalt der Verbraucherinformationen
2.4. Adressat
2.5. Anforderung an die Verbraucherinformation
2.6. Zeitpunkt der Übergabe der Information
2.6.1. Bei Antragstellung (Antragsmodell) § 8 Abs. 4 sowie Abs. 5
2.6.2. Nach Antragstellung (Policenmodell) § 5a VVG
3. Vertragsabschluss nach VVG-Reform
3.1. Gesetzliche Grundlage
3.2. Inhalt der Informationspflicht
3.3. Adressat
3.4. Form der Informationspflicht
3.5. Zeitpunkt der Informationspflicht
3.6. Zeitpunkt der Informationspflicht bei Fernabsatzverträgen
3.7. Die Informationspflicht bei Abschluss über Vermittler
3.7.1. Vertragsvermittlung durch Versicherungsvertreter
3.7.2. Vertragsvermittlung durch Versicherungsmakler
3.8. Sanktionen bei Verstoß gegen Informationspflicht
3.9. Mögliche Prozessabläufe
3.9.1. Verzichtslösung
3.9.2. Ignorations-Lösung
3.9.3. Invitatio-Lösung
3.9.4. Die Informationsblatt-Lösung
3.10. Motive und Kritik an Abschaffung des Policenmodells
4. Stellungnahme zur Abschaffung des Policenmodells
5. Die Lösungsmöglichkeiten durch den VN vor VVG-Reform
5.1. Das Widerrufsrecht § 8 Abs. 4 VVG
5.1.1. Inhalt der Regelung
5.1.2. Rechtswirkungen
5.2. Das Rücktrittsrecht § 8 Abs.5 VVG
5.2.1. Inhalt der Regelung
5.2.2. Rechtswirkungen
5.3. Das Widerspruchsrecht § 5 a VVG
5.3.1. Inhalt der Regelung
5.3.2. Rechtswirkungen
5.4. Widerrufsrecht bei Fernabsatz § 48c VVG
5.4.1. Inhalt der Regelung
5.4.2. Rechtswirkung
5.5. Die Billigungsklausel § 5 VVG
5.5.1. Inhalt der Regelung
5.5.2. Rechtswirkungen
6. Die Lösungsmöglichkeiten des VN nach VVG-Reform
6.1. Das Widerrufsrecht
6.1.1. Gesetzliche Grundlage
6.1.2. Adressat
6.1.3. Beginn der Widerrufsfrist
6.1.4. Dauer der Widerrufsfrist
6.1.5. Beweisführung
6.1.6. Form des Widerrufs
6.1.7. Vertragszustand während der Widerrufsfrist
6.1.8. Ausschluss des Widerrufs
6.2. Rechtsfolgen des Widerrufs
6.2.1. Gesetzliche Grundlage
6.2.2. Zeitpunkt der Vertragsbeendigung
6.2.3. Rechtsfolgen bei korrekt erfolgter Belehrung durch den VR
6.2.4. Rechtsfolgen bei nicht erfolgter oder unvollständiger Belehrung
6.2.5. Erstattung der Prämie
6.2.6. Besonderheit in der Lebensversicherung
6.3. Abweichender Versicherungsschein
7. Stellungnahme zum neuen Widerrufsrecht
8. Die vorläufige Deckungszusage vor VVG-Reform
8.1. Gesetzliche Regelungen vor VVG-Reform
8.2. Trennungstheorie
8.3. Beginn der vorläufigen Deckung
8.4. Form der vorläufigen Deckungszusage
8.5. Einbeziehen von AVB
8.6. Beendigung des Vertrags über die vorläufige Deckung
8.6.1. Zustandkommen des Hauptvertrags
8.6.2. Nichtzustandekommen des Hauptvertrags
8.7. Zeitliche Begrenzung
8.8. Prämienerhebung für die vorläufige Deckung
8.9. Rückwirkender Wegfall der vorläufigen Deckung
9. Die Reglungen nach VVG-Reform
9.1. Die Bedeutung der vorläufigen Deckung
9.2. Gesetzliche Grundlage
9.3. Trennungstheorie
9.4. Die Informationspflichten nach § 7 VVG-E
9.4.1. Die Informationspflicht bei Abschluss über einen Vermittler
9.4.2. Die Informationspflicht bei Fernabsatzvertrag
9.4.3. Einbeziehung von AVB
9.5. Die Beratungspflichten des VR nach § 6 VVG-E
9.6. Das Widerrufsrecht
9.7. Beendigung der vorläufigen Deckung
9.7.1. Gesetzliche Grundlage
9.7.2. Durch Zustandekommen des Hauptvertrags
9.7.3. Nichtzustandekommen des Hauptvertrags
9.7.4. Durch Kündigung der vorläufigen Deckung
9.7.5. Befristung der vorläufigen Deckung
9.8. Prämienzahlung für den Vertrag der vorläufigen Deckung
9.9. Rückwirkender Wegfall der vorläufigen Deckung
10. Stellungnahme zur Regelungen der vorläufigen Deckung
11. Schlussbemerkung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der Reform des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) auf den Vertragsabschluss und analysiert dabei insbesondere den Übergang von bisherigen Modellen (wie dem Policenmodell) zu neuen Informationspflichten sowie die gesetzliche Neuregelung der vorläufigen Deckung.
- Vergleich der Informationspflichten und Verbraucherschutzaspekte zwischen bisherigem Recht und VVG-Reform.
- Analyse der verschiedenen Prozessabläufe wie das Antrags- und Policenmodell sowie neue Konzepte wie das Informationsblatt- oder Invitatiomodell.
- Untersuchung der Konsequenzen der Abschaffung des Policenmodells für Versicherer und Versicherungsnehmer.
- Detaillierte Prüfung der Regelungen zur vorläufigen Deckung, insbesondere deren Beendigung und der Frage des rückwirkenden Wegfalls.
- Bewertung des neuen einheitlichen Widerrufsrechts und dessen Auswirkung auf die Rechtssicherheit und Stornorisiken.
Auszug aus dem Buch
3.9.4. Die Informationsblatt-Lösung
Die Informationsblatt-Lösung knüpft an die Forderung der Verbraucherschützer an, den nicht greifbaren Versicherungsvertrag für den VN transparenter zu gestalten. Der VN soll in die Lage versetzt werden, sich ein Urteil bilden zu können, was der angebotene Versicherungsschutz für Ihn bedeutet und in wie weit dieser seinen Vorstellungen und Bedürfnissen entspricht. Mit Übersendung der AVB und der übrigen Verbraucherinformation kann der VN notwendigen Informationen über den Inhalt und die Leistungen seines Versicherungsvertrages prüfen. I.d.R. wird der durchschnittliche VN die AVB und Verbraucherinformationen aufgrund der Fülle und den unverständlichen Formulierungen nicht lesen. Die Versicherungsprodukte und ihre AVB sind so komplex, dass sie nur von Fachleuten verstanden werden können. Um den VN ausreichend Informationen zu seinem Versicherungsvertrag zu geben, sind die AVB als einziges Medium unzureichend. Das Ziel des Regierungsentwurfs dem VN einen besseren Überblick über den abgeschlossenen Versicherungsvertrag zu verschaffen, in dem die Verbraucherinformationen bereits bei Antragsstellung ausgehändigt werden sollen, wird in Frage gestellt.
Nach der Informationsblatt-Lösung ist vorgesehen, dem VN bei Antragstellung ein Informationsblatt zur Verfügung zu stellen, welches die wichtigsten Daten des Versicherungsvertrags enthält. Mit Übersendung der Police werden dem VN dann die vollständigen Unterlagen ausgehändigt.
Das Informationsblatt soll in verständlicher Form eine Auflistung der wesentlichen Leistungen und Einschränkungen des Versicherungsschutzes sowie der Rechte und Pflichten aus dem Versicherungsvertrag enthalten. Mit dem Informationsblatt wird eine bessere Transparenz für das unsichtbarere Produkt Versicherungsschutz geschaffen. Damit dem VN ermöglicht wird, einzelne Punkte in den AVB gezielt nachlesen zu können, sind die einzelnen Punkte des Informationsblatts um die Fundstellen in den AVB zu ergänzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Auswirkungen der VVG-Reform ein und thematisiert den Wegfall des Policenmodells sowie die erstmalige gesetzliche Regelung der vorläufigen Deckung.
2. Vertragsabschluss vor VVG-Reform: Dieses Kapitel erläutert die bisherige Rechtslage hinsichtlich der Verbraucherinformationen und die Praxis der Vertragsannahme sowie des Policenmodells.
3. Vertragsabschluss nach VVG-Reform: Hier werden die neuen Anforderungen an Informationspflichten, verschiedene Prozessmodelle wie die Verzichtslösung und das Informationsblatt sowie die Kritik an der neuen Rechtslage dargelegt.
4. Stellungnahme zur Abschaffung des Policenmodells: Dieses Kapitel bewertet kritisch die neuen Anforderungen an Versicherer und Vermittler infolge der Abschaffung des Policenmodells.
5. Die Lösungsmöglichkeiten durch den VN vor VVG-Reform: Detaillierte Darstellung der bisherigen Lösungsrechte für den VN wie Widerruf, Rücktritt und Widerspruch sowie deren Rechtsfolgen.
6. Die Lösungsmöglichkeiten des VN nach VVG-Reform: Analyse der vereinheitlichten Widerrufsrechte, der Fristbeginne und der Rechtsfolgen bei korrekter oder mangelhafter Belehrung durch den VR.
7. Stellungnahme zum neuen Widerrufsrecht: Einschätzung der Vereinheitlichung des Widerrufsrechts als positiv für die Klarheit, aber problematisch hinsichtlich des erhöhten Stornorisikos für den VR.
8. Die vorläufige Deckungszusage vor VVG-Reform: Erläuterung der bisher nicht gesetzlich geregelten vorläufigen Deckung, der Trennungstheorie und der Kündigungs- bzw. Wegfall-Szenarien.
9. Die Reglungen nach VVG-Reform: Erörterung der neuen gesetzlichen Basis für die vorläufige Deckung, der Informations- und Beratungspflichten sowie der Beendigungsmöglichkeiten.
10. Stellungnahme zur Regelungen der vorläufigen Deckung: Fazit zur beibehaltenen Regelung des rückwirkenden Wegfalls und zur Notwendigkeit einer klaren AVB-Regelung.
11. Schlussbemerkung: Abschließende Würdigung der Reform als Verbraucherverbesserung, bei der jedoch weiterhin einseitige Belastungen für die Versicherer kritisch hinterfragt werden.
Schlüsselwörter
Versicherungsvertragsgesetz, VVG-Reform, Verbraucherschutz, Policenmodell, Widerrufsrecht, vorläufige Deckung, Informationspflicht, Versicherungsnehmer, Versicherer, AVB, Transparenzgebot, Stornorisiko, Fernabsatz, Versicherungsvermittler, Beratungspflicht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der Reform des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) auf die Praxis des Vertragsabschlusses und die Absicherung der Rechte des Versicherungsnehmers.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Feldern zählen die Informationspflichten vor Vertragsabschluss, die Abschaffung des Policenmodells, das neue Widerrufsrecht sowie die gesetzliche Neugestaltung der vorläufigen Deckung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Untersuchung der Konsequenzen der Reform für die Praxis der Versicherer sowie die Prüfung, ob die neuen Regelungen zu mehr Transparenz für den Versicherungsnehmer führen, ohne den Versicherer übermäßig zu belasten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine rechtswissenschaftliche Analyse des Regierungsentwurfs zur VVG-Reform unter Einbeziehung der Fachliteratur und vergleicht diese mit der bisherigen Rechtslage.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den verschiedenen Prozessabläufen des Vertragsabschlusses, den Lösungsrechten des Versicherungsnehmers vor und nach der Reform sowie den spezifischen Regelungen zur vorläufigen Deckung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Versicherungsvertragsgesetz, Policenmodell, Widerrufsrecht, Transparenz und vorläufige Deckung charakterisiert.
Warum wird das Policenmodell in der Reform kritisiert?
Das Policenmodell wird kritisiert, da der Gesetzgeber dem Versicherungsnehmer eine frühzeitige Information vor Vertragsschluss ermöglichen möchte, um die Transparenz über den Versicherungsschutz zu erhöhen.
Was versteht man unter dem rückwirkenden Wegfall der vorläufigen Deckung?
Es handelt sich um die Möglichkeit des Versicherers, den Versicherungsschutz bei Nichtzahlung der Prämie so zu beenden, dass er rückwirkend als nicht gewährt gilt, sofern dies rechtzeitig angekündigt wurde.
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- Iniga Lensing (Author), 2006, Die Aspekte des Verbraucherschutzes bei der Reform des Versicherungsvertragsgesetzes. Der Abschluss eines Versicherungsvertrags nach neuem Recht. Die Regelungen der vorläufigen Deckung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69665