Für unsere Groß- und Urgroßmütter gab es definierte Rollenzuweisungen. Neueste Soapoperas über die „Bräuteschulen“ (ZDF) der 50er Jahre verdeutlichen die untergeordnete und dienende - gesellschaftlich akzeptierte - Rolle der heutigen Großmütter- und Urgroßmüttergeneration.
Nicht erst seit den 60er und 70er Jahren wurde diese Rollenzuweisung zunehmend in Frage gestellt, wurden Diskussionen über Gleichberechtigung, Emanzipation oder Gleichstellung der Frau geführt und gesetzliche Regelungen hinsichtlich deren Verwirklichung getroffen. Auch mit Hilfe der Frauen- oder Gleichstellungsbeauftragten auf den politischen oder administrativen Ebenen entspricht z.B. der Anteil der Frauen in Führungspositionen bekannterweise bis heute noch längst nicht ihrer Bevölkerungsquote. In dieser Arbeit soll untersucht werden, ob diese Rollenverteilung von Mann und Frau z.B. das Ergebnis der Industriellen Revolution und deren Arbeitsteilung ist, oder ob die Unterdrückung der Frau bzgl. ihrer freien Entfaltungsmöglichkeit auch schon unter dem Feudalsystem des Mittelalters bestand. Dazu werde ich versuchen, Erziehungsziele und – ideale für Mädchen, speziell auch adliger Mädchen, im Mittelalter und der frühen Neuzeit aufzuzeigen.
Ein Problem ergibt sich bei der Literatursammlung zum Thema dieses Referates: In vielen allgemeinbildenden Werken kann man über das Leben von Knappen, Rittern und Mönchen und dem Lebensalltag der Männer im Spätmittelalter lesen. Wird in einem solchen Werk von Erziehung gesprochen, geht es meist nur um die Erziehung von Jungen. In der Kinder- und Jugendliteratur über das Mittelalter werden Mädchen allenfalls als „holde Maid“ oder als „Burgfräulein“ erwähnt. Von ihren tatsächlichen Lebensbedingungen, ihrer Erziehung, ihren Pflichten und Rechten erfährt man darin nur sehr wenig. [...]
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Erziehungsziele und -methoden vom Spätmittelalter bis in die frühe Neuzeit
- Allgemeine Erziehungsziele
- Erziehungsziele bei Mädchen
- Erziehungsmethoden
- Erziehung adliger Mädchen
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Erziehung von Mädchen im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit, um herauszufinden, ob die traditionelle Rollenverteilung von Mann und Frau bereits in dieser Zeit angelegt war. Die Analyse der Erziehungsziele und -methoden soll Aufschluss darüber geben, welche Werte und Normen für Mädchen maßgeblich waren und wie sie auf ihre zukünftigen Rollen in der Gesellschaft vorbereitet wurden.
- Die Rolle der Religion und der christlichen Moral in der Erziehung
- Die Bedeutung von Keuschheit, Bescheidenheit und Gehorsam für die Erziehung von Mädchen
- Die Vorbereitung auf die Rolle der Ehefrau und Mutter
- Die Erziehung adliger Mädchen und ihre Besonderheiten
- Der Einfluss der Ständeordnung auf die Erziehung von Mädchen
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Die Einleitung stellt die Relevanz der Fragestellung und den historischen Kontext dar. Sie beleuchtet die geschichtliche Entwicklung der Rollenverteilung von Mann und Frau und stellt die Notwendigkeit der Untersuchung der Mädchen-Erziehung im Mittelalter in den Vordergrund.
- Erziehungsziele und -methoden vom Spätmittelalter bis in die frühe Neuzeit: Dieses Kapitel analysiert die allgemeinen Erziehungsziele der Zeit und legt den Fokus auf die spezifischen Ziele der Mädchen-Erziehung. Es werden die wichtigsten Tugenden wie Keuschheit, Bescheidenheit und Gehorsam sowie die Methoden zur Vermittlung dieser Werte behandelt.
- Erziehung adliger Mädchen: Dieses Kapitel beleuchtet die Besonderheiten der Erziehung adliger Mädchen. Es wird untersucht, wie ihre Rolle und ihre Erziehung durch ihren gesellschaftlichen Status geprägt waren.
Schlüsselwörter
Die Arbeit konzentriert sich auf die Themenbereiche der Mädchen-Erziehung im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit. Zu den wichtigsten Schlüsselwörtern zählen: christliche Moral, Keuschheit, Bescheidenheit, Gehorsam, Ständeordnung, Ehefrau, Mutter, Erziehungsideale, Erziehungsmethoden und die Rolle der Religion in der Erziehung.
Häufig gestellte Fragen
Welche Erziehungsziele galten für Mädchen im Spätmittelalter?
Im Zentrum standen Tugenden wie Keuschheit, Bescheidenheit und Gehorsam. Die Mädchen sollten gezielt auf ihre zukünftige Rolle als Ehefrau und Mutter vorbereitet werden.
Welchen Einfluss hatte die Religion auf die Mädchenerziehung?
Die christliche Moral war das Fundament der Erziehung. Sie definierte die untergeordnete Rolle der Frau und setzte strenge Maßstäbe für das Verhalten und die sittliche Führung.
Gab es Unterschiede bei der Erziehung adliger Mädchen?
Ja, die Erziehung adliger Mädchen (oft als „Burgfräulein“ bezeichnet) war durch ihren sozialen Status geprägt, zielte aber dennoch primär auf eine repräsentative und dienende Rolle innerhalb des Feudalsystems ab.
Warum ist Literatur über die Erziehung von Mädchen in dieser Zeit schwer zu finden?
Historische Quellen und allgemeinbildende Werke konzentrieren sich oft auf die Ausbildung von Knappen, Rittern oder Mönchen. Mädchen werden häufig nur am Rande erwähnt, ohne Details zu ihren Lebensbedingungen.
Ist die Rollenverteilung von Mann und Frau ein Produkt der Industriellen Revolution?
Die Arbeit untersucht genau diese Frage und kommt zu dem Schluss, dass viele Grundsteine für die Unterordnung der Frau bereits im Feudalsystem des Mittelalters und der frühen Neuzeit gelegt wurden.
Was waren die gängigen Erziehungsmethoden dieser Epoche?
Die Vermittlung von Werten erfolgte durch Vorbilder, religiöse Unterweisung und strenge Disziplinierung, um die gesellschaftlich akzeptierte Rolle der Frau sicherzustellen.
- Quote paper
- Anne Posselt (Author), 2007, Mädchenerziehung vom Spätmittelalter bis in die frühe Neuzeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68529