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Die Modalitätslehre der scholastischen Grammatik und ihr Niederschlag in den romanischen Grammatiken bis zur grammaire générale et raisonnée

Titel: Die Modalitätslehre der scholastischen Grammatik  und ihr Niederschlag in den romanischen Grammatiken bis zur grammaire générale et raisonnée

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2006 , 33 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Steffi Kny (Autor:in)

Romanistik - Fächerübergreifendes
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Im Laufe dieses Seminars Modalität und Evidentialität in den romanischen und anderen Sprachen haben wir mehrfach Konzepte kennen gelernt, die auf knapp tausend oder zweitausend Jahre zurückgehen. So existierte das Konzept von Modalität bereits vor der Jahrtausendwende in der Modallogik des Aristoteles. Hier kann insbesondere eine Beziehung mit den alethischen Modalitäten Notwendigkeit, Möglichkeit, Kontingenz und Unmöglichkeit hergestellt werden. 1 Darüber hinaus zeigt die alethische Modalität als Modalität der Wahrheit auch an, ob eine Aussage notwendig wahr, möglich wahr, eventuell wahr oder unmöglich war ist. 2 Die Modalität von Wahrheit und Falschheit sind in der Scholastik, besonders auf theologischem Gebiet, von entscheidender Bedeutung. Auch werden diese zwei Modalitäten, bezogen auf die Aristotelische Logik, in der Arbeit über die Negation im Italienischen zum Ausgangspunkt genommen, ebenso wie die Kontradiktionsregel dargelegt wird. 3 Aristoteles unterscheidet hinsichtlich dieser vier Arten von entgegengesetzten Sätzen: konträr- Jedem und keinem zukommen, kontradiktorisch- einemund keinem zukommen sowie jedem und einem nicht zukommen und nur verbal- einemund einem nicht zukommen. Ein weiteres Mal wird sich in dieser Arbeit auf Aristoteles mit der Unterscheidung zwischen der „Negation des ganzen Prädikatsausdrucks“ und der „Negation des Prädikatstermes“ bezogen 4 , eine Unterscheidung, die besondere Bedeutung in den modalitas de re und de dicto, dem Modalitätskonzept der scholastischen Grammatiker, erlangte. In meiner Arbeit wird innerhalb des scholastischen Modalitätskonzepts vor allem auf die Modalitäten notwendig und möglich eingegangen, die auch ausführlich, bezogen auf das Englische, von Sophia Lui in ihrer Arbeit diskutiert werden. 5 Um die logische Äquivalenz der Negation der epistemischen Möglichkeit und Notwendigkeit zu erläutern, stellt sie einen Teil des logischen Quadrats 6 dar, welches Aristoteles zur Erklärung von Aussagen mit Modalfunktoren und deren Negation aufgestellt hat.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historischer Überblick über die Sprachphilosophie in der Scholastik

3. Die Suppositionslehre

4. Satzanalyse der Logik

5. Modalitas de re und modalitas de dicto

6. Die Lehre der Modisten

7. Die Weiterführung der Modalitätslehre in den romanischen Grammatiken

7.1 Italienische Grammatikschreibung

7.2 Spanische Grammatikschreibung

7.3 Französische Grammatikschreibung bis zur Grammaire générale et raisonnée

8. Zusammenfassung

9. Literatur

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und Tradierung sprachphilosophischer sowie grammatikalischer Konzepte der scholastischen Grammatik – insbesondere der Suppositionslehre, der Satzanalyse und des Modalitätskonzepts – in den frühen Grammatiken des Italienischen, Spanischen und Französischen bis zur Grammaire générale et raisonnée.

  • Historische Fundierung der Sprachphilosophie in der scholastischen Tradition.
  • Analyse scholastischer Kernkonzepte wie der Suppositionslehre und der Modallogik.
  • Untersuchung der Lehre der Modisten als Höhepunkt mittelalterlicher Grammatiktheorien.
  • Vergleich der Aufnahme dieser Konzepte in die volkssprachlichen Grammatiken der Romanica.
  • Kritische Bewertung der Verbindung von scholastischer Logik und moderner Grammatikschreibung.

Auszug aus dem Buch

5. Modalitas de re und modalitas de dicto

Die Modalitäten der modalitas de re und der modalitas de dicto wurden erstmals im 13. Jahrhundert in einer allgemein akzeptierten Lehre über die Struktur der modalen Aussage zusammengeführt.

In der modalitas de dicto wird das von der Aussage Gemeinte, das dictum, durch einen Modus bestimmt. Das gesamte dictum stellt hierbei das Subjekt des Satzes dar und das Prädikat steht in einem der sechs Modi möglich, unmöglich, notwendig, wahr, falsch und kontingent stehen. Im Deutschen würde das durch einen Dass-Satz ausgedrückt werden:

Dass Sokrates läuft, ist möglich,

analog zum Lateinischen Akkusativ mit Infinitiv (ACI):

Socratem currere est possibile.

Die modalitas de re hingegen bezieht sich nur auf die res, auf eine sich in der Welt befindliche nicht-sprachliche Sache, des Satzes. In dieser Aussage wäre also nur von Bedeutung, ob dem Sokrates die Möglichkeit zu Laufen innewohnt, besser ausgedrückt in dem Satz:

Socrates est possibile currere. (Dem Sokrates ist es möglich zu laufen.)

Hierbei steht der Modus innerhalb des dictum, sodass dieser lediglich das Prädikat bestimmt.

Der Modaloperator hat also jeweils einen anderen Wirkungsbereich, entweder auf das gesamte dictum oder lediglich auf die res, sodass daraus auch zwei verschiedene Arten der Interpretation der Aussage resultieren.19

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Bedeutung von Modalitätskonzepten ein und skizziert das Ziel der Arbeit, den Einfluss der scholastischen Grammatik auf romanische Grammatiken zu untersuchen.

2. Historischer Überblick über die Sprachphilosophie in der Scholastik: Dieses Kapitel erläutert die Entwicklung der Sprachphilosophie und die enge Verknüpfung von Logik und Grammatik im mittelalterlichen Schulwesen.

3. Die Suppositionslehre: Hier werden die Ursprünge und Definitionen der Suppositionstheorie als zentrale Eigenschaft von Termen innerhalb der scholastischen Logik dargestellt.

4. Satzanalyse der Logik: Das Kapitel vergleicht die logische und grammatische Satzanalyse und erklärt den Prozess der Reduktion von Oberflächenstrukturen auf wahrheitsrelevante Tiefenformen.

5. Modalitas de re und modalitas de dicto: Hier wird die fundamentale Unterscheidung zwischen modalitas de re (Bezug auf das Objekt) und modalitas de dicto (Bezug auf die Proposition) analysiert.

6. Die Lehre der Modisten: Dieses Kapitel widmet sich den Modisten als bedeutendste Vertreter spekulativer Grammatik, die eine Universalgrammatik auf Basis der Struktur der Wirklichkeit anstrebten.

7. Die Weiterführung der Modalitätslehre in den romanischen Grammatiken: Untersucht wird die Rezeption scholastischer Ideen in italienischen, spanischen und französischen Grammatiken bis hin zur Port-Royal-Grammatik.

8. Zusammenfassung: Abschließende Betrachtung der Ergebnisse zur begrenzt starken Ausprägung scholastischer Einflüsse in den untersuchten volkssprachlichen Grammatiken.

9. Literatur: Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen.

Schlüsselwörter

Scholastik, Modalität, Suppositionslehre, Modisten, Universalgrammatik, Logik, Grammatikschreibung, Romanische Sprachen, Grammaire de Port-Royal, Aristoteles, Sprachphilosophie, modalitas de re, modalitas de dicto, Satzanalyse, Mittelalter.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Geschichte und Fortführung sprachphilosophischer sowie grammatikalischer Konzepte aus der mittelalterlichen Scholastik in den frühen Grammatiken der romanischen Sprachen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Themen umfassen die scholastische Logik, das Modalitätskonzept (alethische Modalität), die Suppositionslehre und die Entwicklung der Universalgrammatik bei den Modisten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist aufzuzeigen, inwieweit die theoretischen Ansätze der scholastischen Grammatiker in den späteren romanischen Grammatiken bis zur Grammaire générale et raisonnée des 17. Jahrhunderts rezipiert und transformiert wurden.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Autorin verwendet eine historisch-analytische Methode, indem sie primäre Konzepte der scholastischen Tradition (z. B. durch Aristoteles-Rezeption und Modisten-Lehren) mit den Beschreibungsweisen späterer romanischer Grammatiken vergleicht.

Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?

Der Hauptteil analysiert detailliert die logische Satzanalyse, die Unterscheidung zwischen modalitas de re und de dicto sowie das System der modi significandi bei den Modisten.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Scholastik, Universalgrammatik, Modallogik, Sprachphilosophie und die historische Grammatikschreibung im Mittelalter und der Frühen Neuzeit charakterisieren.

Wie unterscheiden sich die modalitas de re und de dicto konkret?

Bei der modalitas de dicto bestimmt der Modus die gesamte Proposition (das dictum), während sich die modalitas de re auf eine Eigenschaft oder Möglichkeit bezieht, die direkt in der nicht-sprachlichen Sache (res) verankert ist.

Warum wird die Lehre der Modisten als Höhepunkt bezeichnet?

Die Modisten werden als Höhepunkt betrachtet, da sie erstmals versuchten, ein systematisches, universelles Grammatikmodell zu entwerfen, das strikt auf der Struktur der Wirklichkeit basierte und weit über deskriptive Ansätze hinausging.

Welche Rolle spielt die Port-Royal-Grammatik in diesem Kontext?

Die Grammaire générale et raisonnée bildet den zeitlichen Endpunkt der Untersuchung und zeigt – trotz ihrer eigenen theoretischen Ausrichtung – deutliche Anknüpfungspunkte an das scholastische Denken und die modistische Tradition.

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Modalitätslehre der scholastischen Grammatik und ihr Niederschlag in den romanischen Grammatiken bis zur grammaire générale et raisonnée
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Romanisches Seminar)
Veranstaltung
Modalität und Evidentialität in romanischen und anderen Sprachen
Note
1,7
Autor
Steffi Kny (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2006
Seiten
33
Katalognummer
V68408
ISBN (eBook)
9783638610018
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Modalitätslehre Grammatik Niederschlag Grammatiken Modalität Evidentialität Sprachen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Steffi Kny (Autor:in), 2006, Die Modalitätslehre der scholastischen Grammatik und ihr Niederschlag in den romanischen Grammatiken bis zur grammaire générale et raisonnée, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68408
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Leseprobe aus  33  Seiten
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