Um ein Konsumgut herzustellen, sind meist viele Inputs nötig. Der Produzent eines Konsumguts muß für jeden dieser Inputs entscheiden, ob er ihn im eigenen Unternehmen produziert ("vertikal integriertes Unternehmen") oder von einem spezialisierten Unternehmen bezieht ("Outsourcing"). Welche dieser beiden Unternehmensformen die effizientere ist, hängt von den in der jeweiligen Industrie vorherrschenden Eigenschaften ab (vgl. Helper [1991] und Chinitz [1961]). Ein Unternehmen muß die Vor- und Nachteile der jeweiligen Unternehmensform abwägen, z.B. in dem es die mit der Unternehmensform verbundenen Kosten vergleicht. Dies kann dazu führen, dass manche Industrien durch Outsourcing gekennzeichnet sind, 1 in anderen jedoch vertikal integrierte Unternehmen dominieren. Welche Organisationsform in einer bestimmten Industrie effizient ist und welche Faktoren die Effizienz beeinflussen, untersuchen Grossman und Helpman [2002] anhand eines Allgemeinen Gleichgewichtsmodells, welches im nachfolgenden Kapitel vorgestellt wird. Bereits 1937 hat Coase in einer bahnbrechenden Studie die unternehmerischen Grenzen durch Transaktionskosten und imperfekte Information aufgezeigt. In Anlehnung an die Arbeit von Coase hat Williamson [1971, 1975, 1985] Determinanten untersucht, die diese unternehmerischen Grenzen beeinflussen. Insbesondere hat er verdeutlicht, welche Rolle Transaktionskosten (z.B. hervorgerufen durch Suchkosten) bei der Entscheidung für die Unternehmensform spielen. Grossman und Hart [1986] sowie Hart und Moore [1990] haben dies ebenfalls aufgenommen und die "Property-Rights Theorie" formuliert. Der Mangel dieses entscheidungstheoretischen Ansatzes der Make-or-buy-Entscheidung liegt darin, dass das Unternehmensumfeld als gegeben angenommen und somit die gegenseitige Abhängigkeit der Unternehmensentscheidungen vernachlässigt wird. 2 Daher können diese Ansätze nur ein Ausgangspunkt sein um zu erklären weshalb innerhalb eines Sektors bzw. einer Region unterschiedliche Unternehmensformen auftreten. Auf der Grundlage der Property-Rights Theorie beziehungsweise den Arbeiten von Diamond [1982] und Williamson [1975, 1985], haben Grossman und Helpman [2002] ein Allgemeines Gleichgewichtsmodell mit mehreren Industrien entwickelt, dass Transaktionskosten in Form von Suchkosten und imperfekten Verträgen berücksichtigt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Gleichgewichtsmodell von Grossman und Helpman
2.1 Technologie
2.2 Abfolge der wirtschaftlichen Aktivitäten
2.3 Gewinnmaximierung der Unternehmen
3. Verschiedene Gleichgewichte und ihre Stabilität
3.1 Gemischtes Gleichgewicht
3.2 Vollständige vertikale Integration
3.3 Vollständiges Outsourcing
4. Determinanten der gewählten Unternehmensform
4.1 Einflüsse des Kostenvorteils, der Fixkosten und der Suchtechnologie
4.2 Einfluss der Substituierbarkeit von Konsumgütern
4.3 Einfluss der Verhandlungsmacht
5. Schlussbetrachtung
6. Verzeichnisse
6.1 Variablen- und Indexverzeichnis
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht anhand des allgemeinen Gleichgewichtsmodells von Grossman und Helpman (2002), welche Faktoren die Wahl zwischen vertikaler Integration und Outsourcing in einer Industrie determinieren und welche Organisationsform unter welchen Bedingungen effizient ist.
- Analyse von Transaktionskosten und Suchtechnologien als Einflussfaktoren.
- Untersuchung der Substituierbarkeit von Konsumgütern auf die Unternehmensform.
- Bedeutung der Verhandlungsmacht für die Wahl der Unternehmensstruktur.
- Betrachtung von Rückkopplungseffekten auf Marktbedingungen und Stabilität von Gleichgewichten.
Auszug aus dem Buch
2.1 Technologie
Konsumgüter werden entweder von vertikal integrierten Unternehmen oder paarweise von spezialisierten Unternehmen produziert. Im letzteren Fall stellen spezialisierte Unternehmen die Inputs her (sog. "Inputproduzenten"), aus denen andere spezialisierte Unternehmen (sog. "Endproduzenten") differenzierte Konsumgüter produzieren. Zur Produktion eines bestimmten Konsumguts wird ein speziell dafür passender Input benötigt. Entspricht der Input nicht den geforderten Spezifikationen ist er wertlos. Dadurch ist ein Inputproduzent gezwungen, sein Produkt an denjenigen zu verkaufen, für den es konstruiert wurde. Vertikal integrierte Unternehmen stellen ihren Input in der zur Gewinnmaximierung benötigten Menge selbst her. Allerdings haben sie relativ hohe variable Produktionskosten, da sie die verschiedenen Produktionsprozesse koordinieren müssen, und nicht in dem Maße von Lerneffekten profitieren können, wie es bei spezialisierten Unternehmen der Fall ist.
Spezialisierte Unternehmen können zwar billiger produzieren, haben aber zwei Nachteile: Sowohl der Input- als auch der Endproduzent müssen jeweils nach einem passenden Produktionspartner suchen. Die Suche nach einem passenden Produktionspartner wird als Prozess modelliert, der nicht immer erfolgreich ist. Ist die Suche erfolgreich, spricht man von einem Matching. Nach erfolgreichem Matching muß der Konsumgutproduzent dem Inputproduzent Anreize bieten, damit dieser ihm Inputs in benötigter Menge und Spezifikation produziert. Hinzu kommt, dass Verträge imperfekt sein können, d.h. bestimmte Eigenschaften der Inputs sind nicht gegenüber dritten (z.B. einem Gericht) nachweisbar. Somit sind Verträge zwischen den spezialisierten Unternehmen mit qualitätsabhängigen Preisen ausgeschlossen, da sonst ein Inputproduzent nach Vertragsabschluß seine Kosten durch die Produktion minderwertiger Inputs reduzieren könnte und der Endproduzent verpflichtet wäre, die minderwertige Ware ohne Regressansprüche abzunehmen. Aus dem Fehlen von ex-ante Verträgen entsteht ein Holdup-Problem: Sobald ein Inputproduzent seine Inputs auf eine vom Endproduzent benötige Spezifikation festgelegt hat, sind diese Inputs wertlos für dritte Unternehmen. Der Inputproduzent hat damit eine schlechte Position in der Preisverhandlung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Make-or-buy-Entscheidung ein und erläutert den theoretischen Hintergrund des gewählten Gleichgewichtsmodells.
2. Das Gleichgewichtsmodell von Grossman und Helpman: Hier werden die technologischen Voraussetzungen, die Abfolge der Produktionsschritte und die Gewinnmaximierungsbedingungen der Unternehmen definiert.
3. Verschiedene Gleichgewichte und ihre Stabilität: Dieses Kapitel analysiert die Bedingungen für das Entstehen von spezialisierten oder vertikal integrierten Strukturen sowie deren jeweilige Stabilität.
4. Determinanten der gewählten Unternehmensform: Hier werden die spezifischen Einflussfaktoren wie Suchtechnologie, Substituierbarkeit und Verhandlungsmacht detailliert untersucht.
5. Schlussbetrachtung: Das Kapitel fasst die zentralen Ergebnisse der Modellbetrachtung zusammen und diskutiert den theoretischen Erkenntnisgewinn sowie mögliche Modellerweiterungen.
6. Verzeichnisse: Dieser Abschnitt enthält das für das Verständnis des Modells notwendige Variablen- und Indexverzeichnis.
Schlüsselwörter
Outsourcing, vertikale Integration, Gleichgewichtsmodell, Transaktionskosten, Suchtechnologie, Matching, Holdup-Problem, Unternehmensform, Industrie, Konsumgüter, Verhandlungsmacht, Fixkosten, Markteintritt, Effizienz, Spezialisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Entscheidung eines Unternehmens, Inputs selbst herzustellen (vertikale Integration) oder von spezialisierten Zulieferern zu beziehen (Outsourcing).
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themenfelder sind die ökonomische Theorie der Unternehmensgrenzen, die Effizienz von Organisationsformen unter Berücksichtigung von Suchkosten und Vertragsunvollkommenheiten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, mittels eines allgemeinen Gleichgewichtsmodells zu erklären, warum und unter welchen Bedingungen Industrien durch Outsourcing oder durch vertikale Integration gekennzeichnet sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird das theoretische, mathematisch fundierte allgemeine Gleichgewichtsmodell nach Grossman und Helpman (2002) verwendet und analysiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt den Aufbau des Modells, die Stabilitätsanalyse verschiedener Gleichgewichte sowie die Identifikation der Determinanten, die das Organisationsmodell einer Industrie prägen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Schlüsselwörtern zählen Outsourcing, vertikale Integration, Transaktionskosten, Matching, Holdup-Problem und Verhandlungsmacht.
Welche Rolle spielt das "Matching" im Modell?
Das Matching beschreibt den Suchprozess nach einem passenden Produktionspartner; eine effiziente Suchtechnologie erhöht die Wahrscheinlichkeit für Outsourcing-Strukturen.
Wie beeinflusst die Verhandlungsmacht die Entscheidung?
Eine moderate Verhandlungsmacht begünstigt das Outsourcing, während extreme Ausprägungen eher zur vertikalen Integration führen.
- Citation du texte
- Matthias Riekeles (Auteur), 2006, Outsourcing im Vergleich zu vertikaler Integration, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67721