Der herausragende Unterschied zwischen dem herkömmlichen und dem neuen keynesianischen Modell ist die Annahme nominaler Rigiditäten bei gleichzeitiger Mikrofundierung. Dies bedeutet, dass die Grundlage der
aggregierten Gleichungen das Optimierungsverhalten der privaten Haushalte und der Unternehmen auf Basis rationaler Zukunftserwartungen ist.
In der neuen keynesianischen Makroökonomik ist Geldpolitik in der kurzen Frist aufgrund von Rigiditäten bezüglich der Preise wirksam. Es ist also möglich reale Größen zu verändern.
In dieser Arbeit sollen die dynamischen Effekte zinsgesteuerter Geldpolitik dargestellt werden. Hierbei wird erst der theoretische Modellrahmen der NKM erläutert und die Taylor-Regel als Politikinstrument beschrieben. Letztere kann das Verhalten von Zentralbanken empirisch gut erklären und die Zusammenhänge zwischen kurzfristigem Zins, Output und Preisniveauänderung formal abbilden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Modellrahmen der Neuen Keynesianischen Makroökonomik
2.1 Die IS-Gleichung
2.2 Die neue keynesianische Phillipskurve
2.3 Die Politik-Regel
3 Dynamische Effekte von Zinsschocks
3.1 Kalibrierung des Modells
3.2 Der Zinsschock
3.3 Auswirkungen des Zinsschocks auf Modellvariablen
4 Einige Modellspezifikationen und ihre Auswirkungen
4.1 Modellspezifikation der IS-Gleichung
4.2 Modellspezifikationen der Phillipskurve
4.3 Effekte der Modellspezifikationen
5 Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die dynamischen Effekte zinsgesteuerter Geldpolitik innerhalb der Neuen Keynesianischen Makroökonomie. Das primäre Ziel ist es, den theoretischen Modellrahmen zu erläutern und zu analysieren, wie realwirtschaftliche Größen auf Zinsschocks reagieren, wobei insbesondere die Rolle nominaler Rigiditäten und rationaler Erwartungen im Fokus steht.
- Theoretische Grundlagen des Neuen Keynesianischen Modells (IS-Kurve, Phillipskurve, Taylor-Regel).
- Analyse der Übertragungsmechanismen bei exogenen Zinsschocks.
- Untersuchung der Persistenz von Impulsreaktionsfunktionen.
- Erweiterungen des Basismodells mittels Habit-Formation und hybrider Phillipskurven zur Anpassung an empirische Daten.
Auszug aus dem Buch
3.2 Der Zinsschock
Um die Art des Zinsschocks zu klären bedarf es eine genauere Betrachtung des Fehler- oder Schockterms in der Zinsregel, e_t. Ohne diesen stochastischen Term ist ein schockartiger Einfluss in dem beschriebenen Modell gar nicht denkbar. Es wird in Bezug auf diesen Bestandteil der Politikregel davon ausgegangen, dass er einem autoregressiven Prozess erster Ordnung (AR-1) folgt:
e_t = rho_e * e_{t-1} + epsilon_t . (3.3)
Hierbei ist epsilon_t als weißes Rauschen zu verstehen.
Der mit Gleichung (3.3) beschriebene autoregressive Störterm macht deutlich, dass im Allgemeinen drei verschiedene Schocks möglich sind: Zum einen kann der Schock einmaliger Art sein, nämlich dann, wenn der Autokorrelationskoeffizient rho_e den Wert Null annimmt und demnach kein Bezug mehr auf den Vorperiodenwert genommen wird. Es wird dann in der Periode nach dem monetären Schock dazu kommen, dass die realen Größen wieder zu ihren Steady-State-Werten zurückkehren werden. Bei vollkommener Autokorrelation, also rho_e = 1, spricht man von einem permanenten Schock.
Im Folgenden werden die Auswirkungen eines Zinsschocks betrachtet, der mit rho_e = 0.5 seriell korreliert ist. Das heißt, dass die Zeitreihe für e_t bei einem einprozentigen Schock in t=0, also epsilon_{t=0} = 1, wie folgt aussieht:
e_{t=0} = 0.5 * 0 + 1 = 1
e_{t=1} = 0.5 * e_{t=0} + 0 = 0.5 * 1 + 0 = 0.5
e_{t=2} = 0.5 * e_{t=1} + 0 = 0.5 * 0.5 + 0 = 0.25
e_{t=3} = ... (3.4)
Damit wird schon ein Bestandteil der Dynamik deutlich. Durch den Bezug des Schockterms auf seine Werte in der Vorperiode ergeben sich Auswirkungen in die Zukunft und nicht ausschließlich in der Periode, in welcher der eigentliche Schock auftritt. Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass unter dem Zinsschock eine einprozentige Abweichung vom langfristigen Gleichgewichtszins zu verstehen ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung stellt den Unterschied zum klassischen Modell heraus, betont die Rolle nominaler Rigiditäten und skizziert den Aufbau der Untersuchung von den theoretischen Grundlagen bis hin zur empirischen Anpassung des Modells.
2 Der Modellrahmen der Neuen Keynesianischen Makroökonomik: Dieses Kapitel erläutert die zentralen Gleichungen des stochastischen, dynamischen Modells, bestehend aus der IS-Gleichung, der neuen keynesianischen Phillipskurve und der geldpolitischen Zinsregel.
3 Dynamische Effekte von Zinsschocks: Hier wird die Kalibrierung des Basismodells vorgenommen und detailliert analysiert, wie ein Zinsschock über den Transmissionsmechanismus des Realzinses den Output und die Inflation beeinflusst.
4 Einige Modellspezifikationen und ihre Auswirkungen: Das Kapitel führt Erweiterungen des Basismodells ein, wie die Habit-Formation im Konsum und hybride Preisanpassungen, um die theoretischen Reaktionen besser mit empirisch beobachteten Daten in Einklang zu bringen.
5 Schlussbemerkungen: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse, in der die Bedeutung der Autokorrelation für die Persistenz von Schockeffekten sowie der Nutzen der Modellmodifikationen für eine realistischere Abbildung betont werden.
Schlüsselwörter
Neue Keynesianische Makroökonomie, Zinsschock, Taylor-Regel, IS-Gleichung, Phillipskurve, Geldpolitik, Realzins, Outputlücke, Autokorrelation, Habit-Formation, rationale Erwartungen, Impulsantworten, nominale Rigiditäten, Preisstabilität, Transmissionsmechanismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die dynamischen Auswirkungen von Zinsänderungen (Zinsschocks) auf makroökonomische Größen wie Output und Inflation im Rahmen des Neuen Keynesianischen Modells.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Modellierung von Geldpolitik durch Taylor-Regeln, die Bedeutung von Preisschocks und die methodische Erweiterung von Modellen zur besseren Abbildung ökonomischer Realität.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die ökonomische Veranschaulichung der Modellgleichungen und die Untersuchung, wie realwirtschaftliche Variablen auf einen Zinsschock in der Zentralbankpolitik reagieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein stochastisches, dynamisches Gleichgewichtsmodell verwendet, wobei eine Simulation der Effekte auf verschiedene Politikregeln durchgeführt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst das Basismodell und die Effekte eines Zinsschocks beschrieben, anschließend werden spezifische Modellerweiterungen diskutiert, um die Persistenz der Reaktionen zu erhöhen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben der Neuen Keynesianischen Makroökonomie sind insbesondere Begriffe wie Taylor-Regel, Zinsschock, Habit-Formation und Impulsantworten zentral.
Warum sind die ursprünglichen Modellergebnisse laut McCallum kritikwürdig?
Das einfache Modell erzeugt laut McCallum zu ruckartige (unpersistente) Reaktionen auf Schocks, die nicht mit der in der Realität beobachteten Beständigkeit der Wirtschaftsdaten übereinstimmen.
Wie trägt die "Habit-Formation" zur Verbesserung des Modells bei?
Durch die Berücksichtigung des vergangenen Konsums in der Nutzenfunktion der Haushalte wird eine größere Trägheit bzw. Hügelförmigkeit in den Reaktionsfunktionen erzielt, was zu realistischeren Verläufen führt.
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- Christian Finck (Author), 2006, Dynamische Effekte bei Zinsschocks in der Neuen Keynesianischen Makroökonomik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67481