Die Schlacht bei Cannae hat vielfach das militärische Interesse geweckt und der Sieg des scheinbar unterlegenen Gegners unter Kriegsspezialisten zur Faszination geführt. Zu nennen sei an dieser Stelle stellvertretend als Ausdruck für dieses Faszinosum die Cannae- Studie des preußischen Generalstabschefs Alfred Graf von Schlieffen. Ein möglicher Grund für die Begeisterung, die von dieser Schlacht auszugehen scheint, mag darin liegen, dass in ihr der Prototyp einer Vernichtungsschlacht in voller Klarheit erkennbar sein soll. Nicht nur in militärischen Kreisen fand diese Schlacht große Aufmerksamkeit, sondern auch unter Historikern. Karl Christ äußert sich dahingehend, dass die Wirkung des Mythos Cannae kaum zu überschätzen sei. Bevor sich diese Arbeit im Folgenden eingehender mit dieser Schlacht beschäftigen wird, gilt es zunächst einmal zu bedenken, welche Schwierigkeiten sich bei der Rekonstruktion einer großen Schlacht ergeben können. Zum einen ist dies die Vielzahl der agierenden Personen, zum anderen die Komplexität der sich gleichzeitig vollziehenden Handlungsabläufe. Zudem kommt eine sich möglicherweise ergebende Eigendynamik des Kampfes, die weder geplant noch später im Detail nachvollziehbar ist. Für die Schlacht bei Cannae kommt außerdem die schwierige Quellenlage hinzu, die sich fast immer bei Ereignissen mit einer langen Überlieferungstradition ergibt. Dies sind Punkte, die die Beschäftigung mit diesem Thema schwierig aber auch besonders interessant machen, deutlich wird dies an dem großen Umfang von Forschungsliteratur. Natürlich ist der Ablauf der Schlacht nicht immer einstimmig beurteilt worden. Wobei der heutige Wissensstand besonders durch die Arbeiten von Hans Delbrück und Johannes Kromayer geprägt sei.
Das Ziel dieser Arbeit ist es das Vorfeld, den Schlachtverlauf sowie die Folgen der Schlacht bei Cannae unter besonderer Berücksichtigung der Quellen von Polybios und Livius zu untersuchen. Dabei soll im Besonderen auf die sich durch den Vergleich der Quellen herausstellenden Unstimmigkeiten eingegangen werden. Zu Beginn meiner Arbeit möchte ich mich zunächst mit der allgemeinen Quellenlage zur Schlacht bei Cannae beschäftigen. Dabei gilt es zu beurteilen welche Quellen einschlägig sein könnten und dabei das geschichtliche Bild am naturgetreuesten wiedergeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zur Quellenlage
2.1. Polybios
2.2. Livius
3. Die Schlacht bei Cannae in den Quellen von Polybios und Livius
3.1. Die Ereignisse vor der Schlacht
3.2. Die Kämpfe bei Cannae
3.3. Die Folgen der Schlacht
4. Schlussbeurteilung
5. Quellen- und Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Schlacht bei Cannae im zweiten Punischen Krieg unter einem komparativen Ansatz. Ziel ist es, die Darstellungen der antiken Historiker Polybios und Livius gegenüberzustellen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Berichterstattung zu identifizieren, deren Ursprünge zu beleuchten und die Zuverlässigkeit der jeweiligen Quellen im Hinblick auf den Schlachtverlauf sowie dessen Folgen kritisch zu hinterfragen.
- Analyse und Vergleich der antiken Quellen zu Cannae
- Untersuchung der historiographischen Hintergründe von Polybios und Livius
- Rekonstruktion der Ereignisse vor, während und nach der Schlacht
- Kritische Würdigung von Quellenunterschieden und annalistischen Einflüssen
Auszug aus dem Buch
3.2. Die Kämpfe bei Cannae (P 3, 113 -117/ L 22, 45, 5 - 49, 13)
Bevor ich auf den eigentlichen Verlauf der Schlacht zu sprechen komme, möchte ich zunächst einmal darauf hinweisen, dass topographische Angaben über das Schlachtfeld sehr ungenau überliefert wurden, was innerhalb der Forschung bereits zu zahlreichen Kontroversen über die Rekonstruktion der Schlacht geführt hat. Da die römischen Geschichtsschreiber zum einen Einzelheiten und technischen Daten der Kriegsführung scheinbar gleichgültig gegenüber standen und zum anderen sich der Flusslauf des Aufidus in einem Zeitraum von über 2000 Jahren maßgeblich verändert hat ist es fraglich, ob eine exakte Nachzeichnung des Geschehens jemals möglich sein wird.
Dennoch zeichnen die Quellen ein Bild über den Verlauf der Schlacht, aus dem man einiges ablesen kann. Auch wenn diese unserem heutigen historiographischen Anspruch in Detailfragen nicht immer entsprechen.
Am 2. August 16. v. Chr. konnte C. Terentius Varro, bedingt durch den Wechsel der Befehlsgewalt, der sich täglich vollzog (P 3, 110, 14-15), wieder die Initiative in der römischen Kriegsführung ergreifen. 10000 Mann ließ er zur Sicherung des großen römischen Lagers zurück (P 3, 117, 8). Dann ließ er die Truppen aus beiden römischen Lagern zur Schlacht ausrücken (P 3, 113). Dazu habe er die Truppen über den Aufidus geführt und das Heer seine Schlachtordnung, mit der Front nach Süden gerichtet, einnehmen lassen (P 3, 113, 5-8).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung der Schlacht bei Cannae ein, benennt die Problematik der Quellenlage und definiert die Zielsetzung der vergleichenden Analyse von Polybios und Livius.
2. Zur Quellenlage: Dieses Kapitel erörtert die historische Herkunft der Berichte über Cannae, insbesondere die Abhängigkeiten der antiken Quellen und die methodischen Unterschiede zwischen Polybios und Livius.
3. Die Schlacht bei Cannae in den Quellen von Polybios und Livius: Dieser Hauptteil vergleicht die detaillierten Berichte der beiden Historiker hinsichtlich der Ereignisse vor der Schlacht, des konkreten Schlachtverlaufs und der unmittelbaren Folgen.
4. Schlussbeurteilung: Die Schlussbeurteilung resümiert die Unterschiede in der Darstellung der Schlacht, führt diese auf die jeweiligen Intentionen und Schreibstile der Autoren zurück und bewertet die Eignung der Quellen für eine historische Rekonstruktion.
5. Quellen- und Literaturverzeichnis: Hier werden sämtliche verwendeten antiken Primärquellen und die sekundäre Forschungsliteratur bibliographisch aufgeführt.
Schlüsselwörter
Schlacht bei Cannae, Polybios, Livius, Zweiter Punischer Krieg, Hannibal, römische Geschichte, antike Historiographie, Quellenanalyse, militärische Strategie, Schlachtverlauf, Schlachtordnung, Schlacht von Cannae, Antike, historische Rekonstruktion, Quellenvergleich
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den Vergleich der antiken historischen Quellen von Polybios und Livius bezüglich der Schlacht bei Cannae im zweiten Punischen Krieg.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Quellenkritik, den Verlauf der Schlacht bei Cannae sowie die unterschiedliche Darstellung militärischer und politischer Ereignisse durch zwei verschiedene antike Historiker.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Berichte über das Vorfeld, den Schlachtverlauf und die Folgen der Schlacht bei Cannae vergleichend zu untersuchen, um Unstimmigkeiten zu identifizieren und die Zuverlässigkeit der Quellen zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine komparative Quellenanalyse angewandt, die den Inhalt der antiken Texte gegenüberstellt und unter Einbeziehung der Forschungsliteratur kritisch hinterfragt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil ist in drei Etappen gegliedert: die Ereignisse vor der Schlacht, der eigentliche Kampfverlauf sowie die Folgen der Schlacht für Rom und Karthago.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Cannae, Polybios, Livius, Hannibal, historische Quellenkritik, römische Militärgeschichte und der Vergleich antiker Berichterstattung.
Welche Rolle spielt die Topographie bei der Rekonstruktion der Schlacht?
Die Topographie ist laut Autor problematisch, da einerseits antike Aufzeichnungen diesbezüglich ungenau sind und sich der Flussverlauf des Aufidus über die Jahrtausende stark verändert hat.
Warum wird Livius als weniger zuverlässig für militärische Details eingeschätzt?
Der Autor führt an, dass Livius politisch nicht aktiv war, keine militärischen Ämter bekleidete und eher als Schriftsteller denn als Wissenschaftler agierte, was zu einer eher dramatischen statt präzisen Darstellung führte.
- Arbeit zitieren
- Kristina Horn (Autor:in), 2005, Die Schlacht bei Cannae - Ein Vergleich der Darstellungen von Polybios und Livius, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66232