Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Sociology - Relationships and Family

Rituelle Gewalt an Frauen - Genitalverstümmelung

Title: Rituelle Gewalt an Frauen - Genitalverstümmelung

Term Paper , 2002 , 16 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Tonia Fondermann (Author)

Sociology - Relationships and Family
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Die Geschichte der Beschneidung, der weiblichen sowie der männlichen, ist sehr alt. Schon in Ägypten der Pharaonenzeit kannte man dieses Ritual bereits. Das belegen Funde von weiblichen Mumien, die auf das 16. Jahrhundert vor Christi Geburt datiert sind (vgl. Hermann, 2000, S.16). Auch die Juden pflegten lange Zeit die Beschneidung beider Geschlechter. In bestimmten afrikanischen, asiatischen, australischen und südamerikanischen Ländern hatte bzw. hat die Beschneidung eine festverwurzelte Tradition. Man führte Beschneidungen in manchen islamischen aber auch christlichen Volksgruppen durch. Sogar in unseren Breiten, der aufgeklärten, zivilisierten 1. Welt, benutzte man die Genitalverstümmelung bis in die 40er 50er Jahre hinein, um die Frauen von Krankheiten wie Hysterie, Epilepsie und Depression zu heilen und um Homosexualität und Masturbation zu unterbinden (vgl. Toubia, 1995, S.225 und Hermann, 2000, S.28).
Daran sieht man, dass die Beschneidung der Geschlechtsteile nicht eine Ursprungskultur oder -religion hat. Vielmehr muss sich dieser Brauch unabhängig auf (fast) allen Erdteilen und parallel entwickelt haben. Hinter diesen Praktiken steht der Glaube, der Mensch durchlaufe verschiedene Entwicklungsphasen oder Stationen wie Geburt, Erwachsenenalter, Heirat, Alter und Tod, die mit entsprechenden Riten beendet bzw. eingeläutet werden müssen, damit der kosmische Zyklus von Werden und Vergehen in Gang gehalten wird. (Vgl. Schnüll, 1999, S.15)
Der Eintritt ins Erwachsenenalter ist ein wichtiges Ereignis für einen Menschen. Er wird von nun an von seinen Mitmenschen anders behandelt. Die Erwartungshaltung ihm gegenüber ändert sich, und zusätzlich zu seinen neu erworbenen Rechten hat er auch ganz bestimmte Pflichten. In der westlichen Welt wird dieser Übergang an einem bestimmten Alter markiert. Von diesem Zeitpunkt an darf der junge Erwachsene z.B. Alkohol trinken, Auto fahren, aber er ist vor dem Gesetz auch voll strafmündig. In jedem Fall stellt dieser Tag aber ein großes Ereignis dar, der entsprechend groß gefeiert wird. Das heißt die Idee des Initiationsritus, die ursprünglich hinter der Tradition des Beschneidens stand, ist uns gar nicht so fremd.

[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1.Einführung in Geschichte und Hintergrund der weiblichen Beschneidung

2. Was bedeutet Genitalverstümmelung?

2.1 Daten und Fakten

2.2 Folgen der Operation

3. Warum gibt es genitale Verstümmelung heute noch?

3.1 Tradition und kulturelle Verwurzelung

3.2 Konvention und Unterdrückung

3.3 Verschiedene Maßnahmen gegen FGM

4. Einmischen ja oder nein? – Ein Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Hintergründe und die gesellschaftliche Verankerung der weiblichen Genitalverstümmelung (FGM) und beleuchtet die ethische Debatte, inwieweit eine Einmischung in fremde kulturelle Traditionen aus menschenrechtlicher Sicht legitimiert ist.

  • Historische Ursprünge und globale Verbreitung der Beschneidungsrituale
  • Die körperlichen und psychischen gesundheitlichen Folgen für betroffene Mädchen und Frauen
  • Die Rolle von Tradition, kultureller Identität und gesellschaftlichem Konformitätsdruck
  • Die Analyse bisheriger gesetzlicher und pädagogischer Maßnahmen zur Eindämmung
  • Diskussion über eine kulturübergreifende menschenrechtliche Perspektive ohne westliche Bevormundung

Auszug aus dem Buch

3.2 Konvention und Unterdrückung

Ein weiteres Problem, das die Aufgabe des Rituals so schwierig macht, ist die gesellschaftliche Konvention, die daraus entstanden ist. So lassen z.B. Familien ihre Kinder beschneiden, obwohl sie eigentlich gegen diese Praxis sind, aus Angst sozial geächtet zu werden, oder weil sie befürchten, dass ihre Töchter an keinen angesehenen Mann zu verheiraten sind.

Stellen Sie sich zum Beispiel vor, es gäbe eine Gemeinschaft, in der es üblich ist, dass Zuschauer im Kino [...] stehen und nicht sitzen [...] Stehen ist die allgemeingültige Norm und besteht als solche fort. Nun kommt ein Außenseiter und erklärt, dass überall sonst die Zuschauer sitzen. Nachdem der Schock [...] nachlässt, beginnen manche Leute zu überlegen, dass Sitzen besser sein könnte, aber es könnte nur besser sein, wenn sich genügend andere gleichzeitig setzen. Denn wenn nur eine Person sitzt, dann kann sie nicht sehen, was auf der Bühne passiert. (Gerry Mackie in Hermann, 2000, S.63)

D.h. eine einzige Familie kann die Konvention nicht ändern, wenn nicht alle mitmachen und sich die fest verankerten Überzeugungen über die Funktion der Frau und das weibliche Genital nicht mit ändern. Das nämlich ist die andere Seite der Medaille.

Das weibliche Genital wird als schmutzig, schlecht riechend und hässlich angesehen, so dass die Verstümmelung als Reinigung (s.o.) erfahren wird, durch die die Frau Ansehen erlangt.

Zusammenfassung der Kapitel

1.Einführung in Geschichte und Hintergrund der weiblichen Beschneidung: Dieses Kapitel verortet das Ritual historisch in verschiedenen Kulturen und stellt fest, dass es sich ursprünglich um einen Initiationsritus handelte, der den Übergang ins Erwachsenenalter markierte.

2. Was bedeutet Genitalverstümmelung?: Hier werden die verschiedenen medizinischen Praktiken der Genitalverstümmelung definiert und die damit verbundenen gesundheitlichen Risiken sowie statistische Verbreitungszahlen dargelegt.

2.1 Daten und Fakten: Dieser Unterpunkt liefert eine detaillierte Übersicht über die geografische Verbreitung der Praxis und die geschätzten Betroffenenzahlen in Afrika und darüber hinaus.

2.2 Folgen der Operation: Es erfolgt eine Analyse der gravierenden physischen Langzeitschäden sowie der psychischen Traumata, die durch den Eingriff bei den Frauen verursacht werden.

3. Warum gibt es genitale Verstümmelung heute noch?: Dieses Kapitel analysiert die Persistenz des Rituals trotz gesellschaftlichen Wandels und widerlegt die vermeintliche religiöse Begründung durch den Islam.

3.1 Tradition und kulturelle Verwurzelung: Es wird erörtert, wie tief das Ritual im Gemeinschaftsbewusstsein verankert ist und warum selbst aufgeklärte Gemeinschaften an dieser Tradition festhalten.

3.2 Konvention und Unterdrückung: Dieses Kapitel zeigt auf, dass sozialer Druck und die Angst vor Ächtung maßgebliche Faktoren sind, die dazu führen, dass Familien das Ritual trotz eigener Vorbehalte fortführen.

3.3 Verschiedene Maßnahmen gegen FGM: Es werden unterschiedliche Lösungsansätze, von gesetzlichen Verboten bis hin zu gesundheitlicher Aufklärungsarbeit, kritisch auf ihre Effektivität hin untersucht.

4. Einmischen ja oder nein? – Ein Fazit: Die abschließende Betrachtung diskutiert die ethische Dilemma-Situation zwischen dem Schutz universeller Menschenrechte und der Vermeidung westlicher kultureller Dominanz.

Schlüsselwörter

Genitalverstümmelung, FGM, Menschenrechte, Initiationsritus, kulturelle Tradition, Frauenrechte, Aufklärung, Sozialisation, Körperlichkeit, Geschlechterrollen, Diskriminierung, gesellschaftliche Konvention, Gesundheitsschutz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert das Phänomen der weiblichen Genitalverstümmelung unter soziologischen und menschenrechtlichen Aspekten und untersucht, warum sich diese Praktiken trotz globaler Kritik hartnäckig halten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Arbeit fokussiert sich auf die historischen Ursprünge, die medizinischen Folgen, die soziokulturelle Verankerung durch Tradition und Konvention sowie die Effektivität verschiedener Interventionsstrategien.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, ein tieferes Verständnis für die Beweggründe der Akteure zu entwickeln und zu eruieren, wie ein Ausstieg aus der Tradition möglich ist, ohne dabei kulturelle Sensibilität zu vernachlässigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Arbeit auf Basis von Literaturanalysen, die anthropologische, soziologische und medizinische Fachliteratur sowie Berichte von Betroffenen (Waris Dirie) integriert.

Welche Schwerpunkte werden im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der physischen/psychischen Folgen, die Widerlegung religiöser Begründungen sowie die kritische Reflexion von Konventionen und Aufklärungsprogrammen.

Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?

Wesentliche Begriffe sind Genitalverstümmelung, Menschenrechte, kulturelle Tradition, Sozialisationsdruck und Aufklärung.

Welche Rolle spielt der Islam bei der Begründung von FGM laut Autorin?

Die Arbeit stellt klar, dass der Islam keine Grundlage für die Genitalverstümmelung bietet und die Praxis auch vor der Verkündung des Korans existierte sowie in vielen islamischen Ländern unbekannt ist.

Warum greifen gesetzliche Verbote laut Arbeit oft nicht?

Gesetze sind laut der Autorin oft wirkungslos, da sie ohne einen breiten gesellschaftlichen Konsens erlassen werden und die Praxis dann lediglich in den Untergrund verlagern, was die gesundheitlichen Risiken für Mädchen weiter verschärfen kann.

Excerpt out of 16 pages  - scroll top

Details

Title
Rituelle Gewalt an Frauen - Genitalverstümmelung
College
Ruhr-University of Bochum  (Sozialwissenschaft)
Course
Menschenrechte als universales Prinzip - feministische Kritik und Anknüpfungsmöglichkeiten
Grade
1,3
Author
Tonia Fondermann (Author)
Publication Year
2002
Pages
16
Catalog Number
V6616
ISBN (eBook)
9783638141529
Language
German
Tags
Rituelle Gewalt Frauen Genitalverstümmelung Menschenrechte Prinzip Kritik Anknüpfungsmöglichkeiten
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Tonia Fondermann (Author), 2002, Rituelle Gewalt an Frauen - Genitalverstümmelung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6616
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  16  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint