Arbeitslosigkeit ist eines der größten gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit. Es stellt sich die Frage, ob in einem sozialen Sicherungssystem, wie man es in der Bundesrepublik Deutschland findet, ausreichend Anreize gesetzt werden um Arbeit für alle Individuen zur Bewältigung der täglichen finanziellen Lasten notwendig oder erstrebenswert erscheinen zu lassen. Können Reformen der Arbeitslosenversicherung helfen mehr Menschen in Beschäftigung zu bringen und gibt es Mechanismen, die Individuen zu Verhalten verleiten, keine Arbeit aufzunehmen?
Das eine Arbeitslosenversicherung in einem Wirtschaftssystem wünschenswert und auch notwendig ist, lässt sich mit dem Argument der sozialen Sicherheit begründen. Allerdings muss die Aufgabe einer Arbeitslosenversicherung die soziale Absicherung im Falle der Arbeitslosigkeit sein. Das und in welcher Form sie aber Einfluss auf das Arbeitsangebotsverhalten der Arbeitnehmer hat, soll diese Arbeit zeigen. Es werden die Anreizwirkungen der Arbeitslosenversicherung aufgezeigt und die verzerrende Wirkung auf das Arbeitsangebotsverhalten anhand von Modellen erläutert. Ein anschließender Abgleich der Modellzusammenhänge mit ausgewählten empirischen Ergebnissen gibt Aufschluss über die Effizienz der in der Theorie vorgeschlagenen Modifikationen der Arbeitslosenversicherung. Dabei wird aufgezeigt, dass insbesondere die Bezugsdauer der Arbeitslosenversicherung Einfluss auf die Dauer der Arbeitslosigkeit und den Zugang in Arbeitslosigkeit hat.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriff der Arbeitslosenversicherung
2.1. Arbeitslosenversicherung als Instrument der passiven Arbeitsmarktpolitik
2.2. Problematik der Arbeitslosenversicherung
3 Modelltheoretische Analyse
3.1. Der klassische Ansatz
3.2. Suchtheorie
3.3. Beveridge-Kurve im Kontext des Matching
4 Theorie im Abgleich mit der Wirklichkeit
4.1. Empirische Ergebnisse ausgewählter Studien
4.2. Vertiefende Wirkungsanalyse und Ergebniseinordnung
4.3 Reformvorschläge vor Harz IV
5 Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit untersucht den Einfluss der Arbeitslosenversicherung auf den Arbeitsmarkt durch eine Kombination aus modelltheoretischen Analysen und dem Abgleich mit empirischen Studien, um zu klären, wie soziale Sicherungssysteme Anreize zur Arbeitsaufnahme beeinflussen.
- Anreizwirkungen der Arbeitslosenversicherung auf das Arbeitsangebotsverhalten.
- Modelltheoretische Erklärung von Arbeitslosigkeit (klassischer Ansatz, Suchtheorie, Matching).
- Empirische Evidenz zur Auswirkung von Bezugsdauer und Leistungsniveau.
- Analyse des Strukturwandels und der Mobilität am Arbeitsmarkt.
- Diskussion und Bewertung von Reformvorschlägen (inkl. Hartz-Kontext).
Auszug aus dem Buch
3.2. Suchtheorie
Während beim klassischen Ansatz von vollkommener Information aller Marktteilnehmer ausgegangen wird, hat das Modell der Suchtheorie die deutlich realistischere Situation der unvollkommenen Information zur Annahme. Somit verursacht die Arbeitssuche Kosten, die es modelltheoretisch zu berücksichtigen gilt. Der Ausgangspunkt der Suchtheorie in der SCHÄFER’schen [SCHÄFER, 2003, S. 10] Darstellung ist ein arbeitsloses Individuum auf Arbeitssuche. Zwar befinden sich auch Erwerbstätige auf Arbeitssuche, allerdings argumentiert FRANZ, dass bei der Darstellung der arbeitslose Sucher deshalb im Mittelpunkt stehen soll, da die Analyse von Suchprozessen das Ziel hat, herauszufinden wie lange eine optimale Suche unter Effizienzgesichtspunkten dauern sollte [vgl. FRANZ, 2003, S. 208]. Warum eine längere Arbeitssuche effizient sein kann, wird im Rahmen der Matching-Analyse im Unterkapitel 4.2. erläutert.
Es sei also im Folgenden angenommen, dass der Suchende ein Lohnangebot w1 offeriert bekommt. Er kann es annehmen oder aber ablehnen und hat dabei zwischen den kumulierten Erträgen des Lohnangebots und den kumulierten Opportunitätskosten abzuwiegen. Opportunitätskosten bestimmen sich durch die Aufgabe der Chance auf ein besseres Lohnangebot sowie der Wegfall von Nichterwerbseinkommen wie Arbeitslosengeld und Freizeit. „Über den Freizeitwert von Arbeitslosigkeit liegen jedoch kaum empirisch verwertbare Studien vor. Die Möglichkeit, dass dieser aus psychosozialen Gründen negativ ist, muss zumindest in Betracht gezogen werden.“ [SCHÄFER, 2003, S. 12] Somit soll der Freizeitwert eines Arbeitslosen hier vernachlässigt werden. Diese Opportunitätskosten, die bei Annahme des Angebots entstehen würden, definieren so einen Anspruchslohn der dem Arbeitssuchenden mindestens offeriert werden muss, damit sich die Annahme des Angebots für ihn lohnt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Hinführung zur Problematik der Anreizstrukturen von Arbeitslosenversicherungen und deren Einfluss auf die Dauer der Arbeitslosigkeit.
2 Begriff der Arbeitslosenversicherung: Definition der Aufgaben und Restriktionen der Arbeitslosenversicherung sowie Erläuterung des Solidaritätsprinzips und der aktuellen Problematik.
3 Modelltheoretische Analyse: Herleitung theoretischer Modelle zur Erklärung von Arbeitslosigkeit, darunter der klassische Ansatz, die Suchtheorie und das Matching-Konzept mittels Beveridge-Kurve.
4 Theorie im Abgleich mit der Wirklichkeit: Konfrontation der theoretischen Modelle mit empirischen Studien sowie Diskussion konkreter Reformansätze vor Einführung von Hartz IV.
5 Resümee: Zusammenfassende Bewertung der theoretischen und empirischen Erkenntnisse über den Einfluss der Arbeitslosenversicherung auf den Arbeitsmarkt.
Schlüsselwörter
Arbeitslosenversicherung, Arbeitsmarktökonomik, Suchtheorie, Matching, Beveridge-Kurve, Arbeitslosengeld, Anspruchslohn, Moral-Hazard, Strukturwandel, Arbeitsangebotsverhalten, Reformvorschläge, Hartz-Reformen, Humankapital, Beschäftigungspolitik, Arbeitslosigkeitsdauer.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie die Arbeitslosenversicherung als soziales Sicherungssystem durch ihre Ausgestaltung das individuelle Arbeitsangebotsverhalten und damit den gesamten Arbeitsmarkt beeinflusst.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der modelltheoretischen Analyse von Anreizwirkungen, der empirischen Untersuchung von Suchprozessen bei Arbeitslosen sowie der Diskussion politischer Reformansätze zur Steigerung der Arbeitseffizienz.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Reformen der Arbeitslosenversicherung – insbesondere im Hinblick auf Bezugsdauer und Leistungsniveau – dazu beitragen können, Arbeitslosigkeit zu verringern und die Vermittlungseffizienz zu steigern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf mikroökonomische Modellbildungen (Suchtheorie, Matching-Ansatz) und deren Validierung durch den Vergleich mit ausgewählten empirischen Studien zur Arbeitsmarktdynamik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst theoretische Erklärungsmodelle für Arbeitslosigkeit dargelegt, gefolgt von einem empirischen Abgleich und der kritischen Diskussion konkreter Reformvorschläge für den deutschen Arbeitsmarkt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Arbeitslosenversicherung, Anspruchslohn, Matching, Suchtheorie, Moral-Hazard und Hartz-Reformen.
Wie unterscheidet sich das "Modell USA" vom "Modell Europa"?
Das Modell USA ist durch hohe Mobilität und schnelle Vermittlung ("hire and fire") geprägt, während das Modell Europa, wie in Deutschland, stärker auf langfristige soziale Absicherung, Qualifikationsstandards und Kündigungsschutz setzt.
Welche Rolle spielt die Bezugsdauer bei der Arbeitslosigkeit?
Die Arbeit verdeutlicht, dass eine längere Bezugsdauer den Anspruchslohn steigen lässt, die Suchintensität verringert und somit signifikant zur Langzeitarbeitslosigkeit und Humankapitalentwertung beiträgt.
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- Andreas Stein (Author), Torsten Breiding (Author), 2006, Auswirkungen der Arbeitslosenversicherung auf den Arbeitsmarkt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65726