"An dem Tag, an dem die Manager vergessen, dass eine Unternehmung nicht weiter bestehen kann, wenn die Gesellschaft ihre Nützlichkeit nicht mehr empfindet oder ihr Gebaren als unmoralisch betrachtet, wird die Unternehmung zu sterben beginnen."
(Alfred Herrhausen, 1930-1989, Vorstandssprecher der Deutschen Bank)
In der ökonomischen Theorie haben Termini wie Moral und Ethos tatsächlich ihren Platz, aber die Frage ist, wie Ethik in den Wirtschaftsprozess integriert werden kann, oder anders gefragt: Was muss getan werden, damit moralische Handlungen nicht im Widerspruch zur ökonomischen Vernunft stehen? Schließlich: Gibt es eine ethische Ökonomie oder ökonomische Ethik? In dieser Arbeit soll aufgezeigt werden, dass es einem Wirtschaftsakteur nicht nur zum Vorteil gereichen kann, sondern auch vernünftig ist, wenn er sich moralisch verhält. Dabei geht es nicht um ein Primat der Ethik, dies wird sogar bestritten, sondern um den Vorrang des Besseren vor dem Guten. Anhand von Best-Practise-Beispielen (Bayerische Bauindustrie, Chiquita International Brands) wird die Umsetzung moralischer Standards und deren Wirkung illustriert.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung – Problembeschreibung und Vorgehensweise
1. Beispiele zur Illustration
1.1 Bayerische Bauindustrie
1.2 United Fruit Company/ Chiquita International Brands
2. Ethik, Moral und Wettbewerb – Abgrenzung des Themas
3. Individualethik – Vertrauen und Eigenverantwortung
3.1 Unvollständige Verträge und Asymmetrische Information
3.2 Prinzipal-Agent-Theorie
3.3 Theorie der Verfügungsrechte (property rights)
3.4 Transaktionskostentheorie
4. Unternehmensethik – Soziale Verantwortung und Unternehmenskultur
5. Ordnungsethik – Rahmenordnung, Dilemmastruktur und Wettbewerb
5.1 Rahmenordnung und Dilemmastruktur
5.2 Dilemmastruktur und Wettbewerb
5.3 Aushebelung und Stabilisierung von Dilemmastrukturen
6. Governanceethik und Wertemanagement
6.1 Definition, Ziele und strategische Einordnung
6.2 Ethik der Governance
6.3 Transkulturelle Governance
6.4 Lokale und globale Governance, Relativismus und Universalismus
6.5 Komplexität, Individualisierung und gesellschaftliche Verantwortung als Treiber eines Ethikmanagements
6.6 Mechanismen der Governance
6.6.1 Implementierung eines Wertemanagementsystems
6.6.2 Wertekatalog und Prozessstufen
6.6.3 Instrumente
6.6.4 Praxisbericht über die Einführung eines Wertemanagementsystems beim Schiffsgetriebehersteller ZF Marine
Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie ethische Standards in die Organisationsstruktur von Unternehmen integriert werden können und warum eine solche wertegebundene Unternehmensführung ökonomisch sinnvoll und notwendig ist. Dabei steht die Frage im Vordergrund, wie moralisches Handeln in einer komplexen globalen Umwelt nicht im Widerspruch, sondern als Erfolgsfaktor zur ökonomischen Vernunft stehen kann.
- Analyse der Rolle von Ethik und Moral im Wettbewerb
- Untersuchung der Bedeutung von Vertrauen und Eigenverantwortung
- Betrachtung der Unternehmensethik als Instrument der sozialen Verantwortung
- Governanceethik als Basis für ein systematisches Wertemanagement
- Praktische Implementierung von Wertemanagementsystemen am Beispiel von ZF Marine
Auszug aus dem Buch
Unternehmensethik – Soziale Verantwortung und Unternehmenskultur
Die Rahmenordnung eines Marktes (siehe Kapitel 5.1) ist die prädominante Stufe zur Einsetzung und Durchsetzung moralischer Regeln, aber nicht die einzige. Auf der Ebene der Organisation, der Unternehmung, kann sich der Handelnde nicht durchgängig auf diese Ordnung stützen; das soll er auch nicht. Die Rahmenordnung ist lückenhaft und unvollkommen, Freiräume lassen Freiheiten für eigenverantwortliches Operieren gegenüber allen am Unternehmen interessierten Anspruchsgruppen (Kunden, Lieferanten, Mitarbeiter, Aktionäre, usw.). Diese Leerstelle füllt die Unternehmensethik. Unternehmensethik ist die an Prinzipien ausgerichtete normative Prüfung und Begründung der Unternehmenskultur. Sie bestimmt strategisches Handeln so, dass der unternehmerische Erfolg moralisch verantwortbar erzielt wird. Reflexionsobjekt ist die Moral der Unternehmung, die sich an der Unternehmenskultur, den Werten und Denkmustern aller involvierten Akteure, ablesen lässt.
Unternehmen als juristische Personen und mithin Träger von Rechten und Pflichten, können wie Individuen als moralische Akteure tituliert werden. Das Handeln des sozialen, sich selbst organisierenden Gebildes ist nicht kongruent mit dem Handeln seiner Mitglieder und kann daher eigenständig genannt werden. Der Einwand, nur die Mitglieder einer Organisation könnten sich moralisch oder amoralisch verhalten, aber nicht die Organisation selbst, hieße, es gäbe keine Ethik der Unternehmung, sondern nur innerhalb derselben. Die Handlungen der Organisationsmitglieder werden aber nicht unwesentlich durch Struktur und Kultur der Organisation normativ geformt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung – Problembeschreibung und Vorgehensweise: Führt in die Problematik des Spannungsfeldes zwischen ökonomischen Zielen und moralischen Anforderungen ein und legt den Aufbau der Arbeit dar.
1. Beispiele zur Illustration: Veranschaulicht anhand von Praxisbeispielen wie der bayerischen Bauindustrie und Chiquita die unterschiedlichen Beweggründe für ein Ethikmanagement.
2. Ethik, Moral und Wettbewerb – Abgrenzung des Themas: Definiert die grundlegenden Begriffe der Moralphilosophie und grenzt verschiedene ethische Strömungen im Kontext des Wettbewerbs ab.
3. Individualethik – Vertrauen und Eigenverantwortung: Analysiert Vertrauen als ökonomische Ressource und behandelt die Neue Institutionenökonomik zur Komplexitätsreduktion.
4. Unternehmensethik – Soziale Verantwortung und Unternehmenskultur: Erläutert die Rolle der Unternehmensethik als Ergänzung zur marktlichen Rahmenordnung und ihre Bedeutung für die Organisationskultur.
5. Ordnungsethik – Rahmenordnung, Dilemmastruktur und Wettbewerb: Untersucht die spieltheoretischen Hintergründe von sozialen Fallen im Wettbewerb und wie diese durch Rahmenbedingungen beeinflusst werden.
6. Governanceethik und Wertemanagement: Beschreibt detailliert die theoretischen Konzepte der Governanceethik sowie die praktische Implementierung von Wertemanagementsystemen.
Schlüsselwörter
Unternehmensethik, Wertemanagement, Governanceethik, Corporate Social Responsibility, Vertrauen, Wettbewerb, Ordnungsethik, Institutionenökonomik, Unternehmenskultur, Stakeholder, Moral, Kooperation, Spieltheorie, Nachhaltigkeit, Compliance
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Integration ethischer Standards in Unternehmen und der Frage, wie eine wertegebundene Führung zum langfristigen wirtschaftlichen Erfolg beiträgt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind Ethik in der Ökonomie, das Zusammenspiel von Wettbewerb und Moral, die Rolle von Vertrauen sowie die praktische Umsetzung durch Wertemanagementsysteme.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Unternehmen trotz des ökonomischen Wettbewerbsdrucks moralisch integres Verhalten institutionalisieren können, ohne ihre Wettbewerbsfähigkeit zu gefährden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen induktiven Ansatz und stützt sich auf eine theoretische Fundierung durch die Neue Institutionenökonomik, die Spieltheorie sowie die Governanceethik von Josef Wieland.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Ebenen des Individuums (Individualethik), der Organisation (Unternehmensethik) und der Rahmenbedingungen (Ordnungsethik) sowie die konkrete Implementierung von Systemen zur Steuerung ethischen Verhaltens.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Wertemanagement, Governanceethik, Vertrauen, Corporate Social Responsibility (CSR) und die spieltheoretische Analyse von Dilemmastrukturen im Wirtschaftsleben.
Was ist das EMB der Bauwirtschaft?
Das Ethik-Management-System der Bauwirtschaft ist ein Branchenmodell, das durch Selbstbindung der Mitglieder Transparenz und Integrität bei der Auftragsvergabe sicherstellen soll.
Was zeigt das Beispiel von ZF Marine?
Es dient als praxisorientierter Bericht zur erfolgreichen Einführung eines Wertemanagementsystems in einer heterogenen Konzernstruktur, um eine kohärente Unternehmenskultur zu schaffen.
- Quote paper
- Ingo Rose (Author), 2006, Angewandte Ethik und nachhaltige Wertschöpfung - wertegebundene Unternehmensführung als Erfolgsfaktor in einer komplexen Umwelt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65583