Es liegt nicht in den Händen der Heranwachsenden wie, und vor allem was sie in der Schule lernen sollen. „Allgemeine Bildung“, die in der Schule gelehrt wird und den Lernenden vorgesetzt wird, wird letztendlich von staatlichen Instanzen definiert, festgelegt und im Fächerkanon verankert. Ich möchte in dieser Hausarbeit versuchen, die Frage zu beantworten, auf welche Weise nationalsozialistische Politik und Ideologie die Schule, den Fächerkanon und genauer das Unterrichtsfach Biologie beeinflusst haben. Umgekehrt kann man auch die nahe liegende Frage stellen, in welcher Weise die Biologie die Entwicklung des Nationalsozialismus beeinflussen konnte, wenn man bedenkt, dass durch Wissenschaftler wie Charles Darwin die Biologie bereits im 19. und frühen 20. Jahrhundert einen entschiedenen Schritt in Richtung der sich später entwickelnden Denkrichtung ging. In der Zeit des Nationalsozialismus sollte Biologie in der Schule vor allem zur Unterstützung der nationalsozialistischen Ideologie dienen. Das Fach erhielt deshalb große Bedeutung und bekam mehr Stunden zugebilligt. Eine zentrale Stellung nehmen Themen ein, die der nationalsozialistischen Rassenlehre und Bevölkerungspolitik dienten. Vererbungslehre, Rassenkunde und Rassenhygiene wurden besonders betont und in den Dienst der Weltanschauung gestellt. Begriffe wie „wertvolles Erbgut, rassische Werte, natürliche Auslese“, spielten eine große und in ihrer Auswirkung verhängnisvolle Rolle. Der Biologieunterricht sollte das „Ausmerzen“ der Erbkrankheiten und der so genannten „rassisch Minderwertigen“ begründen. Politisch sollte der „Kampf ums Dasein, das Überleben des Stärkeren“ im Bewusstsein verankert und auf das Leben der menschlichen Gesellschaft übertragen werden (Sozialdarwinismus). Des Weiteren sollte verdeutlicht werden, dass das Fortbestehen der Gemeinschaft Priorität vor dem einzelnen Lebewesen hatte. Der Biologieunterricht, der ideologisch missbraucht worden war, bedurfte nach 1945 einer völligen Neubesinnung. Ich werde deshalb, um die oben gestellten Fragen zu beantworten, sowohl auf die Lehre Darwins (und anderer, auf den Nationalsozialismus einflussreiche Biologen), sowie auf die Reformen der Schule, die ideologische Beeinflussung der Jugend und vor allem auf die Unterrichtsinhalte, mit dem Schwerpunkt auf den Biologieunterricht im Dritten Reich eingehen. Später möchte ich noch vergleichend auf den Biologieunterricht nach der Zeit des Nationalsozialismus hinweisen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Hauptteil
Grundlagen der rassistisch- nationalsozialistischen Weltanschauung
Die Schulreform
Die allgemeine Bildung
Die Unterrichtsinhalte
Allgemeine Änderungen
Änderungen im Biologieunterricht
Der Biologieunterricht nach 1945
Nachwort
Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss nationalsozialistischer Ideologie auf das deutsche Schulwesen, insbesondere auf den Fächerkanon und das Unterrichtsfach Biologie. Dabei wird analysiert, wie staatliche Instanzen durch gezielte Lehrplanänderungen Bildung für politische Zwecke instrumentalisierten und welche Rolle biologische Theorien, wie der Sozialdarwinismus, bei der Rechtfertigung der NS-Rassenpolitik spielten.
- Grundlagen der nationalsozialistischen Rassenideologie
- Strukturelle Veränderungen und Reformen des Schulsystems
- Instrumentalisierung des Biologieunterrichts
- Verhältnis von politischer Ideologie und Wissensvermittlung
- Entwicklung des Biologieunterrichts in der Nachkriegszeit
Auszug aus dem Buch
Änderungen im Biologieunterricht:
Die Neugestaltung des Biologieunterrichts ließ sich nicht so schnell umsetzen wie gewollt. Es mussten viele Neu- und Umgestaltungen stattfinden. Die Gleichschaltung der Lehrer, wie oben erwähnt, erfolgte 1933. Die Lehrer/innen wurden in Schulungslagern ausgesucht und umgeschult, da für dieses Fach zuverlässige Kräfte gebraucht wurden, die von nationalsozialistischer Weltanschauung durchdrungen waren.
Bis dahin existierten noch Biologiebücher ohne die Inhalte zu der Erb- und Rassenlehre, aber nun wurden drei Unterrichtsbücher für Biologie/ Lebenskunde fertig gestellt. Erst ab diesem Zeitpunkt war damit das Fundament für eine durchgreifende Unterrichtsform dieser Art gegeben. Biologie bzw. Lebenskunde wurde zum Kernfach mit zwei Wochenstunden in beiden Schulformen. Die Inhalte sind wie zu erwarten, geprägt von Erb- und Rassenlehre. Die Darstellungen in den Lebenskundebüchern waren einerseits neutral, anderseits zeigten sie wie zufällig germanische Ahnen samt Mythen und gingen in nationalsozialistisch gefärbte Darstellungen über. Diese Bilder, beispielsweise ein polarisierender Vergleich von einem „Vertreter der reinen arischen Rasse“ und einem „erbkranken Individuum“ wurden den Schülern durch bildhaft einprägsame, illustrierte Darstellungen nahe gebracht.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage nach der gegenseitigen Beeinflussung von Biologie und nationalsozialistischer Politik sowie die staatliche Steuerung der Schulbildung vor.
Hauptteil: Dieser Teil beleuchtet die ideologischen Grundlagen, die Schulreformen, den Begriff der allgemeinen Bildung sowie die konkreten, von Rassismus geprägten Veränderungen der Unterrichtsinhalte in Biologie und deren Nachwirkungen nach 1945.
Nachwort: Das Nachwort reflektiert kritisch über die Macht des Staates, Wissen zu definieren, und die Instrumentalisierung der Schülerschaft im "Dritten Reich".
Zusammenfassung: Die Zusammenfassung rekapituliert die zentralen Erkenntnisse über die ideologische Umgestaltung des Schulwesens und die missbräuchliche Verwendung biologischer Theorien.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Biologieunterricht, Rassenlehre, Sozialdarwinismus, Fächerkanon, Schulreform, Ideologie, Erbgesundheit, NS-Propaganda, Bildungsgeschichte, Rassentheorie, Politische Erziehung, Drittes Reich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie der nationalsozialistische Staat das Schulwesen und insbesondere das Fach Biologie nutzte, um seine Ideologie zu verbreiten und zu festigen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die rassistische Weltanschauung, die Umstrukturierung des Bildungssystems, die Veränderung von Lehrinhalten und die Rolle pseudowissenschaftlicher Biologie.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, auf welche Weise Politik und Ideologie den Fächerkanon beeinflusst haben und wiegekehrt biologische Lehren zur ideologischen Begründung der NS-Politik missbraucht wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung zeitgenössischer Lehrbücher, offizieller Erlasse und relevanter Forschungsliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen des Sozialdarwinismus, die Schulreformen zwischen 1933 und 1937 sowie die spezifischen inhaltlichen Ausrichtungen des Biologieunterrichts.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Rassenkunde, Erbgesundheit, Indoktrination, Schulung, NS-Ideologie und Biologieunterricht.
Inwiefern unterschieden sich die Biologiebücher vor und nach 1933?
Während vor 1933 teils neutrale oder wissenschaftlich orientierte Lehrbücher existierten, wurden danach dedizierte Lebenskundebücher eingeführt, die den Fokus massiv auf Rassenhygiene und die Überlegenheit der "nordischen Rasse" verschoben.
Wie wurde mit der Situation nach 1945 verfahren?
Nach dem Krieg wurde das Fach Biologie zunächst vollständig untersagt und erst in den 1960er Jahren nach einer inhaltlichen Neuausrichtung und der Erstellung neuer Schulbücher wieder als Schulfach eingeführt.
- Quote paper
- Julia Tietz (Author), 2005, Einfluss des Staates auf die Unterrichtsinhalte des Fächerkanons am Beispiel des Nationalsozialismus Schwerpunkt Unterrichtsfach Biologie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65556