Wenn man den Namen Wallenstein hört, dann denkt man an den Dreißigjährigen Krieg, an Schiller oder an die Astrologie. Wie kommt es aber, dass gerade die Astrologie so oft mit diesem Feldherrn in Verbindung gebracht wird? Für uns ist sie heute eher etwas über das man lächelt. Es gibt zwar in fast jeder Zeitung und Zeitschrift ein Tages- oder Wochenhoroskop, aber wer liest diese schon, weil er wirklich an die Macht der Sterne glaubt? Zur Zeit Wallensteins war dies anders. Damals wurde die Astrologie als Wissenschaft angesehen. Ein Astrologe wurde oft auch als Mathematiker oder Astronom bezeichnet und das Erstellen von Geburtshoroskopen, sogenannten Nativitäten, war nichts außergewöhnliches. Berühmte Mathematiker und Astronomen, wie Johannes Kepler, errechneten sie für weltliche und geistliche Fürsten. Auch vor schwierigen und bedeutenden Entscheidungen musste oft ein Astrologe die Sterne befragen. Wenn die Astrologie zur Zeit Wallensteins also nichts außergewöhnliches war, warum taucht sie im Zusammenhang mit dem Feldherrn immer als etwas unnatürliches auf und wurde ihm immer wieder zum Vorwurf gemacht?
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Hauptteil
1. Bedeutung der Astrologie zur Zeit Wallensteins
2. Wallensteins Astrologen
2.1 Johannes Kepler
2.2 Giovanni Baptista Senno
3. Astrologie als Leitmotiv?
3.1 Erste Begegnungen mit der Astrologie
3.1.1 Fragwürdige Studienreise
3.1.2 Pagenzeit auf Schloss Ambras
3.2 Die Horoskope von 1608 und 1625
3.3 Das erste Generalat und Beginn der Gegnerschaft
3.3.1 Berichte über die Brucker Konferenz
3.3.2 Astrologische Anfragen Gustav Adolf betreffend
3.3.3 Die Kapuziner-Relationen und ihre Folgen
3.3.4 Entlassung
3.4 Flugschriften vom Herbst/Winter 1633/1634
III. Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit Albrecht von Wallenstein die Astrologie als steuerndes Leitmotiv für seine politischen und militärischen Entscheidungen im Dreißigjährigen Krieg einsetzte oder ob diese ihm lediglich als zusätzliche Informationsquelle diente. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie seine Gegner den Astrologieglauben gezielt propagandistisch gegen ihn instrumentalisierten, um seine Loyalität zum Kaiser infrage zu stellen.
- Bedeutung der Astrologie im wissenschaftlichen Kontext des 17. Jahrhunderts
- Die Rolle der Hofastrologen Johannes Kepler und Giovanni Baptista Senno
- Rekonstruktion der ersten Kontakte Wallensteins zur Sterndeutung
- Analyse der Horoskope von 1608 und 1625 und deren Einfluss auf militärische Weichenstellungen
- Propagandistische Nutzung von Vorwürfen der Astrologieabhängigkeit durch politische Gegner
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Pagenzeit auf Schloss Ambras
Auch um die Zeit als Page bei Markgraf Karl von Burgau auf Schloss Ambras bei Innsbruck gibt es eine Kontroverse, ob Wallenstein je dort war und wenn ja, ob es 1603 direkt nach seiner angeblichen Studienreise war. Auch für diese Zeit im frühen Leben Wallensteins hält sich seit den ersten Biographien hartnäckig eine Geschichte in den Quellen über die erste Begegnung mit der Astrologie. Gemeint ist hier die Geschichte von dem glimpflich ausgegangenen Fenstersturz, mit dem oft die Konvertierung zum Katholizismus begründet wurde. „[...] Er ward seit dem glücklich abgelaufenen Fenstersturze noch einsilbiger als sonst. Er blickte ahnungsvoll zum Sternenhimmel empor in dessen blitzenden Schriftzügen er jetzt noch nicht zu lesen vermochte, aber immer und immer wieder stieg der Gedanke in ihm auf: Bestimmt bin ich zu hohen Dingen.“ Tatsache ist, dass sich in der Bibliothek des Schlosses auch Bücher über Astrologie befanden und es ist auch zu vermuten, dass es dort Gemälde mit astrologischen Zeichen und Darstellungen gab, aber ob der angebliche Fenstersturz und der astrologiegläubige Hausherr für Wallensteins Astrologieglaube verantwortlich sind, ist fragwürdig. Ob Wallenstein nun auf dem Schloss war und der Fenstersturz tatsächlich stattgefunden hat oder ob alles Erfindung ist, auch hier ist wieder interessant, dass man schon früh versuchte, einen Zeitpunkt für den Beginn des Astrologieglaubens bei Wallenstein zu finden.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Relevanz der Astrologie im 17. Jahrhundert und stellt die Forschungsfrage, ob Wallenstein die Astrologie lediglich als Informationsquelle nutzte oder ob sie sein Handeln als Leitmotiv bestimmte.
II. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die Rolle der Astrologie als damalige „Wissenschaft“, porträtiert seine wichtigsten Astrologen und untersucht kritisch Wallensteins Horoskope sowie die propagandistische Instrumentalisierung seines Interesses durch seine politischen Feinde.
1. Bedeutung der Astrologie zur Zeit Wallensteins: Dieses Kapitel erläutert den wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Status der Astrologie im 17. Jahrhundert und ihre Einbettung in den zeitgenössischen Glaubenskontext.
2. Wallensteins Astrologen: Es werden die Lebenswege und die Zusammenarbeit von Johannes Kepler und Giovanni Baptista Senno mit Wallenstein detailliert dargelegt.
3. Astrologie als Leitmotiv?: Dieses Kapitel bildet den analytischen Kern der Arbeit, in dem die biographischen Ursprünge des Interesses sowie spezifische Ereignisse und Horoskope beleuchtet werden.
3.1 Erste Begegnungen mit der Astrologie: Untersuchung der quellenkritisch umstrittenen frühen Erfahrungen Wallensteins in Padua und auf Schloss Ambras.
3.2 Die Horoskope von 1608 und 1625: Analyse der von Kepler erstellten Nativitäten und Wallensteins Umgang mit diesen Vorhersagen bei wichtigen Karriereschritten.
3.3 Das erste Generalat und Beginn der Gegnerschaft: Detaillierte Betrachtung, wie Astrologie-Gerüchte durch politische Akteure wie Valeriano Magni gegen Wallenstein als Waffe eingesetzt wurden.
3.3.1 Berichte über die Brucker Konferenz: Analyse der geheimen Berichte über Wallensteins Kriegführung und die Rolle von Legendenbildungen.
3.3.2 Astrologische Anfragen Gustav Adolf betreffend: Darstellung von Wallensteins Bestreben, durch astrologische Analysen Informationen über seine militärischen Gegner zu gewinnen.
3.3.3 Die Kapuziner-Relationen und ihre Folgen: Untersuchung der systematischen Diffamierung Wallensteins durch die Kapuziner-Geheimberichte.
3.3.4 Entlassung: Analyse des Zusammenhangs zwischen der Entlassung Wallensteins 1630 und der astrologisch begründeten Interpretation seines Verhaltens durch Zeitgenossen.
3.4 Flugschriften vom Herbst/Winter 1633/1634: Analyse der zeitgenössischen Propaganda, die Wallensteins Untergang mit seinem angeblichen Aberglauben und Gotteslästerung verknüpfte.
III. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass Wallenstein die Astrologie zwar aktiv nutzte, sie jedoch propagandistisch von seinen Gegnern zur Diskreditierung instrumentalisiert wurde, da sie mit dem strengen Katholizismus des Kaisers nicht vereinbar war.
Schlüsselwörter
Wallenstein, Dreißigjähriger Krieg, Astrologie, Johannes Kepler, Giovanni Baptista Senno, Nativität, Kaiser Ferdinand II., Maximilian von Bayern, Valeriano Magni, Hofastrologe, Propaganda, Brucker Konferenz, Horoskop, Religiöser Konflikt, Politik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der Astrologie im Leben des Feldherrn Wallenstein und der Frage, ob diese als echtes Leitmotiv für seine militärischen Entscheidungen fungierte oder von Feinden zur Diskreditierung genutzt wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die historische Einordnung der Astrologie im 17. Jahrhundert, die Zusammenarbeit mit bekannten Gelehrten wie Kepler sowie die politische Instrumentalisierung dieses Astrologieglaubens im Kontext der Machtkämpfe des Dreißigjährigen Krieges.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, kritisch zu hinterfragen, ob Wallenstein von der Astrologie abhängig war oder sie rational als Informationsquelle nutzte, und wie die zeitgenössische Propaganda dieses Thema für politische Zwecke ausschlachtete.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer quellenkritischen Auswertung zeitgenössischer Dokumente, Briefwechsel und Flugschriften basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bedeutung der Astrologie jener Zeit, die Rolle der persönlichen Astrologen, die Rekonstruktion früher Kontakte sowie die Untersuchung der politischen Konflikte, in denen die Astrologie Wallensteins als Waffe gegen ihn verwendet wurde.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind neben dem Namen Wallenstein der Dreißigjährige Krieg, Astrologie, die Hofastrologen Kepler und Senno sowie die Begriffe Propaganda, Machtkampf und Quellenanalyse.
Wie wurde auf die Vorwürfe der Astrologieabhängigkeit reagiert?
Wallenstein selbst begegnete den Vorwürfen meist mit Gelassenheit, während seine Gegner diese gezielt in Flugschriften und Berichten an den Kaiser einsetzten, um seine Loyalität als „Atheismus“ und „Gotteslästerung“ darzustellen.
Welche Bedeutung hatten die Kapuziner-Relationen?
Diese geheimen Berichte waren ein zentrales Propagandainstrument Maximilians von Bayern, um Wallenstein beim Kaiser durch den Vorwurf der „heidnischen“ Sterndeutung politisch zu isolieren und seine Absetzung voranzutreiben.
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- Matthias Wies (Author), 2005, Wallenstein und die Astrologie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64499