Schon in der Weimarer Republik haben die Bildungsschichten mehr Bildung für sich erschlossen als für andere. Die PISA-Studie, die beispielsweise sagt, dass ein Viertel der deutschen Jugendlichen nicht richtig lesen und rechnen können, zeigt uns, dass uns andere Gesellschaften überlegen sind. Viele Jugendliche haben es schwer eine Arbeit oder eine Ausbildung zu finden (Hendricks, 2004).
„Sitzen bleiben – jeder Dritte kennt es aus eigener Erfahrung“
(Kowalczyk & Ottich, 2003, S. 5).
Wenn man die Werbeanzeigen von meist privaten Anbietern mit Namen wie „Studienkreis“, „Schülerhilfe“, „Abacus“, u.a. in der Presse betrachtet, scheint es leicht, tatsächliche und vermeintliche Lerndefizite von Schülerinnen und Schülern aller Altersstufen und Schulformen zu beheben: „Durch Motivation und Leistungswillen zum Erfolg“.
Dies und mehr versprechen Nachhilfeeinrichtungen (Rudolph, 2002). Zudem ist auffällig, dass Nachhilfe zwar ein großes Thema der Bildungswirklichkeit ist, jedoch kaum darüber gesprochen – eher schamhaft geschwiegen wird - wogegen es endlose Kontroversen und Debatten um Schulformen und Lehrpläne gibt.
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Eine eigenhändige Forschung an einem bekannten Nachhilfeinstitut zu den üblichen Fragen: Welche Fächer werden unterrichtet? Wieviel Erfolg bringt Nachhilfeunterricht? Welche Zukunftsaussichten und gesellschaftliche Aspekte spielen hierbei eine Rolle? Welche Probleme (in) der Schule gibt es, und kann man sie umgehen? Diese und weitere Fragen wurden in der Forschung durch Fragebogenanalysen beantwortet.
Inhaltsverzeichnis
- Einführung in die quantitativen Forschungsmethoden
- Plötzlich geht's bergab – ein Teufelskreis
- Nachhilfeunterricht – ein Phänomen
- Verteilung des Nachhilfeunterrichts auf Schultypen und Klassen
- Welche Fächer sind favorisiert?
- Wieviel wird für Nachhilfe ausgegeben?
- Belastung der Eltern bei der Finanzierung des Nachhilfeunterrichts
- Wie häufig bekommen die Kinder Nachhilfe?
- Gründe für die Inanspruchnahme von Nachhilfeunterricht
- Wer erteilt Nachhilfeunterricht?
- Wie finden Eltern den Nachhilfelehrer bzw. das Nachhilfeinstitut?
- Sind Kinder durch Nachhilfeunterricht (zu stark) belastet?
- Wieviel Erfolg bringt der Nachhilfeunterricht?
- Nachteile des Nachhilfeunterrichts
- Durchführung der eigenen Forschung
- Ergebnisse der Forschung
- Alter- & Geschlechterverteilung
- Schulformenverteilung
- Klassenverteilung
- Fächerverteilung
- Kosten und Finanzierung der Nachhilfe
- Häufigkeit, Dauer und Zeitraum der Nachhilfe
- Gründe für die Inanspruchnahme von Nachhilfe
- Ausbildung und Vorgehensweise der Nachhilfelehrer
- Aufmerksam geworden durch
- Zusätzliche Belastung der Kinder?
- Erfolge
- Vorteile und Nachteile von Nachhilfe
- Zukunftsaussichten und gesellschaftliche Aspekte
- Probleme (in) der Schule
- Ursachen des enormen Anstiegs von Nachhilfeinstituten
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit befasst sich mit dem Phänomen des Nachhilfeunterrichts in Deutschland. Sie untersucht die Gründe für die steigende Nachfrage nach Nachhilfe und analysiert die Auswirkungen des Nachhilfeunterrichts auf Schülerinnen und Schüler, Eltern und das Bildungssystem.
- Steigende Bedeutung von Nachhilfe in der Bildungslandschaft
- Gründe für die Inanspruchnahme von Nachhilfeunterricht
- Auswirkungen von Nachhilfe auf die Lernleistung von Schülern
- Soziale Ungleichheit und Bildung
- Kritik am System des Nachhilfeunterrichts
Zusammenfassung der Kapitel
Die Arbeit beginnt mit einer Analyse der Entwicklung des Nachhilfeunterrichts in Deutschland und seiner Ursachen. Sie zeigt, wie die zunehmende Konkurrenz im Bildungssystem und der steigende Leistungsdruck zu einer wachsenden Nachfrage nach Nachhilfe führen. In weiteren Kapiteln wird die Häufigkeit des Nachhilfeunterrichts nach verschiedenen Kriterien, wie Alter, Geschlecht, Schulform, Fach und Kosten, dargestellt. Die Arbeit untersucht die verschiedenen Gründe, warum Eltern ihren Kindern Nachhilfeunterricht ermöglichen, sowie die Qualität der Nachhilfe und die Belastungen, die mit dem Nachhilfeunterricht für Schüler verbunden sind. Schließlich analysiert die Arbeit die Auswirkungen von Nachhilfeunterricht auf die Lernerfolge der Schüler und diskutiert die Vor- und Nachteile des Nachhilfeunterrichts.
Schlüsselwörter
Nachhilfeunterricht, Bildungssystem, Leistungsdruck, Schülermotivation, Lernleistung, Schulformen, Kosten, soziale Ungleichheit, Bildungschancen, Elternbelastung, Schulstress, Unterrichtsqualität, Lernerfolg, Vor- und Nachteile
Häufig gestellte Fragen
Warum ist Nachhilfeunterricht in Deutschland so weit verbreitet?
Gründe sind der zunehmende Leistungsdruck im Bildungssystem, die Angst vor dem Sitzenbleiben und der Wunsch der Bildungsschichten, sich durch zusätzliche Förderung Wettbewerbsvorteile zu sichern.
Welche Fächer sind im Nachhilfeunterricht am meisten gefragt?
Die Untersuchung analysiert die Verteilung auf verschiedene Fächer, wobei traditionell Mathematik, Sprachen und Naturwissenschaften zu den favorisierten Bereichen gehören.
Wie finden Eltern geeignete Nachhilfeangebote?
Eltern werden häufig durch Werbeanzeigen privater Institute wie „Schülerhilfe“ oder „Studienkreis“ sowie durch Mundpropaganda auf entsprechende Angebote aufmerksam.
Führt Nachhilfeunterricht tatsächlich zum Erfolg?
Die Arbeit untersucht den tatsächlichen Erfolg durch Fragebogenanalysen und stellt fest, inwiefern Nachhilfe Lerndefizite beheben und die Noten verbessern kann.
Welche Nachteile hat der Nachhilfeunterricht?
Zu den Nachteilen gehören die finanzielle Belastung der Eltern, die zusätzliche zeitliche Belastung der Kinder sowie die Verschärfung sozialer Ungleichheit bei den Bildungschancen.
Was sagt die PISA-Studie über das deutsche Bildungssystem aus?
Die Studie zeigt, dass ein erheblicher Teil der Jugendlichen Defizite beim Lesen und Rechnen hat, was den Boom des außerschulischen Förderunterrichts mit erklärt.
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- Dr. Stephanie Sasse (Author), Manuela Woßler (Author), 2006, Nachhilfeunterricht. Ein kritischer Überblick über den außerschulischen Förderunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64191