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Biographische und psychobiographische Elemente in Kafkas 'Urteil'

Title: Biographische und psychobiographische Elemente in Kafkas 'Urteil'

Seminar Paper , 2005 , 16 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Thomas Jahn (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Im Jahre 1969 hielt Michel Foucault am Collège de France den Vortrag "Was ist ein Autor?", in dem die Rolle des Autors in der modernen Literatur diskutiert wurde. In diesem Vortrag wertete Foucault die Frage nach der individuellen Persönlichkeit des Autors als unerheblich. Die Annahme, diese individuelle Persönlichkeit des Autors würde sich in seinen Werken ausdrücken, stellte Foucault erheblich in Frage und bemerkte, dass man in der Gleichgültigkeit gegenüber dem schreibenden Subjekt "eines der ethischen Grundprinzipien heutigen Schreibens erkennen" müsse. Ist diese Maxime folglich allgemein und für alle Autoren gültig? Kann man wirklich jeden Autor so sehr von seinem Werk abgrenzen und die Einflüsse seiner Persönlichkeit und damit auch seinem Leben und seiner persönlichen Konflikte, Traumata oder dergleichen ausschließen? Ist er nur ein Werkzeug, welches Mittel zum Zweck der Literatur ist? Ist all dies auch auf Franz Kafka und seine Werke übertragbar?
Die letzte Frage soll im Folgenden zu beantworten versucht werden, indem gezeigt wird, welche autobiographischen und psychobiographischen Elemente Franz Kafka in sein Werk sowohl bewusst als auch unbewusst einfließen ließ. Es soll hier also anhand von Kafkas Erzählung "Das Urteil" gezeigt werden wie Kafkas eigene Vita sein eigenes Werk betroffen hat.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur Person Franz Kafka

3. Unterbewusste psychobiographische Elemente im Urteil

4. Projektion Kafkas persönlicher Konfliktstrukturen im „Urteil“

5. Resümee

6. Literaturangaben

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die autobiographischen und psychobiographischen Einflüsse von Franz Kafkas Leben auf seine Erzählung „Das Urteil“, um die enge Verbindung zwischen dem Autor, seinem persönlichen Konfliktpotential und seinem literarischen Schaffen aufzuzeigen.

  • Analyse von Kafkas Vater-Sohn-Konflikten und deren Spiegelung im Werk
  • Untersuchung von psychoanalytischen Deutungsansätzen (Therapiemodell)
  • Reflexion des Konflikts zwischen bürgerlichem Leben und Schriftstellerexistenz
  • Interpretation der Figurenkonstellation als Ausdruck von Kafkas innerer Zerrissenheit
  • Bedeutung der Heiratsproblematik als Hinderungsgrund für das Schreiben

Auszug aus dem Buch

3. Unterbewusste psychobiographische Elemente im „Urteil“

Biographische Elemente, Motive und Bedeutungsaspekte können sich auf verschiedene Arten in dichterischen Werken manifestieren. Zunächst soll hier auf jene psychobiographischen Elemente eingegangen werden, die Franz Kafka vermeintlich unterbewusst in das „Urteil“ eingeflochten hat. Es handelt sich dabei um unbewusste bzw. verdrängte Konflikte der individuellen Persönlichkeit des Autors, also um Bedeutungsaspekte, welche dem Autor beim Verfassen des Werks selbst nicht präsent gewesen sind. Dieses psychoanalytische Analysemodell, welches den Autor in den Mittelpunkt stellt und dessen Anhaltspunkte und Belege es im gesamten biographischen und werkgeschichtlichen Kontext des Autors sucht, wird „Therapiemodell“ genannt (vgl. Anz 2002). Es handelt sich hierbei also um eine weitgehend exopoetische Annäherung an das Werk (vgl. Dettmering 1995).

Das „Therapiemodell“ beruht vor allem auf der psychoanalytischen Theorie Sigmund Freuds und dessen Traumdeutung. Es legt den Autor bildlich gesehen auf die Couch und sucht analog zur Traumdeutung – statt in einer Reihe von Träumen, in der gesamten literarischen und biographischne Hinterlassenschaft des Autors - nach Assoziationsnetzen, Bildgruppen und wiederkehrenden Figurenkonstellationen um die latenten Traumgedanken herauszukristallisieren, welche in der Regel nur in einer „Condition Seconde“ (einem Zustand von Schlaf, Hypnose o. ä.) erreichbar sind (vgl. Anz 2002; Rank, Sachs 1972).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung hinterfragt die Trennung von Autor und Werk anhand der Thesen von Michel Foucault und stellt die Forschungsfrage, inwiefern Kafkas Leben sein Werk „Das Urteil“ beeinflusst hat.

2. Zur Person Franz Kafka: Dieses Kapitel zeichnet die belastete Beziehung zwischen Kafka und seinem Vater nach und beschreibt, wie dieser Konflikt sowie der Druck zur beruflichen Konformität das Leben des Autors prägten.

3. Unterbewusste psychobiographische Elemente im Urteil: Hier wird das „Therapiemodell“ eingeführt, um unterbewusste, ödipale Konfliktmuster und latente psychische Spannungen in der Erzählung aufzudecken.

4. Projektion Kafkas persönlicher Konfliktstrukturen im „Urteil“: Dieses Kapitel analysiert die Aufspaltung Kafkas in die gegensätzlichen Figuren Georg Bendemann und dessen Freund als Spiegelung des eigenen inneren Konflikts zwischen bürgerlichem Dasein und Literatur.

5. Resümee: Das Resümee fasst zusammen, dass die biographische Deutung trotz aller methodischer Vorsicht und Spekulationsgefahr eine hohe Plausibilität aufweist und für das Verständnis von Kafkas Werk essenziell ist.

6. Literaturangaben: Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur sowie eine Übersicht der verwendeten Abkürzungen.

Schlüsselwörter

Franz Kafka, Das Urteil, Psychobiographie, Psychoanalyse, Ödipuskomplex, Vater-Sohn-Konflikt, Schriftstellerexistenz, Autobiographie, Literaturtheorie, Traumdeutung, Projektion, Konfliktstruktur, Doppelbelastung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit untersucht, inwieweit Franz Kafkas eigenes Leben, seine Traumata und seine psychischen Konflikte in die Erzählung „Das Urteil“ eingeflossen sind.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die Vater-Sohn-Problematik, die Rolle der Psychoanalyse bei der Textinterpretation sowie der Dualismus zwischen bürgerlichem Angestelltenleben und dem Schrifstellerdasein.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit möchte zeigen, dass eine strikte Trennung zwischen dem Autor Kafka und seinem Werk „Das Urteil“ nicht möglich ist und weist die autobiographische Prägung des Werks nach.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird primär eine psychobiographische bzw. psychoanalytische Interpretationsmethode angewandt, ergänzt durch die Untersuchung von Briefen und Tagebucheinträgen Kafkas.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung unterbewusster psychobiographischer Elemente (Therapiemodell) und die Analyse der bewussten Projektion von Konfliktstrukturen auf die Figurenkonstellation.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Psychobiographie, Vater-Sohn-Konflikt, Entfremdung und die Suche nach der Identität des Autors im literarischen Text beschreiben.

Wie deutet der Autor die Figur des Freundes in Russland?

Der Freund in Russland wird als Repräsentant von Kafkas Schriftstellerexistenz gesehen, der sich in der Abgeschiedenheit von der väterlichen Autorität befindet, im Gegensatz zum erfolgreichen, aber abhängigen Georg Bendemann.

Scheitert die Heirat nach Ansicht des Autors zwangsläufig an Kafkas Schreiben?

Ja, der Autor argumentiert, dass Kafka die Heirat als eine existenzielle Bedrohung für seine Schriftstellerei empfand, was dazu führte, dass er seine Verlobungen letztlich als unvereinbar mit seinem Lebensziel betrachtete.

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Details

Title
Biographische und psychobiographische Elemente in Kafkas 'Urteil'
College
University of Göttingen  (Seminar für Deutsche Philologie)
Course
Kafkas 'Urteil' und die Literaturtheorie
Grade
2,0
Author
Thomas Jahn (Author)
Publication Year
2005
Pages
16
Catalog Number
V63994
ISBN (eBook)
9783638569125
ISBN (Book)
9783638598934
Language
German
Tags
Biographische Elemente Kafkas Urteil Kafkas Literaturtheorie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Thomas Jahn (Author), 2005, Biographische und psychobiographische Elemente in Kafkas 'Urteil', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63994
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