Hausaufgaben bilden einen ständigen Konfliktherd- sowohl im Elternhaus als auch in der Schule. Das geteilte Lernen- vormittags Schule, nachmittags Hausaufgaben oder Nachhilfeunterricht überfordert vor allem Kinder aus sozial schwachen Familien und Kinder ausländischer Mitbürger. Das Schulsystem bietet in dieser Hinsicht keine Chancengleichheit.
Schüler kommen müde und abgekämpft aus der Schule nach Hause und müssen ihre Hausaufgaben erledigen. „Ein ganzes Heer von Betreuerinnen und Hilfslehrerinnen, Eltern und Großeltern, Freunden und Bekannten, Studierenden und Lehrerinnen wird jetzt aktiv. Fast immer sind Schüler extrinsisch motiviert, das heißt sie müssen Hausaufgaben machen, weil das Schulsystem und die Lehrerinnen diese einfordern. Den Notendruck im Nacken werden die Hausaufgaben für viele zu einer täglichen Qual, für die Eltern zur Last und für geringer Verdienende auch zu einer finanziellen Belastung.“
Obwohl in der Regel sowohl Eltern als auch Lehrer Hausaufgaben für unumgänglich betrachten, belegt die empirische Forschung, dass es keine eindeutigen Anhaltspunkte für einen leistungssteigernden Wert von Hausaufgaben gibt.
Das in Deutschland bestehende dreigliedrige Schulsystem, das halbtags geführt wird, wird auf nicht absehbare Zeit erhalten bleiben. Aus diesem Grund müssen wir uns weiterhin mit Belastungen, Schwierigkeiten aber auch positiven Aspekten auseinandersetzen, die die Hausaufgaben immer wieder mit sich bringen.
Im Folgenden werde ich zunächst kurz auf die Geschichte der Hausaufgabe eingehen. Nach der Erörterung der Pro und Contra Diskussion um Hausaufgaben werde ich ihre Formen und didaktische Funktionen erläutern um dann Leitlinien für sinnvolle Hausaufgabenpraxis vorzustellen. In Kapitel sechs wird es darum gehen, welche motivationalen Aspekte und Leitfragen beim Stellen von Hausaufgaben zu beachten sind. Vor dem abschließenden Fazit wird der Erlass „Hausaufgaben an allgemein bildenden Schulen“ eingefügt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zur Geschichte der Hausaufgaben
3. Die Pro- und Contra- Diskussion um Hausaufgaben
3.1 Argumente gegen Hausaufgaben
3.2 Argumente für Hausaufgaben
4. Formen und didaktische Funktion von Hausaufgaben
5. Leitlinien für eine sinnvolle Hausaufgabenpraxis
6. Das Stellen von Hausaufgaben
7. Rechtliche Vorgaben
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik von Hausaufgaben im schulischen Kontext, analysiert deren historische Entwicklung sowie die kontroversen Pro- und Contra-Argumente und leitet daraus Kriterien für eine pädagogisch sinnvolle Praxis ab.
- Historische Entwicklung und gesellschaftliche Funktion von Hausaufgaben
- Kritische Auseinandersetzung mit der aktuellen Hausaufgabenpraxis
- Differenzierung zwischen vorschreibenden und produktiven Aufgabenformen
- Entwicklung von Leitlinien zur effektiven Gestaltung und Kontrolle
- Bedeutung motivationaler Aspekte und individueller Lernvoraussetzungen
Auszug aus dem Buch
3.1 Argumente gegen Hausaufgaben
Die Effektivität von Hausaufgaben konnte bisher nicht empirisch nachgewiesen werden. Warum Hausaufgaben erteilen, wenn nach wie vor der empirische Nachweis für eine leistungssteigernde Wirkung von Hausaufgaben fehlt?
Oft führen Hausaufgaben zu einer hohen zeitlichen Belastung der Schüler.
Ärzte und Schulpsychologen weisen immer wieder darauf hin, dass vor allem für jüngere Schüler ein halber Tag schulischen Lernens ausreicht. Durch Hausaufgaben, die am Nachmittag erledigt werden, fehlt die Zeit für freies Spielen, die für eine gesunde Entwicklung unerlässlich ist.
Die Tatsache, dass Hausaufgaben in der Regel in Einzelarbeit angefertigt werden, führt zur sozialen Isolierung und das spätere Vergleichen in der Schule fördert ein Konkurrenzdenken, das den Zielen des sozialen Lernens entgegen steht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Hausaufgaben als ständigen Konfliktherd im Familien- und Schulalltag und stellt die fehlende Chancengleichheit sowie die mangelnde empirische Evidenz für deren Leistungsnutzen heraus.
2. Zur Geschichte der Hausaufgaben: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung nach, von der frühen Differenzierung im 15. Jahrhundert bis zur Instrumentalisierung als politisches Erziehungsmittel im 18. und 19. Jahrhundert.
3. Die Pro- und Contra- Diskussion um Hausaufgaben: Hier werden gegensätzliche Standpunkte abgewogen, wobei Themen wie soziale Isolation und Belastung den Argumenten für Disziplinierung und Erwerb von Lerntechniken gegenübergestellt werden.
3.1 Argumente gegen Hausaufgaben: Dieses Kapitel fokussiert auf die psychische Belastung, die soziale Benachteiligung durch häusliche Bedingungen und das Fehlen empirischer Wirksamkeitsnachweise.
3.2 Argumente für Hausaufgaben: Hier werden positive Aspekte hervorgehoben, darunter die Erziehung zu Pflichtbewusstsein, das Sammeln eigenständiger Lernerfahrungen und die Funktion als Bindeglied zwischen Elternhaus und Schule.
4. Formen und didaktische Funktion von Hausaufgaben: Es wird zwischen vorschreibenden, geschlossenen Aufgaben und offenen, produktiven Aufgaben unterschieden, ergänzt um die sechs didaktischen Grundfunktionen nach Schmidt.
5. Leitlinien für eine sinnvolle Hausaufgabenpraxis: Dieses Kapitel präsentiert praxisorientierte Empfehlungen für Lehrkräfte, um Hausaufgaben methodisch fundiert in den Unterricht zu integrieren und Überforderungen zu vermeiden.
6. Das Stellen von Hausaufgaben: Der Fokus liegt hier auf motivationalen Aspekten und konkreten Leitfragen, die bei der Aufgabenformulierung zu beachten sind, um die Lernbereitschaft der Schüler zu fördern.
7. Rechtliche Vorgaben: Das Kapitel bietet einen kurzen Überblick über die rechtliche Situation in Deutschland anhand des niedersächsischen Erlasses für allgemein bildende Schulen.
Schlüsselwörter
Hausaufgaben, Schulpraxis, Lernmotivation, Chancengleichheit, Didaktik, Lernzeit, Schulerfolg, Leistungsdruck, Eigenverantwortung, Erziehungsmittel, Unterrichtsvorbereitung, Elternhaus, soziale Benachteiligung, Lerntechniken, Ergebniskontrolle
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Thema Hausaufgaben als integralem, aber kontrovers diskutiertem Bestandteil des deutschen Schulsystems.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Themenfelder umfassen die Geschichte der Hausaufgaben, die pädagogische Pro- und Contra-Diskussion, die didaktische Einordnung der Aufgabenformen sowie rechtliche und praktische Leitlinien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, eine kritische Bestandsaufnahme der Hausaufgabenpraxis zu liefern und Empfehlungen für eine didaktisch verantwortbare Gestaltung der Aufgaben zu formulieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturanalyse, die auf erziehungswissenschaftlichen Fachpublikationen und rechtlichen Erlassen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse, eine Erörterung der Argumente, die Klassifizierung von Aufgaben sowie konkrete Handlungsanweisungen für Lehrkräfte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Hausaufgaben, Schulpraxis, Lernmotivation, Didaktik und Chancengleichheit.
Warum wird Hausaufgaben oft eine soziale Benachteiligung zugeschrieben?
Weil Kinder aus sozial schwachen Familien oder mit Eltern, die sie weniger unterstützen können, strukturelle Nachteile bei der Erledigung der Aufgaben haben.
Welche Kriterien machen eine Hausaufgabe laut Autorin "sinnvoll"?
Sinnvoll ist eine Hausaufgabe dann, wenn sie klar formuliert ist, zum Leistungsstand passt, von den Schülern als sinnvoll erlebt wird und nicht als Strafe dient.
Was unterscheidet "vorschreibende" von "offenen" Hausaufgaben?
Während vorschreibende Aufgaben durch feste Ziele und Wege definiert sind, ermöglichen offene Aufgaben den Schülern mehr Freiheit in der Wahl der Mittel und der Ausgestaltung.
- Citar trabajo
- Isabell Kallis (Autor), 2006, Haben Hausaufgaben einen leistungssteigernden Wert?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63773