Täglich beschreiben Zeitungen und Nachrichtensendungen die Probleme der USA im Irak oder illustrieren die Schwierigkeiten der vermeintlich stärksten Armee der Welt in Südafghanistan. Nichts desto trotz ist die militärische Stärke der Vereinigten Staaten von Amerika weltweit noch immer ohne Beispiel. Zwar machen die von Todd vorgelegten Statistiken zum stetig wachsenden Handelsdefizit und die rasant wachsenden Volkswirtschaften in Fernost auch andere Autoren nachdenklich, der Spiegel rief kürzlich sogar den „Angriff aus Fern-Ost“ und den „Weltkrieg um Wohlstand“ aus (vgl. Spiegel 2006), dennoch ist die wirtschaftliche und kulturelle Stärke der USA auch heute noch enorm.
Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurden die USA gerne als einzig verbliebene „Supermacht“ bezeichnet, was deren vermeintliche alleinige Dominanz in der Welt ausdrücken sollte und für viele nachvollziehbar war, auch wenn der Begriff „Supermacht“ dabei meist eher schwammig blieb. Viel klarer ist der Terminus auch heute nicht, wird aber ab Mitte der 1990er Jahre trotzdem gerne mit einem Fragezeichen versehen, zumindest sofern er sich auf die USA bezieht. Im Rahmen dieser Arbeit soll geklärt werden, ob diese Interpunktion berechtigt ist oder nicht, also die Frage beantwortet werden: Die USA – eine Supermacht am Ende?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Supermacht? Eine Begriffsannäherung
3. Die USA – einzig verbliebene Supermacht?
3.1 Hard Power I – Die USA als militärischer Hegemon
3.2 Hard Power II – Die USA als Wirtschaftsmacht
3.3 Soft Power – Die USA als kultureller Hegemon
3.4 Außenpolitik – Die USA zwischen Isolationismus und Weltpolizei
4. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die These eines Niedergangs der Vereinigten Staaten als globale Supermacht. Ziel ist es, anhand einer Analyse militärischer, ökonomischer und kultureller Faktoren sowie der außenpolitischen Historie zu klären, ob der Begriff "Supermacht" auf die heutigen USA noch zutreffend ist oder ob eine Erosion der Vormachtstellung stattfindet.
- Kritische Auseinandersetzung mit der Niedergangsthese von Emmanuel Todd.
- Analyse der militärischen Stärke und ihrer Grenzen (Hard Power).
- Untersuchung der wirtschaftlichen Position im globalen Wettbewerb.
- Betrachtung der kulturellen Hegemonie und der "Soft Power" der USA.
- Historischer Kontext der US-Außenpolitik zwischen Isolationismus und weltweitem Engagement.
Auszug aus dem Buch
3.1 Hard Power I – Die USA als militärischer Hegemon
Die Frage zu beantworten, ob es sich bei den USA um eine Supermacht im Niedergang handelt, muss zunächst einmal klar gestellt werden, ob es sich bei den USA bei den oben genannten Kriterien überhaupt um eine Supermacht handelt. Dies zwar gerne behauptet und auch viele wissenschaftliche Publikationen schmücken sich, wie einleitend gezeigt, mit dem Wort „Supermacht“ im Titel, meinen die Vereinigten Staaten von Amerika, machen sich aber nicht die Mühe, diese Titulierung auch zu begründen geschweige denn zu begründen. Ließen nicht die Schwierigkeiten der USA und im Irak heutzutage fast schon darauf schließen, dass der Begriff Supermacht viel zu hoch gegriffen ist und man sich besser mit Geringerem zufrieden geben sollte?
Nun, der Begriff Supermacht macht nur relativ Sinn. Eine Macht im ansonsten leeren Raum ist immer „super“, da sie als einzige Macht immer die größte (wenn auch streng genommen zugleich kleinste) Macht ist. Es bedarf eines Vergleichsrahmens, der im Falle der USA die Welt ist. Und hier bietet sich ein durchaus gemischtes Bild, das zudem nicht unwesentlich davon bestimmt ist, welche Quellen man für die Klassifizierung heranzieht. So gesteht selbst der US-Kritiker Todd den Vereinigten Staaten den Supermacht-Status zu (vgl. Todd 2004: 17). Allerdings verbindet er dieses Zugeständnis mit mehreren großen Aber: so seien die USA zwar militärisch zweifelsohne die weltweit größte Militärmacht, jedoch gründe diese Überlegenheit nicht auf militärisches Können, sondern vor allem auf Masse und weiter entwickelte Technik, die das „militärisches Unvermögen“ mehr schlecht als recht ausgleiche. Die USA befänden sich in einem militärischem Zwischenbereich: „Der amerikanische Militärapparat ist für die Verteidigung des Landes zu groß, aber zu klein für die Kontrolle über ein Weltreich und vor allem für die Verteidigung der Hegemonie in Eurasien“ (Todd 2004: 107, vgl. auch: Todd 2004: 108f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Niedergangsthese des Autors Emmanuel Todd ein und stellt die Forschungsfrage nach der heutigen Gültigkeit des Supermacht-Status der USA.
2. Supermacht? Eine Begriffsannäherung: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Supermacht anhand idealtypischer Merkmale wie militärischer Kapazität, wirtschaftlicher Stärke und kultureller Vorbildfunktion.
3. Die USA – einzig verbliebene Supermacht?: Das Hauptkapitel analysiert die USA in den Dimensionen Hard Power (Militär und Wirtschaft), Soft Power (Kultur) sowie in ihrer außenpolitischen Ausrichtung.
3.1 Hard Power I – Die USA als militärischer Hegemon: Untersuchung der militärischen Stärke im Vergleich zum Rest der Welt sowie der praktischen Schwierigkeiten bei der Projektion dieser Macht, etwa im Irak.
3.2 Hard Power II – Die USA als Wirtschaftsmacht: Analyse der wirtschaftlichen Entwicklung der USA, insbesondere unter Berücksichtigung des wachsenden Handelsdefizits und des Aufstiegs konkurrierender Mächte in Fernost.
3.3 Soft Power – Die USA als kultureller Hegemon: Diskussion der Rolle kultureller Werte und Institutionen für den US-Einfluss und der Herausforderung durch schwindende moralische Integrität.
3.4 Außenpolitik – Die USA zwischen Isolationismus und Weltpolizei: Historischer Abriss der US-Außenpolitik, die zwischen isolationistischen Tendenzen und einer globalen Führungsrolle pendelt.
4. Zusammenfassung und Ausblick: Fazit der Untersuchung: Die USA sind zwar keine absolute Vormacht mehr, jedoch weiterhin als Supermacht einzustufen, deren Einfluss jedoch in einer multipolaren Welt schwindet.
Schlüsselwörter
USA, Supermacht, Hegemonie, Hard Power, Soft Power, Außenpolitik, Weltmacht, Emmanuel Todd, Wirtschaftsmacht, Isolationismus, Weltpolizei, Internationale Beziehungen, Globalisierung, Vormachtstellung, Multipolarität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob die Vereinigten Staaten ihre Vormachtstellung als globale Supermacht verlieren und ob die Thesen eines Niedergangs, wie sie etwa Emmanuel Todd formuliert, stichhaltig sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Analyse gliedert sich in die militärische Stärke, die ökonomische Leistungsfähigkeit, den kulturellen Einfluss (Soft Power) sowie die historische Entwicklung der amerikanischen Außenpolitik.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, ob der Begriff "Supermacht" im heutigen Kontext auf die USA noch zutreffend ist oder ob die Realität eher eine multipolare Machtverteilung nahelegt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche und historische Analyse, die bestehende Literatur, statistische Daten und theoretische Konzepte (wie Hard und Soft Power) kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil prüft die USA an den Kriterien militärischer Hegemonie, wirtschaftlicher Dominanz, kultureller Vorbildfunktion und der historischen Balance zwischen Isolationismus und Weltpolizei-Rolle.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Supermacht, Hegemonie, Soft Power, Hard Power, US-Außenpolitik und multipolare Weltordnung gekennzeichnet.
Inwiefern spielt das Konzept der "Soft Power" eine Rolle?
Das Konzept der "Soft Power" ist zentral, da die Arbeit aufzeigt, dass Hegemonie nicht nur auf militärischem Zwang beruht, sondern auch auf Werten und kultureller Anziehungskraft, die jedoch moralisch unter Druck stehen.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur wirtschaftlichen Lage?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die USA zwar die bedeutendste Wirtschaftsmacht bleiben, aber aufgrund des hohen Handelsdefizits und der Konkurrenz aus Asien auf einem absteigenden Ast stehen.
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- Felix Neubüser (Author), 2006, Die USA - Eine Supermacht im Niedergang?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63260