Kurz nach Amtsantritt im Herbst 1998 erklärte Bundeskanzler Gerhard Schröder, dass sich die Koalition zwischen SPD und Grünen „jederzeit […] daran messen lassen [wolle], in welchem Maße [sie] zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit beigetragen [habe]“. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Arbeitslosenzahl einen Stand von 3,89 Millionen erreicht , was nicht zuletzt dem jahrelangen „Reformstau“ der christdemokratischen-liberalen Vorgängerregierung und ihren nur unzureichenden Ansätzen einer Deregulierung des Arbeitsmarktes geschuldet war. Immer wieder betonte Schröder daher die zentrale Bedeutung arbeitsmarkt- und beschäftigungspolitischer Reformen und steckte das Ziel, die Arbeitslosigkeit bis zu unter drei Millionen zu senken. Doch entgegen diesem Vorhaben stieg die Zahl der Arbeitslosen kontinuierlich an, bis zum Regierungswechsel und zur Übernahme der Großen Koalition im November 2005 lag sie bei 4,55 Millionen. Bei dieser alarmierenden Zahl stellt sich die Frage, der in dieser Arbeit nachgegangen werden soll, welche arbeitsmarktpolitischen Strategien die Regierung bis dato verfolgt hat und ob beziehungsweise inwiefern diese erfolgreich gewesen sind. In Kapitel 1 werden zunächst anhand einschlägiger Fachliteratur (vgl. z.B. Schmid 1984; Harmes-Liedtke 1999; Mühlbradt 1999; Schmid/ Blanke 2001) der Begriff der Arbeitsmarktpolitik erläutert und abgegrenzt sowie Theorien zu Funktionsweisen von Arbeitsmärkten und Ursachen von Arbeitslosigkeit beleuchtet. Die Einteilung der Strategien zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in angebotsorientierte und nachfrageorientierte Arbeitsmarktpolitik oder alternativ in aktive und passive Arbeitsmarktpolitik dient im Anschluss als Analyseraster für die einzelnen Reformen.Kapitel beschäftigt sich mit den unterschiedlichen arbeitsmarktpolitischen Phasen der rot-grünen Bundesregierung von 1998 bis 2005, die sich in die Anfangsphase der „Parteiendifferenzierung“ und „Klientelpolitik“, die Übergangsphase von der „Politik der ruhigen Hand“ zur aktivierenden Arbeitsmarktpolitik sowie in die Reformphase der Hartz-Gesetze und der Agenda 2010 gliedern. Jede Phase wird in einen allgemeinen politisch-ökonomischen Handlungsrahmen eingeordnet, bevor auf die jeweils wichtigsten arbeitsmarktpolitischen Reformen, ihre Ziele, Instrumente sowie Chancen und Probleme eingegangen wird.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Konzeptionelle Grundlagen der Arbeitsmarktpolitik
- Begriffsklärung und -abgrenzung
- Funktionsweise von Arbeitsmärkten und Ursachen der Arbeitslosigkeit
- Arbeitsmarktpolitische Strategien zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit
- Arbeitsmarktpolitische Phasen der rot-grünen Bundesregierung
- Die Anfangsphase der „Parteiendifferenzierung“ und „Klientelpolitik“
- Politökonomischer Handlungsrahmen
- Das Bündnis für Arbeit, Ausbildung und Wettbewerbsfähigkeit
- JUMP – Das Jugendsofortprogramm
- Von der „,Politik der ruhigen Hand“ zur „aktivierenden Arbeitsmarktpolitik“
- Politökonomischer Handlungsrahmen
- Das Teilzeit- und Befristungsgesetz
- Das Job-AQTIV-Gesetz
- Die Reformphase der Hartz-Gesetze und der Agenda 2010
- Politökonomischer Handlungsrahmen
- Die Hartz-Reformen
- Hartz I und II
- Hartz III und IV
- Die Agenda 2010
- Die Anfangsphase der „Parteiendifferenzierung“ und „Klientelpolitik“
- Bilanz und Perspektiven
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit analysiert die arbeitsmarktpolitischen Strategien der rot-grünen Bundesregierung von 1998 bis 2005. Ziel ist es, die verschiedenen Phasen der Arbeitsmarktpolitik zu untersuchen und ihre Erfolge und Misserfolge zu bewerten.
- Entwicklung der Arbeitsmarktpolitik unter rot-grüner Regierung
- Bewertung der einzelnen Reformen und ihrer Auswirkungen
- Analyse der Ursachen für den anhaltenden Anstieg der Arbeitslosigkeit
- Perspektiven für die zukünftige Arbeitsmarktpolitik in Deutschland
- Zusammenhang zwischen Arbeitsmarktpolitik und Wirtschaftsentwicklung
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in die Thematik der Arbeit ein und skizziert die zentrale Frage, welche arbeitsmarktpolitischen Strategien die rot-grüne Bundesregierung verfolgt hat und ob diese erfolgreich waren.
Kapitel 1 erläutert die konzeptionellen Grundlagen der Arbeitsmarktpolitik. Es werden verschiedene Theorien zu Funktionsweisen von Arbeitsmärkten und Ursachen von Arbeitslosigkeit beleuchtet, um ein Analyseraster für die einzelnen Reformen zu entwickeln.
Kapitel 2 beschäftigt sich mit den unterschiedlichen arbeitsmarktpolitischen Phasen der rot-grünen Bundesregierung. Dabei werden die wichtigsten Reformen jeder Phase, ihre Ziele, Instrumente sowie Chancen und Probleme beleuchtet.
Schlüsselwörter
Arbeitsmarktpolitik, Arbeitslosigkeit, rot-grüne Bundesregierung, Hartz-Reformen, Agenda 2010, Beschäftigungspolitik, Sozialpolitik, Wirtschaftspolitik, Neoklassik, Angebotsorientierung, Nachfrageorientierung, Aktive Arbeitsmarktpolitik, Passive Arbeitsmarktpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Was war das Ziel der rot-grünen Arbeitsmarktpolitik ab 1998?
Bundeskanzler Gerhard Schröder trat mit dem Versprechen an, die Arbeitslosigkeit auf unter drei Millionen zu senken und den „Reformstau“ der Vorgängerregierung aufzulösen.
Was beinhalten die "Hartz-Reformen"?
Die Reformen I bis IV zielten auf eine Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, die Umgestaltung der Arbeitsverwaltung und die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe (Hartz IV).
Was ist der Unterschied zwischen aktiver und passiver Arbeitsmarktpolitik?
Aktive Politik fördert die Arbeitsaufnahme (z. B. durch Weiterbildung), während passive Politik den Lebensunterhalt bei Arbeitslosigkeit absichert (z. B. Arbeitslosengeld).
Was war das "Bündnis für Arbeit"?
Ein zu Beginn der Regierungszeit initiierter runder Tisch aus Regierung, Gewerkschaften und Arbeitgebern, der jedoch die hohen Erwartungen an einen Beschäftigungspakt kaum erfüllen konnte.
Wie erfolgreich war die Agenda 2010 unter Schröder?
Die Bilanz ist umstritten: Während Befürworter auf sinkende Arbeitslosenzahlen in den Folgejahren verweisen, kritisieren Gegner die Zunahme des Niedriglohnsektors und soziale Härten.
- Quote paper
- Sophia Gerber (Author), 2006, Von 'Jump' zu 'Hartz': Eine arbeitsmarktpolitische Bilanz der rot-grünen Bundesregierung , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62884