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Die Marquise von O… Drehbuchartigkeit vom Kleists Novelle und die filmischen Konsequenzen Eric Rohmers

Titel: Die Marquise von O… Drehbuchartigkeit vom Kleists Novelle und die filmischen Konsequenzen Eric Rohmers

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2006 , 23 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Kerstin Müller (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Literaturverfilmung steht seit ihrem Beginn vor diversen Herausforderungen, die sich sowohl aus den spezifischen Charakteristika narrativer Texte an sich, als auch aus denen des Films ergeben. Sie findet sich schon immer als Sujet diverser Diskussionen wieder, besonders in Bezug auf ihr Gelingen oder ihre Werktreue. In seinen Anmerkungen zur Inszenierung von Heinrich von KleistsDie Marquise von O…erwähnt der französische Regisseur Eric Rohmer, die Novelle sei „schon ein echtes Drehbuch.“ Im Zuge dieser Arbeit soll analysiert werden, inwieweit sie eine ideale Vorlage für eine textgenaue Verfilmung darstellt, und welche filmischen Konsequenzen Eric Rohmer in seiner gleichnamigen Adaption von 1976 daraus gezogen hat. Die Verfilmung literarischer Vorlagen ist von Beginn des Films an ein wichtiger Bestandteil dessen gewesen. Im Zuge dieser Entwicklung sind verschiedene Arten der Literaturverfilmung entstanden die als Anhaltspunkt dienen sollen, um eine Einordnung derDie Marquise von O…zu ermöglichen. Borstnar spricht von drei Modi der Literaturverfilmung: der „illustrierten Version der Vorlage“, der „komplementären Gestaltung“ und der „Interpretation der Vorlage.“ Die „illustrierte Version der Vorlage“ versteht sich demnach eher als eine Bebilderung der Kernaussagen, die besonders dicht an der Vorlage zu bleiben versucht. Als eine „komplementären Gestaltung“ bezeichnet Borstnar eine Übernahme zentraler Strukturen und Elemente. Allerdings können oberflächentextuell deutliche Abweichungen realisiert werden. Die „Interpretation der Vorlage“ gilt als die freieste Umsetzungsform. Hierbei werden nur ein paar Elemente und Strukturen übernommen, aber auch neue hinzugefügt. Diese Einteilung ist nur bedingt in der Praxis anwendbar, da die meisten Literaturverfilmungen in ihrer Transformation nicht homogen sind, und demnach auch nicht nur einer dieser drei Arten zuzuordnen sind. Rohmers Die Marquise von O… bewegt sich in Bezug auf Borstnars Einteilung sicherlich weitestgehend im Bereich der „illustrierten Version der Vorlage.“ Dieser Aspekt wird in der später folgenden Analyse des Films sicherlich deutlich.
Nicht jede literarische Vorlage ist gleichermaßen filmisch umsetzbar, dies wird besonders anhand der einzelnen Gattungen deutlich. So begünstigen einige Formen die Transformation, während andere sie eher hemmen. Der Film selbst zeichnet sich durch seine Nähe sowohl zum Theater, also zum Dramatischen, als auch zum narrativen Text. [...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Voraussetzungen von Kleists Die Marquise von O…

2.1 Strukturelle Charakteristika der Novelle

2.2 Szenische Darstellung

2.3 Erzählgestus

3 Eric Rohmers filmische Konsequenzen aus der Kleistschen Vorlage

3.1 Strukturelle Umsetzung von der Novelle zum Film

3.2 Transformation der szenischen Darstellung

3.3 Kameraführung als Erzählerinstanz

3.4 Diskrepanzen zwischen Film und Novelle

4 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit analysiert die filmische Adaption von Heinrich von Kleists Novelle "Die Marquise von O..." durch den Regisseur Eric Rohmer aus dem Jahr 1976. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwieweit Kleists literarische Vorlage aufgrund ihrer spezifischen Erzählstruktur als "Drehbuch" fungiert und welche filmästhetischen Konsequenzen Rohmer bei der Umsetzung der textuellen Vorgaben gezogen hat.

  • Strukturelle Analyse der Novelle hinsichtlich ihrer filmischen Umsetzbarkeit.
  • Untersuchung der Transformation von szenischer Darstellung und Erzählgestus.
  • Bewertung der Kameraführung als erzählerische Instanz im Vergleich zum literarischen Erzähler.
  • Analyse der inhaltlichen Abweichungen und filmischen Modifikationen (z.B. Einsatz von Inserts).

Auszug aus dem Buch

3.2 Transformation der szenischen Darstellung

Eric Rohmer hatte bei Die Marquise von O… besonders in Bezug auf die Umsetzung der Dialoge einen entscheidenden Vorteil gegenüber anderen literarischen Vorlagen. Die Kleistsche Novelle bietet sich durch ihre szenische Darstellung der Figurenrede, und ihre damit verbundene Nähe zum Drama und auch zum Film, förmlich für eine Verfilmung an. Bauermeister spricht unter diesem Gesichtspunkt zwar von „dem entscheidenden Transformationsproblem, der Umsetzung der ‚indirekten Rede’ in ‚direkte Rede, d.h. der Eliminierung des ‚Referats’ und der Herstellung einer neuen, medienspezifischen Kommunikationsebene,“ jedoch sieht Rohmer diesen Prozess anders, da er es als positiv empfindet,

…weil die Dialoge des künftigen Films schon vollständig ausgearbeitet sind in einer Form, die gänzlich untheatralisch ist, die, wie wir meinen, glatt‚ über die Leinwand gehen’ müssten; weil die Dialoge in direkter Rede stehen oder, in indirekter Rede geschrieben, äußerst leicht umzusetzen sind.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Herausforderungen der Literaturverfilmung ein und postuliert die These, dass Kleists Novelle aufgrund ihrer Struktur eine ideale Vorlage für eine textgenaue Adaption bietet.

2 Voraussetzungen von Kleists Die Marquise von O…: Das Kapitel untersucht die strukturellen und erzählerischen Eigenheiten der Novelle, insbesondere ihre szenische Gliederung und den distanzierten Erzählstil, die eine filmische Transformation begünstigen.

3 Eric Rohmers filmische Konsequenzen aus der Kleistschen Vorlage: In diesem Hauptteil wird analysiert, wie Rohmer die Struktur, die Dialoge und die Erzählweise der Novelle filmisch umgesetzt und an welchen Stellen er inhaltliche Modifikationen vorgenommen hat.

4 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Rohmers Adaption durch die Nähe zur literarischen Vorlage besticht, wobei vorgenommene inhaltliche Änderungen wie der Einsatz des Schlaftrunks der filmischen Kohärenz dienen.

Schlüsselwörter

Literaturverfilmung, Heinrich von Kleist, Eric Rohmer, Die Marquise von O…, Filmadaption, Erzählstruktur, Drehbuchartigkeit, Szenische Darstellung, Transformation, Erzählgestus, Werktreue, Filmgeschichte, Intermedialität, Kameraführung, Novelle.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die filmische Adaption der Novelle "Die Marquise von O..." von Heinrich von Kleist durch den Regisseur Eric Rohmer im Hinblick auf deren Werktreue und narrative Struktur.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit befasst sich mit der Transformation von Literatur in das Medium Film, der Analyse von Erzählsystemen und der spezifischen Umsetzung der Kleistschen Vorlage durch Rohmer.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die "Drehbuchartigkeit" der Novelle nachzuweisen und zu analysieren, wie Rohmer die textuellen Gegebenheiten in filmische Mittel wie Kameraführung und Inserts übersetzt hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin verwendet eine literatur- und filmwissenschaftliche Vergleichsanalyse, um die Korrespondenzen und Diskrepanzen zwischen Kleists Originaltext und Rohmers Film zu untersuchen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die strukturelle Umsetzung, die Transformation der Dialoge und die Funktion der Kamera als Erzählerinstanz sowie die bewussten inhaltlichen Abweichungen des Regisseurs.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Literaturverfilmung, Erzählstruktur, Filmadaption, Transformation und Intermedialität definieren.

Welche Rolle spielen die von Rohmer eingefügten Inserts?

Die Inserts dienen laut der Analyse als "Erzählerfloskeln", die zeitliche Verhältnisse für den Zuschauer verdeutlichen und die distanzierte Erzählhaltung der Vorlage im Film unterstreichen.

Warum hat Rohmer die Vergewaltigungsszene inhaltlich verändert?

Rohmer ersetzte den in der Novelle explizit offenen "Gedankenstrich" durch eine konkrete Darstellung mittels eines Schlaftrunks, um die Handlungslogik und die Glaubwürdigkeit der Marquise im Film zu stützen.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Marquise von O… Drehbuchartigkeit vom Kleists Novelle und die filmischen Konsequenzen Eric Rohmers
Hochschule
Universität Bayreuth  (Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften)
Veranstaltung
Literaturverfilmungen
Note
1,0
Autor
Kerstin Müller (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2006
Seiten
23
Katalognummer
V61351
ISBN (eBook)
9783638548250
ISBN (Buch)
9783656774396
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Marquise Drehbuchartigkeit Kleists Novelle Konsequenzen Eric Rohmers Literaturverfilmungen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Kerstin Müller (Autor:in), 2006, Die Marquise von O… Drehbuchartigkeit vom Kleists Novelle und die filmischen Konsequenzen Eric Rohmers, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61351
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  23  Seiten
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