Der Klostergarten, welcher im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen soll, ist einer der wohl bekanntesten und am häufigsten mit dem Mittelalter assoziierten Gartentypen. Allerdings war der Klostergarten bei weitem nicht der einzige Vertreter der Gartenkultur jener Zeit, auch wenn er heute nahezu der einzige mittelalterliche Gartentyp ist, der noch mehr oder weniger unversehrt erhalten werden konnte. Aus diesem Grund soll dieses erste Kapitel dazu genutzt werden, die wichtigsten mittelalterlichen Gartentypen, welche besonders der Erholung dienten, kurz vorzustellen und zu erläutern, um ein umfassenderes Bild der Gartenkultur des Mittelalters zu präsentieren. Zudem sollen auch einige der wichtigeren mittelalterlichen Nutzgärten kurz genannt werden. Die folgenden Ausführungen sind zudem auch für das Verständnis des mittelalterlichen Klostergartens von Bedeutung, da dieser in der Regel eine Verschmelzung diverser unterschiedlicher Gärten war. So waren die im Folgenden zu besprechenden Gartentypen nicht nur separat, sondern oftmals auch als Bestandteil eines Klostergartenkomplexes zu finden. Allerdings muss einleitend gesagt werden, dass die Rekonstruktion von mittelalterlichen Gärten ein schwieriges Unterfangen ist, da mit Ausnahme der Klostergärten so gut wie keine Anlagen aus jener Zeit erhalten geblieben sind. Ein Großteil der Informationen, welche zur Bestimmung des Aufbaus und des Aussehens der Gärten genutzt wurden, mussten daher aus sekundären Quellen gewonnen werden, zum Beispiel aus erhaltenen Kunstwerken, aus schriftlichen Quellen oder aus archäologischen Funden, welche Aufschluss über erhaltenen Reste mittelalterlicher Gärten liefern. Mit Hilfe solcher Quellen war es möglich, den Aufbau mittelalterlicher Gärten relativ zuverlässig zu rekonstruieren. Im Folgenden sollen nun drei der wichtigsten überlieferten mittelalterlichen Gartentypen vorgestellt werden, welche vor allem im englischen Raum weite Verbreitung fanden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Gartentypen des Mittelalters
2.1. Allgemeines
2.2. Der Herber oder Kleiner Dekorativer Garten
2.3. Der Obstgarten
2.4. Der Lustgarten
3. Der Mittelalterliche Klostergarten
3.1 Merkmale des Mittelalterlichen Klostergartens
3.2. Der Klostergarten von St. Gallen
3.2.1. Anlage des Klostergartens
3.2.2. Der Kreuzganggarten
3.2.3. Der Kräutergarten
3.2.4. Der Gemüsegarten
3.2.5. Der Obstgarten und Friedhof
4. Fazit
5. Bibliographie
Zielsetzung und Themenfelder
Diese Arbeit untersucht die verschiedenen Gartentypen des Mittelalters und analysiert den Klostergarten als eine komplexe Sonderform. Anhand des historischen Klosterplans von St. Gallen wird aufgezeigt, wie diese Anlagen als autarke Einheiten zur Versorgung, Erholung und geistigen Kontemplation dienten und die verschiedenen Gartenformen in einem komplexen System vereinten.
- Klassifizierung mittelalterlicher Gartentypen (Herber, Obstgarten, Lustgarten)
- Strukturelle Analyse des Klostergartens von St. Gallen
- Bedeutung der Gartenanlagen für das klösterliche Leben
- Verbindung von Nutzen und Symbolik in mittelalterlichen Gartenanlagen
- Rezeption und Fortbestand mittelalterlicher Gartenbaukonzepte
Auszug aus dem Buch
3.2.5. Der Obstgarten und Friedhof
Als letzter wichtiger Garten des St. Gallener Klosterplans ist noch der Obstbaumgarten und Friedhof zu nennen. Er ist der Einzige der hier genannten Gärten mit einer tatsächlichen Doppelfunktion, wodurch ihm eine gewisse Sonderstellung zukommt. Er vereint in sich sowohl die Funktion des Friedhofs, weist aber auch wichtige Charakteristiken des anfangs vorgestellten Obstgartens auf.
Das Zentrum des Gartens bildete ein großes Kreuz, um welches herum die schmalen Gräber der Mönche in symmetrischen Reihen angeordnet sind. Zwischen den Gräbern befanden sich verschiedene Obstbäume, unter ihnen sowohl klassische Sorten wie Apfel, Birne, Pfirsich oder Pflaume, aber auch exotischere Exemplare Feige, Lorbeer, Haselnuss oder Walnuss.
Meyvaert schreibt über den St. Gallener Obstgarten, dass es sich hierbei um das erste dokumentierte Beispiel handelt, in welchem ein Friedhof auch zum Obstanbau genutzt wurde. Er erklärt diese Konstellation mit einem möglichen Platzmangel innerhalb der Klostermauern, wobei die Kombination von Friedhof und Obstbäumen in einem Solchen Fall eine einleuchtendere Lösung sei, als zum Beispiel Gemüse auf dem Grabfeld anzubauen.
Hennebo degegen argumentiert, dass sich eine derartige Kombination kaum mit einem eventuellen Platzmangel begründen lässt, sondern dass die Bäume vielmehr aufgrund ihrer Symbolwirkung auf dem Friedhof angepflanzt wurden. So könnte der Rasen des Friedhofs mit der Paradieswiese oder etwas Entsprechendem verglichen werden, und die Bäume „mit ihrem Lebensrhythmus von Winterruhe, Blüte und Frucht, galten als Sinnbild der Auferstehung.“ Das Zusammenspiel von Friedhof und Obstgarten könnte demnach das Wechselspiel zwischen Tod und Wiederbelebung symbolisieren. Auch die Inschrift des Gartens scheint diese These zu unterstützen: „Rings um das Kreuz ruhen die toten Leiber der Brüder, glänzt es in ewigem Schein, stehen zum Leben sie auf.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des Gartens im Mittelalter ein und definiert den Klostergarten als zentrale, vielseitige Sonderform, die anhand des St. Galler Plans untersucht werden soll.
2. Die Gartentypen des Mittelalters: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die drei wesentlichen mittelalterlichen Gartentypen – Herber, Obstgarten und Lustgarten – und erläutert ihre jeweilige Zweckbestimmung sowie die Schwierigkeiten der historischen Rekonstruktion.
3. Der Mittelalterliche Klostergarten: Hier werden die Merkmale und die Funktion des Klostergartens als Ort der Ruhe, des Studiums und der Versorgung beschrieben, wobei der Klosterplan von St. Gallen als detailliertes Fallbeispiel dient.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass der Klostergarten ein hochkomplexes Gesamtsystem darstellte, das verschiedene Gartenformen vereinte und die autarke Versorgung sowie die religiöse Symbolik der klösterlichen Gemeinschaft widerspiegelte.
5. Bibliographie: Dieses Kapitel listet die für die Untersuchung herangezogene Fachliteratur sowie Quellen auf.
Schlüsselwörter
Mittelalter, Klostergarten, Gartenbau, Klosterplan von St. Gallen, Herber, Obstgarten, Lustgarten, Kreuzganggarten, Kräutergarten, Gemüsegarten, Friedhof, Symbolik, Selbstversorgung, Kontemplation, Gartenarchitektur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Gartenkultur des Mittelalters und analysiert insbesondere den Klostergarten als eine hochfunktionale und vielschichtige Sonderform.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die verschiedenen Gartentypen des Mittelalters, den strukturellen Aufbau von Klosteranlagen und die Verbindung von praktischem Nutzen und spiritueller Symbolik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Klostergärten als komplexe Anlagen verschiedene Gartenfunktionen vereinten und als geschlossene Systeme das klösterliche Leben unterstützten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturgestützte Analyse durchgeführt, bei der der historische Klosterplan von St. Gallen als primäre Quelle zur Illustration und Veranschaulichung der Gartenarchitektur dient.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Vorstellung allgemeiner mittelalterlicher Gartentypen sowie eine detaillierte Untersuchung der spezifischen Gartenbereiche innerhalb eines Klosters, wie Kreuzgang-, Kräuter- und Gemüsegärten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Mittelalter, Klostergarten, Gartenarchitektur, Selbstversorgung, Symbolik und die spezifischen Gartentypen wie Herber und Lustgarten.
Warum wird der Klosterplan von St. Gallen als Beispiel herangezogen?
Er gilt als eines der ältesten und detailliertesten Dokumente für die Gestaltung frühmittelalterlicher Klosteranlagen und ermöglicht daher eine fundierte Rekonstruktion der damaligen Gartenbereiche.
Welche symbolische Bedeutung hatten Bäume im Klostergarten?
Bäume wie der Sadebaum wurden oft aufgrund ihrer Symbolik gepflanzt; sie galten beispielsweise als Sinnbilder der Auferstehung oder dienten als Schutz gegen böse Geister.
Warum hatte der Friedhof im St. Galler Klosterplan eine Sonderstellung?
Er war als einer der wenigen Gärten doppelt genutzt, da er neben der Funktion als Begräbnisstätte auch als Obstgarten diente, was sowohl praktisch als auch symbolisch interpretiert werden kann.
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- Nadja Litschko (Author), 2005, Der Mittelalterliche Klostergarten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61291