Der in der internationalen Presse einstimmig propagierte ‚Karikaturen-Streit’ scheint der düsteren Theorie des Kulturdarwinismus nun endlich die ihr gebührende reale Existenz zu verleihen. Der westlichen Kultur droht, so der Tenor, durch die verstärkte islamische Migration eine Unterwanderung ihrer Grundwerte und schliesslich der Untergang insgesamt.
Blickt man auf die abendländische Geschichte, erinnert die momentane Rhetorik stark an die mittelalterliche Polemik gegenüber dem sich ausbreitenden osmanischen Reich. Mit der Einnahme Konstantinopels 1453 durch die Osmanen setzte im abendländischen Europa eine ungeheure Schrifttätigkeit über die sogenannte ‚Türkengefahr’ ein. Begünstig durch das neue Medium des Buchdrucks und im Zusammenhang mit der christlichen Heilsgeschichte, entstand ein mächtiger Diskurs der sich dem Gegensatzpaar ‚Christen-Türken’ widmete. Sind es heute die Werte der Aufklärung die man in Gefahr wähnt, sah man damals die gesamte Christenheit einem Ansturm der muslimischen Türken ausgesetzt – man befürchtete den Untergang des gesamten Christentums. Die Deutungen der Geschehnisse gingen soweit, dass man die osmanische Expansion als Zeichen für die Ankunft des Antichristen wertete.
Neben der Notwendigkeit sich Informationen über den scheinbar übermächtigen Feind anzueignen, waren es oftmals auch persönliche Erfahrungsberichte, die Eingang in den Wissenskorpus über die Türken fanden – immer gekoppelt mit der Forderung sich des Feindes zu erwehren.
Einer dieser Berichte, das ‚Tractatus de moribus, condictionibus et nequicia Turcorum’ welches Georg von Ungarn zugeschrieben wird, soll bei der vorliegenden Arbeit als Quelle dienen. Ziel ist es den Umstand darzulegen, wieso bei der Beschreibung der ‚islamischen Kultur’ die Komponente der weiblichen Sexualität eine herausragende Rolle spielt. Scheint eine Analyse derselben Tendenz heutiger Texte, vor dem Hintergrund moderner Werte wie der weiblichen Emanzipation vergleichsweise einfach, ist man beim vorliegenden Text von Georg gezwungen verschiedene Aspekte in die Auswertung mit einzubeziehen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Das Traktat Georgs – Ein Reisebericht
- Warnungen vor dem übermächtigen, verschlagenen Feind
- Worte des Lobes
- Die Intention des Autors
- Autobiographische Beweggründe
- Das Argumentationsschema
- Mittelalterliche Diskurse
- Der Diskurs zur Türkengefahr
- Der theologische Diskurs zur Sexualität
- Bemerkungen
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit analysiert das Traktat "Tractatus de moribus, condictionibus et nequicia Turcorum" von Georg von Ungarn, welches vor dem Hintergrund des mittelalterlichen Diskurses zur "Türkengefahr" verfasst wurde. Ziel ist es, die herausragende Rolle der weiblichen Sexualität in der Beschreibung der "islamischen Kultur" im Traktat zu beleuchten und deren Bedeutung im Kontext der damaligen Zeit zu untersuchen.
- Die "Türkengefahr" im mittelalterlichen Europa
- Die Rolle der weiblichen Sexualität im Diskurs zur "Türkengefahr"
- Der Einfluss der christlichen Heilsgeschichte auf die Wahrnehmung der Türken
- Die Motivation und Beweggründe Georgs für die Veröffentlichung seines Traktats
- Der Vergleich der Darstellung der "islamischen Kultur" im Traktat Georgs mit heutigen Texten
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in die Thematik der "Türkengefahr" im mittelalterlichen Europa ein und stellt den Kontext des Traktats Georgs dar. Es wird auf die Bedeutung der weiblichen Sexualität in der Beschreibung der "islamischen Kultur" hingewiesen und die Notwendigkeit, verschiedene Aspekte in die Analyse einzubeziehen, hervorgehoben.
Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit dem Inhalt des Traktats Georgs. Georg beginnt mit einer eindringlichen Warnung vor der Gefahr der Türken, die als Bedrohung für die christliche Seelen gesehen werden. Er betont die Notwendigkeit, sich vor den Irrlehren der Türken zu schützen und verweist auf die Bedeutung persönlicher Erfahrungen im Kampf gegen den Feind.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit den Schlüsselbegriffen "Türkengefahr", "islamische Kultur", "weibliche Sexualität", "christliche Heilsgeschichte", "Mittelalter", "Traktat", "Georg von Ungarn" und "Diskurs". Die Analyse des Traktats Georgs ermöglicht einen Einblick in die Wahrnehmung und Beschreibung der "islamischen Kultur" im Kontext des mittelalterlichen Europas und zeigt die Bedeutung der weiblichen Sexualität als Argument im "Kulturkampf" der damaligen Zeit.
Häufig gestellte Fragen
Welche Quelle dient als Grundlage für die Analyse der islamischen Kultur?
Als primäre Quelle dient das Werk „Tractatus de moribus, condictionibus et nequicia Turcorum“, das Georg von Ungarn zugeschrieben wird.
Welche Rolle spielt die weibliche Sexualität in der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, warum die weibliche Sexualität eine herausragende Rolle bei der Beschreibung der islamischen Kultur und im mittelalterlichen Diskurs zur „Türkengefahr“ spielt.
Was wird unter dem Begriff „Türkengefahr“ verstanden?
Der Begriff beschreibt die mittelalterliche Angst vor der Expansion des Osmanischen Reiches, die oft als Bedrohung für das gesamte Christentum und sogar als Zeichen für den Antichristen gedeutet wurde.
Welchen Einfluss hatte der Buchdruck auf diesen Diskurs?
Durch das neue Medium des Buchdrucks konnte die Schrifttätigkeit über die „Türkengefahr“ massiv gesteigert werden, was zur Entstehung eines mächtigen Gegensatzpaares „Christen-Türken“ beitrug.
Wie wird Georg von Ungarns Bericht charakterisiert?
Sein Bericht kombiniert persönliche Erfahrungen mit Warnungen vor einem übermächtigen Feind und theologischen Deutungen der Ereignisse.
Welche Parallelen zieht der Text zur heutigen Zeit?
Der Text vergleicht die mittelalterliche Rhetorik mit modernen Debatten über die Gefährdung westlicher Werte durch Migration und den sogenannten „Karikaturen-Streit“.
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- B.A. Philosophie David Egli (Author), 2006, Die Sexualität der Frau als Argument im Kulturkampf, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60875