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Das Tapfere Schneiderlein - Märchenforschung und ihre Didaktik

Title: Das Tapfere Schneiderlein - Märchenforschung und ihre Didaktik

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 20 Pages , Grade: 2,5

Autor:in: Jochen Bender (Author)

Didactics - German Studies
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Aarne und Thompson (1928, zit. nach Freund 1996, S. 182) erstellten ein Verzeichnis aller in den Kinder- und Hausmärchen vorkommender Märchentypen. Die erste Hauptgruppe bilden die Tiermärchen, in denen Tiere die Handlungsträger sind. Ihnen folgen in der zweiten Hauptgruppe die eigentlichen Märchen, aufgeteilt in Zauber- und Wundermärchen, in denen der übernatürliche Faktor eine entscheidende Rolle spielt, die legendenartigen Märchen, in denen Gott lohnt und bestraft, novellenartige Märchen um Liebe, Treue, Schicksalsmächte und Verbrechen und schließlich die Märchen vom dummen Teufel, womit Riesen gemeint sind. In diesen steht der Wettstreit zwischen Mensch und Unhold im Mittelpunkt. In der dritten und abschließenden Hauptgruppe sind die Schwankmärchen zusammengefasst, in denen der Einfallsreiche und listige die Oberhand behält. Diese Hauptgruppe soll im Folgenden näher charakterisiert werden.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Schwankmärchen – kurze Charakterisierung der Zwischengattung

3. Überlieferung

4. Analyse und Interpretation

4.1 Verschiedene Ebenen der Interpretation

4.2 Literaturwissenschaftliche Interpretation

5. Didaktische Konzeptionen

6. Lehrplanbezug

7. Märchen in der Grundschule

8. Der kognitive Entwicklungsstand nach Piaget

9. Methodische Überlegungen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die didaktische Eignung und methodische Umsetzung des Schwankmärchens „Das tapfere Schneiderlein“ im Literaturunterricht der Grundschule. Dabei wird analysiert, wie literaturwissenschaftliche Gattungsmerkmale in handlungs- und produktionsorientierte Unterrichtskonzepte überführt werden können, um die Lesemotivation und das Textverständnis bei Kindern der vierten Jahrgangsstufe zu fördern.

  • Charakterisierung des Schwankmärchens als literarische Zwischengattung
  • Literaturwissenschaftliche Form- und Stilanalyse nach Max Lüthi
  • Kritische Reflexion verschiedener didaktischer Ansätze im Literaturunterricht
  • Entwicklungspsychologische Einordnung der Zielgruppe auf Basis von Piaget
  • Entwicklung eines praxisorientierten, kreativen Unterrichtsentwurfs

Auszug aus dem Buch

4.2 Literaturwissenschaftliche Interpretation

Es handelt sich bei zu interpretierendem Märchen um kein typisches oder „eigentliches“ Märchen, sondern um ein Schwankmärchen. Diese Zwischengattung wurde bereits oben charakterisiert. Das Wunder, welches nach Lüthi die extremste Ausprägung des abstrakten Märchenstils darstellt fehlt hier, auch die von Lüthi als für Märchen typisch bezeichnete Dreizahl der Episoden findet sich in diesem Schwankmärchen nicht.

Im Volksmärchen verkehren die Menschen mit Jenseitigen als ob sie ihresgleichen wären. Ihnen fehlt das numinose Empfinden. Der Märchenheld handelt und hat weder Zeit noch Anlage sich über Seltsames zu wundern. Obwohl das Märchen Diesseitige und Jenseitige an sich unterscheidet, hat der Diesseitige nicht das Gefühl im Jenseitigen einer anderen Dimension zu begegnen. Deshalb kann man hier von Eindimensionalität als einem Wesensmerkmal des Märchens sprechen (vgl. Lüthi 1997, S. 8-12).

Diese Eindimensionalität findet sich auch bei dem tapferen Schneider. Dieser wundert sich weder über die Existenz des der Riesen noch über die des Einhorns. Die Begegnung mit ihnen ist ihm nicht unheimlich, denn für ihn gehören diese Jenseitigen ganz selbstverständlich zu seiner Welt.

Märchenfiguren sind ohne Körperlichkeit, ohne Innenwelt und ohne Umwelt. Sie haben keine Beziehung zur Vor- und Nachwelt, keine Beziehung zur Zeit überhaupt. Ihnen fehlt die körperliche und seelische Tiefengliederung. Das heißt beispielsweise, ihr Aussehen wird nicht genauer beschreiben und wenn sie eine körperliche Verletzung davontragen fließt kein Blut und sie werden auch sonst nicht von dieser Verletzung beeinträchtigt. Gefühle haben die Märchenfiguren in der Regel keine. Solche werden nur genannt, wenn sie die Handlung beeinflussen. Eigenschaften und Gefühle sprechen sich in Handlung aus, werden also auf die selbe Fläche projiziert wo auch alles andere abläuft. Diese Flächenhaftigkeit entspringt dem entschiedenen Formwillen des Märchens (vgl. Lüthi 1997, S. 13-22).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung problematisiert den Begriff des Volksmärchens und diskutiert die autoriale Herkunft der Märchen der Brüder Grimm im Kontext von Natur- und Kunstpoesie.

2. Schwankmärchen – kurze Charakterisierung der Zwischengattung: Dieses Kapitel definiert das Schwankmärchen als Mischform zwischen Zaubermärchen und Schwank, bei der das Märchenwunder durch betrügerische Kniffe des Helden ersetzt wird.

3. Überlieferung: Hier wird die Entstehungs- und Überlieferungsgeschichte des „tapferen Schneiderleins“ nachgezeichnet, welches aus verschiedenen Quellen für die grimmschen Kinder- und Hausmärchen zusammengefügt wurde.

4. Analyse und Interpretation: Dieses Kapitel liefert eine literaturwissenschaftliche Analyse des Märchens basierend auf Max Lüthis formal-struktureller Definition, insbesondere der Eindimensionalität und Flächenhaftigkeit.

5. Didaktische Konzeptionen: Der Autor plädiert gegen rein analysierende Unterrichtsformen und favorisiert eine handlungs- und produktionsorientierte Didaktik, die die Interessen und Sinnlichkeit der Schüler in den Mittelpunkt stellt.

6. Lehrplanbezug: Dieser Abschnitt verknüpft die methodischen Überlegungen mit den Anforderungen der Lehrpläne, die handlungs- und kreative Zugänge zu Texten explizit fördern.

7. Märchen in der Grundschule: Es wird die didaktische Debatte über die Eignung von Märchen für Kinder beleuchtet, wobei Argumente wie Konfliktbewältigung gegen die Gefahr der Fixierung auf veraltete Weltbilder abgewogen werden.

8. Der kognitive Entwicklungsstand nach Piaget: Das Kapitel verortet die Schüler der vierten Klasse in der Phase der konkreten Operationen und leitet daraus notwendige methodische Anpassungen für den Unterricht ab.

9. Methodische Überlegungen: Abschließend wird das Konzept eines selbst erstellten Text-Bilderbuchs vorgestellt, mit dem das Ziel verfolgt wird, die Lesemotivation durch einen kreativen und sozialen Lernprozess zu steigern.

Schlüsselwörter

Schwankmärchen, Brüder Grimm, Das tapfere Schneiderlein, Literaturdidaktik, Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht, Max Lüthi, Eindimensionalität, Flächenhaftigkeit, Grundschule, Lesemotivation, Kognitive Entwicklung, Jean Piaget, Märchenanalyse, Kreatives Schreiben, Text-Bilderbuch.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der literaturwissenschaftlichen Analyse des Märchens „Das tapfere Schneiderlein“ und erarbeitet darauf basierend ein didaktisches Konzept für den Grundschulunterricht.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die Gattungstheorie des Märchens, didaktische Ansätze zur Leseförderung sowie die kognitive Entwicklung von Grundschulkindern.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, durch kreative und handlungsorientierte Methoden das Interesse von Kindern für literarische Texte zu wecken und eine tiefere Auseinandersetzung mit den Inhalten zu ermöglichen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die literaturwissenschaftliche Form- und Stilanalyse nach Max Lüthi als theoretische Grundlage und kombiniert diese mit fachdidaktischen Konzepten der Handlungs- und Produktionsorientierung.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil wird zunächst das Märchen analysiert, dann die didaktische Eignung kritisch reflektiert und schließlich ein konkreter Unterrichtsvorschlag zur Gestaltung eines eigenen Text-Bilderbuchs entwickelt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Schwankmärchen, handlungs- und produktionsorientierter Unterricht, Eindimensionalität und Lesemotivation.

Warum wurde gerade „Das tapfere Schneiderlein“ für die 4. Klasse gewählt?

Da es sich um ein Schwankmärchen handelt, bietet es eine Abwechslung zu typischen Zaubermärchen und stellt aufgrund seiner Länge eine angemessene Herausforderung für Schüler der vierten Jahrgangsstufe dar, die bereits über fortgeschrittene Sprachkompetenzen verfügen.

Wie trägt die Erstellung eines Text-Bilderbuchs zum sozialen Lernen bei?

Durch die Arbeit in kleinen Gruppen müssen die Schüler ihre Vorschläge abstimmen, gemeinsam entscheiden und Kompromisse finden, was die kommunikativen Fähigkeiten und das soziale Miteinander im Lernprozess fördert.

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Details

Title
Das Tapfere Schneiderlein - Märchenforschung und ihre Didaktik
College
University of Education Heidelberg
Course
Märchenforschung und ihre Didaktik am Beispiel der Grimmschen Märchen
Grade
2,5
Author
Jochen Bender (Author)
Publication Year
2004
Pages
20
Catalog Number
V60454
ISBN (eBook)
9783638541299
ISBN (Book)
9783638954129
Language
German
Tags
Tapfere Schneiderlein Märchenforschung Didaktik Märchenforschung Didaktik Beispiel Grimmschen Märchen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jochen Bender (Author), 2004, Das Tapfere Schneiderlein - Märchenforschung und ihre Didaktik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60454
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