Die Ära des deutschen Kolonialreiches war im Vergleich zu anderen europäischen Kolonialmächten sehr kurz und gerade in der Anfangsphase durch eine wenig stringente Politik gekennzeichnet. Die anfänglichen Bestrebungen einer kolonialen Expansion des Deutschen Reiches sind nicht auf die Initiative von Politikern zurückzuführen, vielmehr gingen die ersten Impulse von deutschen - und hier vornehmlich von den hanseatischen -Handelshäusern aus, die bereits seit Jahren Handel in Übersee betrieben. Diese Handelshäuser waren es dann auch, die immer wieder auf Unterstützung durch das Reich ihrer überseeischen Handelsunternehmungen drängten, was erst einmal den Schluss nahe legt, dass sich der Erwerb von Kolonien primär auf wirtschaftliche Aspekte zurückführen lässt. Obschon natürlich die Verbindung der Interessen deutscher Handelshäuser mit der späteren Kolonialpolitik nicht von der Hand zu weisen ist, entspräche solch eine exklusive Argumentation doch eher der marxistischen Ideologie, die den Imperialismus als dem Kapitalismus inhärent betrachtet. In der Forschung werden die ökonomischen Aspekte in eine Reihe anderer Faktoren eingebettet, die sich wechselseitig bedingten und ergänzten. So werden politische, psychologische und ideologische Faktoren angeführt, um den ‚ökonomischen Irrationalismus’ der deutschen kolonialen Epoche zu begründen. Wehler nimmt den wirtschaftlichen Motiven nicht die Prominenz, stellt ihnen aber die sozial bedingten Faktoren gegenüber, die in seiner Theorie des ‚Sozialimperialismus’ münden, der die inneren Spannungen des Reichs nach außen ableiten sollte.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Beginn und Entwicklung der deutschen Kolonialexpansion
- Koloniale Vorgeschichte und Gründungen seit 1884
- Motive und Ursachen der deutschen Kolonialbestrebungen
- Wirtschaftliche Motive der Kolonialpolitik, ihre Umsetzung und Auswirkungen
- Verwaltungsaufbau und -kosten der Kolonien
- Handels- und Wirtschaftsstruktur der Kolonien
- Entwicklung von Wirtschaft und Handel in den Kolonien und die wirtschaftlichen Beziehungen zum Deutschen Reich
- Schlussbetrachtung
- Resúmen
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit analysiert die ökonomischen Aspekte der deutschen Kolonialexpansion im 19. Jahrhundert. Sie beleuchtet die Motive, die zur Gründung und Entwicklung des Deutschen Kolonialreichs führten, und untersucht die Auswirkungen der Kolonialpolitik auf die Wirtschaft des Deutschen Reiches sowie auf die Kolonien selbst.
- Die ökonomischen Motive der deutschen Kolonialexpansion
- Die Rolle der deutschen Handelshäuser in der Kolonialpolitik
- Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Kolonialexpansion auf das Deutsche Reich
- Die Entwicklung der Wirtschaft und des Handels in den Kolonien
- Die politische Dimension der deutschen Kolonialexpansion
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung beleuchtet die historische Einordnung der deutschen Kolonialexpansion im Kontext des europäischen Imperialismus und stellt die zentralen Themen und Argumentationslinien der Arbeit vor. Im zweiten Kapitel wird die Entstehung und Entwicklung der deutschen Kolonialexpansion von den ersten Bestrebungen im 17. Jahrhundert bis zu den Gründungen der Kolonien im späten 19. Jahrhundert dargestellt. Das dritte Kapitel konzentriert sich auf die wirtschaftlichen Motive der deutschen Kolonialpolitik. Es analysiert die Verwaltungsstrukturen, den Handel und die wirtschaftliche Entwicklung der Kolonien und die Beziehungen zwischen den Kolonien und dem Deutschen Reich.
Schlüsselwörter
Die zentralen Themen der Arbeit sind die deutsche Kolonialexpansion, die ökonomischen Motive der Kolonialpolitik, die wirtschaftliche Entwicklung der Kolonien, der deutsche Handel, die politische Dimension des Imperialismus und die soziale und ideologische Einbettung der deutschen Kolonialpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Welche Rolle spielten Handelshäuser bei der deutschen Kolonialexpansion?
Die Impulse gingen oft von hanseatischen Handelshäusern aus, die bereits in Übersee tätig waren und den Staat um Schutz und Unterstützung für ihre Unternehmungen baten.
Was bedeutet der Begriff „Sozialimperialismus“ nach Wehler?
Theorie, nach der Kolonialpolitik dazu diente, von inneren sozialen Spannungen und Konflikten im Reich abzulenken, indem man nationale Erfolge im Ausland suchte.
War die deutsche Kolonialpolitik rein wirtschaftlich motiviert?
Neben ökonomischen Aspekten spielten auch politische, psychologische und ideologische Faktoren eine Rolle, was oft als „ökonomischer Irrationalismus“ bezeichnet wird.
Wie entwickelten sich Handel und Wirtschaft in den Kolonien?
Die Arbeit analysiert die Handelsstrukturen und die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Kolonien und dem Mutterland sowie die hohen Verwaltungskosten.
Wie lange dauerte die Ära des deutschen Kolonialreiches?
Im Vergleich zu anderen Mächten war sie sehr kurz (Beginn 1884) und endete faktisch mit dem Ersten Weltkrieg.
- Quote paper
- Nadja Schuppenhauer (Author), 2005, Ökonomische Ziele und Effekte der deutschen Kolonialexpansion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59931