Gewalttätiges und aggressives Verhalten von Kindern und Jugendlichen in der Schule ist ein Thema, mit dem wir nahezu täglich, zumeist durch die Medien, konfrontiert werden. Zu Beginn des Jahres 2004 gab es den erschreckenden Fall eines 16-jährigen Berufsschülers, den vier Mitschüler über Monate hinweg in der Schule gequält und mit einer Kamera dabei gefilmt haben, um die Bilder ins Internet zu stellen. Die Gewalttaten wurden eher zufällig aufgedeckt und Lehrer und weitere Mitschüler behaupteten, in den ganzen Monaten nie etwas bemerkt zu haben. Dieser Fall und weitere, die immer wieder in den Medien intensiv und dramatisierend dokumentiert werden, haben mich veranlasst, mich mit dem Thema „Gewalt in der Schule“ näher zu befassen. Für mich stellte sich zunächst die Frage, wie Gewalt in der Schule, abgesehen von diesen extremen Einzelfällen, auftritt und welche Schüler und Schulformen betroffen sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen von Aggression und Gewalt
2.1 Erklärungsebenen menschlichen Verhaltens
2.2 Definitionen von Aggression
2.3 Definitionen von Gewalt
3. Darstellung allgemeiner Gewalttheorien und ihr Bezug zur Entstehung von Gewalt in der Schule
3.1 Triebtheorien
3.1.1 Triebtheorien in der Psychoanalyse
3.1.2 Triebtheorien in der Ethologie
3.1.3 Triebtheorien und ihr Bezug zur Entstehung von Gewalt in der Schule
3.2 Frustrations – Aggressions – Theorie
3.2.1 Frustrations-Aggressions-Theorien und ihr Bezug zur Entstehung von Gewalt in der Schule
3.3 Lerntheorien
3.3.1 Lerntheorien und ihr Bezug zur Entstehung von Gewalt in der Schule
3.4 Interaktionstheorien
3.4.1 Interaktionstheorien und ihr Bezug zur Entstehung von Gewalt in der Schule
4. Gewaltbegünstigende Faktoren in Schule und Umwelt
4.1 exogene Faktoren
4.1.1 gesellschaftliche Rahmenbedingungen
4.1.2 außerschulische Umweltfaktoren
4.2 endogene Faktoren
5. Möglichkeiten der Gewaltprävention in der Schule
5.1 Darstellung des Streit – Schlichter - Programms / der Mediation
5.2 Darstellung des Anti – Mobbing - Trainings
5.3 Darstellung des Trainings mit aggressiven Kindern
5.4 Darstellung des Ansatzes „Gestaltung – Öffnung – Reflexion“
6. Diskussion der dargestellten Interventionsprogramme
6.1 Streit – Schlichter – Programm / Mediation
6.1.1 Diskussion des Streit – Schlichter - Programms / der Mediation
6.1.2 Verbindung der Mediation mit den dargestellten Theorien zur Aggressionsentstehung
6.2 Anti – Mobbing - Training
6.2.1 Diskussion des Anti-Mobbing-Trainings
6.2.2 Verbindung des Anti – Mobbing - Trainings mit den dargestellten Theorien zur Aggressionsentstehung
6.3 Verhaltenstraining mit Kindern
6.3.1 Diskussion des Verhaltenstrainings mit aggressiven Kindern
6.3.2 Verbindung des Verhaltenstrainings mit Kindern mit den dargestellten Theorien zur Aggressionsentstehung
6.4 „Gestaltung – Öffnung – Reflexion“
6.4.1 Diskussion des Ansatzes „Gestaltung – Öffnung - Reflexion“
6.4.2 Verbindung des Ansatzes „Gestaltung – Öffnung - Reflexion“ mit den dargestellten Theorien zur Aggressionsentstehung
7. Beachtung von endogenen und exogenen gewaltbegünstigenden Faktoren in den Interventionsmodellen
7.1 Beachtung der exogenen Faktoren
7.2 Beachtung der endogenen Faktoren
8. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen Gewalt in der Schule und analysiert bestehende Interventionsansätze hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und theoretischen Fundierung. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie Schulen effektiv gegen Gewalt und Aggression vorgehen können und welche pädagogischen Konzepte zur Gewaltprävention existieren.
- Theoretische Grundlagen von Aggression und Gewalt
- Entstehungsbedingungen von Gewalt in schulischen und außerschulischen Kontexten
- Analyse verschiedener Interventions- und Präventionsmodelle
- Diskussion der theoretischen Verbindungen zwischen Gewaltentstehung und Prävention
- Reflexion der Berücksichtigung von endogenen und exogenen Einflussfaktoren
Auszug aus dem Buch
2.2 Definitionen von Aggression
Eine sehr schlichte Definition von Aggression gibt Buss (1961): „‚a response that delivers noxious stimuli to another organism‘“ (zit. n. Bierhoff/Wagner 1998, S. 5). Diese Definition bietet durch ihren Ursprung in der Verhaltenstheorie den Vorteil, dass alle Größen „unmittelbar beobachtbar“ (ebd.) sind. Nachteilig wirkt sich allerdings aus, dass lediglich die physische Aggression erfasst wird. Zudem würden laut dieser Definition beispielsweise auch schmerzhafte Arztbehandlungen als Aggression gelten (ebd.).
Eine Definition, die einen behaviouristischen Ursprung hat, stammt von Dollard, L.W. Doob, N.E. Miller, Mowrer und Sears (1939). Sie behaupten: „‚Aggression ist eine Verhaltenssequenz, deren Zielreaktion die Verletzung einer Person ist, gegen die sie gerichtet ist‘ (in der Übersetzung von Selg, 1982)“ (zit. n. Bierhoff/Wagner 1998, S. 5). Aus dieser Definition geht hervor, dass Aggressivität durch ihre Zielgerichtetheit mit Absicht geschieht (ebd.).
Eine Erweiterung dieser Definition vollzogen beispielsweise Werbik & Munzert (1978), die als Aggression ein absichtliches Verhalten sehen, welches zur Schädigung oder Verletzung einer anderen Person führt (ebd.).
Eine recht ausführliche Definition von Aggression liegt von Bandura (1979) vor: „‚ ein schädigendes und destruktives Verhalten [...], das im sozialen Bereich auf der Grundlage einer Reihe von Faktoren als aggressiv definiert wird, von denen einige eher beim Beurteiler als beim Handelnden liegen‘“ (zit. n. Bierhoff/Wagner 1998, S. 5). Diese Definition sagt aus, dass die geltenden Werte und Normen über die Benutzung des Begriffs Aggression entscheiden. Da diese nicht für jeden Kontext allgemeingültig sind, ist Aggression demzufolge auch kein absolut definierbarer Begriff, sondern vom jeweiligen „Bezugssystem“ (ebd.) abhängig (ebd., S. 5f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende öffentliche Thematisierung von Gewalt an Schulen und leitet daraus die Forschungsfrage zur Wirksamkeit von Interventionsprogrammen ab.
2. Definitionen von Aggression und Gewalt: Dieses Kapitel liefert eine psychologische Einordnung und definiert die Begriffe Aggression und Gewalt unter Berücksichtigung verschiedener Erklärungsebenen.
3. Darstellung allgemeiner Gewalttheorien und ihr Bezug zur Entstehung von Gewalt in der Schule: Es werden zentrale Theorien wie Trieb-, Frustrations-Aggressions-, Lern- und Interaktionstheorien vorgestellt und auf den schulischen Kontext angewendet.
4. Gewaltbegünstigende Faktoren in Schule und Umwelt: Dieses Kapitel analysiert exogene (gesellschaftliche) und endogene (schulinterne) Bedingungen, die aggressives Verhalten bei Schülern fördern können.
5. Möglichkeiten der Gewaltprävention in der Schule: Es werden konkrete Interventionsansätze, darunter das Streit-Schlichter-Programm, Anti-Mobbing-Trainings und Sozialtrainings, detailliert beschrieben.
6. Diskussion der dargestellten Interventionsprogramme: In diesem Kapitel werden die zuvor beschriebenen Programme kritisch bewertet und mit den theoretischen Ansätzen aus Kapitel 3 verknüpft.
7. Beachtung von endogenen und exogenen gewaltbegünstigenden Faktoren in den Interventionsmodellen: Dieser Abschnitt reflektiert, inwieweit die untersuchten Programme die verschiedenen Einflussfaktoren auf Gewalt tatsächlich adressieren.
8. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass eine Kombination verschiedener Ansätze sowie die individuelle Anpassung an die schulische Situation für eine erfolgreiche Prävention entscheidend sind.
Schlüsselwörter
Gewaltprävention, Aggression, Schule, Interventionsprogramme, Mediation, Anti-Mobbing-Training, Sozialtraining, Schulklima, Erziehung, Psychologie, Lerntheorien, Frustrations-Aggressions-Theorie, Interaktionstheorien, pädagogische Ansätze, Konfliktlösung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Prävention von Gewalt und aggressivem Verhalten im schulischen Umfeld und untersucht, welche Interventionsmaßnahmen zur Reduktion dieser Probleme geeignet sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die theoretische Fundierung von Aggression, die Identifikation gewaltbegünstigender Faktoren sowie die kritische Analyse und Diskussion spezifischer Präventionsprogramme.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Eignung verschiedener Interventionsmodelle (wie Mediation oder Anti-Mobbing-Training) zu bewerten und aufzuzeigen, wie diese theoretisch begründet in der Praxis zur Gewaltprävention beitragen können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse psychologischer und pädagogischer Theorien zur Aggressionsentstehung, die mit Evaluationsberichten und Beschreibungen praktischer Interventionsprogramme verknüpft werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung (Gewalttheorien), die Analyse von Einflussfaktoren (endogen/exogen) und die detaillierte Darstellung sowie Diskussion der verschiedenen Interventionsmodelle.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Gewaltprävention, Schule, Aggression, Mediation, Anti-Mobbing-Training, soziale Kompetenz und Interventionsmodelle charakterisiert.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen Gewalt und Aggression im schulischen Kontext?
Die Autorin verwendet die Begriffe weitestgehend synonym, wobei sie als Basis die Definition von Zillmann (1979) heranzieht und betont, dass insbesondere das subjektive Empfinden des Opfers darüber entscheidet, ob eine Handlung als gewalttätig eingestuft wird.
Warum wird das "Gestaltung – Öffnung – Reflexion"-Konzept als wenig geeignet für akute Probleme eingestuft?
Obwohl das Konzept präventiv wertvoll ist, hält die Autorin es für weniger effektiv bei akuten, schwerwiegenden Gewaltfällen, da es eher ein langfristiges, ideales Schulentwicklungskonzept darstellt als ein direktes Interventionsinstrument.
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- Judith Scherer (Author), 2004, Gewaltprävention in der Schule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59850