Jährlich geben sich mehrere Tausend Paare beim Standesamt und in der Kirche das „Ja-Wort“. Sie schwören sich die Treue und versprechen sich ein gemeinsames Leben, „bis dass der Tod sie scheidet“.
Die Ehe ist zwar inzwischen nicht mehr als ausschließliche Form des Zusammenlebens, erfreut sie sich aber nach wie vor großer Beliebtheit. Neben dem einfachen Zusammenleben ohne Trauschein entscheiden sich „drei von vier Personen mindestens einmal in ihrem Leben“ für eine Heirat.
Die Ehe ist in unserer Kultur inzwischen keine bloße Zweckgemeinschaft mehr, wie noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts, sondern ist zu einer frei wählbaren und individuell gestaltbaren Lebensform geworden. Hier ist niemand mehr irgendwelchen Heiratszwängen unterworfen und jeder kann die Ehe mit dem Partner, bzw. der Partnerin seiner Wahl eingehen.
Bei einem Drittel der Paare erfüllen sich allerdings die Glückserwartungen, die dabei aneinander gestellt werden nicht. Gerade weil die Ehe in der modernen Gesellschaft nicht mehr aus Zweckgründen geschlossen und dadurch zusammengehalten wird, ist eine Scheidung oft schnell vorherzusehen, wenn ein Ehepartner den Erwartungen des anderen nicht genügend nachkommt.
Das Fundament einer Ehe sollte ewige Treue sein, doch nur wenige Ehen halten tatsächlich ein Leben lang. „Aufgrund der derzeitigen Scheidungsquoten ist damit zu rechnen, dass ca. 14% der ehelich geborenen Kinder damit rechen müssen, dass ihre Eltern sich scheiden lassen werden, bevor sich selbst das 15. Lebensjahr erreicht haben. Wie viele ehelich geborene Kinder von einer Trennung ihrer Eltern ohne gerichtliche Scheidung und wie viele nicht ehelich geborenen Kinder von Eltern, die in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft leben, von deren Trennung betroffen sind, lässt sich nicht exakt feststellen.“
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
1.1 Einführung
1.2 Definition von Familie
1.3 Die Stellung der Familie in der heutigen Zeit
1.4 Verschiedene Formen von Familie
1.5 Die Bedeutung der Familie für das Kind
2. STATISTIK
2.1 Ehe- und Scheidungszahlen Deutschlands
2.2 Ehe- und Scheidungszahlen Nordrhein-Westfalens
3. FAMILIALE KRISEN UND KONFLIKTE
3.1 Das Abc-X Modell von Reuben Hill
3.2 Krisenbewältigung
4. LÖSUNGSVERSUCHE DER FAMILIEN
4.1 Ignoranz der Konflikte
4.2 „Zusammenraffen“ & Kompromisse eingehen
4.3 Ehe- und Paarberatung
4.4 Trennung auf Zeit
4.5 Scheidung
4.5.1 Scheidungszyklus (Phasen)
4.5.1.1 Vorscheidungsphase / Ambivalenzphase
4.5.1.1.1 Merkmale der Vorscheidungs- bzw. Ambivalenzphase
4.5.1.1.2 Die Vorscheidungsphase im Erleben des Kindes
4.5.1.2 Trennungsphase / Scheidungsphase
4.5.1.2.1 Merkmale der Trennungs- und Scheidungsphase
4.5.1.2.2 Die Trennungs- und Scheidungsphase im Erleben des Kindes
4.5.1.3 Nachscheidungsphase
4.5.1.3.1 Die Beschreibung der Merkmale der Nachscheidungsphase
4.5.1.3.2 Die Nachscheidungsphase im Erleben des Kindes
4.5.1 Altersspezifische Reaktionen des Kindes
5. POSITIVE ASPEKTE DER SCHEIDUNG
6. HILFS- UND UNTERSTÜTZUNGSMÖGLICHKEITEN FÜR DIE KINDER
6.1 Hilfen durch die Eltern
6.2 Hilfen in der Schule
6.3 Mediation
6.4 Bücher für Kinder und Jugendliche
6.5 Beratungsstellen
6.5.1 Ziele der Beratungsarbeit
6.5.2 Ebenen in der Beratungsarbeit
6.5.3 Beratung in den Scheidungs-Phasen
7. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht die Auswirkungen von elterlichen Konflikten und Ehescheidungen auf Kinder. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob es für das Kindeswohl sinnvoller ist, an einer möglicherweise konfliktreichen Ehe festzuhalten oder diese durch eine Scheidung zu beenden. Die Arbeit beleuchtet den Scheidungsprozess aus psychologischer und systemischer Sicht, um Empfehlungen für eine kindgerechte Bewältigung zu geben.
- Phasenmodelle des Scheidungsprozesses (Vorscheidungs-, Trennungs- und Nachscheidungsphase)
- Die psychologische Bedeutung der Familie und Auswirkungen von Krisen auf das Kindeswohl
- Statistische Entwicklung von Eheschließungen und Scheidungen in Deutschland
- Krisenbewältigungsmodelle in Familien (z.B. Abc-X Modell)
- Unterstützungsmöglichkeiten für Kinder durch Eltern, Schule und Mediation
Auszug aus dem Buch
4.5.1.1.2 Die Vorscheidungsphase im Erleben des Kindes
Viele Eltern sind sich in dieser schwierigen Zeit der Konflikte in der Partnerschaft, nicht bewusst, wie stark ihr Kind in das Geschehen involviert ist. Durch die lange Zeit von Disharmonie im Familienleben, belastenden Auseinandersetzungen, Misstrauen gegenüber dem Partner, zermürbender Unentschlossenheit und Angst vor der Trennung und ihren Folgen, geraten Kinder in ständige Verunsicherung.
Durch die Unsicherheit und die damit verbundene Unentschlossenheit zum elterlichen Handeln, rechnet es jederzeit damit von den Eltern alleingelassen zu werden und gerät in Loyalitätskonflikte zwischen Vater und Mutter. Oft bilden die Kinder dann Koalitionen mit einem Elternteil und erweitern damit die Kluft, die die Eltern ohnehin schon voneinander trennt.
Manchmal setzt sich die Spaltung auch zwischen den einzelnen Geschwistern fort, wenn sich eine Partei mit dem Vater zusammenschließt und die andere mit der Mutter. „Die Geschwister streiten dann nicht selten wegen Kleinigkeiten und bekämpfen sich hasserfüllt bis aufs Messer oder gehen sich – auf sich selbst zurückgezogen – möglichst aus dem Wege.“
Ein Kind kann oft nicht mehr zuordnen, welche Ursachen dem Streit der Eltern zugrunde liegen und bezieht die zunehmenden Auseinandersetzungen auf sich. Es fühlt sich immer mehr für die Aufrechterhaltung der elterlichen Beziehung verantwortlich und es besteht die Gefahr, dass das Kind sich zur „Allianzbildung“ mit einem Elternteil verpflichtet fühlt. So unterdrückt das Kind seine eigenen Gefühle und Bedürfnisse immer mehr, um diese „Allianz“ nicht zu gefährden. Es zieht sich auf emotionaler und sozialer Ebene zurück und erarbeitet defensive Bewältigungs- und Problemlösungsstrategien.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in das Thema Ehe, die Bedeutung der Familie als Lebensform und die Relevanz der Scheidungsthematik in der modernen Gesellschaft.
2. STATISTIK: Darstellung und Analyse der Ehe- und Scheidungszahlen in Deutschland sowie im Vergleich der einzelnen Bundesländer.
3. FAMILIALE KRISEN UND KONFLIKTE: Theoretische Auseinandersetzung mit der Entstehung von Familienkrisen, unter anderem durch das Abc-X Modell von Reuben Hill.
4. LÖSUNGSVERSUCHE DER FAMILIEN: Überblick über verschiedene Wege, die Familien einschlagen, um mit Krisen umzugehen, von der Ignoranz über Beratungsangebote bis hin zur vollzogenen Scheidung.
5. POSITIVE ASPEKTE DER SCHEIDUNG: Auseinandersetzung mit der Hypothese, dass eine Trennung in hochkonflikthaften Familien eine notwendige Erlösung und Chance für die kindliche Entwicklung sein kann.
6. HILFS- UND UNTERSTÜTZUNGSMÖGLICHKEITEN FÜR DIE KINDER: Analyse praktischer Hilfen für betroffene Kinder durch die Eltern, die Schule, Mediation und professionelle Beratungsstellen.
7. FAZIT: Zusammenfassende Bewertung der Forschungsergebnisse bezüglich der kindlichen Entwicklung in Scheidungssituationen im Vergleich zu konfliktreichen intakten Ehen.
Schlüsselwörter
Scheidung, Familie, Kinder, Trennung, Scheidungszyklus, kindliche Entwicklung, Loyalitätskonflikt, Familienmediation, Beratungsstellen, Scheidungsfolgen, Elternrolle, Systemtheorie, Krisenbewältigung, Kindeswohl, Bindungsverhalten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Auswirkungen von elterlichen Konflikten und Ehescheidungen auf die Kinder und untersucht dabei kritisch die Frage, ob das Zusammenbleiben der Eltern zum Wohle des Kindes immer die beste Lösung darstellt.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Zentrale Themen sind die psychologischen Phasen einer Scheidung, die statistische Verbreitung von Scheidungen, familiäre Krisenbewältigungsmodelle sowie die Auswirkungen der Trennung auf Kinder in verschiedenen Altersstufen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Scheidungsprozess als einen komplexen Veränderungsprozess zu verstehen und aufzuzeigen, wie Eltern, Schule und Beratungsangebote das Kind dabei unterstützen können, die Situation zu verarbeiten, ohne dauerhafte Schäden davonzutragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche, in der sozialwissenschaftliche Studien, familienpsychologische Modelle und Statistiken ausgewertet und in einen pädagogischen Kontext eingeordnet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Familienkrisen, verschiedene Lösungsversuche der Eltern, die detaillierte Beschreibung der Phasen des Scheidungszyklus sowie die altersspezifischen Reaktionen der betroffenen Kinder.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Scheidung, Familie, Kindeswohl, Trennungsphasen, Loyalitätskonflikt, Mediation, Erziehungsberatung und kindliche Krisenbewältigung.
Was besagt das Abc-X Modell in Bezug auf Scheidungsfamilien?
Das Modell erklärt, wie Familien auf belastende Ereignisse (A) reagieren, indem sie ihre Ressourcen (B) und ihr Situationsverständnis (C) nutzen, um das Ausmaß einer resultierenden Krise (X) zu beeinflussen.
Warum ist die „Triangulierung“ für das Kind in der Vorscheidungsphase wichtig?
Das „Drei-Personen-System“ entlastet das Kind, da es eine Identifikationsfigur bietet und eine übermäßige emotionale Bindung oder Identifikation mit nur einem Elternteil verhindert.
Kann eine Scheidung auch positive Aspekte für ein Kind haben?
Ja, wenn die Ehe zuvor durch ein hochkonflikthaftes Familienklima geprägt war, kann eine Scheidung als Erleichterung empfunden werden und dem Kind die Chance auf ein ruhigeres und stabileres Umfeld bieten.
- Quote paper
- Jessica Voigt (Author), 2005, Scheidung - Zusammenbleiben fürs Kind, oder lieber scheiden lassen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59239