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Die Mitleidsethik Schopenhauers - Eine kritische Erörterung

Title: Die Mitleidsethik Schopenhauers - Eine kritische Erörterung

Seminar Paper , 2005 , 17 Pages , Grade: 2.5

Autor:in: Ernst Rieger (Author)

Philosophy - Philosophy of the 17th and 18th Centuries
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„Moral predigen ist leicht, Moral begründen schwer“1. Unter diesem Motto verfasste Arthur Schopenhauer 1840 seine Preisschrift „Über die Grundlage der Moral“2. Thema dieser Hausarbeit ist eine kritische Erörterung der Mitleidsethik Schopenhauers unter metaphysischen und Nicht-metaphysischen Prämissen. Schopenhauers Mitleidsethik lässt sich unter zwei Gesichtspunkten betrachten. Einmal als nicht-metaphysische Erklärung des Fundamentes einer Moral und einmal als metaphysische Erklärung. Das Fundament der Moral wird in der Preisschrift weitgehend unabhängig von einer Metaphysik begründet. Das Mitleid bleibt als Urphänomen mysteriös. Für Schopenhauer ist aber vor allem wichtig zu zeigen, dass sich aus dem Mitleid die beiden Kardinaltugenden „Gerechtigkeit“ und „Menschenliebe“ ableiten lassen sowie anhand des „experimentum crucis“3 zu beweisen, dass der Mensch bei einer moralischen Entscheidung aus Mitleid handelt und keine theoretischen philosophischen Überlegungen anstellt.

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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Ausgangspunkt, Kant-Kritik und Hinführung zum wahren Fundament einer Moral

1.1 Antimoralische Triebfedern (§14)

1.2 Aufstellung und Beweis der allein echten moralischen Triebfeder (§15-16)

1.3 Die zwei Kardinaltugenden (§17-18)

1.4 Schopenhauers Bestätigungen seines Fundamentes einer Moral (§19)

2. Kritische Erörterung der §12-19

2.1 Tugendhats Einwände und ihre kritische Betrachtung

3. Metaphysische Begründung des Fundamentes einer Moral und deren kritische Erörterung

3.1 Rekonstruktion der metaphysischen Erklärung (§21-22)

3.2 Die Rolle des metaphysisch begründeten Mitleids innerhalb der Philosophie Schopenhauers

3.3 Lässt sich das Mitleid aus der Einsicht in die Wesensidentität ableiten?

4. Die Rolle des Selbstmitleids

Schlussteil

Bibliographie

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Das Hauptziel dieser Arbeit ist die kritische Untersuchung der Mitleidsethik Arthur Schopenhauers, wobei sowohl die nicht-metaphysischen als auch die metaphysischen Begründungsansätze auf ihre Schlüssigkeit geprüft werden. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert sich darauf, inwieweit das Mitleid als tragfähiges Fundament für moralisches Handeln sowie als Ableitungsbasis für die Kardinaltugenden Gerechtigkeit und Menschenliebe dienen kann.

  • Analyse der Mitleidsethik unter Nicht-metaphysischen Prämissen
  • Kritische Auseinandersetzung mit den Einwänden von Ernst Tugendhat
  • Untersuchung der metaphysischen Fundierung durch die Einsicht in die Wesensidentität
  • Prüfung der Rolle des Selbstmitleids innerhalb des Systems
  • Vergleich der motivationsbasierten Ethik mit philosophischen Abwägungskriterien

Auszug aus dem Buch

3.3 Lässt sich das Mitleid aus der Einsicht in die Wesensidentität ableiten?

In seinem Buch „Mitleid und Einsicht“ stellt Reinhard Röhr die These auf, dass die Entstehung des Mitleids unabhängig von der metaphysischen Erkenntnis der Wesensidentität ist. Er kritisiert zunächst, dass Schopenhauer es nicht bei der Anerkennung des Mitleids als eine unerklärbare Grunderscheinung, die uns gewisse Verhaltsweisen erklärbar macht, bewenden lässt, sondern eben diese Erscheinung noch metaphysisch begründen will.

Für Röhr lässt sich aus der metaphysischen Einsicht in die Wesensidentität nicht folgern, warum man Mitleid aus dem Grunde empfinden sollte, dass man sich in allen Wesen selbst erkennt. Sieht man zum Beispiel das Leiden eines Familienmitgliedes und empfindet dann aus der unmittelbaren intuitiven Erkenntnis der Wesensidentität mit diesem Wesen Mitleid, dann müsste man von nun an nur noch mitleidig mit allen Menschen sein, da die Erkenntnis der Wesensidentität von Dauer ist. Dies ist aber offensichtlich nicht so, da man vielen Menschen trotz allem mit Abneigung begegnet. In der Tat verhalten sich die Menschen motivationsbedingt gegenüber dem einen mitleidig und dem anderen egoistisch.

Zu Schopenhauers Verteidigung kann man meiner Meinung nach folgendes sagen: Dazu müsste man das Mitleid als zwei verschiedene Akte klassifizieren. Zum einen gibt es das unerklärliche Gefühl des Mitleids, welches in Schopenhauers Nicht-metaphysischen Erklärung des Fundamentes einer Moral Thema ist. Dieses Mitleid tritt affektiv auf und ist bei jedem Individuum motivationsbedingt anders. Daraus folgt aber auch, dass es kein generalisiertes Mitleid gibt, da dies nicht affektiv ist.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Arbeit führt in die Mitleidsethik Schopenhauers ein und skizziert das Vorhaben, das Fundament der Moral sowohl unter nicht-metaphysischen als auch metaphysischen Aspekten kritisch zu beleuchten.

1. Ausgangspunkt, Kant-Kritik und Hinführung zum wahren Fundament einer Moral: Schopenhauer lehnt Kants kategorischen Imperativ ab und setzt das Mitleid als die einzige echte moralische Triebfeder, aus der sich Gerechtigkeit und Menschenliebe entwickeln.

2. Kritische Erörterung der §12-19: Hier werden die Thesen Schopenhauers durch Ernst Tugendhats Einwände – etwa zur Unzulänglichkeit des Mitleids in komplexen Situationen – hinterfragt und auf ihre praktische Anwendbarkeit geprüft.

3. Metaphysische Begründung des Fundamentes einer Moral und deren kritische Erörterung: Dieses Kapitel rekonstruiert die metaphysische Herleitung des Mitleids aus der Wesensidentität und prüft, ob die Erkenntnis der Einheit aller Dinge zwingend moralisches Handeln impliziert.

4. Die Rolle des Selbstmitleids: Es wird erörtert, dass Schopenhauers Bejahung des Selbstmitleids logisch problematisch ist, da sie den altruistischen Kern der Mitleidsethik konterkariert.

Schlussteil: Die Ergebnisse bestätigen die Relevanz von Schopenhauers Mitleidsethik, betonen aber zugleich die Problematik der vollständigen Ableitung moralischer Handlungen aus diesem Gefühl.

Schlüsselwörter

Schopenhauer, Mitleidsethik, Gerechtigkeit, Menschenliebe, Egoismus, Wesensidentität, Metaphysik, Kategorischer Imperativ, Ernst Tugendhat, Selbstmitleid, Weltwille, Motivation, Moralbegründung, Willensverneinung, Ethik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht kritisch die Mitleidsethik von Arthur Schopenhauer, wie er sie in seiner Preisschrift „Über die Grundlage der Moral“ dargelegt hat.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die Abgrenzung von Kants Pflichtethik, die Rolle des Mitleids als moralische Triebfeder sowie der metaphysische Aspekt der Wesensidentität.

Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?

Ziel ist es zu erörtern, ob das Mitleid als metaphysisch oder nicht-metaphysisch begründetes Fundament ausreicht, um ein konsistentes moralisches System zu begründen.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor führt eine textkritische Analyse der Schopenhauerschen Schriften durch und setzt diese in den Kontext zeitgenössischer philosophischer Einwände, insbesondere jener von Ernst Tugendhat.

Was wird im Hauptteil der Arbeit intensiv diskutiert?

Der Hauptteil behandelt die Ableitung der Kardinaltugenden aus dem Mitleid, die Kritik an dessen Anwendbarkeit in komplexen Situationen sowie die metaphysische Erklärung durch den Willen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie Mitleid, Wesensidentität, Egoismus, Willensmetaphysik und die moralischen Tugenden Gerechtigkeit und Menschenliebe bestimmt.

Warum hält der Autor Schopenhauers Konzept des Selbstmitleids für problematisch?

Der Autor argumentiert, dass Selbstmitleid den altruistischen Anspruch der Mitleidsethik untergräbt, da es auf einer egoistischen Motivation beruht, die der notwendigen Identifikation mit dem „Anderen“ widerspricht.

Kann das Mitleid laut dem Autor wirklich als allgemeingültiges Abwägungskriterium dienen?

Nein, der Autor schließt sich der Kritik an, dass das Mitleid in komplexen Handlungssituationen als Abwägungskriterium unzureichend ist und keine einheitlichen moralischen Normen liefern kann.

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Details

Title
Die Mitleidsethik Schopenhauers - Eine kritische Erörterung
College
University of Constance
Course
Proseminar + EPG1
Grade
2.5
Author
Ernst Rieger (Author)
Publication Year
2005
Pages
17
Catalog Number
V58911
ISBN (eBook)
9783638529792
ISBN (Book)
9783640865512
Language
German
Tags
Mitleidsethik Schopenhauers Proseminar EPG1
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ernst Rieger (Author), 2005, Die Mitleidsethik Schopenhauers - Eine kritische Erörterung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58911
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