Die vorliegende Seminararbeit ist im Rahmen des Hauptseminars „Mehrsprachigkeitsforschung“ entstanden und untersucht die gesellschaftliche Mehrsprachigkeit in der vielsprachigen Schweiz. Zu Beginn dieser Arbeit werden die geschichtlichen Hintergründe und die sprachlichen Entwicklungen des Landes kurz untersucht. Dabei bildet die schweizerische Sprachgeschichte ab dem 13. Jahrhundert den Schwerpunkt. Auf eine umfassendere Untersuchung wird verzichtet, da diese nicht wesentlich zum Verständnis des Themas beiträgt. In einem zweiten Schritt behandelt diese Seminararbeit die Darstellung der aktuellen Sprachlandschaft der Schweiz. Die aus diesem Schritt gewonnenen Ergebnisse liefern die Grundlage für die Erklärung des auf schweizerischen Kontext bezogenen Begriffes der Mehrsprachigkeit. Dabei wird untersucht, inwieweit die Schweiz hinsichtlich der vier offiziellen Landessprachen als tatsächlich mehrsprachig bezeichnet werden kann. Der Einfluss neuer Sprachen in der Schweiz wird dabei ebenfalls berücksichtigt.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die historische und zeitgenössische schweizerische Sprachenpolitik. Zunächst werden das Prinzip der „Sprachenfreiheit“ und das „Territorialitätsprinzip“ erläutert. Anschließend werden einige Beispiele der Förderung von Mehrsprachigkeit auf nationaler und europäischer Ebene aufgezeigt. Zuletzt wird der Versuch unternommen, das Problem der Nationalsprachenbildung und der Identitätsfrage zu erörtern, der sich aus pragmatischen Gründen auf das Schweizerdeutsch beschränkt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Sprachgeschichtlicher Hintergrund
2. Aktuelle Sprachlandschaft
3. Sprachenpolitik
3.1 Sprachenfreiheit
3.2 Territorialitätsprinzip
3.3 Förderung der Mehrsprachigkeit
4. Nationalsprache und Identität am Beispiel des Schweizerdeutschen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die gesellschaftliche Mehrsprachigkeit in der Schweiz, analysiert deren historische Entwicklung, die aktuelle Sprachlandschaft sowie die geltende Sprachenpolitik und hinterfragt kritisch die Existenz einer einheitlichen schweizerischen Nationalsprache in Bezug auf Identität.
- Historische Entwicklung der schweizerischen Mehrsprachigkeit
- Analyse der aktuellen Sprachensituation und territorialen Verteilung
- Rechtliche Grundlagen der Sprachenpolitik und das Territorialitätsprinzip
- Förderung von Minderheitensprachen und nationaler Sprachkompetenz
- Untersuchung von Nationalsprache, Identität und medialer Diglossie
Auszug aus dem Buch
4. Nationalsprache und Identität
Die folgenden Überlegungen sollen dazu beitragen, das Problem der Nationalsprachenbildung und der Identitätsfrage im Bezug auf die deutschsprachige Gemeinschaft in der Schweiz zu verdeutlichen. Es soll untersucht werden, ob und inwieweit eine schweizerdeutsche Nationalsprache existiert und welche Rolle diese bei der sprachlichen und nationalen Identifikation von Individuen und Gruppen spielt.
Zunächst stellt sich die Frage nach einem Bemessungskriterium, anhand dessen festgestellt werden kann, ob eine Nationalsprache existiert. Äußerst hilfreich dabei ist der von Ammon unternommene Versuch der Kodifizierung. Bei seinem Versuch, die schweizerdeutsche Sprache in ihrer Orthographie, Orthophonie, Ortholexik, Orthogrammatik und Orthopragmatik zu erfassen und zu beschreiben, wird eine generelle Unterscheidung zwischen Binnen und- Außenkodifizierung vorgenommen.
Laut Ammon ist der Binnenkodex ein Sprachkodex für das Schweizerhochdeutsch, der im Ausland erstellt wurde. „[...] ein Kodexteil (...) (,) (der) im eigenen (...) Zentrum entstanden ist, (...).“ (Ammon, 1995, 246) An dieser Stelle werden nur einige wenige Beispiele für einen Binnenkodex des Schweizerdeutsch genannt. So werden exemplarisch die schulbezogenen Werke Schweizer Schülerduden und Unser Wortschatz. Schweizer Wörterbuch der deutschen Sprache (Vgl. Ammon, 1995, 246) aufgelistet. Ammon stellt klar, dass die Werke zwar von Schweizer Sprachwissenschaftlern und Sprachdidaktikern erstellt wurden, aber dennoch als Außenkodex zu definieren sind, da sie auf dem deutschen Modell des Dudens basieren. „[...], aber beiden dienten Schüler Nachschlagewerke aus Deutschland als Vorlage.“ (Ammon, 1995, 247)
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung der Seminararbeit mit Fokus auf der Untersuchung der gesellschaftlichen Mehrsprachigkeit und der Struktur der Arbeit.
1. Sprachgeschichtlicher Hintergrund: Überblick über die sprachliche Entwicklung der Schweiz ab 1291 und die langsame Etablierung der sprachlichen Gleichberechtigung.
2. Aktuelle Sprachlandschaft: Analyse der heutigen territorialen Mehrsprachigkeit, der Sprachverteilung und der Auswirkungen von Migration und Globalisierung.
3. Sprachenpolitik: Untersuchung der rechtlichen Rahmenbedingungen, insbesondere der Prinzipien von Sprachenfreiheit und Territorialität sowie Fördermaßnahmen.
4. Nationalsprache und Identität am Beispiel des Schweizerdeutschen: Kritische Auseinandersetzung mit Kodifizierungsfragen, medialer Diglossie und dem Identitätsbezug zur Sprache.
Schlüsselwörter
Schweiz, Mehrsprachigkeit, Sprachenpolitik, Territorialitätsprinzip, Sprachenfreiheit, Schweizerdeutsch, Nationalsprache, Identität, Mediale Diglossie, Minderheitensprachen, Binnenkodex, Außenkodex, Code-Switching, Sprachlandschaft, Sprachkompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die gesellschaftliche Mehrsprachigkeit in der Schweiz, ihre historischen Wurzeln, die politische Ausgestaltung und die Identitätsfrage innerhalb der deutschsprachigen Bevölkerung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die Sprachgeschichte, die aktuelle Sprachverteilung, rechtliche Grundlagen (Sprachenpolitik) sowie das komplexe Verhältnis zwischen Dialekt, Schriftsprache und Identität.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein Verständnis für die gesellschaftliche Mehrsprachigkeit zu entwickeln und zu hinterfragen, ob eine einheitliche schweizerische Nationalsprache existiert.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und einer deskriptiven Untersuchung aktueller sprachpolitischer Konzepte sowie linguistischer Theorien zur Kodifizierung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden nacheinander der geschichtliche Hintergrund, die aktuelle Sprachlandschaft, die gesetzliche Verankerung der Sprachenpolitik sowie die Problematik von Nationalsprache und Identität dargelegt.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere die territoriale Mehrsprachigkeit, das Territorialitätsprinzip, mediale Diglossie und die Differenzierung zwischen Binnen- und Außenkodex.
Was besagt das „Territorialitätsprinzip“ in der Schweiz?
Es besagt, dass die Sprache der Mehrheit in einem bestimmten geographischen Gebiet im öffentlichen Bereich Anwendung finden muss, was die individuelle Sprachenfreiheit rechtlich einschränken kann.
Was versteht man unter „medialer Diglossie“ in diesem Kontext?
Dies beschreibt die funktionale Trennung zwischen dem Dialekt im mündlichen Bereich und der Standardvarietät im schriftlichen Bereich, die im Schweizer Kontext weit verbreitet ist.
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- Gina Mero (Author), 2005, Gesellschaftliche Mehrsprachigkeit am Beispiel der Schweiz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57804