Der demokratische Umbruch 1989/1990 bot Forschern eine seltene Gelegenheit, die Entwicklung von Parteiensystemen von Anfang an mitzuverfolgen. Hier stellte sich – neben der Feststellung oder Prognose einer bestimmten Entwicklung, die jedoch oft durch immer wieder überraschende Wendungen wieder hinfällig wurde – die Frage nach den
Bestimmungsfaktoren der sich neu entwickelnden Parteienlandschaften.
Für Westeuropa ist seit den späten sechziger Jahren das Spaltungsmodell von Seymour M. Lipset und Stein Rokkan, das die Entwicklung der unterschiedlichen Parteiensysteme auf nur vier grundlegende Konfliktlinien (Spaltungen) zurückführt, aus der Erklärung dieser Entwicklungen nicht mehr wegzudenken. Da die ehemals kommunistischen Länder Osteuropas vor allem seit dem Zweiten Weltkrieg völlig andere historische Erfahrungen gemacht haben, stellt sich die Frage, ob das Konzept der Spaltungen als Bestimmungsfaktoren für die Herausbildung von Parteiensystemen
auch für diese Länder Gültigkeit besitzt.
Die vorliegende Arbeit analysiert die bisherige Entwicklung des polnischen Parteiensystems vor dem Hintergrund des Spaltungsmodells von Lipset und Rokkan und zeigt auf, daß ein modifiziertes, enthistorisiertes Spaltungsmodell auch im Falle Polens und vieler weiterer Länder ein geeignetes Analyseinstrument ist, um die Entwicklung des Parteiensystem zu erklären.
Inhaltsverzeichnis
- I. Einleitung
- II. Hauptteil
- 1. Theoretischer Hintergrund
- 1.1. Das Spaltungsmodell von Seymour M. Lipset und Stein Rokkan
- 1.2. Wissenschaftliche Diskussion und Weiterentwicklung
- 2. Spaltungen und Parteiensystem in Polen
- 2.1. Das polnische Parteiensystem nach der Wende
- 2.1.1. Die Entstehung der Parteienlandschaft 1989-2006
- 2.1.2. Derzeit relevante politische Parteien in Polen
- 2.2. Spaltungen als konstitutives und strukturierendes Element des polnischen Parteiensystems
- 2.2.1. Die Bedeutung von Spaltungen aus vorkommunistischer Zeit
- 2.2.2. Die Literatur zu Spaltungen im postkommunistischen Polen
- 2.2.2.1. Relevante Streitthemen im nationalen politischen Diskurs
- 2.2.2.2. Spaltungen als strukturierender Faktor des Parteiensstems
- 2.2.2.2.1. „Flache“ Gesellschaft im Catchall-Zeitalter?
- 2.2.2.2.2. Identifikation vorhandener Spaltungen
- 2.2.2.3. Polens,politische Geographie“
- 2.2.3. Analyse des Beitrittsreferendums von 2003 und der Wahlen von 2005
- 2.3. Diskussion
- 2.1. Das polnische Parteiensystem nach der Wende
- III. Schluß
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Entwicklung des polnischen Parteiensystems nach der Wende von 1989. Sie analysiert das polnische Parteiensystem im Kontext des Spaltungsmodells von Lipset und Rokkan und untersucht, inwieweit das Konzept der Spaltungen auf die Herausbildung und Stabilisierung von Parteiensystemen in der Dritten Republik Polen übertragen werden kann.
- Die Bedeutung des Spaltungsmodells für die Analyse von Parteiensystemen im postkommunistischen Kontext
- Die Rolle von Spaltungen in der Entstehung und Struktur des polnischen Parteiensystems
- Die Relevanz von Spaltungen aus der vorkommunistischen Zeit für die aktuelle politische Landschaft Polens
- Die Identifikation und Analyse relevanter Spaltungen im polnischen politischen Diskurs
- Die Auswirkungen von Spaltungen auf die Wählerpräferenzen und die politische Geographie Polens
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung erläutert den Kontext der Arbeit, indem sie die Entwicklung von Parteiensystemen in Mittel- und Osteuropa nach dem Fall des Kommunismus beleuchtet. Sie stellt die Forschungsfrage nach der Anwendbarkeit des Spaltungsmodells von Lipset und Rokkan auf den polnischen Fall.
Der theoretische Hintergrund des Spaltungsmodells wird im ersten Kapitel dargestellt. Es werden die vier grundlegenden Konfliktlinien (Spaltungen) von Lipset und Rokkan erläutert, die auf die Nationalen und die Industrielle Revolution zurückzuführen sind.
Das zweite Kapitel befasst sich mit den Spaltungen und dem Parteiensystem in Polen. Zunächst wird eine Übersicht über die Entwicklung des polnischen Parteiensystems nach der Wende von 1989 gegeben. Anschließend wird die Relevanz von Spaltungen für das polnische Parteiensystem beleuchtet, wobei sowohl Spaltungen aus vorkommunistischer Zeit als auch aktuelle Konfliktlinien betrachtet werden.
Das dritte Kapitel analysiert die Ergebnisse des Beitrittsreferendums von 2003 und der Sejmwahlen von 2005, um die Stabilität der im zweiten Kapitel dargestellten Erkenntnisse zu überprüfen.
Schlüsselwörter
Das polnische Parteiensystem, Spaltungen, Lipset-Rokkan-Modell, postkommunistische Transformation, politische Geographie, Wählerpräferenzen, Beitrittsreferendum, Sejmwahlen.
Häufig gestellte Fragen
Was besagt das Lipset-Rokkan-Modell?
Es führt die Entwicklung von Parteiensystemen auf grundlegende gesellschaftliche Konfliktlinien (Cleavages) zurück, die durch historische Revolutionen entstanden sind.
Lässt sich das Spaltungsmodell auf Polen übertragen?
Ja, die Arbeit zeigt, dass ein modifiziertes Modell hilft, die Struktur und Dynamik des polnischen Parteiensystems nach der Wende von 1989 zu erklären.
Welche Rolle spielen historische Spaltungen in Polen?
Konfliktlinien aus der vorkommunistischen Zeit wirken bis heute nach und beeinflussen die politische Geographie sowie die Identität der Parteien.
Welche Wahlen wurden in der Analyse besonders berücksichtigt?
Die Arbeit analysiert insbesondere das EU-Beitrittsreferendum von 2003 sowie die Parlamentswahlen von 2005, um Wählerpräferenzen zu identifizieren.
Was kennzeichnet das polnische Parteiensystem nach 1989?
Es ist durch eine hohe Dynamik, die Entstehung zahlreicher neuer Akteure und die schrittweise Stabilisierung entlang soziokultureller und ökonomischer Konflikte geprägt.
- 1. Theoretischer Hintergrund
- Quote paper
- Thomas Winter (Author), 2006, Polnische Spaltungen - Cleavages im postkommunistischen Polen und ihre Auswirkungen auf das Parteiensystem, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57769