Im Zuge des gesellschaftlichen Umbruchs der sechziger Jahre wurde die Rolle der Frau neu diskutiert. Die Auswirkungen der geführten Debatte sind in der Forschung der Alten Geschichte deutlich spürbar. Obwohl es bereits in früheren Zeiten Abhandlungen über Frauen im klassischen Griechenland gegeben hat, gewinnt dieses Thema am Ende des 20. Jahrhunderts an Bedeutung. Zunehmend sind es Frauen, die sich, vielleicht aus einer weniger klischeebehafteten Sicht als Männer, dem Thema nähern. In den Achtziger Jahren ist es vor allen Sarah B. Pomeroy, die mit ihrem Buch „Frauenleben im klassischen Altertum“ eine wissenschaftlich fundierte Arbeit zu diesem Aspekt der griechischen Geschichte vorlegt. In den neunziger Jahren erscheint von Christine Schnurr-Redford eine sehr facettenreiche Abhandlung über die Frauen im klassischen Athen. In den letzten Jahren sind es vor allen Dingen Maria H. Dettenhofer und Lukas Thommen, die sich mit der Rolle der Frau kritisch auseinandersetzen.
Als Grundlage für die Erforschung der Lebensweise von Frauen in Sparta und Athen dienen im wesentlichen überlieferte Texte von drei antiken Autoren; Xenophon, Aristoteles und Plutarch. Es ergibt sich hier eine besondere Quellenproblematik auf die an anderer Stelle noch ausführlich eingegangen wird.
Unter Einbeziehung der antiken Autoren und der neueren Forschung wird in der vorliegenden Arbeit untersucht, worin die größere „Freiheit“ der spartanischen Frau im Vergleich zur der Frau in Athen bestand und wodurch sie begründet wurde. Um dies darzustellen, werde ich mein Augenmerk auf zwei Aspekte des Frauenlebens richten, zum einen auf die Erziehung der Frau in Sparta und in Athen und zum anderen auf die Stellung der Frau im Oikos in der jeweiligen Polis. Für das Verstehen der Zusammenhänge und die, daraus resultierende, unterschiedliche Erziehung der beiden Stadtstaaten, ist es unumgänglich die verschiedenen Gesellschaftssysteme zu skizzieren. Sie dienen als Basis für die folgenden Betrachtungen der weiblichen Lebensumstände. Es sei an dieser Stelle betont, dass das Interesse dieser Arbeit vor allem in der Betrachtung der Andersartigkeit Sparta liegt.
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Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Quellenlage
- Skizzierung der Gesellschaftssysteme von Sparta und Athen im 5./4. Jahrhundert
- Sparta
- Athen
- Erziehung und Bildung der Frauen
- Die Stellung der Frau im Oikos
- Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der Rolle der Frau im antiken Griechenland, insbesondere im Vergleich zwischen Sparta und Athen. Im Fokus stehen die Unterschiede in der „Freiheit“ der spartanischen Frau im Vergleich zur Frau in Athen. Die Arbeit untersucht diese Unterschiede im Kontext der Erziehung und der Stellung der Frau im Oikos, den beiden zentralen Aspekten des Frauenlebens.
- Vergleich der „Freiheit“ der Frau in Sparta und Athen
- Untersuchung der Erziehung der Frauen in Sparta und Athen
- Analyse der Stellung der Frau im Oikos in beiden Polis
- Skizzierung der gesellschaftlichen Strukturen in Sparta und Athen
- Bedeutung der antiken Quellen für die Rekonstruktion des Frauenlebens
Zusammenfassung der Kapitel
- Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung des Themas „Frauen im antiken Griechenland“ im Kontext der geschichtswissenschaftlichen Debatten und stellt die zentralen Quellen und Autoren vor.
- Das Kapitel „Quellenlage“ analysiert die Problematik der antiken Quellen, insbesondere die Sichtweise der Autoren Xenophon, Aristoteles und Plutarch, die den Fokus auf Sparta als Sonderfall legen.
- Das Kapitel „Skizzierung der Gesellschaftssysteme Spartas und Athens im 5./4. Jahrhundert“ bietet einen Abriss der politischen und gesellschaftlichen Strukturen beider Polis, um die unterschiedlichen Lebensumstände der Frauen zu erklären.
- Die Kapitel „Erziehung und Bildung der Frauen“ und „Die Stellung der Frau im Oikos“ untersuchen die jeweiligen Unterschiede im Kontext der Erziehung und der Rolle der Frauen in der Familie und im gesellschaftlichen Leben in Sparta und Athen.
Schlüsselwörter
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Schlüsselbegriffen wie „Frau“, „Sparta“, „Athen“, „Erziehung“, „Oikos“, „Gesellschaftssystem“, „Freiheit“ und „Quellenkritik“ im Kontext des antiken Griechenlands. Sie analysiert die Unterschiede in den Lebensumständen von Frauen in Sparta und Athen im 5./4. Jahrhundert v. Chr. und befasst sich mit der Frage, wie sich die unterschiedlichen gesellschaftlichen Strukturen auf die Rolle der Frauen auswirkten.
Häufig gestellte Fragen
Inwiefern unterschied sich die Freiheit der Frauen in Sparta von der in Athen?
Spartanische Frauen genossen im Vergleich zu Athenerinnen größere Freiheiten, insbesondere in Bezug auf Erziehung, physisches Training und ihre Rolle innerhalb der Gesellschaft.
Welche Rolle spielte die Erziehung für Frauen in Sparta?
In Sparta wurden Mädchen staatlich erzogen und nahmen an sportlichen Wettkämpfen teil, um kräftige Kinder für den Staat gebären zu können.
Was bedeutete der Begriff „Oikos“ für die Frauen in der Antike?
Der Oikos bezeichnet das Hauswesen. Während Frauen in Athen fast ausschließlich auf diesen privaten Bereich beschränkt waren, hatten spartanische Frauen dort mehr Autonomie.
Welche antiken Autoren sind die Hauptquellen für dieses Thema?
Die wichtigsten überlieferten Texte stammen von Xenophon, Aristoteles und Plutarch, wobei deren Sichtweise oft kritisch hinterfragt werden muss.
Warum ist die Quellenlage zum Leben antiker Frauen problematisch?
Die meisten Texte wurden von Männern verfasst, die Frauen oft klischeebehaftet darstellten oder Sparta als einen sonderbaren Extremfall beschrieben.
Wie beeinflusste das Gesellschaftssystem die Rolle der Frau?
Das militaristische System Spartas erforderte eine andere Einbindung der Frau als das demokratische, aber auf den privaten Haushalt fokussierte System Athens.
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- Jennifer Heider (Author), 2002, Frauen im antiken Griechenland in Sparta und Athen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57179