1990 wurden dementsprechende Verhandlungen zwar noch von den beiden letzten Regierungen der Deutschen Demokratischen Republik unter den Ministerpräsidenten Hans Modrow und Lothar de Maizière geführt, doch mit dem schnellen Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland am 3.Oktober 1990 wurden alle Bemühungen der Außenpolitiker der DDR untergraben, den historischen Anforderungen gegenüber dem Judenstaat und dem Jüdischen Volk gerecht zu werden.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. DDR und Israel - eine Nicht-Beziehung
III. Behandlung der sogenannten Wiedergutmachungsfrage
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit analysiert die wechselhafte und von diplomatischer Distanz geprägte Beziehung zwischen der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) und dem Staat Israel. Der Fokus liegt dabei auf der Untersuchung, wie außenpolitische Interessen, ideologische Verortungen im Kalten Krieg und das spezifische Selbstverständnis der DDR als antifaschistischer Staat die Haltung gegenüber Israel und die Ablehnung von Wiedergutmachungsforderungen über Jahrzehnte hinweg prägten.
- Die ideologische Distanzierung der DDR von Israel unter Einfluss sowjetischer Nahostpolitik.
- Die Rolle der Wiedergutmachungsfrage als zentraler Konfliktpunkt der bilateralen Nicht-Beziehung.
- Die Instrumentalisierung des Antizionismus als Mittel der DDR-Außenpolitik.
- Der Einfluss des Kalten Krieges und der deutschen Teilung auf die israelbezogene Außenpolitik.
- Der späte Wandel und die symbolische Anerkennung der NS-Verantwortung im Jahr 1990.
Auszug aus dem Buch
II. DDR und Israel - eine Nicht-Beziehung
29.11.1947 Die UdSSR stimmt in der Vollversammlung der Vereinten Nationen entgegen den Erwartungen für den UN-Teilungsplan, der einen palästinensischen und einen jüdischen Staat im Gebiet des britischen Mandatsgebiets Palästina vorsieht. Dies löste Erstaunen aus, da die UdSSR bisher eine recht antizionistische Linie verfolgte. Im Interesse der Sowjetunion lag es ein von Konflikten zerrissenes Gebiet südlich ihrer Grenzen zu schaffen, damit dort die Vorherrschaft einer anderen großen Macht unmöglich würde. Die Sowjets wollten den Einflussbereich Großbritanniens schmälern und hofften mit den führenden Männern Israels, die zu einem Großteil aus Russland stammten, eine Bindung Israels an den Ostblock zu erreichen und im Hinblick auf den beginnenden Kalten Krieg „auf ihre Seite zu ziehen“.
Aus der SBZ gab es schon im April 1948 ein erstes Gespräch, das „in der Ostberliner Wohnung des damaligen SED-Vorsitzenden und späteren DDR-Ministerpräsidenten Otto Grotewohl stattgefunden hat und an welchem der spätere israelische Konsul in München, Yachil, und der damalige Vertreter der Jewish Agency in West-Berlin, Livneh, teilgenommen haben. Bei dieser dreistündigen Aussprache hatte Grotewohl seinen Gästen seiner und der SED Solidarität mit den Juden und ihren Kampf um den Staat Israel versichert. Dabei hielt Grotewohl anstelle einer individuellen Erstattung die Zahlung einer Pauschalsumme an den Staat Israel für den besseren Weg. Er erklärte spontan, dass eine solche Geste als Symbol der Hilfsbereitschaft der deutschen Bevölkerung in der damaligen Sowjetischen Besatzungszone sofort erfolgen sollte.“
Bei diesem ersten offiziellen Kontakt zwischen einem prominenten Vertreter der SED und einem Repräsentanten des Jischuv versicherte Grotewohl, dass „die Sowjetunion und die Volksdemokratien einen jüdischen Staat anerkennen würden, selbst wenn er nicht entsprechend des UNO-Beschlusses, sondern kraft eigenen Rechts entstünde.“ Demzufolge ruft die Proklamation des Staates Israel am 14.Mai 1948 in der SBZ neutrale bis wohlwollende Reaktionen hervor.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung beschreibt das Ausbleiben diplomatischer Beziehungen zwischen der DDR und Israel sowie den gescheiterten Versuch einer Normalisierung kurz vor der deutschen Wiedervereinigung 1990.
II. DDR und Israel - eine Nicht-Beziehung: Das Kapitel zeichnet die historische Entwicklung der distanzierten Haltung der DDR gegenüber Israel nach, welche durch sowjetische Vorgaben, die pro-arabische Außenpolitik und die Instrumentalisierung des Antizionismus geprägt war.
III. Behandlung der sogenannten Wiedergutmachungsfrage: Dieser Abschnitt listet die chronologischen Kontakte und gescheiterten Verhandlungsversuche auf und erläutert die dogmatischen Begründungen der DDR für die Ablehnung jeglicher Entschädigungszahlungen.
Schlüsselwörter
DDR, Israel, Außenpolitik, SED, Wiedergutmachung, Kalter Krieg, Antizionismus, Nahostpolitik, Shoah, Antifaschismus, UdSSR, Holocaust, Diplomatie, Palästinenserkonflikt, deutsch-israelische Beziehungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Geschichte der offiziell nicht existierenden diplomatischen Beziehungen zwischen der DDR und dem Staat Israel und analysiert die politischen Gründe für diese Haltung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Haltung der SED zum Zionismus, die Weigerung der DDR zur Wiedergutmachung, die sowjetische Einflussnahme auf die Nahostpolitik und die Instrumentalisierung des Nahostkonflikts für die DDR-Außenpolitik.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, den historischen Abriss der Nicht-Beziehung darzustellen und aufzuzeigen, wie das Selbstbild der DDR als antifaschistischer Staat die moralische und materielle Anerkennung von Schuld am Holocaust über Jahrzehnte verhinderte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die sich auf die Auswertung politischer Dokumente, zeitgeschichtliche Literatur und den chronologischen Ablauf diplomatischer Kontakte stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die politische Entwicklung von der Gründung Israels bis zum Jahr 1990 sowie in eine detaillierte Zusammenstellung der abgelehnten Wiedergutmachungsforderungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie DDR, Israel, Antifaschismus, Wiedergutmachung, Nahostkonflikt und Kalter Krieg charakterisiert.
Wie begründete die DDR offiziell ihre Ablehnung von Wiedergutmachungszahlungen?
Die DDR argumentierte unter anderem, dass sie als antifaschistischer Staat keine Schuld am Holocaust trage, Israel nicht reparationsberechtigt sei und dass Wiedergutmachungsfragen erst in einem Friedensvertrag mit ganz Deutschland geklärt werden könnten.
Welchen Stellenwert hatte der Slansky-Prozess für das Verhältnis der DDR zu Israel?
Der Slansky-Prozess markierte einen Höhepunkt der anti-zionistischen Welle in Osteuropa, die auch in der DDR zu einer verstärkten Verfolgung jüdischer Mitbürger und einer systematischen Diskreditierung des Zionismus führte.
Was passierte bei den Verhandlungen 1990 kurz vor der Wiedervereinigung?
Im Frühjahr 1990 bekannte sich die erste frei gewählte Volkskammer der DDR erstmals zur Mitverantwortung für den Holocaust, jedoch reichte die verbleibende Zeit bis zur Vereinigung nicht mehr aus, um offizielle diplomatische Beziehungen zu Israel zu etablieren.
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- Dipl. Pol. Tobias Raschke (Author), 2001, DDR - ISRAEL: Eine Nicht-Beziehung - Historischer Abriss der Beziehungen Israels zur DDR , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57110