Mit dem Ende des Dritten Reiches 1945 begann für Europa eine Zeit der Veränderung, des Wiederaufbaus und der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Speziell für den Urheber und Verlierer des Zweiten Weltkrieges Deutschland war dies eine immense Aufgabe, die jedoch im Laufe der 40er und 50er Jahre scheinbar bravourös gemeistert wurde. Aus den Schuttbergen der Städte erwuchsen neue Gebäude, die wirtschaftliche Lage verbesserte sich rapide, es gelang die Stellung des Landes in der Welt wieder zu stabilisieren und es entstand ein breites kulturelles Spektrum.
Wie allerdings die kritische Auseinandersetzung mit dem Geschehenen und dessen Aufarbeitung aussah oder bis zu welchem Grad eine bewusste Wahrnehmung der gegenwärtigen Situation stattfand, ist aus heutiger Sicht schwer zu beurteilen. Diese Fragen können aber zumindest tendenziell beantwortet werden.
Den Ausgangspunkt bildet zunächst eine Betrachtung der politischen Lage nach der endgültigen Kapitulation mit den Hauptschlagworten Kalter Krieg und Ära Adenauer, um die Grundrichtung zu bestimmen, in die sich die Entwicklung vollziehen sollte. Darauf aufbauend gilt es die gesellschaftliche Situation der 50er Jahre näher zu beleuchten mit besonderer Berücksichtigung des Wirtschaftswunders, der Familienstruktur und der Einbindung der Politik in das Alltagsleben. Abschließend soll ein Blick auf das kulturelle Bild und die Freizeitgestaltung erfolgen. Das ist insofern von Interesse als sich speziell aus Bereichen wie Wohnen, Mode, Literatur oder Fernsehen, die den Menschen permanent umgeben, effiziente Rückschlüsse auf deren Einstellungen sowie Bedürfnisse ziehen lassen.
Inhaltsverzeichnis
1. Die politische Lage nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges
1.1. Das geteilte Deutschland und der Kalte Krieg
1.2. Die Ära Adenauer
1.3. Exkurs: Die Zustände in der DDR
2. Die gesellschaftliche Situation der 50er Jahre
2.1. Das Wirtschaftswunder
2.2. Die Familienstruktur und die Rolle der Frau
2.3. Die Politik im Alltagsleben
3. Das kulturelle Bild und die Freizeitgestaltung in den 50er Jahren
3.1. Das Automobil und der steigende Tourismus
3.2. Wohnen, Mode und Kunst
3.3. Die Literatur
3.4. Rundfunk, Film und Fernsehen
3.5. Die Jugendkultur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wiederaufbau in Deutschland während der 1950er Jahre. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit dieser Prozess als erfolgreich bewertet werden kann, insbesondere unter Berücksichtigung der kritischen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit sowie der gesellschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen in einer gespaltenen Nation.
- Politische Rahmenbedingungen und die Ära Adenauer
- Die gesellschaftliche Entwicklung und das "Wirtschaftswunder"
- Veränderungen in der Familienstruktur und die Rolle der Frau
- Kulturelle Identität, Konsumverhalten und Jugendprotest
Auszug aus dem Buch
3.5. Die Jugendkultur
„Der zweite Weltkrieg war vorbei, nichts Besonderes passierte. Wen interessierte schon Grippe und Geburtstag, was sollte man machen, wenn die Eltern sich streiten oder die Mutter einen beim Onanieren erwischt? Das ist Alltag, und der ist so alle Tage.“ 39 Frust hatte sich unter der Jugend ausgebreitet. In ihren Reihen bestand kein Bedürfnis nach einer zwanghaften Ordnung und einer Welt, die eine krampfhafte Idylle vorgaukelte.
Sie protestierten gegen ihr Elternhaus und suchten sich vor allem in der amerikanischen Lebensform ihr Ventil. Sie hörten Rock´n´Roll und orientierten sich an Vorbildern aus Film und Musik wie Marlon Brando oder Elvis Presley. Diesem neuen Typus des, nach dem gleichnamigen Film mit Horst Buchholz in der Hauptrolle benannten, Halbstarken eiferten sie nach. Mit Pomade im Haar, Lederjacke und Jeans zelebrierte die junge Generation einen Stil, der im völligen Gegensatz zu den Idealen ihrer Mütter und Väter stand. James Dean, „der erste Detektiv der neuen Jugendkultur“, verkörperte mit seinem Motto „Leb schnell, stirb jung und sei ein gut aussehender Leichnam“ besonders auffallenden dieses Ideal des Rebellen.40 So wollte man selbst sein. Das oberste Ziel lautete immer provozieren, egal ob man bei wilden Tänzen zu Hits von Bill Haley den Petticoat hochfliegen ließ oder in einem auffälligen Flitzer die Landstraßen entlangjagte.
Die Jugend erinnerte sich nicht mehr an die unmittelbaren Härten des Krieges, deshalb verstanden sie das Leben ihrer Eltern voll von Doppelmoral, Anpassung und materieller Orientierung nicht und standen ihm zornig gegenüber.41
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die politische Lage nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges: Beschreibt die katastrophalen Folgen des Krieges, die Teilung Deutschlands und die unterschiedliche politische Ausrichtung der Besatzungsmächte.
1.1. Das geteilte Deutschland und der Kalte Krieg: Analysiert den Zusammenbruch Deutschlands und die wachsende Kluft zwischen den Westmächten und der Sowjetunion.
1.2. Die Ära Adenauer: Beleuchtet die Rolle von Konrad Adenauer bei der Stabilisierung der Bundesrepublik und seinen außenpolitischen Kurs.
1.3. Exkurs: Die Zustände in der DDR: Untersucht die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse unter der SED-Regierung sowie die zunehmende Abgrenzung gegenüber dem Westen.
2. Die gesellschaftliche Situation der 50er Jahre: Behandelt die sozialen Veränderungen, die durch das Wirtschaftswunder und den damit verbundenen Lebensstil geprägt wurden.
2.1. Das Wirtschaftswunder: Erörtert die ökonomische Erholung und die Schattenseiten des schnellen Konsumwachstums.
2.2. Die Familienstruktur und die Rolle der Frau: Analysiert den Wandel der Geschlechterrollen und die Erwartungshaltung der patriarchalisch geprägten Familienstruktur.
2.3. Die Politik im Alltagsleben: Untersucht das politische Desinteresse der breiten Masse im Kontrast zu punktuellen Protestbewegungen wie dem "Kampf dem Atomtod".
3. Das kulturelle Bild und die Freizeitgestaltung in den 50er Jahren: Beschreibt die Entwicklung der Freizeitkultur unter dem Einfluss zunehmender Mobilität und Konsumorientierung.
3.1. Das Automobil und der steigende Tourismus: Zeigt auf, wie Motorisierung und Urlaubsreisen zum Symbol für Freiheit und Wohlstand wurden.
3.2. Wohnen, Mode und Kunst: Analysiert den Wunsch nach modernem, funktionalem Wohnen und die Hinwendung zur abstrakten Kunst als Abgrenzung zur Zeit des Nationalsozialismus.
3.3. Die Literatur: Beschreibt den Trend zur Realitätsflucht und das langsame Herantasten an die Aufarbeitung der Vergangenheit durch Schriftsteller.
3.4. Rundfunk, Film und Fernsehen: Analysiert den Aufstieg neuer Unterhaltungsmedien und deren Rolle bei der Verdrängung politischer Realitäten.
3.5. Die Jugendkultur: Beschreibt das Aufbegehren der jungen Generation gegen die Konventionen und den Doppelmoral der Elterngeneration.
Schlüsselwörter
Wiederaufbau, Fünfziger Jahre, Wirtschaftswunder, Adenauer, Kalter Krieg, Soziale Marktwirtschaft, Familienstruktur, Konsumgesellschaft, Jugendkultur, Vergangenheitsbewältigung, Westintegration, DDR, Massenmedien, Halbstarke, Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Seminararbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit dem Wiederaufbau in Deutschland in den 1950er Jahren und hinterfragt, ob dieser Prozess, angesichts der mangelnden Aufarbeitung der Vergangenheit, als wirklich erfolgreich bezeichnet werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der politischen Lage (inklusive des Kalten Krieges), der sozioökonomischen Entwicklung durch das Wirtschaftswunder, der Rolle der Frau, der kulturellen Identität sowie der Jugendkultur dieser Dekade.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, ob die 1950er Jahre als ein erfolgreicher Neubeginn gelten können, wenn man den hohen Grad an gesellschaftlicher Verdrängung und politischem Desinteresse in Betracht zieht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer systematischen Analyse historischer Quellen, Zeitzeugnissen, Meinungsumfragen sowie zeitgenössischer Literatur und Medienberichterstattung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die politische Lage, die gesellschaftliche Situation (Wirtschaft, Familie, Alltag) und das kulturelle Bild (Freizeit, Wohnen, Medien, Literatur, Jugend).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wiederaufbau, Wirtschaftswunder, Kalter Krieg, Adenauer-Ära, Vergangenheitsbewältigung und gesellschaftliche Konsumorientierung.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Jugend in den 1950er Jahren?
Die Autorin sieht in der Jugendkultur eine notwendige, wenngleich oft halbherzige Reaktion gegen die Doppelmoral und das materielle Denken der Elterngeneration.
Welchen Stellenwert nimmt die Rolle der Frau in dieser Analyse ein?
Die Analyse zeigt den Konflikt zwischen der gesetzlichen Gleichberechtigung und dem realen gesellschaftlichen Druck auf, die Frau wieder in die klassische Rolle als Hausfrau und Mutter zurückzudrängen.
Welche Bedeutung hat das Fernsehen für die 50er-Generation laut der Arbeit?
Das Fernsehen wird als ein entscheidendes Medium dargestellt, das zur Unterhaltung beitrug und den Bürgern half, sich von den politischen Spannungen und der eigenen Vergangenheit abzulenken.
- Arbeit zitieren
- Magistra Artium Daniela Herbst (Autor:in), 2004, Die Fünfziger Jahre - Der Wiederaufbau in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56505