Was macht menschliche Interaktion aus? Wodurch unterscheidet sich Kommunikation und Interaktion? Und: Lässt sich die Fülle der zur Verfügung stehenden technischen Hilfsmittel und Programme, wie wir sie unter Zuhilfenahme „neuer Medien“ und „Onlinekommunikation“ anwenden, aus dem Verständnis eines Interaktionsbegriffs wegdenken? Diesen und ähnlichen Fragen soll in der folgenden Arbeit Beachtung geschenkt werden und sie soll weiters einen Versuch darstellen, diese Fragen neu zu bewerten bzw. zu beantworten.
Das Hauptaugenmerk soll in dieser Arbeit, die eine Literaturarbeit darstellt, auf verschiedenen Vergleichsmöglichkeiten von Interaktion und Kommunikation einerseits in der realen face-to-face Kommunikation und andererseits in der virtuellen Onlinekommunikation liegen. Als übergeordneter Themenzugang ist also die Frage, wo Ähnlichkeiten und Vergleichbarkeiten, Überschneidungen und Anknüpfungspunkte bzw. Unterschiede zwischen den Interaktionsbegriffen und –situationen der Realität und dem virtuellen Raum liegen.
Vorrangig geht es darum, festzustellen, in wie weit sich Begriffe wie Interaktion, Kommunikation und Gespräch in Bezug auf einen Vergleich zwischen virtueller und realer Kommunikationssituation gleichen bzw. unterscheiden. Hier soll darüber hinaus speziell auf die besonderen Kommunikations-/ Interaktionsformen eingegangen werden, die durch die so genannten „neuen Medien“ entstanden sind und sich mittlerweile als eigenständige Form des interpersonellen Austausches (in welcher Form auch immer) etabliert haben. Darunter fällt insbesondere die Chat-Kommunikation, welcher in dieser Arbeit als exemplarische Hervorhebung in den Kapiteln 4.3 bis 5.3 besondere Beachtung zuteil wird.
Außerdem soll auf ein Blick auf zukünftige Kommunikations-/ Interaktionstechniken geworfen werden, die sich gerade erst im Wachsen befinden (z.B. Audiokommunikation via Internet und Skype, Videokommunikation, etc.).
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2 Themenzugang
2.1 Forschungsfragen
3 Überblick über Theorien, Modelle und Rahmenbedingungen der Interaktion
3.1 Definition von Interaktion – Die Interaktionsmodelle
3.1.1 Wir können nicht nicht kommunizieren – Paul Watzlawick & Interaktion
3.1.2 Encounter vs. Gathering – Erving Goffman & Interaktion
3.2 Exkurs zur Kommunikation
3.3 Exkurs zum Gespräch
4 Neue Medien und Technologien
4.1 Interaktive Medien – ein „hölzernes Eisen“
4.2 Online- bzw. computervermittelte Kommunikation
4.3 to chat - plaudern, schwatzen
4.3.1 Entwicklung und Grundformen der Chat-Kommunikation
5. Interaktion am Beispiel der Chat-Kommunikation
5.1 Theoretische Grundlagen der Chat-Kommunikation
5.2 Besonderheiten & Absonderlichkeiten der Chat-Kommunikation
5.2.1 Emoticons :-)
5.2.2 Abkürzungen, Akronyme und Asterisken
5.2.3 (N)etiquette
5.3 Übergeordnete Zusammenfassung sprachlicher Interaktion
6. Zusammenführung der Ergebnisse
6.1 Zur Beantwortung der Forschungsfragen
7. Abschließende Diskussion und Ausblick
9. Anhang
9.1 Beispiel für eine „alltägliche Situation“ nach Goffman
9.2 Chatiquette des Chat-Portals - oe3.orf.at
9.3 *Abkürzungen* - oe3.orf.at
9.4 Smilies (emoticons) – oe3.orf.at
9.5 Seifenfilmexperiment nach Frank 1996
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen traditionellen Interaktionsbegriffen und der modernen Onlinekommunikation, wobei die Chat-Technologie als exemplarisches Forschungsfeld dient. Das primäre Ziel ist es, Gemeinsamkeiten, Differenzen und Anknüpfungspunkte zwischen realer face-to-face-Interaktion und virtuellen Kommunikationssituationen herauszuarbeiten und zu bewerten.
- Vergleichende Analyse von Interaktions- und Kommunikationsmodellen.
- Untersuchung der technischen und sozialen Rahmenbedingungen der Onlinekommunikation.
- Detailbetrachtung der Chat-Kommunikation und ihrer spezifischen Merkmale (Netspeak, Emoticons).
- Diskussion über die Grenzen der Interaktion in digitalen Räumen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Definition von Interaktion – Die Interaktionsmodelle
Um einen ersten Überblick über das Problemfeld der Interaktion zu erlauben sei nun im Folgenden eine Auswahl an Modellen präsentiert, die jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben sollen und können, sondern vielmehr einen Eindruck vom Umfang dieses Themenbereichs liefern. Des weiteren – um einer Fehlinterpretation vorzubeugen – ist anzumerken, dass der Begriff „Interaktionsmodell“ (an Stelle von Interaktionstheorie) aus einem bestimmten Grund verwendet wird; nämlich deshalb, weil man am heutigen Stand der Wissenschaft noch keineswegs über „Interaktionstheorien“ sprechen kann, da lediglich die Zugänge zu diesem Themenkreis betreffend, von verschiedenen Theorien die Rede sein kann (vgl. Heinemann M./ Heinemann W. 2002, 29f). Neben einem Überblick sollen gleichzeitig einige Kernbegriffe eingeführt werden, die später auf ihre Anwendbarkeit in der Onlinekommunikation hin überprüft bzw. angewandt werden sollen.
„In seiner formalen Bedeutung weist der Terminus Interaktion auf Prozesse der Wechselbeziehung bzw. Wechselwirkung zwischen zwei oder mehreren Größen hin.“ (Burkart 20024, 30)
Ein grundlegendes Modell und frühe wissenschaftliche Auseinandersetzung mit verbaler Interaktion stammt von Claude E. Shannon in Zusammenarbeit mit Warren Weaver. Es ging dabei jedoch vorrangig um das Problem der technisch einwandfreien (im Sinne von verlustfreien) Übertragung von Kommunikationssymbolen. Dies beinhaltet zwei Eckpunkte: Einerseits ein semantisches Problem (Wie gut die verwendeten Symbole die gewünschte Information übertragen können), andererseits ein Effektivitätsproblem (Wie erfolgreich beeinflusst die, vom Empfänger erhaltene Bedeutung dessen Verhalten). (vgl.Heinemann M./ Heinemann W. 2002, 30).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Das Kapitel führt in die Fragestellung ein, wie sich menschliche Interaktion von Kommunikation unterscheidet und inwieweit moderne Online-Technologien das Verständnis von Interaktion beeinflussen.
2 Themenzugang: Hier werden theoretische Ansätze zur direkten Kommunikation erläutert und die spezifischen Forschungsfragen hinsichtlich der Übertragbarkeit auf neue Medien formuliert.
3 Überblick über Theorien, Modelle und Rahmenbedingungen der Interaktion: Dieser Abschnitt bietet einen fundierten theoretischen Rahmen durch die Darstellung klassischer Interaktionsmodelle von Denkern wie Watzlawick und Goffman.
4 Neue Medien und Technologien: Es wird die technische Basis der Onlinekommunikation beleuchtet, wobei besonderes Augenmerk auf die Entwicklung der Chat-Kommunikation gelegt wird.
5. Interaktion am Beispiel der Chat-Kommunikation: Dieses zentrale Kapitel untersucht die theoretischen Grundlagen und praktischen Eigenheiten der Chat-Kommunikation, wie Emoticons, Abkürzungen und die Netiquette.
6. Zusammenführung der Ergebnisse: Die gesammelten theoretischen Erkenntnisse werden hier synthetisiert, um die Forschungsfragen zur Vergleichbarkeit von realer und virtueller Interaktion zu beantworten.
7. Abschließende Diskussion und Ausblick: Der Verfasser reflektiert den Forschungsprozess und diskutiert das Potenzial für zukünftige empirische Untersuchungen.
Schlüsselwörter
Interaktion, Kommunikation, Onlinekommunikation, Chat-Technologie, Computermedierte Kommunikation, Face-to-face, Interaktionsmodelle, Emoticons, Netspeak, Netiquette, Soziale Situation, Digitaler Raum, Gesprächsanalyse, Virtuelle Gemeinschaften, Kommunikationswissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen Reflexion von Interaktion in der Onlinekommunikation, wobei die Chat-Technologie als primäres Beispiel dient.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die wissenschaftlichen Modelle der Interaktion (z.B. Watzlawick, Goffman), die technische Basis moderner Medien und die spezifischen Kommunikationsformen im Chat.
Was ist das Ziel der Forschung?
Ziel ist es, zu analysieren, wo Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen traditioneller Kommunikation und der virtuellen Interaktion liegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturarbeit, die verschiedene soziologische und kommunikationswissenschaftliche Theorien zusammenführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Interaktionsmodellen, der Einordnung der Chat-Kommunikation und der Analyse von "Netspeak"-Elementen wie Emoticons und Abkürzungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Interaktion, Kommunikation, Chat, Netiquette und Online-Medien definiert.
Wie unterscheidet sich reale von virtueller Interaktion laut dem Autor?
Der Autor argumentiert unter anderem mit dem Frank-Experiment, dass reale Interaktion sensomotorisch kohärent ist, während virtuelle Interaktion als diskrepant wahrgenommen wird.
Warum ist Chatten für den Autor keine "wahre" Interaktion?
Der Autor stuft die Chat-Kommunikation als ein eigenständiges, aber weniger komplexes System ein, das die Unmittelbarkeit und die volle Bandbreite nonverbaler Signale eines face-to-face-Gesprächs nicht ersetzen kann.
- Arbeit zitieren
- Bakkalaureus d. Kommunikationswiss. Friedrich Schneeberger (Autor:in), 2005, Interaktion in der Onlinekommunikation am Beispiel der Chat-Technologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56465